Autor Thema: "Einlochgucker"  (Gelesen 19016 mal)

Mila

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Re: "Einlochgucker"
« Antwort #15 am: März 29, 2012, 03:57:07 Vormittag »
Liebe Sprachliebhaber,

Hauteboie > Oboe

Als Musikerin kann ich das so nicht stehen lassen: Oboe kommt von hautbois und bedeutet soviel wie "hohes" oder "lautes Holz": le hautbois est un instrument de musique à vent de la famille des bois... (http://fr.wikipedia.org/wiki/Hautbois)

Zur Sprachanpassung: Interessant finde ich das Lexicon recentis Latinitatis: http://de.wikipedia.org/wiki/Lexicon_recentis_Latinitatis. Und dann gibt es noch die Placenta compressa... guten Appetit und Grüße in Richtung Hannover zum MAK ;)

Und hier ist noch ein Artikel, der in einer Bonnner Tageszeitung erschien zum Thema "Kiezdeutsch" (kreativer Dialekt sprachbegabter Menschen???): http://www.general-anzeiger-bonn.de/news/panorama/lifestyle/Musstu-lesen-Ein-Buch-voller-Kiezdeutsch-article622909.html

Demnach muss ich jetzt schreiben:

Ischwöre, isch bin gleich Bett.

Viele Grüße
Mila

Nachtrag zum Thema "Muttersprache": Nicht nur, dass es Wikipedia "auf ripuarisch" gibt http://ksh.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Houpsigk, nein nein, wir können auch wahlweise op Bönnsch oder Kölsch "Internet-Banking" betreiben: https://bankingportal.sparkasse-koelnbonn.de/portal/portal/Starten
« Letzte Änderung: März 29, 2012, 04:22:54 Vormittag von Mila »

Klaus Wagner

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Re: "Einlochgucker"
« Antwort #16 am: März 29, 2012, 07:39:12 Vormittag »
Guten Morgen an alle!

der Einlochgucker ist das notwendige Werkzeug des Krautbeschreibers und ganz allgemein nüzlich zur Erforschung der Zeugemutter, auch dem Entgliederer ist es trefflich dienlich. Es arbeitet allerdings noch nicht mit Blitzfeuererregung, sondern wird vorzugsweise am Tageleuchter eingesetzt.

Vielleicht sollte ich mal einen Beitrag in Wikipedia zum Thema "Industriesprech" verfassen. Denn wir ersticken gerade in "Kick-Off-Meetings" und Start-Up-Workshops" immer natürlich mit Agenda. Ergebnisse werden nicht so einfach dargestellt sondern "gemonitort".

Nein, ich arbeite nicht in der Anstalt :-))

Viele Grüße
Klaus

Peter V.

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Re: "Einlochgucker"
« Antwort #17 am: März 29, 2012, 08:20:47 Vormittag »
Guten Morgen an alle!

der Einlochgucker ist das notwendige Werkzeug des Krautbeschreibers und ganz allgemein nüzlich zur Erforschung der Zeugemutter, auch dem Entgliederer ist es trefflich dienlich. Es arbeitet allerdings noch nicht mit Blitzfeuererregung, sondern wird vorzugsweise am Tageleuchter eingesetzt.

Vielleicht sollte ich mal einen Beitrag in Wikipedia zum Thema "Industriesprech" verfassen. Denn wir ersticken gerade in "Kick-Off-Meetings" und Start-Up-Workshops" immer natürlich mit Agenda. Ergebnisse werden nicht so einfach dargestellt sondern "gemonitort".

Nein, ich arbeite nicht in der Anstalt :-))

Viele Grüße
Klaus

Hallo,

ich habe mal eine Weile die smarten anzugtragenden gutaussehenden Jungdynamiker von McKinsey erleben dürfen, bei denen es erst "Piloten" gab, die gestartet (oder gelauchnt?) wurden, um danach in den "Roll-Out" zu gehen....
Danke, mein Bedarf an höchstbezahlten allwissenden Nebelkerzenwerfern und Worthülsenakrobaten ist mehr als gestillt.

Hezrliche Grüße
Peter
« Letzte Änderung: März 29, 2012, 08:25:30 Vormittag von Peter V. »
Bzgl. Netiquette: Heinrich Lübke, Bundespräsident 1959 - 1969: You can say you to me!
"Die Natur kennt keinen rechten Winkel" (Herbert Knebel)

Klaus Wagner

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Re: "Einlochgucker"
« Antwort #18 am: März 29, 2012, 09:17:57 Vormittag »
Hallo Peter

ich habe mal eine Weile die smarten anzugtragenden gutaussehenden Jungdynamiker von McKinsey ...

Ach was ist das rückständig. McKinsey&Co brauchen wir nicht mehr. Als Global Player macht man das doch selber. Beispiel:

Die Spupply-Chain-Prozesse leaner gestalten, so dass keine nutzlosen overheads mehr mitfinanziert werden müssen...

Ach wie ist das Leben schön  ::) wenn man danach ein bisschen Bach hören oder Martin Walser lesen darf.

Viele Grüße
Klaus


ruhop

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  • Hallo.
Re: "Einlochgucker"
« Antwort #19 am: März 29, 2012, 09:56:11 Vormittag »
Hallo, Mila.

Ich bezog mich auf Fontanes "Wanderungen durch die Mark Brandenburg". Hier ist des öfteren im Zusammenhang mit Militärmusik von Hautboien die Rede. Gemeint sind die diversen Holzblasinstrumente.

Gruß aus dem Taunus

Holger

Eckhard F. H. Nowack

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Re: "Einlochgucker"
« Antwort #20 am: März 29, 2012, 09:57:56 Vormittag »
Zitat
Ach wie ist das Leben schön, wenn man danach ein bisschen Bach hören oder Martin Walser lesen darf.

... nachdem man fiskalischen Fußangeln, medialen Stinkbomben und Nebelkerzen sowie spontanen körperlichen Unbilden trefflich auszuweichen imstande war.

Gruß - EFH

Herne

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Re: "Einlochgucker"
« Antwort #21 am: März 29, 2012, 10:21:49 Vormittag »
...ach, unn dette allens nua wejen det Mikroskob!

 ;D
Herbert
Die animalcula infusoria sind Blasen mit Neigungen.
G. Chr. Lichtenberg

treinisch

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Re: OT: "Einlochgucker"
« Antwort #22 am: März 29, 2012, 10:29:16 Vormittag »

Wie geschrieben: Es ist unstrittig, dass ins Deutsche zahllose Einflüsse eingegangen sind, die unsere Sprache bereichert haben. Das zu leugnen wäre historisch falsch und politisch dumm. Was ich beklage ist die sinnentleerte Übernahme von Begriffen, die es auf deutsch längst gibt, die sinnentstellend eingeführt wurden, oder die sich - dank der Vielseitigkeit unserer Sprache - leicht ohne grammatische und Ausspracheprobleme hätten bilden lassen (Beispiel "stacken"). Freunde: "stacken" ist kurz, und mag es - wie die "E-Mail" - in die Standardsprache schaffen, aber das ist ein Zeichen unserer (!) mangelnden Fähigkeit, unsere eigene Sprache zu nutzen!

Hallo Thomas

dann bitte mal Butter an die Fische: Welches deutsche Wort für stacken schlägst Du denn vor? (Komm jetzt bloß nicht mit stapeln) und wie heisst das katalanische und das baskische Wort für stacken?

Ich bin ehrlich gespannt!

Viele Grüße

 Timm
Gerne per Du!

Meine Vorstellung.

Gunther Chmela

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Re: OT: "Einlochgucker"
« Antwort #23 am: März 29, 2012, 11:03:55 Vormittag »
(Komm jetzt bloß nicht mit stapeln)

Also, das würde mich jetzt aber schon interessieren, warum Thomas damit nicht kommen soll. Es handelt sich hier ganz offensichtlich um einen jener Fälle, die Thomas vor allem gemeint hat: Es existiert ein herkömmliches deutsches Wort mit genau der gleichen Bedeutung wie das englische, und trotzdem...

Richtig schlimm wird es allerdings dann, wenn man meint, man müsse mit dem englischen Wort auch gleich noch die englische Grammatik importieren (zumindest teilweise): "gestacked". Auch das konnte man hier bereits lesen! Das ist etwa so, als würde z.B. in der Zeitung stehen: Die Polizei hat das Fahrzeug gestopped.

G.Ch.

Eckhard F. H. Nowack

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Re: "Einlochgucker"
« Antwort #24 am: März 29, 2012, 11:06:42 Vormittag »
Zitat
Komm jetzt bloß nicht mit stapeln

Hallo Timm,
was spricht dagegen? Vielen Wörtern gibt erst der Kontext den jeweiligen Sinn. Wenn also ´stapeln´ im Zusammenhang Bildverarbeitung fällt, weiß doch jeder was gemeint ist.
Gruß - EFH

TPL

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Re: OT: "Einlochgucker"
« Antwort #25 am: März 29, 2012, 11:07:20 Vormittag »
dann bitte mal Butter an die Fische: Welches deutsche Wort für stacken schlägst Du denn vor? (Komm jetzt bloß nicht mit stapeln) und wie heisst das katalanische und das baskische Wort für stacken?

Kaixo Timm,
warum sollte ich?
Die Chance, damit etwas zu erreichen, ist Null, denn

a) ist der Zeitpunkt zu spät (gut erkennbar daran, dass Dir das naheliegendste Wort schon unzumutbar erscheint) und
b) geht es anscheinend gar nicht darum, einen anderen Begriff zu finden (dazu würden die katalanischen und das baskischen Begriffe, die ich beide nicht kenne, nichts beitragen).

Mir geht es um eine Situation, die ich an einem Beispiel erklären möchte: schon mehrfach habe ich gehört, "E-Mail" ließe sich nicht übersetzen, oder wenn doch, dann nur ach-so-kompliziert als "elektronische Post". Nach dieser Logik hieße "E-Mail" für Englisch-Muttersprachler "electronic mail" ::). Warum verweigern wir uns die Möglichkeit, neue Begriffe mit unserer eigenen Sprache zu schöpfen, so wie es in Frankreich gang und gäbe ist. Dort heißt  "E-Mail" "courriel"; aus "courrier électronique" (katalanisch: correu-e; baskisch: e-posta :P).

Geru arte,
Thomas
« Letzte Änderung: März 29, 2012, 12:08:34 Nachmittag von TPL »

Klaus Herrmann

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Re: "Einlochgucker"
« Antwort #26 am: März 29, 2012, 11:13:27 Vormittag »
Hallo zusammen,

ich denke, dass es in der Entwicklung einer Sprache genauso ist, wie bei der Entwicklung des Wegenetzes in einem großen viel frequentierten Park:

 Ein erlauchtes Gremium an Landschaftsgärtnern hat den Park angelegt mit schön geführten Wegen, die auch fleißg genutzt werden und dann bilden sich peu à peu zusätzlich neue pragmatischen Abkürzungstrampelpfade aus, die anfänglich von der Parkverwaltung mit Verbotsschildern versehen werden. Über die Jahre verrotten die Schilder und die Trampelpfade werden zum Schluss vom Gremium geadelt durch ein neues Pflaster.  :D

So etwa hat man sich die Dudenkommission vorzustellen!
Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


Vorstellung: hier klicken

Klaus Wagner

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Re: OT: "Einlochgucker"
« Antwort #27 am: März 29, 2012, 11:14:28 Vormittag »
(Komm jetzt bloß nicht mit stapeln)

Also, das würde mich jetzt aber schon interessieren, warum Thomas damit nicht kommen soll. Es handelt sich hier ganz offensichtlich um einen jener Fälle, die Thomas vor allem gemeint hat: Es existiert ein herkömmliches deutsches Wort mit genau der gleichen Bedeutung wie das englische, und trotzdem...


Ich erzeuge einen Stapel von Bildern, den ich später durch ein Programm weiterverarbeite. Den Vorgang nennt man "Stacken". So erkläre ich das immer, wenn ich mal gefragt werde. Aus meiner Sicht ist das dann auch für einen Laien verständlich. Warum also nicht "stapeln", solange man nicht zu hoch stapelt. So einfach wie möglich, aber nicht primitiv!

Viele Grüße
Klaus

TPL

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Re: "Einlochgucker"
« Antwort #28 am: März 29, 2012, 11:43:33 Vormittag »
Ein erlauchtes Gremium an Landschaftsgärtnern hat den Park angelegt mit schön geführten Wegen, die auch fleißg genutzt werden und dann bilden sich peu à peu zusätzlich neue pragmatischen Abkürzungstrampelpfade aus, die anfänglich von der Parkverwaltung mit Verbotsschildern versehen werden. Über die Jahre verrotten die Schilder und die Trampelpfade werden zum Schluss vom Gremium geadelt durch ein neues Pflaster.

Ein wunderschönes Beispiel. Danke, Klaus!

Was seit ein paar Jahren in Deutschland geschieht, sieht mir allerdings eher so aus:

Ziel des Parkes ist für Viele inzwischen seine geradlinige Durchquerung. Zu diesem Zweck werden breite Schneisen durch die bestehende Vegetation und durch das vorhandene und den Parbenutzern vertraute Wegesystem geschlagen. Im Sinne der Kürze und des guten Eindrucks müssen dem auch lästige Einrichtungen wie alte Bäume, Bänke, Brunnen und Pavillons weichen, die den bisherigen Parknutzern Wegmarken, Erholung und Ruhe boten. Wer die noch vorhandenen alten Wege benutzt, wird belächelt. Wer darauf hinweist, dass sie ihren Zweck ebenso erfüllten und der Park ohne die Schneisen schöner war, wird von den Schneisengängern verspottet. Währenddessen berät das erlauchte Gremium der Landschaftsgärtner weiter, aber keinen interessiert's, denn die Schneisen sind so breit, dass vom Park immer weniger übrig bleibt.

Viele Grüße,
Thomas
« Letzte Änderung: März 29, 2012, 12:04:57 Nachmittag von TPL »

Eckhard F. H. Nowack

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Re: "Einlochgucker"
« Antwort #29 am: März 29, 2012, 11:44:53 Vormittag »
Zitat
ich denke, dass es in der Entwicklung einer Sprache genauso ist, wie bei der Entwicklung des Wegenetzes in einem großen viel frequentierten Park:

Guter Vergleich. Wenn allerdings Parkwege bereits die kürzesten Verbindung zwischen Ausgangs- und Zielpunkt darstellen, wird kein neuer Weg getrampelt. Im modernen Sprachgebrauch schon: Freiluft- >>> Openair-.
Gruß - EFH