Autor Thema: "Einlochgucker"  (Gelesen 18988 mal)

Klaus Wagner

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Re: "Einlochgucker"
« Antwort #30 am: März 29, 2012, 13:32:44 Nachmittag »
Zitat
ich denke, dass es in der Entwicklung einer Sprache genauso ist, wie bei der Entwicklung des Wegenetzes in einem großen viel frequentierten Park:

Guter Vergleich. Wenn allerdings Parkwege bereits die kürzesten Verbindung zwischen Ausgangs- und Zielpunkt darstellen, wird kein neuer Weg getrampelt. Im modernen Sprachgebrauch schon: Freiluft- >>> Openair-.
Gruß - EFH

Hallo Klaus,

der Vergleich ist perfekt. Und nur ein Blöder rennt noch 3mal im Kreis, um von A nach B zu kommen.

Sprachlich geschieht das immer dann, wenn der Sprecher keine klare Vorstellung hat und das verschleiern will. Dann wird alles umständlich umschrieben, und eine Nebelgranate geworfen, in der Hoffnung, dass es keiner durchschaut.
Beispiel: „Entsprechende Erkenntnisse wurden in den Prozeß neu hinzugefügt und das ermittelte Ergebnis wurde verifiziert.“
Richtig wäre ja: "Maßnahme A und B wurden in den Bearbeitungsschritt C eingeführt. Die so hergestellten Teile waren fehlerfrei."

Aber das setzt ja voraus, dass man sich wirklich mit dem Problem auseinandergesetzt hat.

Deshalb gefällt mir z.B. Bach so gut: Als Ergebnis klingt alles so schön einfach. Wenn man das aber nachspielen will, erkennt man, wie komplex so ein einfaches "Stückchen" tatsächlich ist. Und auch die Sprache von Walser ist einfach, nüchtern und trifft immer exakt ins Schwarze. Da erkennt man die wirklichen Könner.

Viele Grüße
Klaus
« Letzte Änderung: März 29, 2012, 14:48:39 Nachmittag von Klaus Wagner »

ruhop

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Re: "Einlochgucker"
« Antwort #31 am: März 29, 2012, 16:04:46 Nachmittag »
Hi
Ich bin jetzt wieder on stage. Hatte vor 2 Stunden mein outdoor-outfit angelegt, den Plankton-kit in den Minivan gestufft und bin zur Waterlocation, um für morgen zum Micro-Meeting ein paar Plankton-Samples zu holen. War ganz easy.

Weil meine Frau noch mit unserem SUV in der City zum Shoppen ist, werde ich ein bißchen chillen. Nachher geht es dann mit dem Bike in meinen Lieblingspub. Da ist dann Happyhour mit Flatrate: All you can eat and all you can drink. Stell you so what once before!

CUL

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Peter V.

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Re: "Einlochgucker"
« Antwort #32 am: März 29, 2012, 17:14:49 Nachmittag »
Hi
Ich bin jetzt wieder on stage. Hatte vor 2 Stunden mein outdoor-outfit angelegt, den Plankton-kit in den Minivan gestufft und bin zur Waterlocation, um für morgen zum Micro-Meeting ein paar Plankton-Samples zu holen. War ganz easy.

Weil meine Frau noch mit unserem SUV in der City zum Shoppen ist, werde ich ein bißchen chillen. Nachher geht es dann mit dem Bike in meinen Lieblingspub. Da ist dann Happyhour mit Flatrate: All you can eat and all you can drink. Stell you so what once before!

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 ;D  ;D  ;D

Herzliche Grüße
Peter
Bzgl. Netiquette: Heinrich Lübke, Bundespräsident 1959 - 1969: You can say you to me!
"Die Natur kennt keinen rechten Winkel" (Herbert Knebel)

Dünnschliffbohrer

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Re: "Einlochgucker"
« Antwort #33 am: März 29, 2012, 18:44:04 Nachmittag »
Zitat
Hi
Ich bin jetzt wieder on stage. Hatte vor 2 Stunden mein outdoor-outfit angelegt, den Plankton-kit in den Minivan gestufft und bin zur Waterlocation, um für morgen zum Micro-Meeting ein paar Plankton-Samples zu holen. War ganz easy.

Weil meine Frau noch mit unserem SUV in der City zum Shoppen ist, werde ich ein bißchen chillen. Nachher geht es dann mit dem Bike in meinen Lieblingspub. Da ist dann Happyhour mit Flatrate: All you can eat and all you can drink. Stell you so what once before!

CUL

Holger from The Taunus Mountains

Gut gelungene Parodie des Kauderwelschenglisch, Danke Holger!
Die tieferen Ursachen für für diesen kulturellen Fortschritt kann man bei diesem Autor nachlesen, aber Vorsicht, das Nazometer könnte so heftig ausschlagen, dass es zu schweren Hiebverletzungen kommt:
http://www.zeno.org/Literatur/M/Klopstock,+Friedrich+Gottlieb/Gedichte/Oden.+Zweiter+Band/%C3%9Cbersch%C3%A4tzung+der+Ausl%C3%A4nder
Die Deutschen waren wohl schon vor 200 Jahren ein Volk von Kriechern. - Dsb.
"Wenn Gott mit einer Peitsche in der Hand spazieren ginge, würde er ganz besonders dieses ernste, mit Mikroskop bewaffnete Volk von Beobachtern auspeitschen, er würde diesem und den Naturwissenschaftlern durch Hiebe jede Hypokrisie austreiben. ..." Sören Kierkegaard, dänischer Philosoph

treinisch

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Re: "Einlochgucker"
« Antwort #34 am: März 29, 2012, 18:50:26 Nachmittag »
Hallo,

beim Stapel waren meine Finger wohl schneller, als mein Gehirn. Stapeln ist eine ästhetisch ansprechende
und bedeutungsmäßig einwandfreie Vokabel für stacken.

Insgesamt finde ich es schwierig den Überblick über die verschiedenen Linien in diesem Thread zu behalten.

Da bist Du, Thomas, und schreibst der Gebrauch bestimmter Anglizismen sein nicht „verdienstreich”. Das finde ich eine
spannende Perspektive, vor allem, weil natürlich klar ist, dass die Bedeutung des Wortes „Verdienst” natürlich stark von der jeweiligen Subkultur abhängt, interessanterweise ebenso wie das Vokabular. Ich zum Beispiel würde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinerlei Verdienst im eindeutschen vielerlei Termini sehen.

Dann ist da Klaus mit seinem Wegebeispiel. Ich denke dieses trifft ziemlich gut. Vielleicht mit der kleinen Abweichung, dass es hinsichtlich der Sprache nach dem Schulabschluss keinen Parkwächter mehr gibt.

Dann ist da Eckhard, mit einem sehr interessanten Beispiel: Open Air bzw. Freiluft. Das ist genau der Punkt, der mich bewegt. Verschiedene Kulturräume prägen ihr eigenes Vokabular. Manchen Kulturräumen wird das geflissentlich zugestanden, das sind im wesentlichen die alten Wissenschaften. Den neuen Wissenschaften wird das recht schon nur noch sehr eingeschränkt eingeräumt. Ebenso wird es alten Kulturräumen wie den Dialekten ohne weiteres eingeräumt ein eigenes Vokabular zu pflegen, während es neueren Kulturräumen eben überhaupt nicht eingeräumt wird. Dabei ist der Mechanismus immer der selbe. Sprache ist Ausdruck einer Geisteshaltung, in den Wörtern schweben Nebenbedeutungen, Sinnnetzwerke, Botschaften aller Art mit.

Selbstverständlich ist ein Festival keine Feier und natürlich ist Open Air nicht Freiluft, ebenso wie Kids nicht identisch mit Kindern sind. Diese lexikonartigen Übersetzungen stimmen nur, wenn man weit genug vom jeweiligen Kulturraum entfernt ist um den Unterschied zu sehen. Sekt? Ist doch Selters, oder? Beides trinkbares Wasser mit Blubb.

Aus meiner Sich bemerkenswert ist, dass über den Anglizismus „Sinn machen” praktisch niemand meckert, er tönt halt deutsch, das reicht.

Das grammatikalisch eindeutig falsche gemischt deutsch / englische Beugen von stacken zu gestacked wird moniert, andere sehr viel häufigere Defekte, wie zum Beispiel die hier im Forum recht stark grassierende ss/ß - Schwäche hingegen scheinen in Ordnung zu sein.

Ein Tonnentierchen darf man Coleps nennen, rückenseitig selbstverständlich dorsal. Aber E-Mail ist ein Problem! Dabei ist das Wort mittlerweile ja auch schon sehr alt. (Ich habe meine erste E-Mail 1979 geschrieben, sie hat damals 6 Pfennige gekostet). Zu der Zeit, als das Wort entstanden ist, war das Internet ein sehr sehr englischsprachiges Geschäft, irgendwann 20 Jahre später schreibt dann auch Lieschen Müller E-Mails, aber nicht nur, dass sie auf einmal in einen Kulturraum eindringt und sich dessen Technologien zunutze macht, nein, jetzt hat sie auf einmal auch das Recht diesem Kulturraum vorzuschreiben, wie er die Dinge zu benennen hat. In meiner Bescheidenen Wahrnehmung entbehrt dieses Ansinnen jedweder Berechtigung und Richtigkeit.

Ich würde soweit gehen zu behaupten, dass die Möglichkeiten zu präzisem Ausdruck in der deutschen Sprache und durchaus auch die Gewohnheit von diesen Möglichkeiten gebrauch zu machen schon etwas besonderes sind, und gerade deswegen ist die Neigung zu Anglizismen höher als in anderen Sprachen. Sie sind exakter, lassen sich einfacher aufladen und transportieren einfach mehr von der Kultur dessen, der sie gebraucht.

Abschließend möchte ich in Zweifel ziehen, ob der Anteil von Anglizismen tatsächlich höher ist als der Anteil neuer deutscher Schöpfungen oder der Anteil von Romanismen oder Graecismen.

Viele Grüße

 Timm
Gerne per Du!

Meine Vorstellung.

Eckhard F. H. Nowack

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Re: "Einlochgucker"
« Antwort #35 am: März 29, 2012, 21:06:08 Nachmittag »
Hallo Timm,
Du hast weit ausgeholt. Letztlich hat die Sprache nur den trivialen Zweck, Situation oder Sichtweise so effektiv und verständlich wie möglich zu interpretieren. Dafür favorisiert jede Sprache im Verlauf perfekt nur ein einziges Wort bzw. eine einzige Wortfolge.  Es ist schon schwer, die aus der Muttersprache abzugreifen, unmöglich aber einer Fremdsprache zu entleihen. Stichwort Gebrauchsanweisungen. Das hat mit Nationalismus absolut nichts zu tun, sondern vielmehr mit Wissenschaft.
Gruß - EFH

Gunther Chmela

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Re: "Einlochgucker"
« Antwort #36 am: März 29, 2012, 21:21:38 Nachmittag »
Das grammatikalisch eindeutig falsche gemischt deutsch / englische Beugen von stacken zu gestacked wird moniert, andere sehr viel häufigere Defekte, wie zum Beispiel die hier im Forum recht stark grassierende ss/ß - Schwäche hingegen scheinen in Ordnung zu sein.

Lieber Timm,

das hat wohl eher etwas mit der deutschen Recht- und Schlechtschreibung zu tun, nicht mit Anglizismen, um die es ja ging. Mein Hinweis auf die unangebrachte englische Grammatik dagegen hatte durchaus Bezug zu den Anglizismen.

Grüße
Gunther

treinisch

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Re: "Einlochgucker"
« Antwort #37 am: März 29, 2012, 21:38:37 Nachmittag »
Hallo Eckhard,

meine Worte! (Abgesehen von Nationalismus, das habe ich nicht gebraucht!)

Ich tue mich schwer, genau zu artikulieren, was ich darüber hinaus meine, vielleicht
bleibe ich einfach mal bei Deinem Beispiel, auch wenn es für meinen Zweck viel viel
bessere gäbe. In meinem Arbeitsgebiet, der menschlichen Kommunikation gibt es nämlich
eine Reihe von eingedeutschten englischen Begriffen und immer wenn ich diese deutschen
Wörter benutze, muss ich dummerweise erklären, was damit in Wirklichkeit gemeint ist,
da das deutsche Wort einfach nicht richtig stimmt.

Dein Beispiel ist ja „Open Air”. Nun unterhält man sich mit Menschen auf der ganzen
Welt über Open Air Festivals, man liest im Internet Berichte über den letzten Auftritt
der Lieblingsformation und natürlich auch „Open Air”. Das schafft meine Erfahrungswelt und
die Erinnerungen und Nebenbedeutungen, den Kontext, den ich beim Gebrauch des Wortes
abrufe. Die These diese Erinnerungen könne ich nun treffender abrufen, wenn ich Deinen
Vorschlag Freiluft-Festival oder (das hast Du nicht vorgeschlagen) Freiluft-Feier gebrauchen
würde, da ich kein Muttersprachler sei, ist so einfach nicht richtig, weil die Assoziationen und
der Kontext einfach nicht stimmen. Für Dich mag das aber durchaus zutreffend sein! Sehr wohl!

Ich würde deswegen immer das Wort Open Air wählen, weil nur dieses in meinem Wortschatz
die passende Bedeutung hat. Das hat nicht unmittelbar etwas mit dem lexikalischen Wissen eines Muttersprachlers zu tun!

Indirekt schon, weil es ja genau die Stärke des Muttersprachlers ist, dass er die Wörter kontextuell lernt und nicht wie
wir durch stupides pauken lexikalischen Wissens.

Das gilt zum Beispiel auch für die E-Mail. Als ich das Wort E-Mail erworben habe, war das WWW noch eine seltene
Randerscheinung. Man wählte sich über Akustikkoppler in deutsche oder meist noch amerikanische Systeme ein und
E-Mails kosteten noch Geld, wenn sie über das Internet geleitet werden mussten. Jetzt kommen Leute daher und sagen
mir, E-Post wäre doch besser. Das klingt ja heute noch gelb und nach BTX. Das ist doch so.

Wenn Du 10 Jahre mit einer Nina verheiratet warst, dann hat „Nina” doch einen anderen Klang. Diese Bedeutungen, Du nennst
sie Interpretationen, spielen doch eine Rolle, man kann doch Wörter nicht einfach auf ihren lexikalischen Gehalt reduzieren.

Viele Grüße

Timm
Gerne per Du!

Meine Vorstellung.

treinisch

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Re: "Einlochgucker"
« Antwort #38 am: März 29, 2012, 21:45:12 Nachmittag »
das hat wohl eher etwas mit der deutschen Recht- und Schlechtschreibung zu tun, nicht mit Anglizismen, um die es ja ging. Mein Hinweis auf die unangebrachte englische Grammatik dagegen hatte durchaus Bezug zu den Anglizismen.

Hallo Gunther,

ja verstehe! Vielleicht darf ich Bezug-Wiederherstellend präzisieren:

Dass die Möglichkeit von Grammatikfehlern beim Beugen von Anglizismen besteht, ist ja klar, ist aber meines Erachtens kein Argument gegen Anglizismen,
da das keine Besonderheit ist. Die eingedeutschten Anglizismen werden ganz normal deutsch gebeugt, es Bedarf für den Umgang also keinerlei Spezialkenntnisse.

Ganz anders übrigens als bei zahllosen Romanismen und Graecismen!

Viele Grüße

 Timm
Gerne per Du!

Meine Vorstellung.

Thilo Immel

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Re: "Einlochgucker"
« Antwort #39 am: März 29, 2012, 21:48:46 Nachmittag »
Hallo Eckhard,

Letztlich hat die Sprache nur den trivialen Zweck, Situation oder Sichtweise so effektiv und verständlich wie möglich zu interpretieren.

Das ist sicherlich der wichtigste, aber nicht der einzige Zweck der Sprache.
Und manchmal überlagern die anderen Aspekte diesen wichtigsten Zweck sogar.

Beispiel gefällig?

Warum sprechen die Jäger von 'Schweiss', wenn sie das Blut außerhalb des Wildkörpers meinen?
Gewiss nicht, um sich allgemeinverständlich auszudrücken, denn Schweiss beudeutet ja im allgemeinen etwas ganz anderes. Das Gegenteil ist richtig: es geht dabei auch um ein sich-Abgrenzen von den Uneingeweihten. Dies ist ein mindestens genauso wichtiger Aspekt bei jeder Fachsprache, wie die klare und eindeutige Benennung von Sachverhalten.

Ein weiter nicht zu unterschätzender Aspekt ist das Transportieren von Informationen über den 'Sender' und den 'Empfänger' und wie der Sender deren Verhältnis sieht.

Dem Hund sagst Du 'Platz'!
Deine Angebeteten fragst Du: 'möchtest Du Dich dorthin setzen'?


Ich persönlich gehe an das ganze Thema eher nüchtern ran. 'stacken' als Fachbegriff hat den Vorteil, dass es (hier im deutschsprachigen Raum) ein neues Wort mit eindeutiger Bedeutung ist, was man von 'stapeln' nicht sagen kann, hier ist der Kontext nötig.

Und auch das 'gestackt' finde ich persönlich nicht schlimm.
Es gibt wichtigere Probleme in der Welt.


Liebe Grüße

Thilo Immel




« Letzte Änderung: März 29, 2012, 21:52:59 Nachmittag von Thilo Immel »

Eckhard F. H. Nowack

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Re: "Einlochgucker"
« Antwort #40 am: März 29, 2012, 21:52:22 Nachmittag »
Zitat
meine Worte! (Abgesehen von Nationalismus, das habe ich nicht gebraucht!)

Hallo Timm,
da meinen wir unterm Strich also dasselbe. Das Wort ´Nationalismus´ hast Du zurecht moniert. Verzeih, das lag mir als Relikt aus einer anderen Diskussion noch im Ohr.
Herzlicher Gruß
EFH

Peter V.

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Re: "Einlochgucker"
« Antwort #41 am: März 29, 2012, 21:53:25 Nachmittag »
Hallo Thilo,

Zitat
Dem Hund sagst Du 'Platz'!
Deine Angebeteten fragst Du: 'möchtest Du Dich dorthin setzen'?

...reiner Sachzwang! Anders herum würde es in beiden Fällen sicher nicht zum gewünschten Erfolg führen.

Herzliche Grüße
Peter
Bzgl. Netiquette: Heinrich Lübke, Bundespräsident 1959 - 1969: You can say you to me!
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Peter V.

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Re: "Einlochgucker"
« Antwort #42 am: März 29, 2012, 22:17:41 Nachmittag »
Hallo,

ein weites Feld....
Wohl dem, der eine feste Meinung dazu hat. Ich hingegen bin hin- und hergerissen, sehe das Ganze aber eher pragmatisch als dogmatisch und eine quasi per Gesetz verordnete Sprachregelung a la "Grande Nation" wäre mir äußerst unsympathsich und erschiene mir eher lächerlich.

Kramphaftes Übertragen "eingebürgerter" fremdsprachlicher Begriffe, eben nach dem Muster des Herrn von Zeesen, wird ebenso oft verkrampft und auch sein "Meuchelpuffer" konnte sich ja letztlich nicht durchsetzen.
Stacken, Stitchen und auch die E-Mail stören mich nicht, ich loade genau so unverkrampft down wie ich auch herunterlade.

Sicherlich ist das alles auch eine Frage des persönlichen Empfindens, mit dem "Schlüsselkontomanager" (ich weiß bis heute nicht genau, was ein Solcher eigentlich macht) würde ich mich genau so gerne (oder ungerne) auf einer Sitzung treffen wie bei einem "Meeting".

Wenn Leute "chillen" (schlimmstenfalls in "Mandy's Sunpoint"), dreht sich mit der Magen herum, weil mir dieses Wort so seltsam "gekünstelt" erscheint, jüngere Generationen verwenden diesen Ausdruck hingegen selbstverständlich und empfinden ihn auch sicher nicht mehr als einen "Fremdkörper" in der deutschen Sprache wie ich. Genau so, wie ich es aufgesetzt finde, wenn ich nach einer Fortbildungsveranstaltung zu einem "Sundowner" eingeladen werde.
Und zur völlig übrtrieben verdenglischten Sprache der Unternehmensberater und Co. (treffliche Beispiele hat Klaus Wagner bereits reichlich angeführt) halte ich es mit dem wohl bekanntesten Zitat von Max Liebermann.

Vermutlich empfindet man die Sprache in dem Zustand, in dem man mit ihr "groß" wird, als den Normalzustand und alle späteren Verränderungen kommen einem zumindest anfänglich fremd vor. Aber selbstvertsändlich akzeptiere ich, dass Sprache "lebt" und einem steten Wandel unterworfen ist, und mittlerweile habe ich mich genau so an den "Stängel" gewöhnt wie daran, daß man "etwas erinnert", statt aich "an etwas zu erinnern".  Und das ist auch gut so!

Stellt Euch einmal einen aktuellen, vermeintlich komplett deutschen, anglizismenfreien Text vor. Und dann stellt Euch vor, was Walther von der Volgelweide empfinden würde, wenn er ihn noch lesen könnte.

    Ich saz ûf eime steine
    und dahte bein mit beine.
    dar ûf satzt ich den ellenbogen.
    ich hete in mîne hant gesmogen
    daz kinne und ein mîn wange.
    dô dahte ich mir vil ange,
    wie man zer welte solte leben.
    deheinen rât kond ich gegeben,
    wie man driu dinc erwurbe,
    der keinez niht verdurbe.
    diu zwei sint êre und varnde guot,
    daz dicke ein ander schaden tuot:
    daz dritte ist gotes hulde,
    der zweier übergulde.
    diu wolte ich gerne in einen schrîn:
    jâ leider desn mac niht gesîn,
    daz guot und weltlich êre
    und gotes hulde mêre
    zesamene in ein herze komen.
    stîg unde wege sint in benomen:
    untriuwe ist in der sâze,
    gewalt vert ûf der strâze,
    fride unde reht sint sêre wunt.
    diu driu enhabent geleites niht,
    diu zwei enwerden ê gesunt.

    Walther von der Vogelweide ( geb. ca. 1170 - gest. ca. 1230 )

Herzliche Grüße
Peter


« Letzte Änderung: März 29, 2012, 22:36:20 Nachmittag von Peter V. »
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"Die Natur kennt keinen rechten Winkel" (Herbert Knebel)

Eckhard F. H. Nowack

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Re: "Einlochgucker"
« Antwort #43 am: März 29, 2012, 22:17:49 Nachmittag »
Zitat
Warum sprechen die Jäger von 'Schweiss', wenn sie das Blut außerhalb des Wildkörpers meinen?

Hallo Thilo,
diese Erklärung dünkt mir ganz einfach: Handlungen, die nicht ungeteilte Zustimmung im Volk finden, werden sprachlich getarnt. Jäger meiden generell das Wort ´Blut´.  Auch ´erschießen´ sie kein Wild, sondern ´tragen ihm den Schuss an´. Am heuchlerischsten ist der Zweigbruch und die stille Referenzminute nach der Tötung. Jagd ist nötig, ihre Verbrähmung hingegen verlogen.
Gruß - EFH

Gunther Chmela

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Re: "Einlochgucker"
« Antwort #44 am: März 29, 2012, 22:26:43 Nachmittag »
Und auch das 'gestackt' finde ich persönlich nicht schlimm.

So wär's ja richtig! Mein Zitat (weiter oben) war anders!  ;)

G.Ch.