Lieber Christian,
ich gehe einmal davon aus, dass Du freihand mit der Rasierklinge geschnitten hast. Das ist eine echte Kunst und für diese Methode sind Deine Schnitte klasse geworden. Wenn Du Deine Technik ohne den Einsatz eines Mikrotoms verfeinern möchtest, denke über den Einsatz von Holundermark (trocken schneiden) oder Möhre (Schneiden angefeuchtet mit Ethanol 70%) nach.
Wenn Du magst, kannst Du Dir im
Downloadbereich der
MKB-Webseite einmal "Von der Probe zum Präparat" herunter laden. Vor einiger Zeit habe ich da einmal meine Erfahrungen mit Handschnitten in Holundermark beschrieben. Die Färbung dort ist eine Abwandlung des Etzold-Rezepts mit stark verdünnter Farbe und langer Färbedauer (24h), die besonders bei den etwas dickeren Handschnitten schöne Ergebnisse bringt und auf Rolf-Dieter Müller zurück geht. Sie funktioniert natürlich auch mit Etzold Grün.
Ein einfaches Handzylindermikrotom (um 70 - 90€) mit Einmalklingen (Leica, ca. 75 € für 50 Stück) und Halter (SHK Halter, über Detlef, ca. 45 €) würde sich aber auf jeden Fall lohnen. Achte ggf. darauf, dass es eine Klemme und nicht nur einen Stempel hat. Auch dazu findest Du auf unserer Webseite Informationen in der Bibliothek unter "
Botanische Mikrotechnik". Vielleicht gefallen Dir auch die Artikel zu verschiedenen Färbungen an gleicher Stelle.
Versuche, zum Fixieren die original AFE Rezeptur zu verwenden (Ethanol 70%, Essigsäure 99% und Formaldehyd 35%) im Volumenverhältnis 90:5:5. Die Säure und das Formaldehyd bekommst Du in der Apotheke. Da die Chemie nicht "apothekengängig" ist, muss extra bestellt werden, das kleinste Gebinde Essigsäure hat 250 ml, Formaldehyd gibt es erst ab 1000 ml.
z.B: Essigsäure:
Acidum aceticum glaciale
99%
Caelo (Caesar & Lorentz GmbH, Hilden)
Bestellnummer 09353101
Alternativ: Omas Eisessig aus dem Lebensmittelregal.

z.B. Formaldehyd:
Formaldehyd-Lösung 35% Ph. Eur.*
35%
Hedinger, Stuttgart
PZN 7474824
Alternative: Formaldehyd gibt es auch im Baumarkt
So, die Beispiele oben ersparen dem gewillten Apotheker die Suche in seinen Katalogen. Die meiste Arbeit wird die Suche nach einem
gewillten Apotheker machen.

Der Vorteil des Bezuges aus dem Chemikalienhandel (der Endverbraucher nicht mehr direkt beliefert - dank der tollen Gesetzeslage ... hier im Forum schon häufiger diskutiert) liegt darin, dass Du sicher sein kannst, keine unbekannten Verunreinigungen in Deinen Reagenzien zu haben. Der Nachteil liegt im Preis (Essig etwa 10 € und Formalin etwa 23 €) und in der Schwierigkeit mit dem gewillten Apotheker. Viel Glück!

So, nun noch ein wenig Pflanzenanatomie (auch da findest Du auf unserer Webseite einen schönen Grundlagenartikel zu Sprossanatomie in der Bibliothek unter Botanik und jede Menge Buchempfehlungen unter Literatur. Die direkten Links spar' ich mir mal, Du wirst eh die ganze Seite lesen wollen

).
Die Gattung Rumex aus der Familie der Knöterichgewächse (Polygonaceae) gehört zu den Eudikotyledonen und hat somit offen kollaterale Leitbündel. Das gilt so absolut aber nur für den Spross. Bei den Blattstielen kann ein Cambium vorhanden sein, muss aber nicht. Die Lage der Leitbündel im Blattstiel ist immer wieder eine Überraschung wert. Die verdrehte Anordnung hier also nicht verwunderlich. Leider ist das entsprechende Bild ein wenig klein, ich vermag nicht zu erkennen, ob die LB in Deinem Blattstiel ein Cambium haben oder nicht.
Wenn Du Dich selbst über Deine Proben schlau machen willst, kann ich Dir die Wikipedia als ersten Anlaufpunkt empfehlen.
Deine Bezeichnungen sind - soweit ich das beurteilen kann - korrekt. Bis auf:
Die von Dir in Bild 4 angesprochenen Artefakte könnten auf Farbschleier aufgrund der etwas großen Schnittdicke zurück zu führen sein. Das ist auf dem Bild aber schlecht zu erkennen.
Bei den Drüsenhaaren (Bild 7 & 8 ) handelt es sich m.E. nicht um ein Sekret. Ich sehe außen die Zellwand und innen Reste des Zellinhalts.
Bild 10 könnte eine Drüsenzelle zeigen, um genaueres zu sagen, müsstest Du näher ran.
Herzliche Grüße und viel Spaß beim Schnippeln!
Jörg