Autor Thema: Ovipositor Graphocephala  (Gelesen 5485 mal)

Jürgen H.

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Ovipositor Graphocephala
« am: Juli 28, 2013, 12:30:22 Nachmittag »
Liebe Mitmikroskopiker,

Hier kommen ein paar Bilder von Querschnitten durch das hintere Abdomen der Rhododendronzikade mit dem Legestachel, mit dem das Tierchen seine Eier in die Blüten ablegt und leider auch für die Verbreitung des Pilzes an den Blütenknospen sorgt. Zunächst eine Übersicht:



Oder in einer anderen Färbung, etwas größer:



Hier sieht man bereits, dass der Stachel aus zwei chitinösen Gonapophysenpaaren besteht, die nach dem Prinzip von Nut und Feder miteinander verbunden, aber auch gegeneinander beweglich sind. Ich denke, sie können in Richtung des Stichs gegeneinander durch Muskulatur bewegt werden und sich so in die Pflanzenknospe hineinbohren. Noch näher betrachtet sieht das so aus (Ausschnitt aus dem ersten Bild):



Eine ähnliche Verbindung von Nut und Feder findet sich auch im unteren Drittel des ersten Bildes:



Ich vermute, dass der Hohlraum oberhalb dieser Verbindungsstelle dem Durchtritt des Eis dient und erweitert werden kann, indem die sich mit der chitinösen Nut und Feder verbundenen und aufgefalteten weichen Häute beim Durchtritt des Eis gedehnt und gestreckt werden.

Viele Details sind mir noch völlig unklar. Aber diesen Sommer sind wieder jede Menge von den Zikaden in meinen Rhododendronbüschen....

Schöne Grüße in die Runde

Jürgen

koestlfr

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Re: Ovipositor Graphocephala
« Antwort #1 am: Juli 28, 2013, 14:17:02 Nachmittag »
Hallo Jürgen!

Urcool! So würden meine Söhne dazu sagen.

Sehr interessant, tolle Bilder - kannst du bitte etwas über die Präparation und besondre über die Färbungen sagen?

Liebe Grüße
Franz
Liebe Grüße
Franz

rekuwi

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Re: Ovipositor Graphocephala
« Antwort #2 am: Juli 28, 2013, 16:41:11 Nachmittag »
Lieber Jürgen,

bewunderungswürdig diese Schnitte und Färbungen. Mehr wie superspitzetoll. (Cool paßt im Moment bei uns nicht, es ist immer noch zu warm.)
Insekten zu schneiden ist eine Kunst für sich. Da hast Du ein gutes Händchen dafür. Gratuliere.

Herzliche Grüße
Regi

Winfried Todt

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Re: Ovipositor Graphocephala
« Antwort #3 am: Juli 28, 2013, 16:53:19 Nachmittag »
Hallo Jürgen,

das sind sehr schöne Bilder und eine gelungene Färbung.
Kannst Du mir etwas zur Präparation und zum Schneiden sagen?
Herzliche Grüße
Winfried

Jürgen H.

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Re: Ovipositor Graphocephala
« Antwort #4 am: Juli 28, 2013, 17:41:07 Nachmittag »
Liebe Regi Franz und Winfried,

Danke für eure Worte!

Die Methode meiner Paraffineinbettung habe ich hier beschrieben:

http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=16495.0.

ebenso die Färbung des Präparates im zweiten Bild.

Die Färbung des Präparates der anderen Bilder ist Azan Heidenhain: http://www.aeisner.de/methoden/farb2.html

Hiermit experimentiere ich zur Zeit. Mir ist der Zusammenhang der verschiedenen Färbeschritte und Zeiten noch nicht ganz klar. Ich weiß  noch nicht, welchen Einfluss z.B. die Länge der Zeit der Beizung hat oder die Zeitdauer der Azokarminfärbung, die hinterher wieder regressiv durch den Anilinalkohol bis auf die Zellkerne beseitigt  werden soll.

Schöne Grüße

Jürgen

HDD

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Re: Ovipositor Graphocephala
« Antwort #5 am: Juli 28, 2013, 19:16:44 Nachmittag »
Lieber Jürgen

Ganz herzlichen Dank für den Beitrag und die hervorragenden Bilder. Ich habe gerade einen
fotografischen Beitrag über die Rhododendronzikade bei Linsenbeute.de  eingestellt.

Es gibt schon manchmal Zufälle ...

Deine hervorragend gemachten Schnitte ergänzen meine dort gezeigten Bilder ganz ausgezeichnet.

Vielen Dank für diese Bilder. Ich werde sie in meiner privaten Zikaden-Bilder Sammlung verewigen.
Wenn Du Interesse an den Zikaden Übersichtbildern oder von den Tracheen hast, sende ich sie Dir gerne zu.

Herzliche Grüße  

Horst-Dieter

Jan Dunst

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Re: Ovipositor Graphocephala
« Antwort #6 am: Juli 28, 2013, 21:36:50 Nachmittag »
Lieber Jürgen,

wie immer gibt es bei dir hervorragende Bilder von interessanten Objekten zu sehen. Ich kann mich in deinem Schnitt nur schwer orientieren, hier fehlt mir absolut das Fachwissen über Ovipositoren.

Für dein weiteres Studium hätte ich jedoch einen Literatur Tipp:

Morphology of the Insect Abdomen - Part II - The genital ducts and the ovipositor - 1933 von R. E. Snodgrass

Das tolle ist, hier gibt es einen Scan im Internet, ab Seite 91 wird der Genitaltrakt von Magicicada septendecim vorgestellt, beim flotten durchsehen bin ich auch in Bildern auf dieses Nut/Feder System (Seite 96) gestoßen, zum detaillierten nachlesen des Textes fehlt mir aber heute abend die Zeit. Es sind jedenfalls wundervolle Illustrationen vorhanden und das ganze wird sehr, sehr detailliert beschrieben.

Link:
http://biodiversitylibrary.org/page/24732705#page/333/mode/1up


Viele Grüße,
jan
« Letzte Änderung: Juli 28, 2013, 21:39:26 Nachmittag von Jan Dunst »

Jürgen H.

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Re: Ovipositor Graphocephala
« Antwort #7 am: Juli 29, 2013, 12:22:53 Nachmittag »
Lieber Horst Dieter,

wunderschöne Bilder der Rhododendronzikade auf eurer Webseite. Die feinen Tast?haare auf dem Haftpolster des letzten Fußgliedes sind mir auch schon einmal in einem histologischen Schnitt aufgefallen und wären wohl einer näheren Untersuchung wert. Wozu dient dem Insekt dieses Sensorium?

Der Stechrüssel besteht übrigens auch aus mehreren Teilen und weist eine ähnliche "Verzahnung" auf, wie der Ovipositor. Ich weiß nicht, ob es Dir möglich wäre, den Stechrüssel noch etwas näher abzulichten? Davon würde ich gerne ein Photo besitzen....

Liber Jan, Wow, was für eine tolle Webseite. Snodgrasszeichnungen sind wunderbar übersichtliche, feine Zeichnungen. Ich bewundere die Geduld, malerische Kunstfertigkeit und Vorstellungskraft, so etwas aus einzelnen mikroskopischen Schnitten und Bildern zusammenzusetzen.


Zur Orientierung:Es handelt sich einfach um einen Querschnitt durch das hintere Abdomen senkrecht zur Laufachse und zur Bodenfläche.

Schöne Grüße

Jürgen

HDD

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Re: Ovipositor Graphocephala
« Antwort #8 am: Juli 29, 2013, 17:50:26 Nachmittag »
Lieber Jürgen

Die Tasthaare ragen aus 4 runden Zellen, die sich aber nur an den  Vorderbeinen
und an den mittleren Beinen befinden.

Die "Füße" der Hinterbeine haben diese "Tastorgane" nicht und man erkennt außerdem
eine etws andere Lamellenstruktur an den Fußballen.

Der Stechrüssel ist von der Präparation und der Auflichtfotografie
die ultimative Herausforderung. Ich werde mit Sicherheit dranbleiben.

Diese Zikade ist, schon von ihrer Farbe her gesehen, ein faszinierendes Insekt.

Vermutlich muss ich eine spezielle Halterung bauen um den Stechrüssel richtig
in Szene setzen zu können.

Herzliche Grüße

Horst-Dieter