Autor Thema: 3D-Bilder mit dem Rasterelektronenmikroskop  (Gelesen 3112 mal)

Heribert Cypionka

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3D-Bilder mit dem Rasterelektronenmikroskop
« am: März 08, 2015, 00:13:15 Vormittag »
Liebe Elektronenmikroskopiker,

auf der PICOLAY-Seite gibt es ein neues Tutorial, auf dem drei trickreiche Methoden gezeigt werden, die es erlauben, virtuelle stereoskopische REM-Darstellungen zu erzeugen.

1. Focus stacking.

2. Interpretation einer einzigen Aufnahme als Tiefenkarte.

3. Übereinanderlegen von Bildern, die nach seitlicher Verschiebung aufgenommen wurden.

Man mag nun dagegenhalten, dass das nicht nötig sei, da man am REM normalerweise den Tisch kippen und echte 3D-Bilder aufnehmen kann. Tatsächlich hat aber das Stacking einige Vorteile gegenüber dem Kippen:

- Die meisten Tische sind nicht euzentrisch, und man muss das Präparat nicht nur kippen sondern auch verschieben. Das ergibt einen ziemlich großen Aufwand und

- es treten dabei hässliche Artefakte an den Kanten auf. Das sind genau die, die bei Methode 3 sogar für die Erstellung von 3D-Bildern genutzt werden ;-)

- Echte 3D-Bilder haben einen fixen Winkel (für einen fixen Betrachtungsabstand), virtuelle sind da absolut flexibel.

- Methode 2 erfordert überhaupt keinen Aufwand am Mikroskop, man braucht nur ein geeignetes Bild. Viele dürften das schon haben, ohne dass sie es bisher bemerkt hätten  ;)

- Methode 3 ist zugegebenermaßen in Bezug auf die Objekttiefe nicht quantitativ nutzbar (anders als das Stacking), aber sehr viel einfacher anzuwenden als Kippen. Sie beruht darauf, dass die vom Detektor aufgefangenen Sekundärelektronenstrahlen nicht geradlinig verlaufen, sondern durch eine Saugspannung gebogen werden. Verschiebt man das Präparat, ändern sich die Winkel und (machen beim gekippten 3D-Bild Probleme bzw.) lassen sich nach Überlagerung für eine 3D-Darstellung nutzen.

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Heribert Cypionka