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Autor Thema: Schiefe Beleuchtung und Vergleich mit DIK  (Gelesen 8956 mal)
Martin Kreutz
Member

Beiträge: 144



« am: Januar 06, 2010, 20:08:15 »

Liebes Forum,

auf Grund der Frage von Wilfried möchte ich hier nochmal einen etwas aufgepeppten Beitrag zur schiefen Beleuchtung aus dem alten Forum einstellen. Alles schwarz geschriebene ist neu. Außerdem habe ich noch einige weitere Bilder hinzugefügt.

Hier nochmal der Text, in der die Historie der schiefen Beleuchtung nochmal beschrieben wird

Nachdem ich mir 1980 ein Will VB 165 (s. Foto unten) mit achromatischen Objektiven gekauft hatte, begann ich ca. 1984 an einer Blende für eine schiefe Beleuchtung zu basteln. Das Ergebnis war diese Blende, die ich heute noch im Original habe:



Ich habe dann den Bau dieser Blende im Mikrokosmos 84, S. 197 von 1995 vorgestellt.

http://www.einzell.de/Forum/SchiefeBeleuchtung.pdf

Ich selbst hatte zu diesem Zeitpunkt schon 10 Jahre Erfahrung mit dieser Blende und auch mit dem optimieren der Abbildungsleistung meines Mikroskops. Bitte bedenken Sie, dass die unten gezeigten Bilder mit Objektiven aufgenommen wurden, von denen das 4X Objektiv damals 60 DM gekostet hat und das 100 X 350 DM. Mit Hilfe dieser Blende, einem leichten Umfokussieren des Okulars (ich hatte damals noch kein Projektiv) und einer Unterbelichtung des Filmmaterials konnte ich wahrscheinlich alles rausholen, was diese Optik hergab. Das Mikroskop verwende ich auch heute noch:

Und hier nun eine kleine Auswahl. Die Bilder wurden zwischen 1988 und 1991 aufgenommen.







Wie verhält es sich nun mit einem direkten Vergleich mit DIK? Diese Frage ist schwer zu beantworten, da ich mit meinem neuen Mikroskop, dem Olympus BX50, diese Form der schiefen Beleuchtung nicht durchführen kann. Mein jetziger DIK-Kondensor hat nur A = 0.9 und ist somit ungeeignet.

Deshalb habe ich versucht, einige Objekte im Archiv zu finden, die ich in möglichst gleicher Position sowohl mit schiefer Beleuchtung als auch später im DIK fotografiert habe. Dies war etwas aufwendig, da meine ganzen damaligen Dias (es sind tausende) bereits in kleinen Pappschachteln gelagert sind. Trotzdem konnte ich auf die schnelle noch 2 Motive herausfischen:

Das erste ist Testudinella patina


Und hier noch der Flagellat Phalansterium digitatum:


Der Vergleich hinkt natürlich ziemlich, da hier meine damaligen Achromaten gegen meine jetzigen UPLanFL-Objektive anstinken müssen und das klappt natürlich nicht. Irgendwo muss sich der höhere Preis ja auch in der Abbildungsqualität niederschlagen (zum Glück ist es auch so). Aber man erkennt deutlich, dass die schiefe Beleuchtung unter Berücksichtigung der Objektiv-Qualität einiges leisten kann. Besonders bei Objekten mit stark variierender Brechkraft innerhalb des Objektes, wie z.B. bei Testudinella. Bei solchen Objekten gibt es nach entsprechender Nachbearbeitung in der Bildverarbeitung kaum einen Unterschied. Die Spreu trennt sich erst vom Weizen, wenn es ans Eingemachte geht, also wenn feinste Strukturen mit geringen Unterschieden in der Brechkraft "auseinandergefummelt" werden müssen. Hier zeigt DIK seine Stärke. Z.B. was die Darstellung der Cilienmusters von Ciliaten angeht. Dafür muss man die Pellikula des leicht angepressten Ciliaten betrachten. Die Cilien "pappen" dann auf der Zelloberfläche. Trotzdem kann DIK die Cilien auch dann noch gut darstellen. Ein gutes Beispiel ist die kürzlich eingestellte Aufnahme der linken Seite von Amphileptus pleurosigma, wo man die borstenartigen Cilien erkennen kann. Diese Aufnahme wäre mit schiefer Beleuchtung wahrscheinlich nicht möglich. Aus meiner Erfahrung ist es auch so, dass der Azimuth-Effekt der schiefen Beleuchtung (und damit der Kontrast) bei höheren Vergrößerungen geringer wird, weil es immer schwieriger wird, mit einer entsprechend hohen Apertur schräg zu Beleuchten (diese Beobachtung mag aber an meinem damaligen Equipment gelegen haben). Es gibt noch zahlreiche andere Objekte, die mit schiefer Beleuchtung schwierig darzustellen sind, wie z.B. zarte Schleimhüllen, Spicula und Schuppen von Heliozoen, Mundbewimperung von Ciliaten oder die Strukturierung der Pellikula von Ciliaten. Hierzu habe ich im "Trithigmostoma-Beitrag" eine Aufnahme mit Ölimmersion der polygonalen Felderung der Pellikula von T. cucullulus eingestellt. Ich bezweifle, dass schiefe Beleuchtung die Struktur so darstellen könnte (müsste man aber mal ausprobieren).

Soweit meine Beurteilung zur schiefen Beleuchtung. Ich möchte noch erwähnen, dass ich es sehr zu schätzen weiß, dass dieser einfache Filter eine solch große Verbreitung gefunden hat. Noch viel Spass damit!

Martin Kreutz
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Eckhard
Administrator
Member

Beiträge: 1306



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« Antworten #1 am: Januar 06, 2010, 20:17:52 »

Hallo Martin und hallo Wilfried,

ich habe ein KF2 mit schiefer Beleuchtung und ein Axioscope A.1 mit DIK zur Verfügung. Unabhängig von der besseren Qualität der neuen Objektive empfinde ich als grössten Vorteil von DIK die Möglichkeit optische Schnitte durchzuführen. Solange man nur auf die Oberfläche fokussiert ist die schiefe Beleuchtung Klasse. Das etwas mehr an "Knackigkeit" des DIKs würde den finanziellen Aufwand nicht lohnen.

Aber so etwas wie hier geht nur mit DIK:

http://www.mikroskopie-fo...de/index.php?topic=2007.0


Herzlicher Gruss
Eckhard
Gespeichert

Zeiss Axioscope.A1 (HF, DF, DIK, Ph, Pol, Epifluoreszenz)
Olympus SZX 12 (HF, DF, Pol)

www.wunderkanone.de
rekuwi
Member

Beiträge: 1535



« Antworten #2 am: Januar 06, 2010, 23:17:52 »

Lieber Martin,

leider kann ich die Bilder nicht sehen, auch der Link sagt nur: Server nicht gefunden. Habe nur ich das Problem? Oder andere auch?
Auch in anderen Beiträgen fehlen die Bilder. Aber in einigen kann ich diese sehen, sehr merkwürdig.

Liebe Grüße
Regi
Gespeichert

Die Ordnungsprinzipien der Natur gab es schon lange vor dem Menschengeschlecht auf der Erde. Sie haben nichts mit einem aufgeräumten Wohnzimmer zu tun, sondern mit der Fähigkeit des Lebens, selbst unwirtliche Lebensräume wohnlich zu machen.
Eleonore Hohenberger
Detlef Kramer
Global Moderator
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Beiträge: 2749


Detlef Kramer, gerne per Du


« Antworten #3 am: Januar 06, 2010, 23:22:07 »

Liebe Regi, ich habe die Probleme nicht. Probier es noch ein paar Mal und wenn es permanent nicht klappt müssen wir systematisch nach der Ursache suchen.

Am besten in einem neuen Thema.

Herzliche Grüße

Detlef
Gespeichert

Dr. Detlef Kramer, gerne per DU

Vorstellung: Hier klicken
Dieter Stoffels
Gast
« Antworten #4 am: Januar 07, 2010, 00:01:28 »

Hallo Martin,

vielen Dank für Deine Ausführungen zum Gebrauch einer Dunkelfeldblende. Ich habe lange Zeit mit einem BX 300-Mikroskop der Firma Will (heute Hund) gearbeitet. Dieses Mikroskop besitzt eine Steckfassung zur Klemmung von unterschiedlichen Kondensoren. Zu diesem Gerät besaß ich einen exzentrisch stellbaren ABBE-Schieflichkondensor der Firma Lomo, den ich beim BX-Gerät einsetzen konnte. Nach einem Wechsel zu einem Zeiss-Gerät musste ich feststellen, dass Zeiss-Kondensoren über eine Ringschwalbe gehalten werden, so dass ich meinen Schieflichkondensor nicht mehr einsetzen konnte. Zwar habe ich jetzt die Möglichkeit mit jeder lichtoptischen Beleuchtungsart zu arbeiten, leider aber nicht mit diesem Schieflichtkondensor. Das Arbeiten im Schieflicht habe ich sehr geschätzt und glaube, dass es gerade bei dickeren Objekten (Larvenstadien, Kleinkrebsen, Nematoden) häufig dem DIK überlegen oder zumindest gleichwertig einsetzbar ist. Gerade für den kleinen Geldbeutel ist Schieflicht eine tolle Erweiterung der optischen Möglichkeiten.

Viele Grüße!

Dieter
Gespeichert
Jürgen Boschert
Member

Beiträge: 1062


« Antworten #5 am: Januar 07, 2010, 00:09:49 »

Hallo Dieter,

auch mit den Zeiss-Mikroskopen mit Ringschwalbenkondensor kann man Schieflicht machen. Wenn man einen Revolverkondensor hat, geht das recht einfach dadurch, dass man die Irisblende aus der Raststellung herausdreht, bis der Effekt im gewünschten Ausmaß erzielt ist. Bei den einfacheren Abbekondensoren mit Klapplinse durch Auflegen und Verschieben einer Blende auf die/der Fläche unterhalb der Klapplinse.

Beste Grüße !

JB
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Nomarski
Member

Beiträge: 5171


« Antworten #6 am: Januar 07, 2010, 00:17:55 »

Hallo,

bei den Zeiss-Schwalbenkondensoren wären das die Möglichkeit, schiefe Beleuchtung zu erzeugen:


Beim Hellfeldkondensor


Beim PH-Kondensor.
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wilfried48
Member

Beiträge: 1281



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« Antworten #7 am: Januar 07, 2010, 01:06:05 »

Hallo Martin,

vielen Dank für den eindrucksvollen Vergleich und die tollen Bilder.

Dass physikalisch ein Unterschied zwischen schiefer Beleuchtung und DIC sein muss, war mir als Physiker ja schon immer klar aber bei biologisch Objekten habe ich bisher keine so grossen Unterschiede gesehen bzw. sie mangels Wissen einfach nicht richtig einschätzen können.

Ich glaube mit deinem schönen Beitrag (und natürlich auch dem von Eckhard) ist einiges klarer.

viele Grüsse

Wilfried
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vorzugsweise per Du

Arbeitsmikroskope:
Zeiss Photomikroskop II, AL, DL, HD, Pol, Ph, DIC
Zeiss Inversm. IM35, DL, Ph, Pol, EPI-Fl
Olympus Stereom. X TR
Zeiss Reisem. Standard Junior Aufrecht u. Invers, DL, HD, Ph, Pol

Vorst. Wilfried48
http://www.mikroskopie-fo....de/index.php?topic=107.0
Dieter Stoffels
Gast
« Antworten #8 am: Januar 07, 2010, 13:32:27 »

Lieber Herr Boschert, lieber Bernd,

vielen Dank für Eure Antworten. Eine "Schiefstellung" des Kondensors mit teilgeschlossener Iris zur Erzeugung eines Schieflichtbildes habe ich schon einige Male eingesetzt. Leider bin ich durch das gewohnte Schieflichtbild meines ABBE-Kondensors schon etwas "verdorben". Bei diesem Kondensor war es möglich, die Blende in unterschiedlichem Maße zu schließen, die Blende im Ganzen durch ein Verschieben exzentrisch zu stellen und die Blende in Führung um 360 Grad zu drehen. Auf diese Weise war es möglich bei allen Vergrößerungen ein ideales Reliefbild zu erzeugen.

Vermutlich werde ich auf eine Eurer Lösungen zurückgreifen müssen, da für eine gesonderte Montage meines alten ABBE-Kondensors an meinem Zeiss-Mikroskop nicht ausreichend Platz zwischen Kondensorträger und Tisch vorhanden ist.

Nochmals vielen Dank für Eure Antworten und die ausführliche Bebilderung!!!

Dieter
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Nomarski
Member

Beiträge: 5171


« Antworten #9 am: Januar 07, 2010, 14:14:38 »

Hallo Dieter,

wenn du mit dem Phasen-Fernrohr (Hilfsmikroskop) mal beobachtest, was in der Brennebene bei deinem Abbe-Kondensor so "ab geht", wenn das Relief-Bild erzeugt ist, kannst du schon abschätzen, was zu tun ist, damit es mit den Schwalbenkondensoren auch funktioniert. Diese Plastikrohr-Basteleien und Blendenplatzierung im Filterhalter mögen in manchen Fällen zwar auch funktionieren, sind aber oftmals Zufällsprodukte, die nicht an jedem Mikroskop so funktionieren müssen.

Viele Grüße
Bernd
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Wolfgang Bettighofer
Member

Beiträge: 336



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« Antworten #10 am: Januar 07, 2010, 14:34:28 »

Liebes Forum,

es ist schon sagenhaft, was mit raffinierten Schräglichblenden alles geht. Für alle, die damit experimentieren wollen ist wichtig zu wissen, dass alle Blendentypen und Ausschnittsgrößen, die man zu sehen bekommt, für das eigene Mikroskop erst mal nur als Konstruktionshinweis zu betrachten sind.
Die Beleuchtungs-Strahlengänge jedes Mikroskoptyps sind etwas andere, man macht also, wenn man nachbaut, immer "geleitete Versuche". Also nicht wundern, wenn nicht gleich solche Ergebnisse herauskommen, wie sie Martin gezeigt hat, sondern mit Fingerspitzengefühl "tunen". Die Zeit zum Pröbeln muss man mitbringen...

Wie Martin ja auch erzählt, war die einfache Übertragung seiner Kreutz-Blende vom Will auf das Olympus-Mikroskop nicht machbar.
Dass ein 0,9er Kondensor AN SICH aber kein Show-Stopper ist, zeigt die Konstruktion von Herrn Boschert.

Viel Erfolg beim Basteln,
Wolfgang Bettighofer
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Jürgen Boschert
Member

Beiträge: 1062


« Antworten #11 am: Januar 07, 2010, 14:44:38 »

Hallo Herr Bettighofer,

vielen Dank für die Blumen, aber die gebühren "Nomarski".

Beste Grüße !

JB
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Nomarski
Member

Beiträge: 5171


« Antworten #12 am: Januar 07, 2010, 15:31:24 »

Zitat
...gebühren...

5 Euro bitte! Grinsend
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Wolfgang Bettighofer
Member

Beiträge: 336



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« Antworten #13 am: Januar 07, 2010, 16:27:28 »

oh gott, nun sind die Postings schon graublaustufig getrennt... Verlegen
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sirdul
Member

Beiträge: 220


« Antworten #14 am: Januar 09, 2010, 13:22:10 »

Hallo zusammen,

für die schiefe Beleuchtung wird, z.B. in der Mikrofibel, eine Kondensorapertur von größer 0,9 empfohlen.
Sehe ich es richtig, daß dann auch für die schiefe Beleuchtung der Kondensor immergiert werden muß ?


Gruß aus Kronach

Ludger
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