Autor Thema: Video von Martin Kreutz: Mikropipette - für einwandfreie Protisten-Dokumentation  (Gelesen 6993 mal)

bewie

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Martin Kreutz hat ein schönes und informatives Video über die Anwendung der Mikropipette zur Verfügung gestellt. Diese Technik ist wichtig, wenn Protisten isoliert und in sauberem Wasser untersucht werden sollen - nur so ist garantiert, dass sie störungsfrei und optimal abgebildet werden können. Da Martins Webspace begrenzt ist, haben wir das Video mit seiner Erlaubnis konserviert - hier ist der Link:

http://www.bewie.de/images/01_Flash_Filme/Probenpraepaparation-Euglena-2.wmv

Noch einige weitere nützliche Anmerkungen aus dem Thread:

Martin: "...die Mikropipette stelle ich selbst her durch ausziehen einer ganz normalen Pasteurpipette über einer Spiritusflamme. Ich stelle immer gleich 20-30 Stck. her, da sie leicht abbrechen. Wenn Sie zu dünn ausgezogen sind, kneife ich sie einfach mit den Fingernägeln ab, bis sie die richtige Länge und Dicke haben. Nach etwas Übung geht das sehr schnell. Dass aufsaugen geschieht durch das normal Pipettenhütchen, welches ich nur mit der Daumenspitze leicht eindrücke, da nur ein sehr kleines Volumen kontrolliert angesaugt werden soll. Am schwierigsten bei der Sache ist noch das manövrieren der Pipettenspitze im seitenverkehrten Bild des Mikroskops. Aber das Gehirn schaltet schnell um. Viel Spass beim ausprobieren."

Alfons Renz: "Sie haben offenbar ein ganz beachtliches Geschick beim Gebrauch solcher 'Mikropipetten' entwickelt.

Mich persönlich hat dabei allerdings immer wieder der Umstand geärgert, dass beim großem Volumen dieser Pasteurpipetten die Handwärme zur Expansion der Luftfüllung führte und dadurch Luftblasen zur Spitze herausgetrieben werden. Zudem kann auch das Gegenteil der Fall sein: Durch Kapillarkräfte saugt die Pipette zuerst einen großen Schluck ein, der wieder herausgepresst werden muss.

Wer also die Umgebungstemperatur nicht der Handwärme angleichen möchte, könnte es mit folgender 'Miniversion' der Mikropipette versuchen:

Man nimmt eine Haematokritpipette (ca. 75 mm lang bei einem Aussendurchmesser von 1,5 mm, gibts in jedem klinischen Labor) und erhitze sie mit einem Gasfeuerzeug in der Mitte. Sobald das Glas weich ist, kann man es beliebig fein ausziehen. Professionell macht man es mit einem elektrisch betriebenen Pipettenziehgerät, bei dem man die Form der Spitze steuern kann. Die so erhaltene Pipette ist ca. 30 (bis 50) mm lang mit sehr feiner Spitze, die man nach Belieben abbricht.

Pipettenhütchen gibt es in dieser Größe kaum passende. Ich nehme stattdessen einen passenden Silikonschlauch (Innendurchmesser ca. 1 mm), schneide ein ca. 10 mm langes Stück ab und verschließe das offene Hinterende mit dem zugeschmolzenen Rest der Haematokritpipette.

Mit diesen winzigen Mikropipetten kann man auch einhändig arbeiten und hat so die zweite Hand zum Fokussieren etc. frei.  

Wir verwenden solche Pipetten um einzelne Mikrofilarien (Länge ca. 250 bis 300 µm, also ziemlich groß) aus einem Gewimmel verschiedener Arten herauszupicken. Dabei kommt es vor allem auch darauf an, das Einsaugvolumen möglichst klein zu halten und fein zu dosieren, um nicht gleich mehrere Mikrofilarien anzusaugen.

Bei einigen Durchlichtmikroskopen (Leitz Orthoplan mit Variotubus z.B.)  hat man sogar ein seitenrichtiges und aufrechtes Bild. Das macht Vieles leichter.
"

Martin: "Das "Luftblasen"-Problem durch die Handwärme ist mir sehr gut bekannt. Entweder halte ich die Pipette vorher etwas in der Hand, damit sie sich equilibrieren kann, oder ich sauge eine kleine Menge Wasser vorab auf. Inzwischen geht das arbeiten mit der Pipette aber so schnell (ich mache das ja schon seit vielen Jahren), dass es zu keiner Luftblasenentwicklung mehr kommt, bevor ich mein Objekt herausgefischt habe. Aber jeder muss seine "Lieblingstechnik" finden!"
« Letzte Änderung: April 15, 2010, 22:24:23 Nachmittag von bewie »