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Die Mikrofibel von Klaus Henkel
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Autor Thema: Reinigung alte Objektive.  (Gelesen 4161 mal)
rhamvossen
Member

Beiträge: 526


« am: Oktober 09, 2010, 21:06:43 »

Hallo,

Ich habe zwei alte Messing (lackierte?) Zeiss Jena Objektive, die optisch noch OK sind,
aber die außerhalb oxidiert sind. Was ist eigenlich das beste Mittel fur die äußere Reinigung solche Objektive? Hier ist ein foto:




Herzliche Grüsse,

Rolf
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Hugo Halfmann
Member

Beiträge: 729



« Antworten #1 am: Oktober 09, 2010, 22:23:10 »

Hallo Rolf,

ganz ehrlich, ich würde feine Stahlwolle nehmen und die vergammelte Vergütung notfalls runterpolieren. An der Verchromung oder Vernickelung ist nichts mehr zu retten.
Für alte, hoffnungslos korrodierte Münzen gabs früher mal "Greenwater", eine Mixtur aus verschiedenen Eisenentrostungsmitteln und div. Säuren. Die Bezugsadresse hab ich noch. Ob´s das Zeug noch gibt, weiss ich nicht, das war nicht so ganz "ohne".
« Letzte Änderung: Oktober 09, 2010, 22:59:18 von Hugo Halfmann » Gespeichert

Viele Grüße aus dem Bergischen Land

Hugo Halfmann
liftboy
Member

Beiträge: 1314


don´t dream it, be it!


WWW
« Antworten #2 am: Oktober 09, 2010, 22:31:39 »

Hallo Rolf,
es kommt darauf an, was Du damit vorhast.
Willst Du sie nutzen, so lässt Du sie am besten wie sie sind; alle Reinigungsmittel greifen auch die Optik an!
Für Dekozwecke kann man sie mit einer haushaltsüblichen Messingpolitur aufpolieren; es dauert allerdings etwas
(ich habs mir einer alten Petroleumslampe gemacht, die glänzt wie neu; die Finger waren aber hinterher Schwarz:-))
Gruß
Wolfgang
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-JS-
Member

Beiträge: 605



« Antworten #3 am: Oktober 09, 2010, 23:22:26 »

Hallo Rolf,
eine milde Oberflächenbehandlung mit wäßrig verdünntem Sidol (1:1, destilliertes Wasser), auf Bauwolltuch
aufgegeben und anschliessend unter Umgehung der Glasoberflächen mit viel Geduld kreisend poliert, dürfte
die blinden Stellen abtragen, leider wohl auch das Rest-Nickel bzw. die restlich vorhandene Verchromung.
Wenn das blanke Messing frei liegt, musst Du dieses glatt polieren. Dazu ist Sidol 100% und altes Baum-
wolltuch am Besten geeignet.
Nun brauchst Du eine dieser Objektivaufbewahrungsdosen, in dessen Deckel ein Aluminiumring mit RMS-
gewinde 'wohnt'. Diesen musst Du dort (notfalls unter Anwendung von Gewalt) entfernen, so daß Du nur diesen
Ring hast. Seitlich bohrst Du in diesen Ring ein Loch mit 2mm Durchmesser und schneidest ein Gewinde M2,5.
Eine Schraube M2,5 mit passendem Unterleger kommt dort hinein.
(M3 geht natürlich auch, dann musst Du halt mit 2,6 mm vorbohren  Zwinkernd )
Dieser RMS-Gewindering nimmt nun Dein poliertes Objektiv auf.
Die Schraube (M2,5 oder M3) im Gewindering stellt den Minuspol für einen Handgalvanisierset
(Conrad Nr. 530506 - 62) dar, mit dessen Hilfe Du Deinem Objektiv eine neue Nickelschicht verabreichen kannst.
Das geht sehr leicht, und die aufgebrachte Nickelschicht lässt sich nach Erreichen der ausreichenden Schichtdicke mit
einer Polierscheibe sehr schön blank polieren.
Am Schluss können dann noch die Gravuren mit Seidenmattschwarz nachgelegt werden. Dazu empfiehlt es sich
allerdings, die alte Lackeinlage bereits vor der Galvanisier-Arbeit mittels Nadel komplett zu entfernen.
Du wirst Deine beiden Objektive nach getaner Arbeit kaum wiedererkennen. Übrigens: Die Optik wird durch den
Galvanisierprozeß nicht angegriffen, da Glas sehr hochohmig ist.
Zeitaufwand für Alles: ca. 2-3 Stunden.
Ich wünsche Dir viel Erfolg.
Viele Grüße
Joachim
 

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ManK
Member

Beiträge: 121


« Antworten #4 am: Oktober 10, 2010, 10:14:58 »

..... eine neue Nickelschicht verabreichen kannst.
Das geht sehr leicht, ....


Hallo Joachim,
hast Du dazu eine Anleitung, Link, Quelle etc ?
viele Grüße
Manfred
Gespeichert
rhamvossen
Member

Beiträge: 526


« Antworten #5 am: Oktober 10, 2010, 11:24:38 »

Hallo,

Vielen Dank allen für die Antworten. Ich werde mal etwas probieren. Mit freundlichen Grüßen,

Rolf
Gespeichert
-JS-
Member

Beiträge: 605



« Antworten #6 am: Oktober 10, 2010, 13:32:39 »

Hallo Manfred,
alles Notwendige gibts bei Conrad auf der HP (Zubehörliste, Bedienungsanleitung als *.pdf etc.)
Die Nr. ist 530506-62, das Teil heisst Handgalvanisierset.
Vom Prinzip her arbeitet es mit relativ geringem Gleichstrom. Aus einer Metallsalzlösung, die
mittels Schwämmchen auf das als Anode gehaltene zu bearbeitende Stück aufgetragen wird, scheidet
sich das Metall ab, da dieses Schwämmchen als Kathode fungiert. Die Schichtdicke auf dem Werkstück
ergibt sich aus der Häufigkeit des Auftragens.
Ich selbst habe mit Vergoldungen und Vernickelungen die besten Erfahrungen gemacht, allerdings
würde ich immer die Verwendung eines Netzteiles empfehlen, die Batterien sind leider sehr schnell 
erschöpft.
Viele Grüße
Joachim
Gespeichert

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Udo Maerz
Member

Beiträge: 77



« Antworten #7 am: Oktober 11, 2010, 10:56:21 »

Hallo miteinander,

die tolle Beschreibung zur Aufarbeitung alter Objektivfassungen sollte m.E. auch unter der Rubrik mikro-know-how zugänglich gemacht werden !!!

voller Bewunderung
Udo Maerz
Gespeichert
-JS-
Member

Beiträge: 605



« Antworten #8 am: Oktober 11, 2010, 21:41:38 »

Hallo und guten Abend,

ich möchte meine Beschreibung weiter oben ein wenig mit Bildern unterstützen.
Nachstehend wird das Vernickeln einer im Lauf der Zeit unansehnlich gewordenen Frontlinsenfassung eines relativ alten und sehr intensiv genutzten Zeiss Planapo 4/0,16 gezeigt.
Das Objektiv wurde für die Arbeit nicht weiter zerlegt (Ausnahme: Abschrauben der Kappe mit der Beschriftung).
Bei der Arbeit wurde darauf geachtet, daß nur sehr wenig der Elektrolytlösung in Kontakt mit der Frontlinsenfassung kam, um unerwünschtes Eindringen von Flüssigkeit in das Innere des Objektives zu vermeiden.
Dies gelingt mit der Schwämmchentechnik sehr gut, da der Vorgang jederzeit genauestens beobachtet werden kann und eine saubere Dosierung möglich ist.


Ausgangsstatus (Kappe mit der Beschriftung ist entfernt): teilweise korrodiertes Messing, ehemalige Nickelschicht nur noch rudimentär und zum größten Teil gar nicht mehr vorhanden


Zustand nach Politur der Messingoberfläche (Sidol, Wattestäbchen)


Ausrüstung für das Galvanisieren:
Links Schale mit Nickelsalzlösung, darauf das Galvanisiergerät mit eingespanntem Schwämmchen (Kathode), daneben das zu restaurierende Objektiv in RMS-Gewindering mit Kabelanschluß (Anode), rechts daneben Vorratsflasche mit Elektrolyt Nickel.


Zustand nach der Vernickelung (1) Es wurden insgesamt drei Schichten Nickel aufgetragen.


Zustand nach der Vernickelung (2) Mittels Ohrreinigungsstäbchen und wenig Sidol wurde nachpoliert.


Objektiv komplettiert

Das Nachvernickeln eines solch kleinen Werkstückes nimmt inkl. Nachpolitur und Vorbereitung keine 30 min in Anspruch.
Das anschließende Aufräumen dauert deutlich länger  Grinsend.

Viele Grüße
Joachim
Gespeichert

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