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Autor Thema: Botanik: Bluthasel (Corylus maxima purpurea), junger Trieb im Querschnitt *  (Gelesen 3248 mal)
Hans-Jürgen Koch
Member

Beiträge: 766



« am: Dezember 22, 2010, 15:24:28 »

Liebe Pflanzenfreunde,
Nachdem Leopold seinen super Beitrag von dem Haselnussstrauch  (Corylus avellana) gezeigt hat, möchte ich hier einen Haselstrauch mit rot gefärbtem Laub, den Bluthasel (Corylus maxima purpurea) zeigen.

Systematik
Ordnung: Buchenartige (Fagales)
Familie: Birkengewächse (Betulaceae)
Unterfamilie: Haselnussgewächse (Coryloideae)
Gattung: Hasel (Corylus)
Art: Bluthasel
 Wissenschaftlicher Name : Corylus maxima purpurea

English: Hazelnut tree
Francais: La Noisette

Bild 1 Illustration Corylus avellana


Vor rund 60 Jahren traf man neben einigen anderen Sträuchern vor allem den Haselnussstrauch als Unterholz im Laubwald an. Heute pflanzt man in Gärten und Anlagen den Haselnussstrauch  gern als Zierstrauch an. Die großfrüchtigen Haselnüsse, die bei uns zum Verkauf gelangen, sind meist aus Südeuropa eingeführt und stammen von der Lampertnuss (C. maximus).
Der Haselnussstrauch stand bei unseren germanischen Vorfahren in hohem Ansehen. Für sie war er das Sinnbild des Frühlings und der Unsterblichkeit. Man glaubte, Donar habe ihn in seinem besonderen Schutz genommen und bewahre ihn vor Blitzschlag. Hieraus entstand später der Glaube, der Blitz verschone den Stauch, weil Maria, die Mutter Jesu, bei einem Gewitter unter ihm gerastet habe. Man schrieb ihm auch Zauber- und Wunderkräfte zu. Ein dünner Zweig lieferte die Wünschelrute, mit deren Hilfe man verborgene Quellen und unterirdische Schätze aufzufinden hoffte, und zwar sollte sie am wirksamsten sein, wenn sie in der Johannis-, Christ- oder Karfreitagsnacht geschnitten wurde.
Während des Winters trägt der Strauch außer vielen Knospen zahlreiche rote „Kätzchen“, die starr und steif von den Zweigen abstehen.

Bild 2 Männliche rote Kätzchen  ♂ Corylus maxima purpurea


Sobald milderes Wetter eintritt, strecken sie sich in die Länge, so dass sie weich und biegsam werden.
Jedes „Kätzchen“ besteht aus vielen schuppenförmigen Blättern, die an einem gemeinsamen Stängel, der Achse, sitzen. Unter diesen Kätzchenschuppen  stehen je zwei Blättchen und unter ihnen wieder je acht Staubblätter. Da Staubblätter nur in Blüten vorkommen, haben wir hier so viele Staubblätter vor uns, als Kätzchenschuppen vorhanden sind.
Die rote Färbung der Pflanze ist, mit Ausnahme der Wurzeln, fast durchgehend. Rinde, Blätter und die männlichen Kätzchen weisen sie auf. Dies hat auf den Wuchs der Pflanze insofern Einfluss, dass sie, bedingt durch die geringe Nährstoffverarbeitung, nicht so schnell wächst.
Der Haselnussstrauch ist ein Windblütler.


Bild 3 Proben (junger Trieb) in AFE I Corylus maxima purpurea


Junge Triebe sind im Querschnitt rund und haben ein kleines, rundes Mark. Die Triebe sind mit kurzen Haaren dicht besetzt und haben auch etliche große, helle Lentizellen (rundliche oder spindelförmige, raue und poröse, vorspringende Warzen (Korkwarzen) auf den Korkmänteln der Zweige von Holzgewächsen; dienen dem Gasaustausch).
 Die Triebspitze ist durch rotbraune Drüsenhaare gekennzeichnet. In den Blattnarben sind fünf Leitbündel sichtbar. Die jungen Triebe sind relativ dünn und wachsen etwas zick-zack-förmig.

Bild 4 Mikrotomschnitt , Trieb, quer 30 µm; Corylus maxima purpurea


Arbeitsanleitung:
Original Färberezept siehe Seite von Herrn Armin Eisner   http://www.aeisner.de/
W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau) modifiziert

Arbeitsablauf – Trieb (Probe liegt seit Mai 2009 in AFE I - Gemisch)
1. AFE-Gemisch auswaschen
2. (Querschnitt  30µm) mit 70 % Ethanol
3.  Alkoholreihe bis zum 30%igen Ethanol
4. Wasser entmin. 3x wechseln je 1 Minute
5.  Vorfärbung  Acridinrotlösung      10 Min.
6.  Auswaschen mit Aqua dest.  15 Sek.
7.  Acriflavinlösung     10 Sekunden
8.  Auswaschen mit Aqua dest.  15 Sek.
9.  Nachfärbung  Astrablaulösung    30 Sek.
Bei der Nachfärbung mit Astrablau habe ich etwas Acrflavin   beigemischt.
10.  Auswaschen mit Aqua dest. bis keine Farbstoffreste auf dem Objektträger verbleiben
11.  Entwässern mit 3x  gewechseltem Isopropylalkohol   ( 99,9 % )
12.  Als letzte Stufe vor dem Eindecken Rotihistol einzusetzen
13.  Einschluss  in Entellan

 Ergebnis :
Zellwände blaugrün bis grün, verholzte Zellwände leuchtend rot. Zellwände der äußeren Hypodermis orangerot, Cuticula gelb. Zellwände der innenliegenden Hypodermis  tiefrot, Suberin  hellrosa.

Fotos erstellt mit Nikon D5000.

Bild 5 Übersicht mit Drüsenhaar , Corylus maxima purpurea

Die Übersichtsaufnahme wurde mit „MagniFlash“ erstellt.

Bild 6 Ausschnitt aus der Vergrößerung, Corylus maxima purpurea


Bild 7 Ausschnitt aus der Vergrößerung mit Beschriftung, Corylus maxima purpurea


p Ma  = parenchymatische Markstrahlzellen
s Ma, = sekundäre Markstrahlzellen
Xy = Xylem
Ma = Markparenchym

Bild 8 Fluoreszenzaufnahme , Corylus maxima purpurea


Bild 9 Corylus maxima purpurea

Cuticula, Epidermis, feine Haare

Bild 10, Corylus maxima purpurea


Xylem

Herzliche Grüße, frohe Weihnachten und einen guten Rutsch,

Hans-Jürgen
« Letzte Änderung: Oktober 23, 2014, 07:32:47 von Fahrenheit » Gespeichert

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Exkursionsmikroskop: Standard GFL Pol
PZO Stereo Mikroskop MST 130
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Gerne per "Du"
Klaus Herrmann
Member

Beiträge: 8119


∞ λ ¼


« Antworten #1 am: Dezember 22, 2010, 15:34:17 »

Wunderbar Hans Jürgen!

Besonders die Übersicht mit dem Drüsenhaar gefällt mir ausnehmend gut!

Das ist der Vorteil der etwas dickeren Schnitte: man hat auch mal ein intaktes Haar drauf!

Der Schnitt müsste eigentlich auch sehr attraktiv im Pol sein!

Herzliche Grüße aus dem heute mal naßkalten Nordschwarzwald!

Klaus
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Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


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HDD
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Beiträge: 513



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« Antworten #2 am: Dezember 22, 2010, 16:10:37 »

Hallo Hans-Jürgen,

Eine wunderschöne Dokumentation. Man bekommt beim Betrachten richtig Lust
einmal so einen Schnitt nachzumachen.

frohes Fest und herzliche Grüße von

Horst-Dieter
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Jan Kros
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Beiträge: 755



« Antworten #3 am: Dezember 22, 2010, 16:16:14 »

Hallo Hans-Jürgen
wunderschöne schnitten und schöne Bilder
Herzlichen Gruss
Jan
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Fahrenheit
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Beiträge: 3855



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« Antworten #4 am: Dezember 22, 2010, 18:18:49 »

Lieber Hans-Jürgen,

eine sehr schöne Dokumentation zum Spross der Haselnuss!
Schön zu sehen sind die zwei unterschiedlich langen Haararten.

Herzliche Grüße
Jörg
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Rawfoto
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« Antworten #5 am: Dezember 22, 2010, 19:42:53 »

Lieber Hans-Juergen

Joerg & Du seid der Ausloeser fuer mein Interesse selbst Schnitte anfertigen lernen zu wollen :-))

Es ist toll was Du da wieder zeigst. Danke auch fuer Deine akriebische Beschreibung wie Du vorgehst, ich lese diese immer sehr gerne!

Eine Frage habe ich aber auch dieses Mal, im Romeis wird die Lugolsche Loesung fuer die Lagerung von in AFE vorbehandelten Teile empfohlen. Ich bin mit meinem Material (gesammelt habe ich ja schon) auch so vorgegangen ...

Was ist der Grund warum Du in AFE bleist, gibt das einen Vorteil? Wenn ich das richtig verstehe ist ja die weitere Verarbeitung in beiden Faellen wie von Dir beschrieben ...

Ich wuensche natuerlich frohe Weihnachten und freu mich auf den naechsten thread von Dir ...

:-)

Gerhard
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Gerhard
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Rückmeldung sind willkommen, ich bin jederzeit an Weiterentwicklung interessiert, Vorschläge zur Verbesserungen und Varianten meiner eingestellten Bilder sind daher keinerlei Problem für mich ...
Detlef Kramer
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Detlef Kramer, gerne per Du


« Antworten #6 am: Dezember 22, 2010, 20:51:18 »

Hallo Gerhard,
Zitat
Eine Frage habe ich aber auch dieses Mal, im Romeis wird die Lugolsche Loesung fuer die Lagerung von in AFE vorbehandelten Teile empfohlen. Ich bin mit meinem Material (gesammelt habe ich ja schon) auch so vorgegangen ...
Ich kann es auf die Schnelle nicht überprüfen, d.h. nachlesen. Aber, das kann so nicht stimmen. Lugol dient zum Nachweis von Stärke.

In AFE kann man Pflanzengewebe beliebig lange lagern; Wasser (30 Teile) : Ethanol (70 Teile) tut es aber auch. Bei stark verholztem Gewebe empfiehlt sich eine Zugabe von 5 % Eisessig, bzw. der Ersatz der Hälfte des Wassers durch 20 % Essigessenz aus dem Lebensmittelhandel.

Detlef

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Muschelbluemchen
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« Antworten #7 am: Dezember 22, 2010, 21:12:12 »

Lieber Hans-Juergen

Was ich bei deinen Schnitten immer bewundere ist die Färbung - wirklich prächtig und so schön leuchtend!
Darüber hinaus findest Du immer interessante Objekte, die zum Nachschneiden animieren!

mit herzlichen Mikrogrüßen
Leopold
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Rawfoto
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Beiträge: 2633



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« Antworten #8 am: Dezember 22, 2010, 22:57:43 »

Hallo Detlef

Jetzt hatte ich gerade die Kriese, ich dachte ich habe meine ueber 30 archivierte Pflanzenteile erfolgreich vernichtet!

Mein Fehler liegt zum Glueck wo anders. Der Anfaenger hat zugeschlagen und ich habe die Nahmen verwechselt und meine Chemie auch zu allem Ueberfluss falsch beschriftet ==> Schande ueber mich!!!

In Wirklichkeit habe ich Strasburger's Gemisch gemeint und natuerlich wird im Romeis von dieser gesprochen.


Meine Frage bezieht sich also in Wirklichkeit auf die Vorteile/Nachteile von AFE und dann in Richtung Schritt gehen, ober vom AFE ins Strasburger's Gemisch und von dort in Richtung Schnitt ...

Danke fuer die Hilfe einen weiteren Fehler zu beseitigen ...

:-)

Gerhard
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Gerhard
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Mila
Gast
« Antworten #9 am: Dezember 22, 2010, 23:27:16 »

Lieber Hans-Jürgen,

sehr schöne Doku!
Die Drüsenhaare sind ja wirklich klasse!

Herzliche Weihnachtsgrüße
Mila
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Hans-Jürgen Koch
Member

Beiträge: 766



« Antworten #10 am: Dezember 23, 2010, 10:33:00 »

Liebe Pflanzenfreunde,

danke für euer Interesse und die lobenden Worte.

@ Gerhard,
Detlef hat Deine Frage schon beantwortet.
Ich bewahre meine Pflanzenproben immer im AFE-Gemisch auf. Einige Teile liegen schon Jahre in diese Lösung.
Es gibt 3 Substanzen: AFE-1; AFE-2 und AFE-3
Beachte bitte für welche Teile der Pflanze das Gemisch geeignet ist.
Fixiergemisch nach Kisser oder die Aufbewahrungsflüssigkeit nach Strasburger
habe ich noch nicht eingesetzt.
Original Färberezept siehe Seite von Herrn Armin Eisner   http://www.aeisner.de/

Alkohol-Formol-Eisessig-Gemische    (AFE-Gemische)
Ansatz für 100ml  ( entspricht der prozentualen Zusammensetzung )

Substanz                             AFE-1                                       AFE-2                                          AFE-3

Ethanol verg.   96%ig          69,35 ml                                51,78 ml                                     88,13 ml
Aqua dest.                             20,65 ml                                  38,22 ml                                    1,87 ml
Formol 40%ig                          5,00 ml                                    5,00 ml                                    5,00 ml
Eisessig                                    5,00 ml                                    5,00 ml                                    5,00 ml
Eignung :                      Blätter, Sprosse,                  Blätter, Sprosse von Sukkulenten,            Nadeln von Koniferen, 
                      Wurzeln der höheren Pflanzen,              thallöse Lebermoose,                                Zellwände, Cytoplasma
                                Zellwände, Cytoplasma                Zellwände, Cytoplasma


        
Frohe Weihnachten
Hans-Jürgen
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Klaus Herrmann
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« Antworten #11 am: Dezember 23, 2010, 11:25:54 »

Hallo Hans-Jürgen,

die AFE-Rezepturen könnte man eigentlich in die Methoden-Rubrik einstellen. Vielleicht bereinigt um die Angabe der 1/100tel ml. Nicht dass jetzt alle hochgenaue Dosiergeräte kaufen. Auf ganze ml genau sollte genügen!
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Mit herzlichen Mikrogrüßen

 Klaus


ich ziehe das freundschaftliche "Du" vor! ∞ λ ¼


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