Liebe Pflanzenfreunde,
einmal muss wohl jeder Pflanzenschnibbler Scheibchen von der Nadel und dem Spross einer Eibenart geschnitten haben. Ich habe mich für die Gelbe Säuleneibe (Taxus baccata 'Fastigiata Aureomarginata') entschieden.

Die immergrüne Europäische Eibe (Taxus baccata) ist in ihrer Gestalt eine sehr variable Art, die je nach Standortbedingungen als Baum oder Strauch wächst. Dies machen sich natürlich auch die Gartenfreunde zu Nutze - die Eibe wird seit der Renaissance auch wegen ihrer Schnittfestigkeit oft und gerne in Gartenanlagen gepflanzt - was sich in vielen verschiedenen Unterarten und Hybriden niederschlägt. In diese Kategorie fällt auch die gelbe Säuleneibe mit ihrem schlanken Wuchs und den gelb geränderten Nadeln.
Dabei ist Taxus baccata die einzige europäische Art der Gattung der Eiben (Taxus) aus der Familie der Taxaceae und damit als Tertiärrelikt auch die älteste und schattenverträglichste Baumart Europas. Alle Pflanzenteile mit Ausnahme des kräftig rot gefärbten Samenmantels (Arillus) sind giftig.
Eiben können sehr alt werden und erreichen zum Teil erstaunliche Höhen von über 20, vereinzelt sogar bis über 30 Meter (Nordtürkei und Kaukasus), während sie in extremen Gebirgslagen auch als Kriechstrauch auftreten können. Die baum- oder strauchartigen Wuchsformen sind oft bis zum Boden hin belaubt.
Charakteristisch und auffällig ist die dünne grau- bis rotbraune Schuppenborke der Eibenstämme. Junge Eiben weisen in der Regel einen Stamm mit einer deutlichen Hauptachse auf, während ältere Bäume häufig mehrstämmig sind. Weiterhin typisch sind Wurzelschösslinge, Triebstämmlinge und die Bewurzelung von Ästen, die den Boden berühren, was auf eine hohe vegetative Reproduktionsfähigkeit hinweist und die Bildung mehrerer Stämme erklärt. Durch die Verwachsung einzelner Stämme können bis zu 1 Meter dicke Komplexstämme entstehen. Ab einem Alter von etwa 250 Jahren setzt bei Eiben häufig eine Kernfäule im Stammesinneren ein, die im Laufe von Jahrhunderten zu einer fast vollständigen Aushöhlung des Baumes führen kann.
Die weichen und biegsamen Eibennadeln sind in der Regel linealisch geformt, mitunter aber auch leicht sichelförmig gebogen. Sie stehen an den Leittrieben spiralförmig, während sie an den Seitenzweigen zweizeilig angeordnet sind. Die einzelnen Nadeln sind zwischen 1,5 und 3,5 Zentimeter lang und zwischen 2 und 2,5 Millimeter breit. Sie erreichen ein Alter von drei bis acht Jahren, bis der Baum sie abwirft.
Ober- und Unterseite der Nadeln unterscheiden sich deutlich. Auf ihrer Oberseite sind sie glänzend dunkelgrün - oder bei der Gelben Säuleneibe grün mit gelbem Rand - und haben einen erhobenen Mittelnerv, der zur Spitze hin ausläuft. An der Unterseite sind sie dagegen hell- oder olivgrün gefärbt. Die Oberseite weist keine Spaltöffnung auf, an der Unterseite befinden sich durch den Mittelnerv getrennt zwei undeutliche, blassgrüne Stomabänder mit samtiger Struktur. Weiterhin haben Eibennadeln keine Unterhaut oder Hypodermis und es fehlen Harzkanäle sowie das für andere Koniferen typische mechanische Verstärkungsgewebe (Sklerenchym).
Bild 1: eine Jungpflanze der gelben Säuleneibe (Taxus baccata 'Fastigiata Aureomarginata')

Bild 2: Nadeln und männliche Blüten der gelben Säuleneibe

Bild 3: Nahaufnahme einer männlichen Blüte

Bild 4: die typischen Samen mit ihrer roten Samenhülle (Taxus baccata)

Aufnahme von Frank Vincentz unter GFDL
Bild 5: Illustration von Taxus baccata aus "Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz", von Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomé, Gera 1885, Public Domain

Nun zu den Präparaten. Alle Schnitte sind mit dem Handzylindermikrotom und Leica Einmalklingen im Halter entstanden. Anschließend wurden die ca. 50 µm dicken Schnitte nach der Eckhardschen Uhrglasmethode mit Acridinrot (1%ige Lösung in Ethanol 50%, 8 Minuten), Acriflavin (1%ige Lösung in Aqua dest., 30 Sekunden) und Astrablau (1 %ige Lösung in Aqua dest., 1 Minute - Wacker W3A) gefärbt. Dem letzten Färbegang wurde natürlich wieder das berühmte Quäntchen Acriflavin beigesetzt. Der Einschluss erfolgte dann über Isopropanol in Euparal.
Bild 6a/b: Querschnitt auf Höhe des Mittelnervs einer Nadel der gelben Säuleneibe, Vergrößerung 100x, Stapel aus 12 Bildern. Bild 6b mit Beschriftung

Cu : Cuticula
Ep : Epidermis
Pl : Phloem
Xl : Xylem
Skl : Sklerenchym
TPa : Transfusionsparenchym
ED : Endodermis
SPa : Schwammparenchym
Auffällig ist das Fehlen des Sklerenchyms unter der Epidermis, wie man es sonst bei vielen Nadeln findet. Auch sind keine Harzkanäle vorhanden und die für Eibennadeln typische Erhebung über dem Mittelnerv ist gut zu erkennen.
Einige Details der Nadel:
Bild 7: das Leitbündel, Vergrößerung 200x, Stapel aus 14 Bildern

Bild 8: Die Kante der Nadel, Vergrößerung 100x, Stapel aus 10 Bildern

Unten kann man zum rechten Rand hin einige Stoma erkennen. In den Zellen des Palisadenparenchyms zeigen sich seltsame blauschwarze Strukturen.
Bild 9: Das Palisadenparenchym, Vergrößerung 400x, Stapel aus 11 Bildern

Was hat es wohl mit diesen hier hellblau erscheinenden länglichen Strukturen in den Zellen auf sich? Handelt es sich ggf. um einen einzelnen Chloroplasten?
Regi hatte bei ihren Schnitten von der Zedernnadel nach den "kriseligen" Zellinhalten gefragt. Diese tauchen auch bei meinen - ungebleichten - Schnitten auf. Es sind hier wohl Reste des Zellplasmas oder von Zellorganellen.
Bild 10: Stoma an der Nadelunterseite, Vergrößerung 400x, Stapel aus 12 Bildern

Ein Stoma auf der Nadelunterseite. Im Bereich der Stomata ist die Cuticula sehr zerklüftet, die einzelnen Stoma selbst liegen etwas eingesenkt und sind von einem regelrechten "Cuticulakrönchen" umgeben.
Bild 11a/b: Kleberabdruck von der Nadelunterseite mit Stomata, Vergrößerung 200x, Stapel aus 27 Bildern, Bild 11b mit Maßstab


Die Cuticularinge oder "Krönchen" um die Stomata haben einen Durchmesser von ca. 45 µm.
Rechts am Bildrand von 11a beginnt der stomalose Bereich unter dem Mittelnerv. Dort ist die Cuticula deutlich weniger strukturiert.
Die samtartige Anmutung auf der Nadelunterseite entsteht also durch die Struktur der Cuticula in der Umgebung der Spaltöffnungen.
Zu guter Letzt noch einige Bilder vom Spross:
Bild 12: Sprossquerschnitt, Vergrößerung 25x, Stapel aus 10 Bildern

Links im Bild die Ansatzstelle einer Nadel.
Bild 13: Die Ansatzstelle der Nadel in einer anderen Schnittebene, Vergrößerung 100x, Stapel aus 12 Bildern

Bild 14a/b: Xylem und Phloem mit dem dazwischen liegenden Cambium, Vergrößerung 400x, Stapel aus 9 Bildern. 13b mit Maßstab


Bei einigen Zellen sind die Zellkerne sehr schön erhalten und rot angefärbt.
Bild 15: Falte zwischen zwei Schuppen der Borke, Vergrößerung 400x, Stapel aus 10 Bildern

Bild 16: Ein Idioblast im Markparenchym, Vergrößerung 400x, Stapel aus 7 Bildern

Im Markparenchym des Sprosses liegen einzelne Steinzellen (Idioblasten). Die Zelle im Bild ist ca. 91 µm lang und 66 µm breit.
Vielen Dank fürs Betrachten, Anregung und Kritik sind wie immer willkommen.
Herzliche Grüße
Jörg