Hallo,
am Wochenende habe ich in einer Tümpelprobe ein paar schöne Augentierchen der Art Euglena acus gefunden. Mikroskopie ist ein bisschen wie Detektiv spielen. Man findet etwas, dokumentiert es und versucht es zu bestimmen, um dann etwas mehr über die gefundene Art herauszufinden.
Die Euglenoida Arten sind eine sehr alte Gruppe von Lebewesen. Sie haben sich ursprünglich rein heterotroph ernährt (viele Arten tun dies auch heute noch). Bei den Grünalgen ist der Chloroplast durch gefressene und nicht verdaute Cyanobakterien entstanden. Die Euglenoida haben wiederum eine Grünalge verputzt, aus der der heute bei vielen Arten vorhandene Chloroplast entstanden ist. Die geschlechtliche Vermehrung ist bei allen Euglenoida unbekannt. Botaniker ordnen die Euglenoida mit Chlorophyll bei den Algen ein, Zoologen bei den Protisten. Unter den Familien der Euglenoida sind die Euglena Arten wohl die bekanntesten. Die von mir gefundene Art ist Euglena acus - die Form erinnert stark an eine Nadel.
Euglena hat nur eine Geissel die aus einer Art Tasche hervorkommt (Bild 1). Die zweite Geissel ist vorhanden, jedoch zu kurz, um aus der Tasche hervorzukommen.
Im Unterschied zu den Algen besteht die Zellwand der Euglenoida nicht aus Zellulose sondern ist ein sogenanntes Pellikel - eine Art Häutchen (Bilder 5-7). Dieses sehr flexible Häutchen ist für die manchmal beobachtbare merkwürdige Bewegung mancher Euglenoida verantwortlich - es sieht dann so aus als wenn sie sich strecken und wieder zusammenziehen. Das Pellikel hat charakteristische Streifen. Besonders auffällig sind die Speicher für produzierte Kohlenhydrate - sogenannte Paramylonkörner (Bilder 3 und 4). Die Form der Paramylonkörner ist wichtig für die exakte Bestimmung.
Unterhalb der Geisseltasche liegt der Augenfleck (Stigma). Gegenüber ist ein Photorezeptor der die Geissel steuert und es der Euglena ermöglicht, sich mit taumelnden Bewegungen auf Licht zuzubewegen (bzw. auch bei zu starkem Licht zu entfernen). Zwischen dem Augenfleck und dem Chloroplasten ist eine recht aktive kontraktile Vakuole (in Bild 2 ansatzweise erkennbar).
Euglena findet man vor allem in ruhigen, stehenden Gewässern.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/72111_28521538.jpg)
Bild 1: 40x, DIC, Euglena acus mit sichtbaren Geisseln
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/72111_28532374.jpg)
Bild 2: 40x, DIC, Euglena acus Begegnung mit Phacus sp.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/72111_28976666.jpg)
Bild 3: 63x, DIC, Euglena acus mit Paramylonkörnern
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/72111_47192639.jpg)
Bild 4: 63x, Phasenkontrast, Euglena acus mit Paramylonkörnern
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/72111_55850013.jpg)
Bild 5: 63x Pellikel
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/72111_8149174.jpg)
Bild 6: 63x, DIC, tote Euglena acus mit sichtbarem Pellikelstreifen und Paramylonkörnern
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/72111_65680690.jpg)
Bild 7: Ausschnitt mit deutlich sichtbarem Pellikelstreifen und Streifen einer anderen Euglenoida Art
Herzliche Grüsse
Eckhard
Lieber Eckhard,
sehr schöne Bilder sehr interessant erläutert! Vielen Dank für's Zeigen!
Herzliche Grüße
Jörg
Hallo Eckhard,
ZitatBei den Grünalgen ist der Chloroplast durch gefressene und nicht verdaute Cyanobakterien entstanden. Die Euglenoida haben wiederum eine Grünalge verputzt, aus der der heute bei vielen Arten vorhandene Chloroplast entstanden ist
Danke für die interessante Info, danke für die super Fotos!!
Leopold
Lieber Eckhard,
eine wunderbar erfrischende Darstellung, die m.E. in keinem Punkt falsch ist. Die Fotos, wie immer wunderbar, halt Dein Niveau!
Herzliche Grüße
Detlef
Hallo,
schön, dass Euch die Bilder gefallen.
@Leopold,
das war mein Versuch der superkurzen Beschreibung des endosymbiontischen Ursprungs. Soll ich es weglassen, denn die alten Hasen wissen es eh? Oder beschreiben, damit der Text in sich geschlossen logisch ist? Ich hab mich für die Ein-Satz Beschreibung entschieden.
@Detlef,
Danke für das "erfrischend" ;D
Herzliche Grüsse
Eckhard
Lieber Eckard,
ZitatSoll ich es weglassen, denn die alten Hasen wissen es eh?
Es gibt ja auch junge Hasen.....
Und bei der Gelegenheit: Schön wenn man noch einmal jung sein kann ;-) Einiges Neues lerne ich oft aus anderen Texten, auch wenn es für Könner auf dem Gebiet längst selbstverständlich sein mag.
ZitatIm Unterschied zu den Algen besteht die Zellwand der Euglenoida nicht aus Zellulose sondern ist ein sogenanntes Pellikel - eine Art Häutchen (Bilder 5-7). Dieses sehr flexible Häutchen ist für die manchmal beobachtbare merkwürdige Bewegung mancher Euglenoida verantwortlich - es sieht dann so aus als wenn sie sich strecken und wieder zusammenziehen. Das Pellikel hat charakteristische Streifen.
Das hier zum Beispiel. Natürlich habe ich die Streifung der Pellikel schon oft gesehen. Und neulich, bei den wunderbaren Photos der Vorticellae habe ich gedacht: Sind diese Streifen so etwas wie die Sollfaltstellen? Ist ire Funktion, die Verformung des Gesamtkörpers zu erleichtern?
Schöne Photos!
Jürgen