Ich möchte hier wirklich keine politischen Diskusionen rein bringen, aber aktuell haben wir in Deutschland eine Fall, wo 250 Beamte gegen 2 Leute ermitteln, die Chemikalien in größeren Mengen gekauft haben. Bei diesen größeren Mengen Chemikalien handelt es sich um 1 Liter Salzsäure und einige Kühl Pads. Ich finde es gut, dass unsere Sicherheitsorgane uns schützen, aber ich bin mir nicht sicher ob diese Leute wissen was sie tun.
Bemerkenswert finde ich die Tatsache dass die Polizei von den Chemikalienhändlern informiert würde. Bin ich jetzt, wenn ich einen Liter Salzsäure kaufe gleich ein möglicher Terrorist?
In der Mikroskopie werden eine Menge an Chemikalien gebraucht, muss ich jetzt damit rechnen, dass mir mitten in der Nacht das SEK die Tür aufbricht und mich verhaftet?
Zitat von: Safari in September 09, 2011, 23:30:38 NACHMITTAGS
Bei diesen größeren Mengen Chemikalien handelt es sich um 1 Liter Salzsäure und einige Kühl Pads. Ich finde es gut, dass unsere Sicherheitsorgane uns schützen, aber ich bin mir nicht sicher ob diese Leute wissen was sie tun.
Ja, ich glaube schon, dass hier richtig gehandelt wurde.
Es ist nunmal ein Unterschied, ob zwei in Berlin-Neukölln lebende Araber explosive Chemikalien bestellen,
oder ob diese Chemikalien von einem Mikroskopiker bestellt werden, der offensichtlich ein gerechtfertigtes
Bedürfnis für die Stoffe hat. Man wird dich deshalb sicher nicht als potentiellen Terrorist einstufen.
Natürlich ist das Thema an sich schon sehr explosiv, weil man aufpassen muss, dass man keine Klischees bedient
oder in Vorurteilen aufgeht. Man darf nicht jeden Araber als potentiellen Attentäter betrachten. Er könnte ja auch Mikroskopiker sein. ;)
Aber die momentane Gefährdung rechtfertigt meiner Meinung nach durchaus, dass man unter den gegebenen Umständen näher hinschaut.
Wenn die Überprüfung ergibt, dass ein legales Bedürfnis vorliegt, ist ja auch alles in Ordnung.
Grüße
Stefan
Hallo
es ist zwar früh am morgen und ich nicht mehr ganz frisch im Kopf.
Aber was ergibt Salzsäure mit Glycol das dann explosiv sein kann? Kann mir hier einer der Chemiker-Kollegen auf die Sprünge helfen?
Mir fällt wirklich nichts ein.
Hat mit dem Fall überhaupt nichts zu tun, sondern rein wissenschaftliches Interesse!
Hallo Klaus,
es handelte sich wohl nicht um Salzsäure, sondern um Schwefel- und Salpetersäure.
Ich bin kein Chemiker und kann deshalb nur den Berliner Kurier zitieren,
ohne zu wissen, ob die Aussage korrekt ist:
"Salpeter- und Schwefelsäure zusammen ergeben Nitriersäure, Grundlage für viele Sprengstoff-Mischungen.
Nitriersäure und das Glykol-haltige Gel aus den Kühlpads bilden die hochbrisante Substanz Glycoldinitrat. Das ist eine farblose, ölige, wenig flüchtige Flüssigkeit, die es in sich hat: Der Sprengstoff hat eine Detonationsgeschwindigkeit von 7300 Metern pro Sekunde."
Grüße
Stefan
Schon klar Stefan,
Alfred Nobel lässt grüßen!
Salzsäure war eben Journalisten-Quatsch, den dann einer vom anderen abschreibt.
Die Delinquenten waren wohl auch nicht gut informiert, sonst hätten sie die Finger davon gelassen. Eine Substanz, die eher mit Vorsicht zu genießen ist.
Damit ich nicht missverstanden werde: auch ich will die Gefahr, die von solchen Menschen ausgeht nicht verharmlosen. Leider haben sie immer wieder Erfolg mit entsetzlichen Folgen.
Mir gings nur darum auf den chemischen Unsinn hinzuweisen.
Aber das Thema gehört eigentlich eher in ein Chemieforum.
Lieber Klaus,
das Schreckliche ist, dass durch derartige Dinge ein insgesmat völlig abstruser Umgang mit "Chemikalien" bzw. "Chemie" entsteht. Wir sehen es ja an uns selbst: Mittlerweile haben wir schon Angst, über chemische Vorgänge nur zu diskutieren, aus Angst, man könne uns deswegen bezichtigen, Bomben bauen zu wollen oder mit solchen Duskussionen "Tipps" zu geben oder Leute auf dumme Ideen zu bringen.
Mittlerweile wird ja bei jedem, der sich ohne "erkennbaren Grund" für chemische Vorgänge nur interessiert, zunächst einmal nicht naturwissenschaftliches Intersse, sondern ein potentiell kriminelles Ansinnen vermutet!
Auch ich bin kein Freund leichfertiger "Bastelanleitungen", was chemische und (mikro)biologische Vorgänge betrifft. Aber letztlich ist und bleibt Chemie eine zunächst einmal neutrale Naturwissenschaft, und die Beschäftigung damit sollte nicht grundsätzlich den Makel des "Bösen" oder gar "Kriminellen" haben, den sie ja mittlerweile schon bekommen hat. Allein die Verwendung eines wissenschaftlich-technsichen Begriffes wie "explosiv" gilt ja fast schon als supekt und verpönt.
Sicherlich gibt es auch Einiges an Überreaktion, und man stelle sich ähnliche präventive Restriktionen wie beim Chemikalienverkauf einmal in anderen Lebensbereichen vor: Fliegen wird grundsätzlich verboten, weil immer die Gefahr besteht, dass ein Flugzeug kontrolliert in einem Menschenmenge gelenkt wird. Auch der Verkauf von Autos, tausendfach für kriminelle Dinge mißbraucht, wird streng reglementiert. Jeder Interesent für ein SUV wird dem BKA gmeldet, denn wozu braucht man ein solches Auto wirklich? Einen vernünfitigen Grund zu Kauf eines solchen Fahrzeugs gibt es nicht. Und sie werden nicht selten benutzt, um damit in Schaufenster zu fahren und Juweliere auszurauben. Feuerzeuge...wieviel Brandstiftungen werden damit begangen!?
Fühlt sich jemand bei diesen sicher etwas überspitzten Beispiele an einen Staat, der bis 1989 existierte, erinnert?
Man kann es noch weiter treiben: Bildung verbieten, wer dumm ist, ist nicht in der Lage, Bomben zu bauen oder sonstwie terroristisch tätig zu werden. Wir wir wissen, gab und gibt es noch Staaten, die exakt so verfahren!
In diesem speziellen Fall der Glykolkissen und der Säuren war es ohne Zweifel gut, dass das Sicherheitssystem Alarm geschlagen hat. Man sollte nur bedenken, dass Teroristen auf jeden Fall ein Ziel erreicht haben: Die "Freiheit" in unserem Staat wird immer weiter eingeschränkt. Und sei es nur die Freiheit, ein paar harmlose Chemikalien zu erstehen.
Ürbigens bin auch ich überzeugt, dass Terroristen immer eine Möglichkeit finden werden, ihre Taten zu begehen. Man kann es ihnen schwerer machen ( um den Preis, unsere Freiheit immer weiter einzuschränken ), aber letztlich wird man es nie ganz verhindern können. Das soll kein Argument sein, künftig die Türen von Kernkraftwerken einfach mal offen stehen zu lassen, aber ob die Restriktionen in so extremer Form wie beim Chemikalienhandel sein müssen, bleibt dahingestellt.
Herzliche Grüße
Peter Voigt
Liebe Leute, reagiert Ihr eigentlich angemessen?
Wenn man der Presse glauben darf, hat es mindestens weitere 2 unabhängige Gründe gegeben, die die Behörden in Alarmbereitschaft versetzt haben.
Ich kann nicht erkennen, was Sicherheitsbehörden da anders machen könnten, zumal nach Oslo, die wären nämlich froh gewesen, wenn sie die vorhandenen Puzzle vorher verstanden hätten.
Das ist die eine Seite, die andere ist, ob hier jemand von Ihnen meint, er müsse sich selber zensieren. Das sehe ich nicht so, ohne jetzt große Worte wie Zivilcourage zu gebrauchen.
Werner Jülich