Liebe Pflanzenfreunde,
der Lack Sumach ist ein interessanter Baum, von dem ich noch nichts gehört hatte. Bei unserem letzten Besuch im Harz habe ich eine Probe mitgebracht.
Systematik:
Ordnung: Seifenbaumartige (Sapindales)
Familie: Sumachgewächse (Anacardiaceae)
Gattung: Rhus
Art: Lackbaum
Wissenschaftlicher Name: Rhus verniciflua
Englischer Name: Japanese lacquer tree
Weitere Namen: Japanese Laquer Tree , Varnish Tree, Urushi (jp)
Bild 01 Illustration, Zeichnung, Lacksumach (Rhus verniciflua)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/75034_18241399.jpg)
Der Lacksumach ist ein laubabwerfender Baum und erreicht eine Höhe von bis zu 15 Meter, mit 7- bis 13-zähligen Blättern. Beeren strohgelb, 10 mm Durchmesser.
Sein Harz glänzt und schützt das Holz, auf das es aufgetragen wird, vor dem Holzwurm und vor Feuchtigkeit.
Er ist in Höhenlagen zwischen 800 und 2800 Meter in Indien, Japan, Korea und den chinesischen Provinzen beheimatet. Sein Saft wird seit etwa dreitausend Jahren für die Herstellung von Chinalack verwendet, der im Kunsthandwerk zur Herstellung von chinesischen Lackerzeugnissen genutzt wird.
Bild 02 Rindensekret, Lacksumach (Rhus verniciflua)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/75034_9699866.jpg)
Foto: Mario Schubert
http://www.rhus-toxicodendron.com
Der Grundstoff für chinesischen Lack wird aus dem harzigen, grau-weiß milchigen Rindensekret des Lackbaums (Rhus verniciflua) gewonnen. An der Luft polymerisiert die Substanz färbt in wenigen Minuten schwarz.
Bei Hautkontakt entstehen Rötungen der betroffenen Partien und in der Folge Bläschen mit Flüssigkeit. Zusätzlich treten Vereiterungen auf. Diese Erscheinungen werden Lackkrankheit (Urushi-Kaburé) genannt.
Der Milchsaft der Pflanze und ist auch noch in abgestorbenen Pflanzenteilen bis zu fünf Jahren wirksam.
Bereits ein Nanogramm (milliardstel Gramm) Urushiol kann schon zu Hautreizungen führen. Theoretisch würden zehn Gramm Urushiol ausreichen, um bei der gesamten Weltbevölkerung Hautausschlag zu verursachen.
Zur Lackgewinnung werden die Stämme des Baumes horizontal angeritzt. Die Bäume müssen idealerweise wenigstens 9 Jahre alt sein. Die Hände schützen die Lackzapfer mit Fausthandschuhen (Te-bukuro).
Japanische Lackarbeiten sind aus dem 3. Jahrhundert bekannt. Die Lackarbeiten wurden Nuri-mono und Urushi-saiku genannt.
Ausgehärtet ist Urushi aber völlig ungefährlich und schützt zuverlässig vor Wasser, Alkohol, Salzen und Säuren. Urushi besticht optisch durch seinen hervorragenden Glanz und seine Transparenz. Der Lack ist langlebig und robust gegen Hitze bis zu 250º Celsius. Urushi-Lack bekommt durch seine Dauerelastizität keine Risse, ist lebensmittelecht und schützt in tropisch feuchten Regionen vor Schimmelbildung.
Bild 03 Schnittstellen, Lacksumach (Rhus verniciflua)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/75034_62150208.jpg)
Querschnitte 40 µm
Arbeitsanleitung:
Original Färberezept siehe Seite von Herrn Armin Eisner http://www.aeisner.de/
W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau) modifiziert
Arbeitsablauf :
Querschnitte
Reichert - Jung Schlittenmikrotom Hn 40 - Schnittstärke beträgt 40 µm.
Probe lag in AFE – Gemisch
1. Fixiergemisch auswaschen in 70 % Ethanol 5 Minuten
2. Alkoholreihe bis zum 30%igen Ethanol
3. Wasser entmin. 3x wechseln je 1 Minute
4. Vorfärbung Acridinrotlösung 8 Min.
5. 1x auswaschen mit Aqua dest. .
6. Acriflavinlösung (differenzieren bis gerade keine Farbwolken mehr abgehen - Lupenkontrolle) 12 Sekunden.
7. 2 x auswaschen mit Aqua dest..
8. Nachfärbung Astrablaulösung 2 Minute.
Bei der Nachfärbung mit Astrablau eine Mischung aus Astrablau und Acriflavin im Verhältnis 5 : 1 verwendet.
9. Auswaschen mit Aqua dest. bis keine Farbstoffreste auf dem Objektträger verbleiben
10. Entwässern mit 2x gewechseltem Isopropylalkohol ( 99,9 % )
11. Als letzte Stufe vor dem Eindecken Xylol einsetzen
12. Einschluss in Entellan
Ergebnis :
Zellwände blaugrün bis grün, verholzte Zellwände leuchtend rot. Zellwände der äußeren Hypodermis orangerot, Cuticula gelb. Zellwände der innenliegenden Hypodermis tiefrot, Suberin hellrosa.
Fotos erstellt mit Nikon D5000.
Bild 04 Spross, Übersicht, Lacksumach (Rhus verniciflua)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/75034_65130577.jpg)
Bild 05 Vergrößerung aus der Übersicht mit Beschriftung, Lacksumach (Rhus verniciflua)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/75034_53108000.jpg)
T = Tracheen, CU = Cuticula, EP = Epidermis, RP = Rindenparenchym, SE = Sekretgang (Harzgang) , Xy = Xylem, PH = Phloem, SK = Sklerenchymring, MST = Markstrahl.
Bild 06 Spross, Sekretgang, Lacksumach (Rhus verniciflua)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/75034_29944355.jpg)
Bild 07 Zeichnung, Spross, Sekretgang, Lacksumach (Rhus verniciflua)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/75034_19759038.jpg)
In den Zellen wird wohl das milchige Sekret gebildet, das sich in die Gänge ergießt.
Bild 08 Spross, innerer Sekretgang (jüngeres Stadium), Lacksumach (Rhus verniciflua)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/75034_4814200.jpg)
Auffällig hier der Sekretgang im Markparenchym
Bild 09 Spross, Vergrößerung Sekretgang, Lacksumach (Rhus verniciflua)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/75034_63164482.jpg)
Bild 10 Spross, Dunkelfeld, Lacksumach (Rhus verniciflua)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/75034_39606967.jpg)
Bild 11 Spross, die äußeren Schichten: von der gelben Cuticula bis zum rotem Sklerenchymring, Lacksumach (Rhus verniciflua)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/75034_13272918.jpg)
Bild 12 Blattstiel, Gefrierschnitt, Lacksumach (Rhus verniciflua)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/75034_7318728.jpg)
Gefriereinrichtung am Reichert - Jung Schlittenmikrotom Hn 40
Bild 13 Übersicht, Querschnitte, Spross und Blattstiel, Lacksumach (Rhus verniciflua)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/75034_31632415.jpg)
Bild 14 Blattstiel, Vergrößerung, Lacksumach (Rhus verniciflua)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/75034_21860628.jpg)
Auch im Blattstiel sind Harzkanäle zu sehen.
Bild 15 Blattstiel, Floureszenzaufnahme, Lacksumach (Rhus verniciflua)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/75034_23870535.jpg)
Hier ist ein kleines Haar abgebildet.
Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED - Standard - Beleuchtung als Pilotlicht
Literatur:
A. Tschirch: Die Harze und die Harzbehälter mit Einschluss der Milchsäfte. Leipzig 1906
Strasburger: Lehrbuch der Botanik 1991
Für Verbesserungsvorschläge habe ich ein offenes Ohr.
Mit freundlichem Gruß
Hans-Jürgen
Hallo Hans-Jürgen
Interessante Pflanze und gut dokumentiert
Danke fürs zeigen
Herzlichen Gruss
Jan
Lieber Hans-Jürgen,
vielen Dank für die schöne Dokumentation zu diesem interessanten Baum! Besonders die Darstellung der Sekretgänge finde ich sehr gelungen.
Herzliche Grüße
Jörg
Lieber Jan, lieber Jörg,
danke für das Lob.
Im Spross vom Lackbaum sind viele Kristalldrusen (Calciumoxalat Kristalle) zu sehen - gekreuzte Polfilter. Leider konnte ich keine brauchbaren Fotos machen, es fehlt einfach die Tiefenschärfe.
Gruß und schönes Wochenende
Hans-Jürgen
Lieber Hans-Jürgen,
da hast du ja gefährliches Terrain betreten! ;)
Zu deiner wie immer sorgfältigen Dok fallen mir 2 Dinge ein:
1. langsam ein alter Hut: eine Rubrik Histologie wäre sicher langsam angebracht. Florian hat ja einen hilfsweise Ersatz geschaffen für die tierisch/menschliche H.
2. Bei dir würde es sich auch lohnen eine CD zu brennen, wie die von Bernard, weil du immer so schöne Dok zusammenstellst!
Eine Technikfrage: das "Einbettungsmittel" beim Gefrierschnitt ist ein gefrorener Wassertropfen?
Lieber Klaus,
danke. Dunkel gefärbte Finger hatte ich vom Milchsekret der Pflanze schon, aber keine allergische Reaktionen.
Wenn ich einmal mehr Freizeit habe, gibt es vielleicht eine CD mit meinen Schnitten.
Ja, eine Rubrik ,,Pflanzen – Histologie" ist sicher sinnvoll.
Es ist ein gefrorener Wassertropfen; mit Hilfe des Peltier- Elementes wird minus 10 Grad Celsius erreicht.
Siehe hier: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=9719.0
Gruß
Hans-Jürgen
Lieber Hans-Jürgen,
eine interessante Pflanze präsentierst Du uns :) Da habe ich doch wieder Einiges gelernt.
Wie schön, auch mal eine Zeichnung zu sehen, einige meiner lieben Schüler werden sicher so reagieren: "Wie? Da zeichnet jemand freiwillig? :o"
Aber manche haben auch viel Spaß daran und oft entstehen wirklich sehr schöne, detaillierte Zeichnungen.
Herzliche Grüße
Mila
Liebe Mila,
danke für Dein Lob.
Auch im Zeitalter der digitalen Fotografie, sollten wir das Zeichnen unserer Präparate nicht vergessen.
Wenn ich mir das Buch von Ernst Haeckel ,, Kunstformen der Natur" ISBN: 978-3-937715-17-9 ansehe, bin ich immer wieder begeistert.
Für Einsteiger in die Zeichenwelt ist das Buch von Willi Kuhl ,, Das wissenschaftliche Zeichnen in der Biologie und Medizin", 1949 zu empfehlen.
Gruß
Hans-Jürgen
Lieber Hans-Jürgen,
vielen Dank für die Tipps, das erstgenannte Buch besitze ich auch.
Das Zeichnen ist u.a. deswegen auch so wichtig, weil man häufig erst dann sieht, ob der oft dreidimensionale Aufbau eines Gewebes - z.B. einer Drüsenschuppe "von oben" - verstanden wurde.
Bitte mehr Zeichnungen präsentieren :)
Viele Grüße
Mila