Liebe Leserinnen und Leser
Anfang November hatte ich die Gelegenheit, am Einführungskurs zur mikroskopischen Holzanatomie des WSL Birmensdorf unter der Leitung von Fritz Schweingruber und Holger Gärtner teilzunehmen. Während des Laborpraktikums konnte ich mit dem Schlittenmikrotom GSL1 arbeiten, einer Eigenentwicklung des WSL:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/81199_21528863.jpg)
Hier sind die Herstellerinfos zu diesem hübschen, praktischen und noch sehr gut transportablen Gerät:
http://www.woodecology.ch/willyjoomla/index.php?option=com_content&view=article&id=136&Itemid=179
Der Clou daran ist die Verwendung gewöhnlicher, spottbilliger Einwegklingen für Papiermesser, welche sich für Schnitte von Gehölzen bestens eignen.
Da ich schon länger mit einem "richtigen" Mikrotom für botanische Schnitte geliebäugelt hatte, fasste ich eine Anschaffung ins Auge. Der Preis rückte ein Neugerät zunächst in weite Ferne. Nach einigen Überlegungen machte ich mich dann aber an den Selbstbau auf der Basis des GSL1. Heute konnte ich mein Gerät in Betrieb nehmen, das ich der Gemeinde hier nicht vorenthalten möchte, bittesehr:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/81199_10268167.jpg)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/81199_18341664.jpg)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/81199_66357255.jpg)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/81199_13810732.jpg)
Wie unschwer zu sehen ist, habe ich im Wesentlichen die Anordnung der Komponenten des GSL1 schamlos abgekupfert, die Erfinder mögen es mir nachsehen. Die Linearführung und den feinverstellbaren Schlitten konnte ich preiswert gebraucht in den Tiefen des Internet auftreiben. Den Rest fertigte ich auf der Drehbank. Alles ist etwas massiver dimensioniert, da ich keinen Edelstahl für Messerhalter, Probenzwinge und Querschlitten zur Verfügung hatte wie er am Vorbild zur Verwendung kommt, sondern nur Aluminium und Messing:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/81199_29369107.jpg)
Dem Schlitten spendierte ich einen grossen Drehknopf:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/81199_63282727.jpg)
Der Sockel besteht aus einem Betongussteil, was mehrere Vorteile bietet - Beton ist steif, schwer und billig:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/81199_44455009.jpg)
Im Gussstück sind die Gewindebüchsen für die Verschraubung der Schiene sowie die Grundplatte des Messerhalters eingelassen.
Die ersten Schnitte schauen vielversprechend aus:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/81199_10716066.jpg)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/81199_36705522.jpg)
Föhre, 5 mm Zweig quer, Astrablau/Safranin
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/81199_28531394.jpg)
Efeu, Querschnitt ca. 15 mm, Astrablau/Safranin
Nun bin ich gespannt, wie harte Hölzer sich damit noch schneiden lassen und wie dünn, und ob sich das Gerät auch für andere Materialien eignet. Eine Einschränkung ist dabei sicher der fixe Messerwinkel. Falls die Schärfe der Einwegklingen nicht ausreicht, sollten sich wohl auch spezielle Einweg-Mikrotomklingen einsetzen lassen. Dafür lassen sich, dank verstellbarer Messerschrägstellung, auch noch recht dicke "Balken" bearbeiten. Auf jeden Fall habe ich endlich mein Holzmikrotom - und das erst noch zu einem kaum zu unterbietenden Preis!
Ich freue mich auf zahlreiche Kommentare, Kritiken und Fragen.
Beste Grüsse, Daniel
Hallo Daniel
Spannender Ansatz, allerdings gab es in der letzten Zeit einige Jung HN-40 je nach Zustand zwischen 240 und 400, alle einsatzbereit. Ob Du da wirklich günstiger dran bist musst Du selbst beantworten. Spannend finde ich das Original, das schaut wirklich transportabel aus ... Deines schwimmt ja sicher nicht :-)) Der Sockel wird ja von der Mafia seit Jahrhunderten erfolgreich eingesetzt ...
Auf jeden Fall Gratulation zur mechanischen Leistung, ich bin schon auf Ergebnisse gespannt ...
Schönen Abend :-)
Gerhard
Hallo Daniel,
sehr, sehr schön. Alle Achtung.
Schade dass ich keine Schnitte mache. Aber wenn ich jetzt Deine Lösung sehe und darüber nachdenke was man sich bauen muss um Schnitte zu machen ist ja fast eine Überlegung wert mit den botanischen Schnitten anzufangen :)
Bastian
Daniel,
Alle Achtung. Sieht aus wie ein Meisterwerk und wenn das die ersten Schnitte sind wurde ich mich nicht soviel sorgen machen das den Schneidewinkel nicht verstellbar ist.
Meine Einwegklingelnbehälter ist auch nicht verstellbar und Funktioniert Prima.
Freue mich auf viele zukünftige Tolle Bilder deine Schneide-Arbeit.
Grüße Ronald
Hallo Daniel,
schöne Arbeit ! Das dürfte Polymerbeton sein oder ? Vielleicht hast du die Form so gestaltet, daß man noch ein paar Güsse machen könnte. Dann kann sich Bastian sicher auch schneller entscheiden. Ich schau derweil morgen mal in der Halle, was ich noch an Linearführungen liegen habe.
Viel Freude wünsche ich damit !
Lothar
Hallo Daniel!
Das sieht doch schonmal sehr gut aus, auch wenn ich Stahl anstelle von Beton schöner fände :)
Sind damit eignetlich auch histologische Schnitte möglich?
Gruß
Olaf
Hallo liebe Mikronauten,
und danke für die freundlichen Rückmeldungen.
@Gerhard: 250-400 € für ein HM-40... das wäre eine Überlegung wert gewesen, ich hätte mich allerdings um die beträchtliche Schöpferfreude gebracht. Mein Selbstbau hat mich um die CHF 250 gekostet, nicht eingerechnet zwei, drei Werkzeuge, die sicher auch anderweitig mal Verwendung finden. Den Rest gab meine Schrottsammlung her.
@Ronald: Ich hatte an einem verstellbaren Halter herumgedacht, bin aber aus Stabilitätsgründen wieder davon abgekommen. Es ist für mich einfacher, für andere Schneidwinkel je einen eigenen Halter zu bauen.
@Lothar: Das ist ganz kommuner Beton, nur Portlandzement und Sand, allerdings mit ein paar Gewindestangen über Kreuz armiert. Auch an Mineralguss (Polymer) hab ich rumstudiert, bin aus Kostengründen aber bei 0815beton geblieben.
@Olaf: Mit histologischen Schnitten habe ich bislang exakt 0,0 Erfahrung - vielleicht kann Ronald was dazu sagen?
Schönen Tag noch, Daniel
Ob mit dieses Mikrotom auch Tierliches Gewebe geschnitten werden kann passt nur eine Antwort: 'einfach ausprobieren'.
Die spanneinrichtung sieht groß genug auch für ein Paraffinblock. Entscheidend wird die Stabilität sein und den zu erreichen Schnittdicke.
Ein Gewebeschnitt von 7-8um ist Normaleweise Maximal (ein Gehirnschnitt wird öfters dick, 10-30um, geschnitten wenn eine Silberimpregnation folgen sollte).
Grüße Ronald
ps wäre nett wenn später mal ein bericht gepostet wird ob es wirklich geht.
Ronald, ich würde das bei Gelegenheit gern mal ausprobieren. Die Zwinge ist sicher gross genug, die ist 60 mm breit. Limite ist die maximale Schrägstellung der Klinge, aber ca. 2,5 cm Probenhöhe sollten noch gehen. Bin selber gespannt, auf welche minimale Schnittdicke ich gehen kann.
Vielleicht hättest du oder sonst jemand hier einen überzähligen histologischen Block, an dem ich mich versuchen kann? Für Histo bin ich leider (noch) nicht eingerichtet, mein Fokus liegt auf Botanik und Protisten.
Beste Grüsse, Daniel
Daniel,
Gebe mal deine Adresse. Ich habe noch ein Darm-Block das noch nie angeschnitten ist und zu vergeben ist. Muss noch auf einen Holzklotzen aufgeklebt werden aber das wird nicht das Problem werden.
Grüße Ronald
Guten Tag Daniel
Dein Gerät zeugt von Erfindergeist. Die Idee mit dem Beton finde ich bestechend. Immerhin gibt es regelmässig ein Betonkanurennen. Dieser Stoff taugt zu weit mehr als nur zum Luftschutzräume bauen. Und so ganz nebenbei scheinst Du auch sehr gut mit Dreh- und Fräsmaschine ausgerüstet zu sein.
Ich bin gespannt auf deine Schnitte.
Grüsse aus den Weihnachtsferien in Klosters.
Jürg
Hallo Ronald, ich schicke dir eine pers. Mitteilung.
@Jürg: Ich habe "nur" eine Myford ML7 (Jg. 1964) mit zusätzlichem Vertikalschlitten. Das arme Maschinchen kam mit der Aufgabe ziemlich an seine Grenzen... aber diese alten Traktoren sind untötlich.
Noch schöne Tage in Klosters! Ich war ja im November mit dem WSL dort...
Grüsse, Daniel
Ach Du .......... wie komm ich jetzt an eine Linear-Führung ??
SOWAS will ich AUCH !!!!!
Hebi
Hallo Hebi,
z.B. hier:
http://www.ebay.de/itm/INA-Linearfuhrung-2-Kugelwagen-KWSE-25-H-SOM-/260841097813?pt=LH_DefaultDomain_77&hash=item3cbb574a55
Solche Schienen gibts immer mal wieder, und wenn man etwas Geduld hat, findet man auch die passenden Abmessungen. Das Ablängen einer überlangen Schiene ist insofern knifflig, als man dazu ein Hartmetallsägeblatt braucht, da die Laufflächen gehärtet sind.
Grüsse, Daniel
Hallo Daniel,
ich wäre sehr interessiert an Angaben, um welche Klingen es sich bei Dir handelt und wo man sie beziehen kann. Das könnte ja eine Alternative zu den teueren Leica- und anderen Klingen sein.
Herzliche Grüße,
Detlef
Hallo Detlef,
diese hier:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/82231_65404678.jpg)
Es sind ganz normale Papiermesserklingen (bei uns auch als Olfa-Klingen bekannt) - das Zehnerpack kostet je nach Anbieter ca. 1- 2 €. Es gibt sie in der Schreibwarenabteilung in jedem Warenhaus. Und nach dem Einsatz am Mikrotom sind sie immer noch scharf genug für gewöhnliche Schneidarbeiten!
Herzliche Grüsse, Daniel
Guten Abend
Es gibt noch dieses Dokument.
http://bio.kuleuven.be/sys/iawa/PDF/IAWA%20J%2021-25/24%20(3)%202003/24(3)%20241-245.pdf
Gruss
Jürg
Genau, darauf hatte mich Fritz Schweingruber auch aufmerksam gemacht.
Ich habe die Klinge mal im Profil fotografiert, um den Schneidenwinkel zu bestimmen:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/82233_64346142.jpg)
Spitzenwinkel hier ziemlich genau 24°, leicht asymmetrisch zur Klingenachse. Wäre interessant, verschiedene Fabrikate zu vergleichen...
Gruss, Daniel
Hallo Detlef,
hier habe ich ein Link http://www.jaguar-solingen.com/de/produkte/rasiermesser.php?offset=3 zu einer Klinge die ich seit einiger Zeit anwende. Sie ist 62mm lang und kann auch längs halbiert werden. Ich kaufe sie bei einem Zulieferer für Coiffure.
Zusammen mit einem passenden Klingenhalter habe ich mit dieser Klinge sehr gute Erfahrungen gemacht.
Ich habe keine Preisvergleiche mit Einweg-Mikrotomklingen gegenüber Rasierklingen gemacht.
Gruss Arnold Büschlen