Liebe Mikrofreunde
Vor kurzem zeigte ich hier meinen Eigenbau eines Schlittenmikrotoms:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=11125.0
Dieses ist ja eigentlich für Gehölzschnitte gedacht, aber es kam die Frage auf, ob es auch für histologische Schnitte taugt.
Netterweise stellte mir ein Mitglied ein Paraffinblöckchen mit einem Stückchen Darm (wovon weiss ich nicht mal) für Schnittversuche zur Verfügung. Die Ergebnisse meiner Histo-Premiere möchte ich hier kurz vorstellen:
Paraffinblock auf Holzklötzchen aufgeklebt und in den Objektschlitten eingespannt. Durch den fixen, ziemlich steilen Anstellwinkel der Klinge rollen die Schnitte stark, und zwar je dünner desto stärker:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/82227_56843314.jpg)
so dass sich nur ab und zu ein Schnitt sauber entrollen lässt und im Streckbad flach liegt.
Teils löst sich das Objekt im Schnitt etwas aus dem Paraffin. Ob das mit der Schnittechnik oder der Einbettung zusammenhängt, kann ich nicht recht beurteilen, neige aber dazu, den Fehler bei der eventuell ungenügenden Schärfe der Schneide zu suchen:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/82227_48874529.jpg)
Auf den Objektträger aufgezogen, entparaffiniert und mit verdünnter Giemsa-Lösung ein paar Minuten gefärbt, entwässert und mit Caedax eingedeckt:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/82227_57698649.jpg)
Darm, "irgendwie" quer, in der Übersicht (Planachromat 4x).
Noch ein paar Details:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/82227_49648214.jpg)
Darmwand, Planachromat 40x
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/82227_16834396.jpg)
Planachromat 100x Oel
Fragt mich aber besser nicht, was hier abgebildet ist...
Mein rein technisches Fazit: Es geht - liesse sich aber sicherlich noch verbessern mit einem flacheren Schnittwinkel, bei den verwendeten Papiermesserklingen minimal ca. 25° gegenüber aktuell 30°, denn der Spitzenwinkel der Schneide liegt bei 24°. Dafür wäre ein separater Klingenhalter noch zu bauen. Und vielleicht sind für solche Zwecke richtige Einweg-Mikrotomklingen doch besser. Dennoch bin ich überrascht, wie dünn sich mit meinem Gerät noch schneiden lässt; es geht deutlich unter 10 Mikrometer.
Nochmals danke an den edlen "Darmspender" ;D für die erhaltene Unterstützung, und allen Leserinnen und Lesern für die Aufmerksamkeit und allfällige Kommentare!
Beste Grüsse, Daniel
Daniel,
Meine erste Schnitte sahen aber Gans anders aus. Diese sind gar nicht so schlecht. Das Darmstuck kam von ein Fisch. So könntest du auch sehr einfach an Material kommen. Ich benutze es nicht mehr weil die Histologie von ein Fisch doch ziemlich anders ist wie beim Menschen. Darum brauche ich Ratten und Mauser.
Die Dunkle Blaue Punkte sind anfärbungen von Becherzellen (sind hier Rot angefärbt http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=9009.0.
Ich denke das deine Schnitte noch zu Dick sind und die Giemsa Färbung ist nicht so geeignet.
Hast du Haematoxyline und Eosin zur Verfügung?
Grüße Ronald
Ronald,
ich habe Eosin Y und saures Hämalaun nach Mayer. Damit könnte ich es bei den nächsten, hoffentlich noch dünnernen Schnitten mal versuchen. Armin Eisner gibt eine Prozedur dafür an, allerdings ohne Einwirkzeiten.
Leider kann ich bei meinem Mikrotom nur 10/1000 Schritte ablesen, Teilbeträge nur noch interpolieren. So ist die Dicke mehr oder weniger Glückssache, aber dafür ist das Gerät ja eigentlich nicht vorgesehen...
Danke für deine Hilfe und Gruss, Daniel
Daniel,
Die Stoffe sind prima. Ich schlage folgende Färbung vor:
- Schnitt entparaffinieren und in AD (Aqua dest.) bringen;
- Mit die Hämalaunlösung Farben, 5 Min;
- Überschüssige Farblösung vom Objektträger ablaufen lassen und mit AD spülen (Schnitt soll Leicht-Weinrot sein);
- Bläuen in Leitungswasser; (ich nehme meist ein Becherglas. Hier in Friesland haben wir Hartes Wasser aber bei dir ist es wahrscheinlich sehr 'weich'. Dazu könntest du dann einen Tropfen Ammoniak zufügen. Dein Schnitt soll sich in ungefähr 10 Min Leichtblau werden. Das Wasser ein mal Wechseln).
- Spülen in AD;
- Eosin anbringen 8-9 Min; (gut wäre es um das Eosin leicht an zu sauern mit z.B. Eisessig 2%. Dann hält das Eosin Besser in den Entwasserungsstufen)
- Spülen mit AD (Schnitt muss jetzt Richtig Rosa sein);
- Schnitt in Ethanol 70% Schwenken (ungefähr 1 Min, Eosin geht jetzt ab. Darum sollte den Schnitt richtig Rosa sein);
- Ethanol 96%, 2-3 Min (hier kommt noch immer Eosin ab aber schon was mehr Kontrolliert);
- 2x Isopropanol 100%, 4 Min;
- Falls Euparal darf jetzt eingeschlossen werden, sonst 2x Xylol-stufen und dann Harzeinschluss.
Das säuern von das Eosin ist ziemlich wichtig. In meine erste Färbungen wurde das Ganze Eosin ausgespült weil ich zu lange entwässerte in 70% und weil das Eosin nicht angesauert war. Armin Eisner hat mich das erzählt und hatte recht. Es soll aber nicht zu sauer sein weil das wider die Haematoxyline angreift.
Melde bitte auch wider wie es dir vergangen ist, grüße Ronald
Hallo Daniel,
danke, dass du auf meine Frage eingegangen bist.
Die ersten Schnitte sehen doch schonmal ganz brauchbar aus.
Gruß
Olaf
Olaf,
Und gute Schnitte können damit sicher gemacht werden. Wenn ich den Schnitt auf das Streckwasser sehe dann Schneidet das Mikrotom Prima.
Daniel hat nur noch nicht den notwendige Erfahrung aber das wird er bestimmt bekommen und werden die Schnitte besser und besser.
Grüße Ronald
Wenn es das Interessen an Histologie in ihm geweckt hat wird er das :)
Sonst können wir bald Botanische Schnitte bewundern.
Für Anfänger gilt ja: Gibt sich, hat und bereitet Mühe! ;D
Ich hoffe, ich kann hier im Laufe der Zeit einige Fortschritte zeigen.
Grüsse, Daniel