Ich bin auf der Suche nach einem Stereomikroskop zur Betrachtung und Dokumentation von Oberflächen. Es handelt sich dabei in aller erster Linie um Metalloberflächen nicht planparalleler Gegenstände (Stichwort: zerstörungsfrei), und den Spuren die die Fertigungstechnik hinterlassen hat. Am besten wäre wohl auch kein Tischgerät sondern ein Stativ mit Freiarm geeignet.
Ich habe mir z.B. mal das Stemi IV und das Stemi DV 4 angesehen, bin mir aber über die Produkte noch im Unklaren.
Es gibt doch hin und wieder OP Mikroskope, wäre es möglich so etwas um zu nutzen, oder gibt es bessere Wege zum Ziel. Ach so, ja, ein Neugerät scheidet aus :(
Ich habe mir in den letzten Monaten versucht einen Überblick über die Stereomikroskope zu verschaffen, aber das hat nicht wirklich geklappt. Deshalb frage ich nun einmal im Forum. Hat jemend ein paar Ratschläge übrig?
Herzliche Grüße,
Bastian
Hallo Bastian,
das klingt doch so, als ob Du das Gerät für einen professionellen Zweck suchst? Wenn das stimmt, musst Du auch professionell suchen, d.h. den Einsatzzweck genau definieren, also auch gewünschte Auflösung, benötigte Vergrößerung, gewünschter Arbeitsabstand. Und dann müsstest Du schauen, ob dies der Gebrauchtmarkt bietet. Auf Anhieb würde ich einmal meinen, dass z.B. das BonnTec Zoom Advanced 2 eventuell zielführender sein könnte, als ein Gebrauchtes - muss aber nicht so sein. Wie gesagt: Anforderungskatalog definieren und im Zweifelsfall beim Fachhändler mit eigenen Proben vorsprechen.
Viel Glück und Erfolg,
Detlef
Hallo Detlef,
danke für deinen Hinweis. Die Crux ist eben genau die, dass ich die Anforderungen an das Mikroskop nicht genau definieren kann; deswegen frage ich ja im Forum. Aus verschiedenen Gründen mag dieses Vorgehen also "unprofessionell" erscheinen:
1. Ich arbeite mich in ein neues Gebiet ein
2. die Proben sind extrem unterschiedlich, etwa so unterschiedlich wie Schmieden und Gießen oder Fräsen. Ausserdem kann ich sie i.d.R. nicht irgendwo hinbringen, d.h. das Mikroskop muss zum Objekt...
3. es ist keine etablierte Methode, d.h. da das sehr selten gemacht wurde/wird gibt es nicht viele Erfahrungswerte auf die ich zurück greifen muss
Zu 1
Mein alter Beruf ist das Gießen von Metallen, mein zweiter Archäologe, mein dritter Metallurg. Mich interessieren Fertigungstechniken und die Spuren solcher an Metallgegenständen um auf die Herstellungstechnik zu schließen. Das kannst Du als "professionellen Zweck" bezeichnen oder auch nicht, die einzige Tatsache die für mich zählt ist das ich mir das Gebiet erarbeiten will. In der Archäologie gibt es eine "verwandte" Disziplin, die Gebrauchsspurenanalyse. Aber ich habe das bisher nicht gemacht.
Vor etwa drei Jahren habe ich mich Im Rahmen eines Antrages mit den großen Mikroskopherstellern in Verbindung gesetzt und ein solches Wunschmikroskop zusammengestellt. Fazit: das ist als freier Wissenschaftler nicht machbar. Nach meinem Dafürhalten ist das aber auch überhaupt nicht notwendig. Aus diesem Grunde versuche ich Informationen zusammen zu tragen.
Zu 2
Die Proben sind sehr unterschiedlicher Natur, mal geht es um die Oberflächengüte des Formmaterials, mal darum ob nur ein Werkzeug zur Nacharbeit verwendet wurde und dgl. Die Objekte sind eben keine Proben, sondern i.d.R. Exponate die ein Haus nicht verlassen dürfen. Da es sich um durchaus große Stücke, etwa mittelalterliche Dreibeintöpfe (Grapen) handelt ist eine gewisses Maß an Beweglichkeit des Stativs von Nöten.
Zum Pflichtenheft:
1. Stereomikroskop
2. Dokumentationsmöglichkeit / Fotoport, notfalls Okularadaption
3. Vergrößerung bis 100x sollte völlig ausreichen, ob das nun Zoom oder Einzelobjektive sind, ist zweitrangig
4. Stativ ist aufgrund einer gut ausgerüsteten Metallwerkstatt ebenfalls von zweitrangiger Bedeutung
5. Arbeitsabstand: groß, ich weiß nicht in welchen Dimensionen sich das abspielt
Herzliche Grüße,
Bastian
Zitat von: Bastian in Januar 10, 2012, 20:56:09 NACHMITTAGS
Ich bin auf der Suche nach einem Stereomikroskop zur Betrachtung und Dokumentation von Oberflächen. Es handelt sich dabei in aller erster Linie um Metalloberflächen nicht planparalleler Gegenstände (Stichwort: zerstörungsfrei), und den Spuren die die Fertigungstechnik hinterlassen hat. Am besten wäre wohl auch kein Tischgerät sondern ein Stativ mit Freiarm geeignet.
Ich habe mir z.B. mal das Stemi IV und das Stemi DV 4 angesehen, bin mir aber über die Produkte noch im Unklaren.
Es gibt doch hin und wieder OP Mikroskope, wäre es möglich so etwas um zu nutzen, oder gibt es bessere Wege zum Ziel. Ach so, ja, ein Neugerät scheidet aus :(
Ich habe mir in den letzten Monaten versucht einen Überblick über die Stereomikroskope zu verschaffen, aber das hat nicht wirklich geklappt. Deshalb frage ich nun einmal im Forum. Hat jemend ein paar Ratschläge übrig?
Hallo Bastian,
die meisten System-Stereomikroskope - auch ältere Gebrauchte - lassen sich auch an einem Auslege-Arm betrieben. Dokumentation ist dann schon wieder ein schwierigeres Thema, denn trinokulare Lösungen sind auf dem Gebrauchtmarkt selten.
OP-Mikroskope sind grundsätzlich geeignet. Zumindest bei Zeiss-West wirst Du da aber selten Schnäppchen finden - die Preise auch gebrauchter 'OpMis' mit deutlichen Nutzungsspuren sind ganz schön happig.
Detlef hat es angesprochen: mach Dir noch ein paar konkrete Gedanken zum Einsatz. Wenn ich es recht sehe, werden bei Dir auch die mechanische Robustheit und Unemfindlichkeit gegenüber Staub eine große Rolle spielen. Dafür muss evtl. der Vergrößerungsbereich gar nicht so groß sein. Muss es überhaupt eine Zoomlösung sein oder brauchst Du ein extrem robustes Teil, dass auch schon mal neben die Gesteinssäge oder die Drehbank postiert werden darf?
Herzliche Grüße, Thomas
Thomas,
danke für die Infos.-
ZitatWenn ich es recht sehe, werden bei Dir auch die mechanische Robustheit und Unempfindlichkeit gegenüber Staub eine große Rolle spielen.
Nein, das spielt überhaupt gar keine Rolle. Das Mikroskop steht nicht in der Werkstatt. Es wird nicht darunter gearbeitet. Es ist nicht feucht. etc. Der Einsatz erfolgt entweder bei mir oder seltener auch mal vor Ort wenn die Stücke nicht transportiert werden können oder dürfen.
Die Arbeit mit dem Mikroskop würde sich auf das Vergleichen von Bearbeitungsspuren beschränken. Also Original und dann der Vergleich mit experimentell hergestellten Spuren.
Bastian
Hallo Bastian,
So ein wenig ist mir die Aufgabenstellung vertraut ;) für die Arbeit "vor Ort" habe ich das Leica M 3 C mit einem Spezialfuß in Form eines großen offenen U, damit ich es über Gummifüße auf lackierte Oberflächen setzen kann (Spezialfall, der bei dir nicht vorkommt) Aber beweglich handlich, leicht! Dazu Ansteck-Flächenleuchte. Ich habe zwar den Foto-Zwischentubus, der ist mir aber für unterwegs zu bollig. Fotos also über Okularstutzen. Nach meiner Erfahrung ist Beobachtungszeit zu Fotozeit ca wie 10 bis 20:1. Man untersucht lange und macht dann ein paar Dok-Fotos. Vergrößerung geht von 6,3 10 16 25 40 mit Vorsatz 1,5 mal komme ich auf 60fach. Sollte das nicht reichen habe ich noch 16er Okulare.
Ich habe das M3 C - mit Festvergrößerungen - ausführlich mit dem M 3 Z (Zoom) verglichen und mich dann schnell für das mit Festvergrößerung entschieden, die Optik ist besser!
Die Zeissgeräte IV oder DV 4 sind optisch vergleichbar aber schwerer. Foto-Zwischentuben sind immer schwer zu bekommen. An meinem Laborgerät Olympus SZX 12 habe ich aus Bequemlichkeit einen Tritubus. Aber wenn ich ehrlich bin, es würde auch ohne gehen.
(Die Vergrößerung 90x mit dem Planapo 1 nutze ich selten normalerweise hörts bei 63x auf)
Das Thema Tritubus ist anders beim AL und beim DL-Mikroskop, da ist es ohne nicht denkbar.
Hallo Bastian,
vielleicht können Sie statt Vergrößerung einmal beschreiben, wie klein die feinsten Details sind, die Sie sicher erkennen müssen. Sind das 5µm oder sind das 2µm?
in dem Zusammenhang wird dann die Frage Arbeitsabstand > x interessant.
Stereomikroskope erfordern die passende Beleuchtung:
Auflicht-Hellfeld/Dunkelfeld
Schräge Beleuchtung, streifende Beleuchtung, echte koaxiale Beleuchtung durch das Objektiv
Wenn Sie diese Anforderungen noch nicht fomrulieren können helfen Proben. Wenn die originalteile zu groß sind, findet man ähnliche Proben, so gehen jedenfalls Ihre Kollegen vor, die schicken uns kein Getrieberad einer Windkraftanlage, sondern ein Stückchen davon.
Große Teile erfordern einen Ausleger und nach meiner Erfahrung gibt es den reziproken Zusammenhang zwischen sinnvoller Auflösung und Auslage. Dazu kommt eventuell die Schwierigkeit mit dem Einblick.
Bei der Auswahl der Kameras muß man mit einem großen Dynamikumfang rechnen, also sollte man Kameras favorisieren, die dies können. Scharfstellen mit Bildschirmkontrolle macht nur dann Spaß, wenn die Bildwiederholfrequenz ausreichend hoch ist.
Usw. usw.
Werner Jülich
In welcher Preisspanne gibt es die eigentlich und wie groß ist der Qualitätsunterschied? Oder kann man das schwer sagen, weil die alle dem Preis entsprechend bestimmte Eigenschaften haben oder eben nicht haben?
Wenn man sich nur auf den optischen Teil beschränkt, also Bino/Trinotubus, Vergrößerungswechsler und Objektiv bewegen sich die Systeme zwischen ein paar 100 und mehreren 10000 Euro, je nach Anforderung.
Werner Jülich
Sehr geehrter Herr Jülich,
haben Sie vielen Dank für Ihre Anmerkungen.
Ich habe in der Tat vergessen mit welcher Beleuchtung ich arbeiten möchte. Ich benötige Auflicht, wobei echte koaxiale Beleuchtung durch das Objektiv nicht notwendig ist. Wichtiger ist flaches Streiflicht, weil dann die Oberflächentexturen besser erkannt werden können. Aufwendigere Kontrastverfahren sind m.E. nicht für diese Aufgabenstellung notwendig, wenn das aber eine Ausbauoption sein sollte ist das mit Sicherheit eine willkommene Eigenschaft.
Bezüglich der Materialproben haben Sie natürlich Recht. Ich bin gerade im Begriff ein entsprechendes Paket zu schnüren und zum Mikroskoplabor meines Vertrauens, so dass ich eine Reihe von Stereomikroskopen vergleichen kann. Danach werde ich auch besser abschätzen können ob 5 µm oder eher 2 µm aufgelöst werden müssen.
mit herzlichen Grüßen,
Bastian