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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: Jürgen H. in Mai 03, 2012, 20:40:13 NACHMITTAGS

Titel: Helligkeitsgradient beseitigen ?
Beitrag von: Jürgen H. in Mai 03, 2012, 20:40:13 NACHMITTAGS
Liebe Mitmikroskopiker

Dies hier ist ein erstes Bild eines Querschnitts durch den Rüssel von eupeodes, einer Schwebefliege, ich werde noch im einzelnen darauf zurückkommen.

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/91860_22310877.jpg)

Hier aber zunächst eine technische Frage: Was mich zunehmend ärgert ist der Helligkeitsgradient in allen meinen Bildern, vor allem die dunkle untere rechte Ecke. Abhilfe?

Ich mache meine Photos mit der coolpix 4500, manuell, Selbstauslöser, unendlich, mit möglichst offener Blende, Verschluss 1/30, nach vorherigem Weißabgleich. Die Kamera ist mittels einfacher Verschraubung an das Objektiv meines Mikroskops (Leica DMLS) adaptiert, ohne Zwischenoptik.

Gibt es nicht vielleicht über Photoshop (hier steht 6.0 zur Verfügung), eine Möglichkeit, die dunkle Ecke zu beseitigen? Oder brauche ich eine andere Adaption zwingend?

Für jede Hilfe bin ich dankbar, ich bin technischer Laie....

Schöne Grüße

Jürgen
Titel: Re: Helligkeitsgradient beseitigen ?
Beitrag von: Florian Stellmacher in Mai 03, 2012, 20:50:49 NACHMITTAGS
Lieber Jürgen,

endlich wieder Histologie!!!

Mit Photoshop kenne ich mich nicht aus, aber FixFoto, ein trotz des merkwürdigen Names wirklich ordentliches (und günstiges!) Programm, kennt den Befehl "Vignettierung reduzieren", bei dem man sowohl Helligkeit als auch Farbsättigung so bearbeiten kann, dass der von Dir geschilderte Effekt im Idealfall verschwindet. Ansonsten kann man Achsen für Helligkeitsverläufe einrichten und so den Effekt beseitigen.

Herzliche Grüße,
Florian
Titel: Re: Helligkeitsgradient beseitigen ?
Beitrag von: Monsti in Mai 03, 2012, 20:54:39 NACHMITTAGS
Hallo Jürgen,

das gleiche Problem habe ich auch. Wo es mich stört, beseitige ich den dunkleren Teil manuell per weichem Pinsel. Ob bei diesem geringen Helligkeitsunterschied eine Korrektur mittels Zauberstab möglich ist, weiß ich nicht. Meines Wissens kann man beim Zauberstab aber den Toleranzbereich einstellen.

Da die Helligkeit auf Deinem Bild allgemein zum Rand hin abnimmt, könntest Du auch das Auswahlrechteck verwenden (runde Form und weiche Ränder wählen), zunächst das Zentrum minimal abdunkeln, damit es sich dem Ton der Ränder anpasst. Anschließend kannst Du dann das gesamte Bild etwas aufhellen und ggf. auch ein ganz kleines bisschen den Kontrast erhöhen.

Da es mich selber interessiert, welcher Weg in Deinem Fall der einfachste bzw. schnellste ist, kopiere ich mir das Foto mal auf meinen PC und versuche eine Bearbeitung.

Liebe Grüße
Angie
Titel: Re: Helligkeitsgradient beseitigen ?
Beitrag von: beamish in Mai 03, 2012, 21:00:26 NACHMITTAGS
Mal ganz dumm gefragt:
Wenn ich in meinen Bildern eine dunklere Ecke habe, würde ich zuerst an ungleichmäßige Ausleuchtung denken...
Wie sieht das denn ohne Präparat mit ggf. etwas abgesenktem Kondensor und weiter zugezogener Leuchtfeldblende aus? Ist da alles mittig?
Du fotografierst ja offenbar nicht freihändig durchs Okular sondern mit einem, das mit der Kamera verschraubt ist.

Grüße

Martin
Titel: Re: Helligkeitsgradient beseitigen ?
Beitrag von: Bastian in Mai 03, 2012, 21:15:29 NACHMITTAGS
Hallo Jürgen,
hast Du mal an imageJ gedacht? Es ist ein kostenloses Java Programm das auf allen Plattformen läuft und das laufend von einer sehr großen Gemeinde weiter entwickelt wird. Hier gibt es eine kleine Anleitung, vielleicht hilft Dir das ja weiter:
http://imagejdocu.tudor.lu/doku.php?id=howto:working:how_to_correct_background_illumination_in_brightfield_microscopy

Herzlich,
Bastian
Titel: Re: Helligkeitsgradient beseitigen ?
Beitrag von: Monsti in Mai 03, 2012, 21:16:34 NACHMITTAGS
Hallo Jürgen,

hier mein Bearbeitungsversuch.

Im ersten Schritt habe ich mittels Auswahlrechteck wie oben beschrieben das Zentrum etwas abgedunkelt:

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/91869_42330728.jpg)

Nun sieht man (vor allem rechts) störende Übergänge.

Danach habe ich die Übergänge überstempelt, das gesamte Bild etwas aufgehellt und ebenfalls den Kontrast erhöht. Dies ist das Ergebnis:

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/91869_57838256.jpg)

Das Problem ist übrigens nicht nur die Helligkeit, sondern auch der unterschiedliche Farbton des Hintergrunds. Oben links ist mehr blau drin als im Rest des Bilds. Ich persönlich finde diese Nuancen aber überhaupt nicht störend. Mir gefällt Dein Bild auch ohne weitere Bearbeitung.

Herzliche Grüße
Angie
Titel: Re: Helligkeitsgradient beseitigen ?
Beitrag von: Bastian in Mai 03, 2012, 21:25:16 NACHMITTAGS
Jürgen,
das geniale an der obigen Methode (Wenn Du die a priori Methode nimmst), dass Du wirklich die genau Helligkeitsunterschiede von Deinem Bild korrigierst, die bei Dir vorhanden sind. Danach könnte man ein kleines Skript nutzen und den Prozess automatisieren. Wenn Du alle Bilder mit dem gleichen Mikroskop und Beleuchtungsaufbau gemacht hast, besteht die Chance deine bisherigen Bilder als Stapel zu verarbeiten.

Bastian
Titel: Re: Helligkeitsgradient beseitigen ?
Beitrag von: Nomarski in Mai 03, 2012, 21:58:04 NACHMITTAGS
Hallo Jürgen,

solche Kameras wie die Coolpix reagieren manchmal etwas empfindlich mit solchen Vignettierungen, wenn sie nicht richtig vor dem Okular sitzen und womöglich auch noch leicht verkippt oder die Pupillenlagen ungünstig sind.

Viele Grüße
Bernd
Titel: Re: Helligkeitsgradient beseitigen ?
Beitrag von: Jürgen H. in Mai 03, 2012, 22:32:13 NACHMITTAGS
Hallo zusammen,

ganz herzlichen Dank für eure vielfältigen Beiträge.

Eindeutig scheint mir zu sein: die Coolpix sitzt leicht schief auf dem Okular, daher ist der Strahlengang nicht hundertprozentig zentriert. Wenn ich die Kamera, soweit das trotz der Verschraubung möglich ist, etwas an der linken unteren Bildecke anhebe, nach oben drücke, verschiebt sich die Vignettierung. Der Kondensor ist ordnungsgemäß zentriert, eine Öffnung der Leuchtfeldblende über den Bildrand hinaus bewirkt kein Verschwinden der Vignettierung. Der Vignettierungseffekt wird wesentlich stärker, wenn ich die Blende der Kamera schließe. Soweit lieber Martin und Bernd, ist wohl die Ursache ziemlich klar. Mit bloßem Auge kann ich allerdings die schiefe Adaptation nicht erkennen.

Die Verschraubung ist ziemlich händisch gefertigt: Ich habe zwei Gewinde ineinander geklebt und möchte nicht ausschließen, dass die eine geringfügige Verschiebung in der optischen Achse bewirken. Vielleicht wäre es am einfachsten, einen Gewindewechsler neu zu drehen, aber dazu fehlen mir die Mittel und das Können.

Daher denke ich über eine Bildbearbeitung als simple Lösung nach. Ich danke Dir, liebe Angie, für Deine Bearbeitung meines Bildes. Dein Ergebnis würde mir schon für meine Zwecke genügen. Nur scheint mir der Aufwand doch ziemlich groß zu sein. Ich habe das mitunter auch so gemacht, und staune, wie schnell Du die Bearbeitung zuwege gebracht hast. Und die Methode funktioniert doch dann wohl kaum, wenn das Gewebe das gesamte Bild bedeckt, es also nicht nur um eine Hintergrundkorrektur der weißen Stellen geht.

Eigentlich schwebt mir genau das vor, was, Du, Bastian, oder Du, Florian vorschlägst. Helligkeitsgradienten beseitigen geht allerdings mit Achsen für Helligkeitsverläufe anscheinend nur mit neuere Versionen von Photoshop. ImigeJ löst das Problem wirklich elegant.  Ich würde nur so gerne bei einem Programm bleiben, das ich sonst kenne. Aber die Idee ist gut und genau das, was mir vorschwebt.
Gibt es nicht auch im Photoshop 6.0 die Möglichkeit, zwei "Bilder" voneinander zu substrahieren bzw ihre Differenz zu bilden?

Schöne Abendgrüße und nochmals ganz herzlichen Dank an alle....

Jürgen


Titel: Re: Helligkeitsgradient beseitigen ?
Beitrag von: beamish in Mai 03, 2012, 22:44:28 NACHMITTAGS
Zitat von: Jürgen H. in Mai 03, 2012, 22:32:13 NACHMITTAGS
Wenn ich die Kamera, soweit das trotz der Verschraubung möglich ist, etwas an der linken unteren Bildecke anhebe, nach oben drücke, verschiebt sich die Vignettierung.

Dann würde ich versuchen ein paar Lagen Tesa links unten an den Okularstutzen zu kleben, bis sich das ausgleicht. Spielraum scheint ja da zu sein.
Wahrscheinlich verkippt das Gewicht der Kamera das Okular im Einstecktubus.

Grüße

Martin
Titel: Re: Helligkeitsgradient beseitigen ?
Beitrag von: Bastian in Mai 03, 2012, 22:54:35 NACHMITTAGS
Jürgen,
es gibt zweifellos mit Photoshop auch die Möglichkeit, nur ist es bei mir 6 Jahre her dass ich PS benutzt habe. Ich meine mich aber zu erinnern , dass Du einfach Ebenen übereinander legen kannst. Im Ebenen Dialog Fenster kannst Du dann das Verhalten der Ebenen einstellen: Normal, Differenz, etc., Außerdem natürlich den Grad der Transparenz. Aber da gibt es ja genügend Profis hier, die das viel besser können.

Wenn Du mir ein Bild schickst, eines ohne Probe, so daß man de Helligkeitsverlauf (siehe Anleitung oben) sieht, jage ich es Dir gerne mal durch ImageJ, dann kannst Du abschätzen ob sich das für Dich lohnt. Denn Du müsstest ja garnichts sonst weiter mit ImageJ machen, Du lässt ein Skript laufen und dein korrigiertes Bild fällt "hinten" raus (:

bastian

Titel: Re: Helligkeitsgradient beseitigen ?
Beitrag von: Bernd in Mai 04, 2012, 16:54:38 NACHMITTAGS
Hier noch mal (m)eine Methode, die ich im Juni 2006 schon mal gepostet hatte:

Bildbearbeitung: Hintergrundartefakte entfernen (Flatfield-Korrektur)

Liebes Forum,
Da das Thema "Wie beseitige ich Hintergrundartefakte, die durch Dreck im Strahlengang, auf dem Kamerachip oder sonst irgendwo ins Bild kommen" (sog. Flatfield-Korrektur) in Peters Beitrag angesprochen wurde und auch sonst immer mal wieder auftaucht, möchte ich hier eine mögliche Vorgehensweise in Photoshop CS4 beschreiben.
Man braucht dazu 1) das Mikrofoto (= BILD) und 2) ein unter gleichen Bedingungen (Aperturblende, Stellung der DIC-Prismen, etc.) aufgenommenes Bild (= FLAT), auf dem keine Objekte zu sehen sind. Bei stärkeren Vergrößerungen lassen sich solche Bilder meist schon durch geringes Bewegen des Kreuztisches aufnehmen, bei schwächeren Vergrößerungen muß man sich eine leere Stelle im Präparat oder sonst irgendwo auf dem Objektträger suchen. Ggf. leicht defokussieren, um ein homogenes Hintergrundbild zu erzeugen.
BILD und FLAT in Photoshop öffnen, das BILD anwählen und im Menü ,,Bild" ,,Bildberechnungen" auswählen. Dann als Quelle FLAT auswählen, Füllmethode ,,Subtrahieren" wählen und ,,Versatz" einstellen. Ich stelle den Versatz immer so ein, daß im Histogramm (Kanal RGB) der alte und neue Helligkeitspeak übereinander liegen. Jetzt noch OK drücken und weg ist der Dreck.

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/91928_42412521.jpg)

Diese Methode funktioniert nicht nur, wie hier gezeigt, mit jpg-Bildern, sondern auch mit anderen Formaten, wie z.B. tif, und bei tif-Bildern nicht nur mit 8-bit, sondern auch mit 16-bit tif!
Wahrscheinlich führen in Photoshop aber auch andere Wege zum Ziel. Oder man benutzt andere Programme, wie z.B. Picolay.
Viel Erfolg

Bernd

Titel: Re: Helligkeitsgradient beseitigen ?
Beitrag von: Dieter Stoffels in Mai 04, 2012, 17:19:00 NACHMITTAGS
Hallo Jürgen,

wenn Du Deine Schattierungen mit Photoshop beseitigen möchtest, würde ich die Funktion "Selektive Farbkorrektur" nutzen. Du findest diese Rubrik unter "Bild" -- "Einstellen" -- "Selektive Farbkorrektur". In diesem Menü musst Du die Farbe "Weiß" auswählen und in diesem Menü "schwarz" reduzieren. Auch die Intensitäten von Blau-Gelb lassen sich hier optimal auf Weiß abstimmen. Vielleicht mußt Du den Gesamtkontrast nach der Einstellung etwas anheben. Wichtig ist es, die Rubrik "Selektive Farbkorrektur" zu wählen, da ansonsten das gesamte Farbspektrum reduziert wird.

Viel Erfolg!

Dieter
Titel: Re: Helligkeitsgradient beseitigen ?
Beitrag von: Bastian in Mai 04, 2012, 17:41:21 NACHMITTAGS
Hallo allerseits,

ich denke was Bernd da beschreibt ist im Großen und Ganzen genau das was auch  ImageJ machen würde. Da Du, Jürgen, PS besitzt dürfte das weitere Vorgehen für Dich ja auch auf der Hand liegen.

Was Dieter vorschlägt habe ich auch noch nicht gewusst. Danke, da werde ich gleich mal ausprobieren ob sich das mit GIMP auch so umsetzen lässt (:

Beste Grüße,
Bastian
Titel: Re: Helligkeitsgradient beseitigen ?
Beitrag von: Jürgen H. in Mai 04, 2012, 22:39:32 NACHMITTAGS
Liebe Mitmikroskopiker,

Vieles Positive gibt es:

Zunächst ist mir gelungen, die Kameraadaptation so hinzu"biegen", dass der Helligkeitsgradient ohnehin schon weitgehend weg ist.
Hier also ein Leerbild an präparatfreier Stelle leicht defokussiert, nach Hinbiegen des Adapters:

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/91944_9457106.jpg)

danach das Bild unbearbeitet:

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/91944_52197061.jpg)

dann über Tonwerteinstellungen gespreizt:

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/91944_59704727.jpg)

dann das Originalbild erst mit Methode Bastian/Bernd nach Photoshop Bernd im Differenzverfahren erstellt und dann über Tonwerteinstellungen gespreizt:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/91944_31974713.jpg)

dann alternativ das Originalbild erst über Tonwert gespreizt und anschließend nach Methode Dieter über Selektive Farbkorrektur schwarz reduziert:

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures002/91944_35894854.jpg)



Ganz herzlichen Dank an alle!!


Schöne Grüße


Jürgen
Titel: Re: Helligkeitsgradient beseitigen ?
Beitrag von: Rawfoto in April 14, 2015, 14:57:45 NACHMITTAGS
Liebe KollegInnen

Nachdem gerade auf diesen Beitrag verlinkt wird eine aus meiner Sicht wichtige Bemerkung (basierend auf dem Workshop vom letzten Wochenende wo 100 % der TeilnehmerInnen das gleiche Problem hatten) ...

Das graue Leerbild von Jürgen ist grau => das Ergebnis einer klassischen Fehlbelichtung

Ein Belichtungsmesser (ob intern oder extern) setzt voraus das 18% des Lichtes in Richtung Beichtungsmeßzelle zurück reflektiert werden, nicht mehr und nicht weniger.

Wenn ich also eine unabgedeckte Lichtquelle im Gegenlich belichte muss diese Weis sein (Lab 92 bis 100, a und b Kanal auf 0)

Wenn ich daher richtig belichte brauche ich auch keine Korrektur und schon gar keine Tonwertkorrektur (damit veränder ich die vorliegenden Tonwerte im irgendwelche Tonwerte) ...

Der richtige Weg bei Durchlichtaufnahmen ist, ausgehend von der Meßung der defokussierten, objektlosen Stelle eine LW-Korrektur von +2 bis +2,5 LW durchzuführen, dann habe ich an der Stelle von einem grauen Bild ein Weißes ...

Liebe Grüße

Gerhard
Titel: Re: Helligkeitsgradient beseitigen ?
Beitrag von: MikroMatt in April 14, 2015, 23:22:52 NACHMITTAGS
Hallo Rawfoto,

wäre da nicht möglicherweise ein köhlern über den Kamerasucher hilfreich? Nur so ne Idee, habe ich noch nicht ausprobiert, da mir entsprechendes noch nicht aufgefallen ist. Werde ich aber demnächst mal überprüfen.
Korrektur: Ich habe gerade noch mal schnell eine Aufnahme per Autotonwertkorrektur behandelt - keine Vignetierung. Ich habe aber auch  nur einen µ4/3 Sensor und dadurch ein kleineres Aufnahmefeld. Ich muss das aber noch einmal durch ein Leerbild verifizieren, da die Autotonwertkorrektur durch ein großes Objekt natürlich anders (schwächer) ausfallen kann.
Titel: Re: Helligkeitsgradient beseitigen ?
Beitrag von: Jürgen H. in April 15, 2015, 10:14:00 VORMITTAG
Lieber Gerhard,

vielen Dank für Deinen Hinweis! Offensichtlich bin ich einem Missverständnis aufgesessen: Ich habe stets vor jeder Aufnahme einen Weißabgleich einer leeren Stelle des OT defokussiert gemacht und mir gedacht, dass damit die Kamera weiß, was Weiß sein soll, wenn ich ihr gleichzeitig nur die Blende, nicht aber die Verschlusszeit vorgebe. Und habe mich gewundert, dass das Resultat des Bildes nicht Weiß sondern ein solides Grau ist. Warum muss ich offensichtlich die Verschlusszeit anpassen, bzw. warum macht die Kamera nicht, was ich mir vorgestellt habe?


Schöne Grüße

Jürgen
Titel: Re: Helligkeitsgradient beseitigen ?
Beitrag von: reblaus in April 15, 2015, 10:44:06 VORMITTAG
Hallo Jürgen -

schwarz, weiß und grau sind ja keine Farben. Der Weißabgleich sorgt sozusagen dafür dass das unabhängig von der Beleuchtung auch so bleibt.
Die Belichtungsmessung sorgt dann anschließend dafür, dass dein Hintergrund einem 18%igen Grau entspricht, weil das bei Fotos vom Familienausflug etc. in der Regel so ist.
Von Gegenlicht weiß der Automat z.B. nichts, auch nicht, dass Du jetzt gerne einen weißen Hintergrund möchtest. Und wenn der Hintergrund schwarz sein soll, macht der Automat halt auch ein 18%iges Grau daraus, in jedem Fall muss man ihm dann auf die Sprünge helfen.

Weiter viel Erfolg mit Deinen schönen Histo-Aufnahmen der Kleintiere!

Rolf


Titel: Re: Helligkeitsgradient beseitigen ?
Beitrag von: Martin Schneider in April 15, 2015, 12:58:56 NACHMITTAGS
Hallo zusammen,
mit Picolay geht das ebenfalls sehr einfach und ich bevorzuge diese Vorgehensweise gegenüber Photoshop, da es einen ganzen Stapel Bilder in einem Rutsch korrigieren kann. Es braucht natürlich auch ein Flat-Bild zur Korrektur.
Viele Grüße
Martin
Titel: Re: Helligkeitsgradient beseitigen ?
Beitrag von: Jürgen H. in April 15, 2015, 13:19:14 NACHMITTAGS
Lieber Rolf,

vielen Dank für Deine gut verständliche Erläuterung,

Das:

ZitatDie Belichtungsmessung sorgt dann anschließend dafür, dass dein Hintergrund einem 18%igen Grau entspricht, weil das bei Fotos vom Familienausflug etc. in der Regel so ist.

war mir nicht bekannt.

Schöne Grüße

Jürgen
Titel: Re: Helligkeitsgradient beseitigen ?
Beitrag von: Klaus Henkel in April 16, 2015, 13:18:45 NACHMITTAGS
Zitat von: Jürgen H. in April 15, 2015, 13:19:14 NACHMITTAGS
Lieber Rolf,

vielen Dank für Deine gut verständliche Erläuterung,

Das:

ZitatDie Belichtungsmessung sorgt dann anschließend dafür, dass dein Hintergrund einem 18%igen Grau entspricht, weil das bei Fotos vom Familienausflug etc. in der Regel so ist.

war mir nicht bekannt.

Schöne Grüße

Jürgen

Das stimmt ja auch gar nicht, wenn ich die Aussage so verstehen soll, daß im von der Kamera belichteten Bild der Hintergrund immer entsprechend grau ist. Das träfe aber keineswegs zu.

Alle Belichtungsmesser sind so geeicht, als hätte die gemessene Stelle oder ein Mischmasch von mehreren einen Reflexionsgrad von 18%. Ist sie dunkler, gleicht die Belichtungssteuerung der Kamera das aus, indem sie länger belichtet, das Bild wird also insgesamt zu hell wiedergegeben: Überbelichtung. - Ist sie heller, wird so ausgegelichen, daß daß kürzer belichtet wird; das Bild ist dann insgesamt unterbelichtet.

Die Lehrbuch-Beispiele sind: Braut mit weißem Kleid vor dem dunklen Kirchenportal und Kaminkehrer vor der hellen Hauswand. Da hilft nur die Messung eines Ersatzobjekts, z. B. einer sogen. Graukarte mit exakt 18% Reflexionsvermögen, oder auch die Spotmessung auf ein mittelhelles Gesicht.

Daß aber hin und wieder alles ganz anders sein kann, dafür hier ein Beispiel für Planktonfreunde:

Zitat aus "µ" Nr. 19, Juni 2000, Mitteilungen der Mikrobiolog. Vereinigung München e.V.

Zitat /

3. Der komplizierte Fall der zarten Algen

In den Bedienungsanleitungen und Fotolehrbüchern werden regelmäßig zwei Belichtungsprobleme erörtert, die uns keine Automatik abnehmen kann. Da ist einmal die Braut im weißen Kleid vor dem dunklen Kirchenportal und zum anderen der Kaminkehrer oder die schwarze Katze vor der weißen Hauswand. In beiden Fällen wird der Belichtungsmesser, der auf ein mittelgraues Motiv mit 18 % Reflexionsvermögen kalibriert ist, getäuscht. Der dunkle Hintergrund täuscht zu geringe Beleuchtungsstärke vor, die Kamera belichtet deshalb zu lange, das weiße Kleid wird viel zu hell und der schwarze Hintergrund eher schmutzig-grau wiedergegeben. Im Falle des Kaminkehrers ist es umgekehrt. Wie die Belichtungsmessung  jeweils zu korrigieren ist, steht in der Bedienungsanleitung, eventuell im Kapitel Selektiv- oder Spotmessung, falls die Kamera damit ausgestattet ist.

Die Regel ,,heller Hintergrund * längere Belichtung" gilt eigentlich auch für Mikroaufnahmen, z. B. im Durchlicht-Hellfeld. Doch kommen häufig Ausnahmen vor! Will man zarte grüne Algen im Hellfeld fotografieren, gilt die Regel zum Beispiel nicht. Ich habe einmal für Aufnahmen von Stephanosphaera pluvialis, die ich auf pfälzischen Burgen gesammelt hatte, mehrere Testfilme ,,verschossen", bevor ich dahinter kam. Wir verstünden das wahrscheinlich leichter, wenn wir die Schwärzungskurven eines Negativ- und eines Diafilms miteinander vergleichen würden Dafür fehlt aber hier der Platz. Deshalb beschränke ich mich auf die Quintessenz.

Bei kleinen Objekten, z. B. Scenedesmus-Grünalgen, kleineren kugeligen Algen, die noch dazu etwas zur Blässe neigen oder nur ein zartes ,,Frühlingsgrün" tragen, belichtet man einen Umkehrfilm besser nicht nach den Regeln. Die besagen nämlich, daß helle Objekte auf hellem Grund deshalb länger zu belichten sind als normal, damit die hell-zarte Lichtstimmung erhalten bleibt oder z. B. der weiße Schnee nicht durch Unterbelichtung schmutzig-grau wird. Doch beim Diafilm würden die hellen Bildpartien, und das sind ja im beschriebenen Fall sowohl der helle Hintergrund als auch die Algen selbst, immer heller, kontrastloser, zarter, manche kaum sichtbar. Im Mikrofoto können wir auf die ,,zarte Lichtstimmung" gerne verzichten, wenn nur die Objekte ordentlich sichtbar sind. Wir müssen die in der Alltagsfotografie bewährte Regel ignorieren, ebenso die Mikrofotografen-Regel, daß der leere Hintergrund, also das ,,Hellfeld" bei einer Mikrofotografie rein weiß zu sein habe. In der Schwarzweiß-Fotografie hat man das in der Hand, beim Vergrößern kann man ein kontrastreiches Papier mit steiler Gradation nehmen und entsprechend entwickeln. Beim Umkehrfilm müssen wir im beschriebenen Fall auf den reinweißen Untergrund verzichten und brutal unterbelichten, damit das Grün der Algen nicht zu blaß erscheint und sie kräftig grün leuchten. Dabei wird auch der Untergrund unterbelichtet und erscheint im Bild dann hell- bis mittelgrau.

Diese Regelwidrigkeit ist oft die einzige Methode, um die zarten Algen einigermaßen sichtbar abzubilden. Manche Aufnahmen mußte ich, ausgehend von der Integralmessung, 1 bis 2 volle Blendenstufen unterbelichten, um die Algen zufriedenstellend abzubilden. Ich habe also die Regel ignoriert, nach der ich eine solche Aufnahme mindestens eine Blendenstufe länger hätte belichten müssen, und bin zusätzlich noch bis zu 2 Blendenstufen darunter gegangen, macht summa summarum bis zu drei Blenden ! Hätte ich nicht meine Aufnahmeprotokolle, hielte ich es nicht für möglich.
Solche Situationen sind gar nicht so selten in der Hellfeld-Mikrofotografie. Im Differential-Interferenzkontrast haben wir oft einen ähnlich geringen Kontrastumfang von Motiv und Hintergrund, doch liegen hier die Dinge etwas anders. Der DIK erzeugt ja (Pseudo-)Lichter und Schatten und hebt so die Konturen hervor, die zur Steigerung des Abbildungskontrastes auf dem Film beitragen. Deshalb braucht man bei DIK-Aufnahmen solche extremen Belichtungskorrekturen nicht; meist überhaupt keine.

Gut Licht!

/ Zitat

Ja, Gut Licht!
Titel: Re: Helligkeitsgradient beseitigen ?
Beitrag von: Lupus in April 16, 2015, 14:32:20 NACHMITTAGS
Lieber Herr Henkel,

ich glaube Sie haben die Aussage falsch verstanden. Die Kamera "nimmt an", dass der Bereich, der durch die Belichtungsmessung abgedeckt ist - egal ob Integral, Mehrfeld oder Spot eingestellt ist - eine mittlere Reflexion von 18% hat und belichtet danach. Dieser Bereich wird dann die mittlere Helligkeit einer vergleichbar belichteten Graukarte auf dem Film oder Sensor haben, egal wie hell er tatsächlich ist. Das ganze funktioniert sowieso nur bei einer Graukarte genau, ein guter Fotograf sollte bei jeder Aufnahme entscheiden, ob er die Belichtung zu Gunsten des wichtigsten Bildteils, oder aber um den Kontrastumfang des Sensors voll zu nutzen, korrigiert. Und selbstverständlich muss auch bei Mikroskopaufnahmen im Einzelfall entschieden werden, welche Strukturen wichtig sind, da hilft doch z.B. das Helligkeitshistogramm besserer Kameras in Verbindung mit etwas Verstand. Dass man helle Strukturen vor einem nur wenig helleren Hintergrund (wie im Zitat) nicht so belichten sollte, dass der Hintergrund rein Weiß wird liegt eigentlich auf der Hand. Allerdings musste man zu Filmzeiten auch eine etwas andere, flach auslaufende Gradationskurve in den Lichtern und Schatten berücksichtigen, im Vergleich zu Kamerasensoren.

Hubert