Hallo,
bei einem Kondensor ist ausgerechnet an der Frontlinse ein kleiner Kratzer im Glas. Dieser ist nur mit der Lupe zu sehen.
Beim Mikroskopieren stört er auch nur bei Phasenkontrasteinstellung mit dem 10er Objektiv, sonst fällt er gar nicht ins Gewicht.
Trotzdem ärgert er mich.
Hat jemand Erfahrung mit Glaspoliermitteln, bzw. kann sogar etwas empfehlen?
Oder soll ich besser gleich zum Optiker meines Vertrauens gehen?
Freundliche Grüße
Peter Reil
Hallo Herr Reil,
Ihren Ärger kann ich gut verstehen. Ich würde an Ihrer Stelle in jedem Falle einen Fachbetrieb aufsuchen. Ob eine derartige Politur möglich ist, hängt sicher vom Willen und den Möglichkeiten des Betriebes ab. Ich weiß nicht, welche Apertur Ihr Kondensor besitzt. Zu bedenken ist aber, dass viele Frontoptiken von Kondensoren mit einer Apertur von N.A. 0,9 mit einer Entspiegelung versehen sind. Diese würde bei einer Politur verloren gehen.
Viel Erfolg!
Dieter
Hallo Peter,
natürlich könnte man den Kratzer fein ausschleifen und die aufgeraute Oberfläche anschließend auspolieren. Für das Schleifen und Polieren benötigt man passende Werkzeuge: geschliffen (genauer geläppt) wird mit losem Schleifmittel (Karborundum) passender Körnung zusammen mit Wasser. Werkstück (deine verkratzte Frontlinse) und einem Werkzeug (z.B. Runde Glasscheibe) bräuchte es da. Die Geometrie des Werkzeugs muss exakt passen (wegen der letztlich gewünschten Oberflächenkontur).
Und poliert wird Glas mit aufgeschlämmten Polierrot (Eisenoxid) oder Ceroxyd, das mit einem weiteren Werkzeug, einem mit Polierpech überzogenen Träger, verwendet wird.
Danach hättest du wieder eine polierte Glasoberfläche. Sich dabei aber die Oberflächenform der ursprünglichen Linse zu versauen oder gar neue feine Kratzer beim Polieren zu erzeugen ist ziemlich wahrscheinlich...
Und wie Dieter schreibt: die Vergütung ist dann ebenfalls weg.
Also kurzum: es ist kein Hexenwerk, aber definitiv auch nicht trivial und verlangt Erfahrung und Geschick.
Bei dem kleinen Kratzer - von dem du ja schreibst - also nicht lohnenswert empfehlen. Aber das ist natürlich meine persönliche Meinung.
Übrigens gibt es einige Hobbyastronomen, die sich die Spiegel ihrer Teleskope selbst schleifen und polieren. In zum Teil beeindruckenden Ausmaßen und Qualitäten.
Schönen Feiertag,
Tim
Hallo Peter!
Das ebene Ausschleifen mit anschließendem Polieren ist ohne passend angefertigte Halterung unmöglich und sehr zeitaufwändig.
Einfacher ist die "Reparatur" für Luft-Objektive mit einem Stück Deckglas, das mit Immersionsöl "aufgeklebt" wird.
Die 0,2 mm zusätzlich auf der Linse ändern die Apertur nur unmerklich.
Bei Immersionsobjektiiven entfernt man das Deckglas wieder, das Öl füllt den Kratzer aus.
Viele Grüße - Werner
Hallo,
ich hatte kürzlich einen ähnlichen Fall und bin von Optiker zu Optiker geganen, um nachzufragen, ob man mir einen Kratzer aus einer Linse herauspolieren kann. Es kam erst die Frage, von welchem Hersteller das Glas sei, damit die es zu dem einschicken können. Diese Frage konnte ich aber nicht beantworten, so daß aus der Sache leider nichts geworden ist. An solchen Geschäften scheinen die kein Interesse zu haben. Also muß man sich eben anderweitig behelfen.
Hallo Bernd!
Wenn die Linse unvergütet ist, kannst Du festes Kanadabalsam probieren. Dessen Brechungsindex liegt in der Nähe der meisten Gläser.
Linse auf 80 °C erwärmen und Balsam über den Kratzer steichen. Nach dem erkalten nacharbeiten.
Wenns ganz genau gehen muß, vorher einen Pech-Abdruck der Linse als Polierform anfertigen.
Habe ich noch nicht gemacht, aber in unserer ehemaligen Optik-Abteilung so gesehen.
Gruß - Werner
Hallo Werner,
es handelt sich um einen leichte Schramme auf der Oberflächenvergütung, die man eben als dunklen Schatten im Zwischenbild gesehen hatte. Allerdings auf einer kovexen Oberfläche. Das konnte ich zwas mit Glaspolitur wegschleifen, dazu in der Drehmaschine eingespannt, aber die Oberfläche hat nun Schlieren, das Bild wird entsprechednd schwammig. Meinst du, daß man da mit deiner Kanadabalsam-Methode noch eine Chance hätte?
Viele Grüße
Bernd
Hallo Optimisten,
die Ratschläge bezüglich der Beseitigung von Kratzern in Linsen sind phantastisch im wahrsten Sinn des Wortes. Wer sich einmal darin versuchte, wird es heftig bestätigen. Zweifler dieser Aussage mögen nur mal versuchen, eine Glasfläche von ca. 10mm Durchmesser im manuellen Handling völlig eben zu polieren, geschweige einer gefaßten mit axialer Ausdehnung des mehrfachen Durchmesser. No chance!
Gruß - EFH
Hallo Bernd,
ich habe hier 1 µm Diamantpaste. Da könnte ich dir etwas abfüllen. Die Schlieren müßtest du damit eigentlich wegbekommen. Muß nur ein absolut sauberes Läppchen sein damit keine andere Partikel wieder neue Kratzer abliefern. Wenn du da versuchst gleichmäßig der Form der Linse zu folgen ( mit Gfui) sollte das ohne großartige Veränderung der optischen Werte funktionieren.
Gruß Lothar
Hallo Lothar,
Zitatich habe hier 1 µm Diamantpaste. Da könnte ich dir etwas abfüllen.
Du meinst wohl 1µm³. Das ist aber großzügig. Ich hoffe nur, daß unterwegs davon nicht verdunstet.
Viele Grüße
Bernd
Meinte natürlich 1 µm als Größenbezeichnung. Im Endeffekt ja auch cirka 1 µm³ ;D ;D ;D Schicken könnte ich da eine kleine Menge in so einem Minireaktionsgefäß in denen ich sonst eingeschnapste Spinnlein lagere. War aber ernst gemeint, falls du das probieren wolltest. Habe natürlich nicht bedacht, daß du das in allen gängigen Größen selbst herumliegen haben könntest.
Gruß Lothar
Hallo Lothar,
wäre zumindest einen Versuch wert, mehr als Verschlimmbessern kann ja nicht passieren. ;D Auch wenn die Brennweite sich etwas verändern sollte:
Eine andere Linse aus dem Schrott (ähnliche Brennweite) tut es ja auch schon.
Angeätzte UG5-Filter konnte ich jedenfalls schon wieder durchsichtig kriegen, aber das ist eben auch ein anderer Anforderungsgrad.
Viele Grüße
Bernd
Hallo Bernd!
Ich glaube, jetzt ist es vorbei. Die einzige Chance wäre, vorher einen Pechabdruck der Linse zu haben und nachzupolieren.
Schlieren könnten auf einen Verlust der Kugelfläche deuten.
Aber 1 µm Paste ist viel zu grob! Das ist zum Feinschleifen. Der Abtrag sollte im Bereich von 50 nm liegen - Lamda/10.
Pech und Ceroxid wäre angesagt. - bei Astronomie-Schleifern erkundigen.
Pech gehabt - Werner
P.S. Probier mal eine Kanadabalsam-Lösung auf die Oberfläche zu bringen und den Überstand mit der Drehbank abzuschleudern.
Dann staubfrei trocknen lassen - keine Ahnung, ob das was bringt. Aber Fehlversuche könnten wieder abgewaschen werden,,.
Hallo Werner,
sowas habe ich schon befürchtet. Die Scratch-Ex-Paste ist eben noch zu grob, mit Sandpapier in 50er Körnung läßt sich eben auf Metalloberflächen auch keinn Feinschliff bewirken.
Auch wenn sich der Krümmungsradius etwas verändern würde, wäre ich doch schon zufrieden, wenn ich mit der Lupe keine Schlieren mehr erkennen könnte.
Für den Einsatzzweck würde es womöglich reichen.
Ein Tropfen Kanadanbalsam aufgetragen und geschleudert würde im besten Fall eine hauchdünne Haube ergeben. Ob ich damit Verbesserung erziele?
Hinzu kommt noch der Aspekt mit dem Aufwand gegenüber dem Nutzen. Es darf eben nicht zu teuer und zu aufwändig werden, sonst kann ich gleich das Teil inkl. Optik neu bestellen.
Viele Grüße
Bernd
Hallo,
danke für die vielen Ratschläge!
Noch kann ich mich nicht so ganz entscheiden, was ich wirklich machen werde.
Freundliche Grüße
Peter Reil
Hallo Peter,
grundsätzlich würde ich die Oberfläche so belassen wie sie ist!
Ich kenne einige Leute aus dem astronomischen Sektor, die wirklich dem Optik-Putzwahn bzw. einer fast krankhaften Fehlersuche verfallen sind und dadurch Oberflächenspiegel verschlimmbessert haben.
Die Frage ist, beeinträchtigt der Fehler wirklich so sehr das Bild, dass eine Reparatur oder ein Austausch notwendig ist, oder akzeptiert man insgeheim keine fehlerhafte Optik?
Handelt es sich um ein erschwingliches Bauteil, kann in beiden o.g. Fällen selbst Hand angelegt werden. Ein Totalverlust wäre zu verkraften.
Einem hochwertigen Kondensor, evtl. auch noch selten zu bekommen, wäre das unfachmännische Zuleiberücken mit irgendwelchen Pasten ein Frevel.
Hier würde ich eher Werners Balsam/Deckglas-Vorschlag in Betracht ziehen. Aber auch nur dann, wenn die Deckglasabmessungen so gering sind, dass das Gläschen beim hochfahren des Kondensors seitlich nicht an den Tisch stößt.
Noch etwas zur Politur.
Reicht diese -ein Verschmieren auf atomarer Ebene- wirklich aus? Bei dieser Methode wäre höchstens ein Abrunden der Kratzerflanken möglich, aber ein Absenken der ,,gesunden" Fläche auf Kratzerniveau dagegen, ....... eine Meisterarbeit.
Überlege es Dir gut!
Gruß
Frank