Liebe Mitmikroskopiker,
in alten Histotechnikbüchern findet man noch öfter den Hinweis auf Zedernholzöl als empfehlenswertes Intermedium. Ich könnte mir vorstellen, dass das Öl ein ganz guter Ersatz für das leidige Xylol bei histologischen Laienarbeiten sein könnte. Dies könnte insbesondere auch bei meinen Insekten gelten, da es langsamer verschwindet als Xylol und das Paraffin entsprechend in das Gewebe nachwandern kann. Der Preis ist allerdings bedenklich hoch.... Gibt es sonst Nachteile/ Vorteile? Dringt das Öl selbst gut ein? Warum ist es ungebräuchlich geworden? Gibt es außer Roti noch andere Alternativen?
Schöne Grüße
Jürgen
Hallo Juergen,
Roti-Histol funktioniert sehr gut (selbst getestet). Orangenoel (hauptsaechlich Limonen; im besten Fall ab 5-10 Euro pro Liter zu haben) gibt es auch von anderen Anbietern im Netz (nicht getestet):
http://www.bonnymans.co.uk/products/product.php?productID=6397
http://www.mistralni.co.uk/products/orange-terpenes
http://www.kauflux.de/?id=FROOGLE&_artnr=39325566&_p=14.9&_pmode=0&_pbexkey=186&_date=20120613010502&_pbhash=5fe60f07fc01749d7e2e0a21e4a8d37331614ba44a3be4533e06d2269b138ff3
http://www.ebay.de/itm/Orangenoel-100-ml-100-naturreines-aetherisches-Ol-Orange-/120862169109#vi-content
http://www.ebay.de/itm/Orangenol-100-ml-naturreines-atherisches-Orange-Ol-/150650864135?_trksid=p3284.m263&_trkparms=algo%3DSIC%26its%3DI%26itu%3DUCI%252BIA%252BUA%252BFICS%252BUFI%26otn%3D21%26pmod%3D120862169109%26ps%3D54
Bei der Suche aufpassen: es gibt reines Limonen/Orangenoel aber auch Organgenoel-Reiniger (gemischt mit Tensiden etc.). Bei den aetherischen Oelen auch aufpassen. Die sollten aus den Schalen von Orangen stammen. Hautkontakt vermeiden!
Beste Gruesse,
Jon
Hallo in die Runde,
sehr reine Öle gibt es als sogenannte "Duftöle"; haben aber ihren Preis.
Da ich davon noch reichlich habe, würde ich zu Versuchszwecken abgeben (Portokosten)
Gruß
Wolfgang
Hallo Wolfgang,
da melde ich doch gleich mal Interesse.
Ich habe vor kurzem einen alten Schmetterlingsflügel in AlCass Trompetenöl unter ein Deckglas getan. Das hielt mehrere Wochen, und ich fand es sah ganz gut aus. Bestimmt ein Gemisch mehrerer Flüssigkeiten, aber bei mir war es ebenbürtig mit Wasser Präparaten. (40er Achromat mit 0,9Ap Kondensor).
Lieben Gruß,
Nick
Hallo erstmal,
so soll es denn sein.
Ich werde die Bestände sichten und eine Liste einstellen (aber erst nach der Kornrade)
Gruß
Wolfgang
Lieben Dank, Jon und Wolfgang, für eure Beiträge.
Mit Roti habe ich auch schon experimentiert, bei meinen Insekten ohne wirklich nenneswerte Verbesserung der Schneidbarkeit. Da ich in alten Histobüchern etwas über Insekteneinbettungen mit Zedernöl bei harter Cuticula gelesen hatte, war meine Überlegung, ob vielleicht diese Methode die etwas schwierige Situation der Einbettung von Insekten weiter verbessern könnte. Daher kam meine konkrete Nachfrage nach Erfahrungen mit diesem Intermedium.
Schöne Grüße
Jürgen
Hallo Juergen,
Intermedium hatte ich als Zwischenmedium verstanden (also zwischen Alkohol und Einbettungsmedium). Ist das Problem:
a) Das Eindringen des Paraffins in das Gewebe
b) Die Haerte des Chitinpanzers ?
Erfahrung habe ich mit Crustaceen-Schnitten. Da half:
a) Einschneiden des Aussenskeletes an mehreren Stellen
b) Ein haerteres Einbettungsmedium. Also entweder ein haerteres Paraffin oder/und konsequente Kuehlung auf -10C.
Einbettung in noch haerteres Medium (Kunstharz) koennte vielleicht helfen. Xylol macht den Chitinpanzer nicht wirklich weicher, oder?
Hier noch ein interesanter Arkikel zum Thema: http://www.nature.com/nature/journal/v187/n4743/abs/1871132b0.html
D. B. CARLISLE (1960): Softening Chitin for Histology. Nature 187: 1132-3
Der Autor beschreibt darin das Problem mit hart sklerotisierten Insekten. Mittel, die das Sklerotin (den eigentlichen Hartmacher) angreifen (Diaphenol), zerstoeren danach auch das weiche Gewebe. Fuer weiche Chitinpanzer (und nur diese) empfiehlt er Verdauung durch Chitinase.
Gewinnung und Gebrauch von Chitinase:
100 Gram frische Champignons ueber Nacht in 35% NaCl einlegen. Saft zentrifugieren und Ueberstand bei 4C lagern (enthaelt hauptsaechlich Chitinase). Monatelang haltbar. Fuer Gebrauch verduennen auf physiologische Konzentration (0.9%?), mit Wasser oder besser Acetat-Puffer pH 5.
Gewebe fixieren und ueber Nacht gruendlich waschen. Dann Chitin bei 37C 12-24 h verdauen und wie ueblich weiter behandeln.
Funktioniert nicht mit stark sklerotisierten Panzern (wegen deren geringem Chitinanteil).
Beste Gruesse,
Jon
Hallo Jon,
ZitatIst das Problem:
a) Das Eindringen des Paraffins in das Gewebe
b) Die Haerte des Chitinpanzers ?
Beides.In die Tracheen und Luftsäcke dringen insbesondere höher molekulare Stoffe schlecht ein und die Luft lässt sich schlecht beseitigen. Immerhin: Leichter Unterdruck beim Entwässern und Infiltrieren, Anschneiden des Integuments und Kühlen der Paraffinblöcke (wie Du schreibst) helfen, das wird bereits von mir praktiziert. Vor allem aber scheinen mir auch nur kleinste Wasserreste immens zu schaden.
Zitat
Einbettung in noch haerteres Medium (Kunstharz) koennte vielleicht helfen.
Ganz sicher. Ich habe von Dieter Stoffels wunderbare Kunststoffpräparate. Aber das ist eine ganz andere Technik, die vor allem ein anderes Mikrotom voraussetzt.
ZitatXylol macht den Chitinpanzer nicht wirklich weicher, oder?
Der Duft macht höchstens meine Knie weich....
ZitatHier noch ein interesanter Arkikel zum Thema: http://www.nature.com/nat.../n4743/abs/1871132b0.html
D. B. CARLISLE (1960): Softening Chitin for Histology. Nature 187: 1132-3
Das ist ein interessanter Hinweis, ganz herzlichen Dank! Hast Du das bei den Crustaceen scon einmal selbst ausprobiert?
Schöne Grüße
Jürgen
Hallo Juergen,
Selbst habe ich das nicht ausprobiert. Die Krebse waren letztlich weich genug.