Hallo liebe Histologen,
seit einigen Jahren ist das "primäre Cilium" wieder ein heißer Renner. Es wird jetzt hauptsächlich immunhistologisch untersucht. Mit der klassischen Lichtmikroskopie ist es im Gewebe fast nie sichtbar. Im Elektronenmikroskop habe ich es (vor - oh Je. - ca. 45 Jahren) öfter mal gesehen, aber wie viele andere auch nicht beachtet. Jetzt suche ich danach in ungefärbten Parafinschnitten mit den Mitteln des Amateurs, wenn schlechtes Wetter ist. Dieses Cilium ist sehr fein, dafür aber auffällig kerzengerade starr. Pro Zelle nur eines. Es müsste doch zu sehen sein, wenn der Blick nicht durch die Zellkerne abgelenkt wird. Ich überlege, ob am Orthoplan ein Immersionskopf Typ Oel 1,25 mit Objektiv 100 Oel Phako. mehr bringt. Nur habe ich diesen Kopf noch nie angeboten gesehen. Aber etwas Geld würde ich schon locker machen für leistungsfähigeren Kondensor und Objektiv, - wenn mir einer von Euch Mut machen würde.
Herzliche Grüsse und ein Dankeschön fürs Lesen
Euer Heinrich
Hallo Heinrich,
anstelle eines Immersionskopfes für den Leitz Universalkondensor könnte man vielleicht auch einen Leitz Immersions-Dunkelfeld-Kondensor NA 1.20 nehmen (ist vielleicht einfacher bzw. schneller zu beschaffen) und diesen mit einem Hellfeld-Ölimmersionsobjektiv NA 1.30 oder höher kombinieren. Die Objektivapertur ist hier höher als die Kondensorapertur. In diesem Fall resultiert ein konzentrisch-peripheres Hellfeld auf der Basis einer konzentrischen Schrägbeleuchtung. Von G. Chmela wurde ermittelt, dass eine solche konzentrische Schrägbeleuchtung die laterale Auflösung um etwa 25% steigern kann. Auch ergibt sich in dieser Hellfeld-Variante bei manchen Objekten ein höherer Kontrast als im konventionellen Hellfeld.
G. Chmela hat auch praktische Tests durchgeführt, um visuell zu ermitteln, was bei leistungsstarken Immersionsobjektiven eine Immersion des Kondensors an Zugewinn bringt. Resultat: Trotz aller theoretischen Formeln in praxi nur sehr wenig. Er konnte auch zeigen, dass eine Untersuchung mit Trockenkondensor im monochromatischen Grünlicht mehr Zugewinn bringt, als eine Immersion des Kondensors bei Weisslicht. Man könnte also auch überlegen, ggf. anstelle eines Immersionskopfes mit einem Trockenkondensor zu arbeiten und das Beleuchtungslicht monochromatisch zu filtern. Die hierdurch ererichbaren Verbesserungen sind bei Hellfeld und Phasenkontrast gleichermaßen wirksam. Verwendet wurden zwei unterschiedliche Schmalband-Filter von Baader-Planetaruim: Solar Continuum (540 nm) und O-III (500 nm), Halbwertsbreite jeweils etwa 8 nm. Die von G. Chmela durchgeführten visuellen Vergleiche konnte ich fotografisch nachvollziehen und auf diese Weise objektivieren.
Diese Anmerkungen gehen zwar am Kern der gestellten Anfrage etwas vorbei, könnten vielleicht aber auch zur Problemlösung beitragen.
In diesem Sinne erfolgreiche Ciliumsuche!
Jörg
Noch ein kleiner Nachtrag zu den Kondensoren. Die Leitz-Kondensoren der Reihe 600 sind doch nur für Hellfeld ausgelegt. Diese würde ich nicht mit einem Phaco Oel 100x kombinieren, wenn im Grenzbereich der Darstellbarkeit gearbeitet werden soll, da der Phasenring hier nur zur Bildverschlechterung führt (Auflösungs-, Schärfe- und Kontrastverlust). Gerade bei sehr kleinen Strukturen, die man suchen muss, würde ich hier ein reines Hellfeld-Objektiv ohne Phasenring nehmen. Die Leitz-Phasenkontrastkondensoren (Universalkondensoren) hatten die Serienbezeichnung 400. Am gängigsten was der Kondensor 402a mit Rasteinstellungen für HF, DF und Phaco 1, 2, und 3.
Jörg
Hallo an Jörg Piper,
herzlichen Dank für die sehr aufschlussreichen Beiträge. Muss ich noch verdauen. Den Dunkelfeldkondensor 1,2 besitze ich, habe ihn aber nur für Dunkelfeld mit Trockenobjekiv benutzt.
Auch habe ich den Phasenkontrastkondensor 402a unter dem Tisch und benutze ihn auch richtig in Kombination mit dem passenden Objektiv. Ich dachte nur, dass dieser Kondensor, wenn keine Phasenringe eingeschoben sind, mit dem 600 identisch ist. Die Geschichte mit dem Dunkelfeldkondensor und Objektiv 1,30 werde ich ausprobieren. Die Hartware ist ja vorhanden. Nochmals vielen Dank für die Anregungen, vor Allem, weil damit keine neuen Ausgaben verbunden sind.
Herzliche Grüsse von Heinrich.
Hallo,
ich drück die Daumen, dass der DF-Kondensor NA 1,2 so, wie angedacht, auch bei dieser Anwendung etwas bringt. Natürlich ist der 402a-Kondensor mit dem 600er-Kondensor identisch, wenn die Rastposition "H" eingeschwenkt ist. Ich konnte nur aus der Anfrage nicht ersehen, dass ein 402a-Kondensor zur Verfügung steht. Daher hatte ich in meinem Nachtrag diese "Eulen nach Athen" getragen.
Schönen Restabend
Jörg
Hallo Heinrich,
ich würde Dich gerne fragen, was Du an einem primären Cilium mikroskopisch untersuchen möchtest. Geht es Dir um den Bewegungsablauf, den Nachweis von Zilien auf verschiedenen epithelialen Oberflächen oder möchtest Du in den "molekularen" Feinbau einer Zilie blicken?
Viele Grüße!
Dieter
Hallo Dieter,
primäre Cilien will und kann ich gar nicht untersuchen. Es reicht mir, wenn ich die aktuelle Literatur darüber verfolgen kann. Aber als Betroffener, der ich in den 60iger Jahren diese Organellen einfach nicht beachtet habe - den meisten anderen ist es damals ähnlich gegangen - , sticht mich jetzt ein kleiner Ehrgeiz, ob ich nicht vielleicht doch ein einziges Cilium mit meinen bescheidenen Mitteln sehen kann. Einfach nur sehen. Jede Wirbeltierzelle kann nur 1 einziges von dieser Sorte Cilien, die nichts mit Bewegung zu tun haben und eine etwas andere Ultrastruktur als die Cilien z.B. des Flimmerepithels oder der Wimpertiere haben, besitzen. Und dieses sticht in irgend einer Richtung aus der Zelle heraus. Schon deswegen ist es sehr unwahrscheinlich, so ein Cilium in der Schnittebene längs zu haben. Die können zwar bis 20 µm lang sein aber nur wenige µm dick. Allerdings schieben sie die Zellwand der Nachbarzelle vor sich her wie ein Finger sich in einen Luftballon bohrt. Und da sehe ich meine Chance mit dem bescheidenen Lichtmikroskop. Am gefärbten Schnitt ziehen die Zellkerne alle meine Aufmerksamkeit auf sich. Es ist doch so, dass wir die tierischen Gewebe hauptsächlich an Form und Anordnung der Zellkerne erkennen. Botaniker haben es da einfacher wegen der schönen Zellwände. Deswegen versuche ich es mal am ungefärbten Schnitt. Fachleute werden jetzt schmunzeln. Feinstruktur oder Funktion untersuchen zu wollen liegt mir unerreichbar fern. Immerhin ist dieses Organell schon über 100 Jahre bekannt, wurde aber nicht weiter beachtet, ja vergessen. Seit etwa 10 Jahren gibt es eine Renaissance dank der Immunfluoreszens: wahrscheinlich eine Antenne mit der sich die Zellen im Gewebe verständigen. Unsere Stäbchen und Zapfen im Auge gehen aus solch einem primären Cilium hervor. (das habe damals an menschlichen Embryonen untersucht). Auf der Oberfläche von Epithelien findet man sie vergleichsweise leichter. Aber auch im soliden Gewebe - Knorpel, Ovar - sind sie gesehen worden. Ich habe gerade Schnitte durch Knorpel unter dem Objektiv. Wenn ich bloß eines sehen würde, wäre ich schon glücklich. Die Menscheit bringt das nicht voran und Erfolgsdruck habe ich auch nicht mehr. Hobby eben.
Einen schönen Abend noch und herzliche Grüsse von Heinrich.