Mikro-Forum

Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: rekuwi in August 11, 2012, 18:06:15 NACHMITTAGS

Titel: Frage zum Ortholux
Beitrag von: rekuwi in August 11, 2012, 18:06:15 NACHMITTAGS
Liebe Ortholuxkenner,

bei meinen schwarzen Ortholux muß ich jedesmal wenn ich zu einem anderen Objektiv wechsele den Kondensor neu zentrieren (beim Köhlern). Ich finde das lästig und meine, der 5-fach Revolver sollte so eingestellt werden können daß dieses ständige Nachzentrieren entfällt.
Wer weiß Rat?!

Liebe Grüße
Regi
Titel: Re: Frage zum Ortholux
Beitrag von: Peter V. in August 11, 2012, 19:13:48 NACHMITTAGS
Liebe Regi,

das ist leider konstruktionsbedingt und bei allen Mikroskopen so! Es ist eine Sereltenheit, dass die optische Achse bei verschiedenen Objektiven in den 5 Positionen immer exakt stimmt. Da kannst Du keine Abhilfe schaffen, es sei denn, Du beschaffst Dir einen der sehr seltenen Pol-Revolver mit zentrierbaren Objektivaufnahmen. Dann kannst Du alle Objektive einmal zentrieren und wenn Du dann immer brav am Revolver, aber NICHT an den Objektiven weiterdrehst, bleibt die Einstellung auch erhalten.

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: Frage zum Ortholux
Beitrag von: rekuwi in August 11, 2012, 21:36:50 NACHMITTAGS
Lieber Peter,

da fehlt mir doch der Glaube daß solch Weltfirma wie Leitz nicht in der Lage war und ist ein zentriertes Mikroskop zu verkaufen.

Bei meinem Will/Hund H 500 hat es zwar mehrere Anläufe gebraucht, sie haben es aber dann doch hinbekommen daß ich nicht jedesmal beim Umschwenken zum nächsten Objektiv neu zentrieren muß.
Wieso sollte das bei Leitz nicht möglich sein?

Liebe Grüße
Regi
Titel: Re: Frage zum Ortholux
Beitrag von: Peter V. in August 11, 2012, 21:42:42 NACHMITTAGS
Liebe Regi,

Zitatda fehlt mir doch der Glaube daß solch Weltfirma wie Leitz nicht in der Lage war und ist ein zentriertes Mikroskop zu verkaufen.

Tja, hättest Dir halt ein Br.... oder Mü..... kaufen sollen  ;D


Wenn es so einfach wäre, wozu gibt es dann wohl zentriebare Revolver oder Objektive für die Polmikroskopie, wo es ja genau darauf ankommt?
Du kannst ja so lange herumpröbeln und die Objektive umschrauben, bis Du vielleicht durch Glück eine Anordnung findest, in der die Objektive "parzentrisch" (eigene Wortschöpfung?) sind.

Herzliche Grüße
Peter

Titel: Re: Frage zum Ortholux
Beitrag von: Nomarski in August 11, 2012, 22:32:06 NACHMITTAGS
Hallo Regi,

ZitatBei meinem Will/Hund H 500 hat es zwar mehrere Anläufe gebraucht, sie haben es aber dann doch hinbekommen daß ich nicht jedesmal beim Umschwenken zum nächsten Objektiv neu zentrieren muß.
Wieso sollte das bei Leitz nicht möglich sein?

Wie haben die denn das gemacht? Hatten die zufällig so viele Objektive liegen und damit solange probiert, bis sie fünf etwa gleichzentrierte gefunden hatten? Oder haben sie die berühmte Folienköhlerei praktiziert? Die braucht schon einige Anläufe.. ;D

Viele Grüße
Bernd
Titel: Re: Frage zum Ortholux
Beitrag von: TPL in August 12, 2012, 00:52:24 VORMITTAG
Zitatbei meinen schwarzen Ortholux muß ich jedesmal wenn ich zu einem anderen Objektiv wechsele den Kondensor neu zentrieren (beim Köhlern). Ich finde das lästig und meine, der 5-fach Revolver sollte so eingestellt werden können daß dieses ständige Nachzentrieren entfällt.
Wer weiß Rat?!
Liebe Regi,

ich bin zwar inzwischen kaum noch 'Ortholuxkenner', aber was Du beschreibst, ist Alltag an nahezu allen mir bekanten Mikroskopen: beim Umschwenken des Revolvers bleibt die Zentrierung nicht perfekt erhalten. Auch wenn es bereits geschrieben wurde: sei Dir bitte bewusst, dass dies völlig normal ist. Genau deswegen gibt es die Zentrier-Einrichtungen (bei Leitz/Leica am Revolver; bei Zeiss leider lange Jahre am Objektiv)!

Wenige Hersteller achten auf eine absolut einheitliche werkseitige Zentrierung ihrer Objektive (ich kenne nur wenige Ausnahmen bei den Zeiss-Axios und einigen Objektiven von Nikon). Ich vermute, das wäre fertigungstechnisch auch wenig sinnvoll, denn bei anderen Chargen hätte man Abweichungen, die doch wieder individuell angepasst werden müssten.

Herzliche Grüße
Thomas

PS: All dies ist kaum ein Problem, wenn man ein einziges Mikroskop mit einem einzigen Satz Objektive perfekt ausrichten lässt, wie Will es offensichtlich für Dich ausgeführt hat. Aber das ist nicht die Regel. Eine Lösung für einen dauerhaft am Mikroskop bleibenden Revolver mit ebenso unveränderlich eingestzten Objektiven wäre das gezielte Einbringen von Folien (i.w.S.) im Objektivgewinde. Gunter Chmela hat dies vor Jahren beschrieben...
Titel: Re: Frage zum Ortholux
Beitrag von: Klaus Henkel in August 12, 2012, 11:51:02 VORMITTAG
Zitat von: rekuwi in August 11, 2012, 21:36:50 NACHMITTAGS

da fehlt mir doch der Glaube daß solch Weltfirma wie Leitz nicht in der Lage war und ist ein zentriertes Mikroskop zu verkaufen.


Liebe Regi!

Die können das! Aber es wäre unbezahlbar. Es müßten mit praktisch Null-Toleranz gefertigt werden:
1. Die Revolveraufnahme
2. Die Bohrlöcher zur Aufnahme der Revolver-Gewinde.
3. Die Revolvergewinde aus Messing.
4. Die Objektivgewinde aus Messing
5. Die Objektivhülsen zur Aufnahme der Gewinde
6. Die Rastpunkte des Revolvers

Dabei ist zu bedenken, daß es sich bei den vor 200 Jahren entworfenen Obkektivgewinden nicht um präzise Feingewinde handelt, sondern um solche, die in ihrer Grobschlächtigkeit auch von einem englischen Hufschmied hätten gedreht werden können.

Die allergeringsten Abweichungen bei nur einem der obigen 6 Punkte führen immer zu Bildverschiebungen beim Objektivwechsel, nur selten sind es aber weniger als drei bis vier Toleranzen gleichzeitig, die sich - Tücke des Objekts - nur selten gegenseitig ausgleichen, sondern meist addieren. Und dann kommt noch hinzu, daß die so entstehenden Abweichungen von den Objektiven 3x, 10x, 25x, 40x oder 100x vergrößert werden! Es ist noch nicht einmal theoretisch möglich, alles mit Null-Toleranzen herzustellen; praktisch vielleicht trotzdem, aber nur mit viel Erfahrung, viel Zeit und viel Ausschuß. Wer wollte oder könnte das dann bezahlen?

Genau deshalb hat der Kondensor, Kondensorhalter oder die Hilfslinse diese feinen Justierschrauben, mit denen wir die Abweichungen ausgleichen können. Internationaler Standard, der in Jena definiert wurde ist: Beim Einschwenken der nächst höheren Objektivvergrößerung am Revolver darf das Objekt nicht weiter aus der Sehfeldmitte auswandern als bis ins zweite Drittel des Bildfeldes. Darüber hinaus wäre Pfusch.

Einen herzlichen Gruß von DAH nach WI
KH
Titel: Re: Frage zum Ortholux
Beitrag von: Nomarski in August 12, 2012, 12:27:53 NACHMITTAGS
Zitat von: TPL in August 12, 2012, 00:52:24 VORMITTAG
...

Eine Lösung für einen dauerhaft am Mikroskop bleibenden Revolver mit ebenso unveränderlich eingestzten Objektiven wäre das gezielte Einbringen von Folien (i.w.S.) im Objektivgewinde. Gunter Chmela hat dies vor Jahren beschrieben...

Was wäre den dadurch gewonnen, wenn man beim Umschwenken des Revolvers zwar nicht nachköhlern müßte, dafür aber 4 von 5 Bildebenen immer etwas leicht angekippt wären? ;D :D :D

Viele Grüße
Bernd
Titel: Re: Frage zum Ortholux
Beitrag von: rekuwi in August 13, 2012, 09:11:44 VORMITTAG
Hallo ihr Lieben,

danke für die restlose Aufklärung. Jetzt weiß ich Bescheid.

Liebe Grüße
Regi