Hallo zusammen,
Amöben sind einfach faszinierend! Kann mich im Moment gar nicht sattsehen daran.
Hier habe ich ein Filmchen gemacht bei dem es für mcih so aussieht, als würde die Amöbe ihre Beute aktiv verfolgen.
Kann das sein, oder ist das einfach Zufall, dass sie sich immer in Richtung der Kieselalge bewegt? Weiss jemand um welche Amöbenart es sich hier handelt?
https://vimeo.com/49229086
viele Grüsse,
MikMike
Hallo MikMike,
und wie die jagen.
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=12747.0
Viele Grüße,
Johannes
Hallo Johannes,
Danke für den Link zum Video! Die Jagd ist in der Tat beeindruckend. Die Amöbe hält immer Körperkontakt. Was mich aber noch mehr erstaunt ist, dass sie anscheinend ihre Opfer auf recht grosse Distanz orten können.
viele Grüsse,
MikMike
hallo zusammen,
Diatomeen bewegen sich mit Hilfe einer Schleimspur, die m.W. ohne Anfärbung im LM kaum erkennbar ist. Diese Spur enthält natürlich Stoffe, die für andere Organismen wahrnehmbar sind. So ist es gut vorstellbar, dass die Amöben diese Spuren als Orientierungshilfe zum Beuteerwerb benutzen.
beste Grüße Michael Plewka
Hallo,
ob diese so schön gefilmte Amöbe (Mayorella?) die Kieselalge wirklich gefangen hat, ist am Schluß nicht sicher. Sie schien ja auch bei vorherigen Treffen noch keinen besonderen Appetit zu haben. Aber diese zielgerichtete Bewegung ist eindrucksvoll. Danke fürs Zeigen!
@ Ernst,
:) Sie hat sie nicht erwischt.... Ich war darüber sogar recht froh, nicht etwa weil ich Mitleid mit der Kieselalge gehabt hätte, sondern weil ich froh bin, die Phagozytose nicht verpasst zu haben.
Die Speicherkarte war just in diesem Moment voll und es hätte mich extrem gewurmt, wenn ich den entscheidenden Moment nicht hätte filmen können. :D
@Michael
Ja, eine Schleimspur könnte eine mögliche Erklärung sein.
Vielen Dank für Eure Kommentare,
MikMike
P.S.:
Diese hier hatte offenbar mehr Erfolg:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/103367_19088444.jpg)
Hallo Mikmike,
Weil der Amöbe die Diatomee nicht erbeutet hat, aber wohl alle Zeit dafür hätte, kann man sich fragen ob er wirklich zielgericht auf der Jagd war. Es gibt meistens so viele Diatomeen in ein Präparat, dass es für Amöben vielleicht eine Spurenchaos gibt ;D
Ernst hat recht, es ist eine Mayorella.
Herzliche Grüsse,
Ferry
Hallo ihr Amöbenfans
ich bin ja auch so einer und für mich ist speziell das von Johannes verlinkte Video äusserst interessant, alldieweil es tatsächlich Fragen aufwirft, die man in der mir zugänglichen Fachliteratur nicht beantwortet bekommt!
Konsultiert man die "Protozoology" von Hausman/Hülsmann/Radek, so erfährt man zum Stand der Forschung in eigenen Worten folgendes:
Zum Zustandekommen der Fließbewegung gibt es zwei Hypothesen ( hydraulischer Druck Hypothese und Frontzonale Kontraktion Hypothese). Von gezielter Richtungsänderung liest man nichts!
Nahrung wird zufällig begegnet. Auslöser für die Phagozytose sind physikalische und chemische Oberflächeneigenschaften der Futterorganismen, die über die äussere Schicht der Plasmamembran (der sogenannten Glykokalix) detektiert werden. Von Detektion "über große Entfernung" wieder nichts! (Die Aussagen beziehen sich allerdings auf die am besten untersuchte Nacktamöbe Amoeba proteus)
Insofern scheint mir Deine These, Johannes, jenseits der aktuellen Forschung zu liegen (zumindest bis Drucklegung des Buches)
Zitat
Uns so erkläre ich mir das Ganze:
Da sehen nicht in frage kommt, dachte ich an Rezeptoren die ihr das "erriechen" ermöglicht und ich denke das diese ihre Bewegung steuern.
Da sie mehrere Rezeptoren um ihren Körper hat , ist der mit dem stärksten Signal vorne.
Sollte ein Hindernis auftauchen steht dieser allerdings an und verliert dadurch seine Führungsrolle da er ja nun nicht mehr die Priorität hat, sondern eines das weiter in Richtung Opfer wandern kann und daher ein stärkeres Signal liefert.
Das würde erklären warum sie nicht alles frisst auf das sie stößt, sondern einfach weiter ihr Opfer folgt.
Ist aber ihr Ziel erreicht, stößt zwar der vordere an, aber er liefert immer noch ein stärkeres Signal wie das vordere bis auch dieses ansteht, dann folgt der nächst usw., das Opfer wird umschlossen und gefressen.
Sollte die Jagt allerdings zu lange dauern, erschöpfen sich die dazu notwendigen Botenstoffe und ein Päuschen wird eingelegt.
Die Ruhezeit hat den Vorteil das die zu schnelle Amöbe verschwinden kann und ein vielleicht langsameres Exemplar in Reichweite der Rezeptoren kommt.
Demgegenüber steht nun dieses Video. Gezielte Verfolgung und damit reaktive Richtungsänderung würde bedeuten, daß es ein Informationssystem gäbe, das steuert WO in der Zelle der Druck aufgebaut werden muss, um das Endoplasma gezielt in eine Richtung zu "spritzen" um dort Pseudopodien zu bilden!! Das scheint mir nicht untersucht zu sein.
Übrigens scheint ja die kleine Amöbe auch zu flüchten, was ich nicht minder bemerkenswert fände.
Ich würde da mal gnadenlos einen Profi anmailen wie er das gezeigte interpretiert. Das habe ich schon öfter getan. Meist besteht Chance auf eine Antwort, da sich die Spezialisten immer über Interesse von Laien freuen!
In diesem Sinne
amöboide Mikrogrüße
Bernhard
Hallo Bernhard,
Zumindest im Fall von Dictyostelium discoideum werden die Amöben durch die Botenstoffe (cAMP) ihrer Artgenossen über gewisse Entfernungen angelockt:
http://de.wikipedia.org/wiki/Dictyostelium_discoideum was dann ja eine zielgerichtete Bewegung bedeutet. Aus http://www.biomedcentral.com/1471-2164/9/130#B25 im Kapitel Aggregation:
"The chemotactic amoeba .... moves rapidly in the direction of the chemoattractant" .
Was den genauen Mechanismus der Bewegung angeht scheint in der Tat noch einiges unklar zu sein: http://en.wikipedia.org/wiki/Amoeboid_movement.
Auf jeden Fall extrem interessant!
viele Grüsse,
MikMike
Zitat von: MikMike in September 14, 2012, 19:24:12 NACHMITTAGS
Hallo Bernhard,
Zumindest im Fall von Dictyostelium discoideum werden die Amöben durch die Botenstoffe (cAMP) ihrer Artgenossen über gewisse Entfernungen angelockt:
http://de.wikipedia.org/wiki/Dictyostelium_discoideum was dann ja eine zielgerichtete Bewegung bedeutet. Aus http://www.biomedcentral.com/1471-2164/9/130#B25 im Kapitel Aggregation:
"The chemotactic amoeba .... moves rapidly in the direction of the chemoattractant" .
Hallo Mike
stimmt..prinzipiell ist die gezielte Bewegung also möglich. Dieser Schleimpilz-Amöben-Zyklus ist ja sowieso der Wahnsinn!! Ob sich das Aggregieren von Artgenossen, das sich evolutiv als Überlebensstrategie entwickelt hat (Heliozoen finden sich ja auch zu Freßgemeinschaften zusammen) allerdings auf das Orten von potenzieller Beute übertragen lässt? Wäre zumindest spekulativ und noch zu erforschen.
Viele Mikrogrüße
Bernhard
Hallo,
Hier habe ich noch einen Literaturtip zu dem Thema: http://jcs.biologists.org/content/123/18/3031.long
Peter J. M. Van Haastert (2010) Chemotaxis: insights from the extending pseudopod. J Cell Sci 123:3031-3037
Die Prozesse sind schon in vielen Details bekannt, bis hin zu den Rezeptoren, die die Bewegungsrichtung steuern. Und es sind immer die gleichen Steuerungsketten, ob es sich nun um aggregierende Dictyostelium handelt, um jagende Amoeben oder um menschliche Makrophagen, die in einen Entzuendungsherd einwandern. Die Verwendung von Dictyostelium fuer die Erforschung dieser Fragestellungen haengt vor allem auch damit zusammen, dass sich diese leicht genetisch manipulieren lassen und damit molekularbiologische zugaenglich sind.
Beste Gruesse,
Jon
Hallo Jon
Superinteressant.
Vielen Dank für diesen Einblick in die aktuelle Forschung!
Lg Bernhard
@Jon
Danke für den Artikel!
viele Grüsse,
Mike