Liebe Pflanzenfreunde,
Modifikation von diesem Beitrag. Ich habe ein Bild vertauscht. Das 2. Bild zeigt die Sternmagnolie. Das richtige Foto einer noch grünen Frucht wurde mir freundlicherweise von der Firma Kordes aus Bilsen zur Verfügung gestellt.
http://koju.de/pflanzen/de/info/DECAISNEA_fargesii_251.php?gruppe=&list=5&sortierung=&from=sortiement
Diese interessante Pflanze wächst im Arboretum Bad Grund im Harz.
http://www.bad-grund-harz.de/exotenwald.html
Dieser Exotenwald ist für mich eine wahre Fundgrube, ein Besuch lohnt sich zu jeder Jahreszeit.
Bild 01 Tafel Decaisnea fargesii
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/103413_34554267.jpg)
Die Chinesische Blaugurke ist in Mittel- und West-China, Nepal, Sikkim und Bhutan verbreitet. Die Gattung Decaisnea enthält nur zwei Arten in Ostasien. Dort heißt die Pflanze chinesisch 猫屎瓜 māo shǐ guā ,Katzenkotgurke'.
Die Gattung wurde nach dem belgischen Botaniker Joseph Decaisne (1807 -1882) benannt, der Direktor des Jardin des Plantes in Paris war.
http://de.wikipedia.org/wiki/Jardin_des_Plantes
Die Blaugurke wird vor allem wegen ihrer auffallenden Früchte – eine vergleichbare Farbe und Form gibt es bei kultivierten Gehölzen nicht – gern angepflanzt.
Bild 02 Decaisnea fargesii - Sternmagnolie (Magnolia stellata) -
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/103413_7438838.jpg)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/103413_36556912.jpg)
Die Früchte sind noch grün. Diese Bild ist Mitte August aufgenommen.
Der Strauch erreicht Wuchshöhen von bis zu 5 Metern. Die Blütezeit liegt im Mai und die Früchte reifen von September bis Oktober.
Bild 03 Decaisnea fargesii.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/103413_22438394.jpg)
Die bohnenähnlichen, runden, bis 10 cm langen und 2 cm dicken Früchte haben jetzt im September ihre kobaltblaue Farbe angenommen. Die Früchte sind essbar und werden in China verzehrt. Wir haben die blaue Frucht probiert, sie hat einen leicht süßlichen Geschmack.
Systematik:
Ordnung: Hahnenfußartige (Ranunculales)
Familie: Fingerfruchtgewächse (Lardizabalaceae)
Gattung: Decaisnea
Art: Blaugurke
Wissenschaftlicher Name: Decaisnea fargesii
Volkstümliche Bezeichnung: Blauschote, Blauschotenstrauch
Englischer Name: Chinese blue cucumber
Ich möchte hier den Spross im Querschnitt zeigen. Der Spross ist überraschend fest und hart, deshalb habe ich zum Fixieren im Probenhalter kein Styrodur verwendet.
Spross, Querschnitt 40 µm
Bild 04 Schnittstelle Spross, Decaisnea fargesii
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/103413_47558959.jpg)
Die Zweige sind olivgrün bis olivbraun, später gelblich.
Zuerst einmal drei Fotos in schwarz/weiß mit Grünfilter. Kein Grünfilter per Software. Einschluss in Glyzerin.
Bild 05 Decaisnea fargesii
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/103413_3760270.jpg)
Bild 06 Decaisnea fargesii
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/103413_19953344.jpg)
Bild 07 Decaisnea fargesii
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/103413_12780759.jpg)
W-3A-Färbung nach Wacker
Arbeitsanleitung:
Original Färberezept siehe Seite von Herrn Armin Eisner http://www.aeisner.de/
W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau) modifiziert
Arbeitsablauf :
Vorbehandlung mit Klorix – Bleichmittel (1 Teil Klorix + 9 Teile Wasser)
1. Schnitte liegen in 30 % Ethanol.
2. Aqua dest. 3x wechseln je 1 Minute.
3. Vorfärbung Acridinrotlösung 8 Min.
4. 1x auswaschen mit Aqua dest. .
5. Acriflavinlösung (differenzieren bis gerade keine Farbwolken mehr abgehen - Lupenkontrolle) ca. 12 Sekunden !!!.
6. 2 x auswaschen mit Aqua dest..
7. Nachfärbung Astrablaulösung 2 Minute.
Bei der Nachfärbung mit Astrablau eine Mischung aus Astrablau und Acriflavin im Verhältnis 5 : 1 verwendet (blau + gelb = grün).
8. Auswaschen mit Aqua dest. bis keine Farbstoffreste auf dem Objektträger verbleiben.
9. Entwässern mit 2x gewechseltem Isopropylalkohol ( 99,9 % ).
10. Als letzte Stufe vor dem Eindecken Xylol einsetzen.
11. Einschluss in Entellan.
Ergebnis :
Zellwände blaugrün bis grün, verholzte Zellwände leuchtend rot, Zellwände der äußeren Hypodermis orangerot, Cuticula gelb, Zellwände der innenliegenden Hypodermis tiefrot.
Fotos: Nikon D5000, die Übersichtsaufnahmen wurde mit ,,MagniFlash" erstellt.
Bild 08 Übersicht, Decaisnea fargesii
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/103413_54249100.jpg)
Die Übersichtsaufnahme wurde mit ,,MagniFlash" erstellt.
Bild 09 Vergrößerung mit Beschriftung, Decaisnea fargesii
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/103413_9620607.jpg)
CU = Cuticula, EP = Epidermis, K = Kambium, R = Rindenparenchym, SK = Sklerenchym, PH = Phloem, XY = Xylem, T = Trachee, MP = Markparenchym
Bild 10 Vergrößerung, Decaisnea fargesii
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/103413_58900602.jpg)
Damit die Zellen untereinander in Kommunikation treten können, bleibt die Zellwand an verschiedenen Stellen dünn. So entstehen feine, plasmaerfüllte Kanäle – die Tüpfel.
Bild 11 Vergrößerung, Decaisnea fargesii
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/103413_66114478.jpg)
Bild 12 AF – Fluoreszenzaufnahme, Spross, Decaisnea fargesii
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/103413_26339059.jpg)
Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 519 IF.
Neue Färbung:
Dujardin
Emmanuel P. Dujardin, der seinerzeit Präsident des Mikrografen-Vereins in Antwerpen, hat diese schöne Färbung entwickelt und in: Eine neue Holz-Zellulose-Färbung. Mikrokosmos 53 (1964), Seite 94 beschrieben.
Vorbehandlung mit Klorix – Bleichmittel (1 Teil Klorix + 9 Teile Wasser)
Zunächst wird in Astrablau gefärbt.
Färbedauer 5 Minuten ( zwischen 1 und 5 Minuten).
Nachfärbung simultan mit einem Farbgemisch aus 1Teil Acridinrot und 2 Teile Chrysoidin
Färbung 5 Minuten (1 bis 5 Minuten).
Differenzieren in Ethylalkohol 70 % - ig, bis der ursprüngliche Farbton des Astrablau wieder erscheint.
Entwässern in Ethylalkohol 96% - ig (kurz), danach in Isopropanol (zweimal wechseln); Xylol und Einbetten in Kunstharz, z. B. Malinol.
Ergebnis:
Zellulose (Phloem, Parenchym) = azurblau; Holz (Xylem, Sklerenchym, Kork) = kirschrot bis goldgelb; stark verholzte Zellwände intensiv gelb.
Bild 13 Ergebnisse ( Zwischenstufen) der beiden Färbungen.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/103413_6159627.jpg)
Bild 14 Übersicht, Spross, Decaisnea fargesii
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/103413_51218143.jpg)
Die Übersichtsaufnahme wurde mit ,,MagniFlash" erstellt.
Bild 15 Vergrößerung aus der Übersicht, Decaisnea fargesii
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/103413_19569087.jpg)
Im offen kollateralen Leitbündel liegt zwischen Xylem und Phloem ein Kambium
Satt roter Sklerenchymring, der dem Spross Stabilität verleiht.
Bild 16 Starke Vergrößerung, Decaisnea fargesii
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/103413_64135077.jpg)
Bild 17 Starke Vergrößerung, Decaisnea fargesii
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/103413_12292465.jpg)
Bild 18 AF – Fluoreszenzaufnahme, Spross, Decaisnea fargesii
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/103413_34229037.jpg)
Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 519 IF.
Und zum Abschluss noch eine Gegenüberstellung der gezeigten Färbungen.
Bild 19 Decaisnea fargesii
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/103413_61213258.jpg)
Schlussfolgerung :
Dujardin ist eine fast 50 Jahre alte Färbevorschrift die der Wackerfärbungen durchaus gleichzusetzen ist.
Literaturhinweis und Quellen:
Schmidt Peter A./ Hecker Ulrich " Taschenbuch der Gehölze" ISBN 978-3-494-01448-7
Dujardin, Emmanuel P.: Eine neue Holz-Zellulose-Färbung. Mikrokosmos 53 (1964), Seite 94
Wikipedia; Freie Enzyklopädie.
Mit freundlichem Gruß
Hans-Jürgen
Hallo Hans-Jürgen!
Sensationeller Bericht, spannend und informativ!
Danke und liebe Grüße
Franz
hallo Hans-Jürgen
wieder einmal einer Deiner bekannt schönen Berichte.
Insbesondere der Vergleich der beiden Färbemethoden ist sehr gut gelungen.
Diese Dujardin-Färbung ( ich muss da immer an Weinbrand denken :D ) werde ich auch einmal ausprobieren.
Danke und Grüsse aus dem Saarland
Wolfgang
Lieber Hans-Jürgen,
vielen Dank für den schönen Beitrag mit den diesmal besonders gut gelungenen Bildern! Für mich sehr schön vor allem Bild 10 mit den großen Hoftüpfeln und die perfekt angefärbte Cuticula bei beiden Färbungen wie z.B. in Bild 9.
Bitte wirf aber noch einmal einen Blick auf Dein Bild 2. Ich mag mich irren, aber vom Laub und der Form der Frucht würde ich da eher auf eine Magnolie tippen. Insbesondere da sich die Blätter im Bild 2 aus meiner Sicht deutlich von denen in Bild 3 unterscheiden.
Zu guter Letzt sei mir noch der Hinweis auf die Dujardin Grün Färbung erlaubt, die Rolf-Dieter Müller auf der MKB Webseite (http://www.mikroskopie-bonn.de/bibliothek/botanische_mikrotechnik/index.html#a350) beschrieben hat.
Herzliche Grüße
Jörg
Guten Morgen Hans-Juergen
Den Vergleich der beiden Faerbungen finde ich toll, ich habe vorher noch keine Ergebnisse gesehen. Danke, das hat sich jetzt ja dank Dir geaendert. Das es dann auch noch einen Beitrag gibt, danke Joerg und natuerlich Rolf-Dieter!
Auch wenn mich dieses Mal die Faerbung beschaeftigt, die exitische Pflanze und deren Praesentation ist natuerlich ebenfalls toll ...
Liebe Gruesse
Gerhard
Liebe Pflanzenfreunde,
danke für das große Lob.
@ Jörg,
auf den Unterschied in Bild 2 und Bild 3 hat mich meine Familie schon hingewiesen. Anfang Oktober gehen wir noch einmal auf die Pflanzenjagd im Exotenwald im Harz. Ich habe sicher Gelegenheit die Pflanze noch einmal genauer anzusehen. Grüne Früchte gibt es sicher nicht mehr, aber die Blätter und die reifen blauen Früchte werde ich fotografieren. Evtl. muss ich das Foto ersetzen und neu einstellen. Ich bitte um etwas Geduld.
Einen lieben Gruß an alle.
Hans-Jürgen
Liebe Pflanzenfreunde,
diese AF- Fluoreszenzaufnahme vom Spross, Decaisnea fargesii zeigt eine Trachee mit zerstörten Zellwänden.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/103527_51462838.jpg)
Ist es durch das Bleichen mit Klorix entstanden?
Hat jemand eine Idee ?
Mit freundlichem Gruß
Hans-Jürgen
Lieber Hans-Jürgen,
da ist m.M überhaupt nichts zerstört, sondern Du schaust auf die schräg gestellte Tüpfelwand zu einer Nachbartrachee. Die können so aussehen, findest Du in allen Lehrbüchern.
Herzliche Grüße
Detlef
Lieber Hans-Jürgen,
da gebe ich Detlef recht, Du siehst den Übergang zwischen zwei (ehemaligen) Tracheenzellen, es handelt sich wegen der charakteristischen Form um Leitertracheen. Dein Bild dazu finde ich klasse.
Bei Deinem Bild 2 bin ich mir mit der Magnolie übrigens nun sicher, ich habe mal meine eigenen Bilder geschaut. Wir haben eine Sternmagnolie - Magnolia stellata - im Garten, die im letzten Jahr erstmalig gefruchtet hat. Wenn Du magst, kann ich Dir gerne ein Beispiel senden oder hier im Thread zeigen.
Herzliche Grüße
Jörg
Guten Morgen,
@ Detlef,
danke für Deine Information.
@ Jörg,
stelle Dein Bild von - Magnolia stellata - gerne hier im Thread ein.
Ich habe sicher bei meinen Fotos etwas durcheinandergebracht. Zuerst mache ich eine Aufnahme von der Pflanze, dann folgt die Hinweistafel und der Spross und evtl. der Blattstiel. Danach kommen die Proben in AFE.
Gruß
Hans-Jürgen
Lieber Hans-Jürgen,
danke für die Erlaubnis, das Bild hier zu zeigen. Ich möchte Deinen Thread zur Blaugurke aber nicht mit dem Bild stören und habe daher meinen alten Thread aus dem Jahr 2010 erweitert.
Es handelt sich dort um das Bild 5b, das den Fruchtstand der Sternmagnolie zu einem deutlich späteren Zeitpunkt mit reifen Samen zeigt. Die charakteristisch "Noppen" auf der Frucht sind aber noch zu erkennen, ebenso natürlich die umstehenden Blätter.
Hier der Link auf den alten Beitrag zur Sternmagnolie (http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=6081).
Herzliche Grüße
Jörg
Lieber Jörg,
danke für Deine Ergänzung zur - Sternmagnolie (Magnolia stellata) -.
Ich habe die Überschrift zum Bild 02 geändert. Das korrekte Foto folgt später.
Mit freundlichem Gruß
Hans-Jürgen