Hallo zusammen,
ich habe da eine technische Frage. Ich habe das allseits Bekannte Reichert BIOVAR im Einsatz.
Ist ja durch mansche Hände hier gegangen bei Einstieg.
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=9846.0
Mit einem S PL 10/0,25 160/- bekomme ich ein tolles Bild, kann Köhler und alles.
Setzte ich jetzt ein 3,2/10 160/- ein, so muss ich zum einen sehr weit Kurbeln um in den Schärfebereich zu kommen
und das Bild wird vom Kondensor zur zu 50% ausgeleuchtet. ??? Ich sehe den Kondensor in der Mitte des Bildes
als Lichtkreis und darum alles dunkel.
Es sieht aus als ob die Lichtquelle einen zu kleinen Lichtaustrittskreis hätte.
Meine Frage, kann ich dieses mit einer separaten Lichtquelle ändern?
(Die ich über dem Kondensor nur sporadisch für das 3,2 einschwenke)
Oder habe ich eine nicht passendes Objektiv im Einsatz?
Oder kann dieses Mikroskop nur bis sagen wir 6,3 Objektive verarbeiten?
Warum ein 3,2? Ich hätte gerne öfters ein Übersichtsbild zum Fotografieren um hier
mal ein Paar Detailbilder mit Übersicht Euch zu zeigen.
MfG
Ralf
Guten Morgen Ralf,
das liest sich so, als ob das 3,2x Objektiv eine andere Abgleichlänge hätte, z.B. 45 statt 37 mm. ich kenne das Reichert nicht und kann nicht sagen, welche Länge die richtige ist, aber dass bei einem kleinen Objektiv mit nicht passender Abgleichlänge das Gesichtsfeld nicht ganz ausgeleuchtet wird, ist nach meiner Kenntnis zu erwarten.
Viele Kondensoren haben für die "kleinen" Vergrößerungen bis 10x auch noch eine Einschwenklinse.
Herzliche Grüße
Jörg
Hallo Ralf!
Ein 3,2-Objektiv hat eine Brennweite von 160 mm / 3,2 = 50 mm. Das passt auch bei 45 mm Abgleichlänge nicht, bei 37 mm schon gar nicht.
Es ist deswegen normal, daß man den Tisch weit absenken muß, um ein scharfes Bild zu bekommen.
Die Apertur des Objektivs ist etwa 0,1 - der Kondensor hat aber 1 (der Lichtkegel ist etwa 90°).
Wenn du die oberste Linse des Kondensors abschraubst, wird die Apertur verkleinert und die Ausleuchtung paßt, eventuell noch den Kondensor weiter absenken.
Schwache Objektive sind der Grund, warum die oberste Kondensorlinse immer leicht abschraubbar (oder ausklappbar) konstruiert ist.
Gruß - Werner
Hallo Ralf,
Dein Reichert-BIOVAR wird die auch beim Reichert-NEOPAN übliche Abgleichlänge von 37 mm haben.
Ein Objektiv Semiplan 3,2/o,10 kenne ich nur von Carl Zeiss/Jena und das hat 33 mm Abgleichlänge. Dieses CZJ Semiplan 3,2/o,10 ist mit 'seinesgleichen' tatsächlich halbwegs abgeglichen.
Wenn Du dieses Objektiv nutzt, müsstest Du also den Tisch näher an's Objektiv herankurbeln, korrekt?
Oder ist es umgekehrt, und Du musst den Tisch vom Objektiv weg bewegen, um zu fokussieren? Das würde darauf hindeuten, dass Du ein Semiplan 3,2/o,10 mit einem längeren Abgleich als 37 mm hast (die kenne ich nicht).
Viel Erfolg
Thomas
PS: Wie Werner schreibt, sind die einfachsten Typen dieser schwachen Objektive kaum abzugleichen, da ihre Brennweite zu lang ist. Das erkennt man ganz gut an den diversen "Stummeln", deren (zweilinsige) Optik selbst bei Mikroskopen mit 45 mm Abgleich weit zurück in den Revolver ragen muss. Die Semiplan- oder Plan-Konstruktionen sind komplexer gebaut und können recht gut abgeglichen sein. Wie das bewerkstelligt wird...? Da bin ich auf zu dünnem Eis.
Lieber Thomas,
ich kenne nur ein Zeiss Jena Semiplan 3,2 x das 45 mm Abgleichlänge hat
und habe auch so eines.
Den Tipp hierzu (vor allem, dass es nach Abschrauben der vorderen Hülse einen riesigen Arbeitsabstand hat und so ein hervorragendes Präparierobjektiv abgibt) habe ich übrigens vor Jahren von dir bekommen ;D
viele Grüsse
Wilfried
.. noch zur Erläuterung:
Ich habe zuerst nicht genau gelesen bzw. nachgedacht.
Ha! - keiner hat aufgepaßt! - Meine Formel ist falsch - die gilt nur grob bei hohen Vergrößerungen.
Für kleine Vergrößerungen muß man schon die Abbildungsgleichung bemühen, am besten die nach Newton:
3,2xf + 2xf + 1/3,2xf = 160 + 37 (mm). Die Brennweite ergibt sich dann zu 35,7 mm (statt 50!). Der Objektabstand ist dann f + 0,313xF = 46,91 mm von der unteren Hauptebene,
also etwa 10 mm über der Abgleichlänge.
Ich habe ein 4-fach Objektiv, da ist die Linse etwa in Höhe des RMS-Gewindes, bei 45 mm Abgleich paßt das in etwa - und ein 2,5-fach, da braucht der Tisch tatsächlich 60 mm Abstand.
Lange Brennweiten bei kurzem Abgleich können schon realisiert werden, aber nur mit erhöhtem Aufwand.
Der Trick ist, ein umgekehrtes Telesystem bzw. Galilei-Fernrohr reinzukonstruieren, also eine Zerstreungslinse als Bestandteil. Damit kann die brechwirksame Hauptebene hinter die letzte Linse geschoben werden, ohne daß dort hineinragendes Material die Bewegung des Objektivrevolvers behindert.
Ich weiß aber nicht mehr, wo ich solch ein Schnittbild gesehen habe. Ganz extrem ist das bei einem 1x-Objektiv, da muß die effektive Brennweite 49 mm betragen, die Gegenstandsweite ist das Doppelte.
Brillenträger-Okulare sind übrigens auch mit einer Zerstreungslinse in ähnlicher Weise gebaut, um die Hauptebene bzw. Austrittspupille in größeren Abstand zu bekommen.
Gruß - Werner
Hallo zusammen,
erst mal Danke an alle die mir Tipps hier geben. Im einzelnen:
Hallo Jörg,
,,ich kenne das Reichert nicht und kann nicht sagen". Ähh, Du hast schon selber beim Tümpeln im Sommer dran geschraubt. ;D ;D
Hallo Thomas,
,,Oder ist es umgekehrt," Ich muss nach unten, also Weg vom Objektiv und das um gut 1-2 cm. Dann wird das Bild scharf. Kurz vorher sehe ich den Kondensor in allen Einzelheiten und deutlich den kleinen Lichtring.
Hallo Wilfried,
Du von mir, so ist das Leben. >:(
Nachtrag, auf der Rückseite auf dem Objektiv steht noch: ,,aus Jena 263 907"
Mein Problem ist nicht das ich kurbeln muss. Auch bin ich mit dem Bild sehr einverstanden. Was mich wundert ist, es steht 160/- drauf, so wie auf meinen anderen im Magazin, sollte doch passen.
Mich stört am meisten, das die Lichtquelle einen scheinbar zu kleinen Kreis ausleuchtet.
Habe gerade versucht ein Foto zu machen, nur werden die störenden 20% am Rand von der einfachen Adaption (Kamera aus der Hand vor Okular) nicht erfasst.
Gruß
Ralf
Lieber Ralf,
ja, das schon, aber in der Benutzung sind die Dinger ja alle irgendwie gleich. ;D ;D
Ich kenne aber das Reichert - System nicht, kann Dir somit z.B. nichts zur richtigen Abgleichlänge oder zu den Objektiven sagen.
Was die Parfokalität bei Objektiven mit kleinen Vergrößerungen angeht: ich habe hier ein Zeiss 2,5x Plan (4051330), das mit den anderen Zeiss Objektiven am Standard wunderbar harmoniert und mit einem korrekt eingestellten Zeiss Klappkondensor auch komplett ausgeleuchtet wird.
Weiterhin habe ich am HM ein 3,5x Achromaten von Leitz Wetzlar, der ebenfalls nur ein wenig "aus der Reihe tanzt".
Beim 5x N-Plan aus der Leica Unendlich-Baureihe gibt es auch keine Probleme mit der Parfokalität und der Ausleuchtung im Vergleich zum darauf folgenden 10er N-Plan der gleichen Reihe, genau wie beim einfachen 4x C-Plan und dem 4x Achromaten von Leica.
Werners Erfahrung kann ich somit nicht so ganz teilen.
Herzliche Grüße
Jörg
Hallo,
Zitat von: RalfAusDrols in November 17, 2012, 16:29:41 NACHMITTAGS
Was mich wundert ist, es steht 160/- drauf, so wie auf meinen anderen im Magazin, sollte doch passen.
Abgleichlänge und Tubuslänge sind nicht das gleiche.
Die Abgleichlänge ist der Abstand vom Objekt,
die Tubuslänge ist der Abstand vom Okular.
Die Tubuslänge ist praktisch immer auf dem Objektiv angegeben,
die Abgleichlänge praktisch nie ...
Beide sind mehr oder weniger unabhängig voneinander.
Gruß
Franz
Hallo,
dan Du schon mehrfach gefragt hast und das Thema immer wieder etwas abgleitet in Richtung Abgleichlänge etc.:
Ja, es ist völlig normal, dass mit einem normalen Kondensor (Apterur 0,9 etc.) ein solches Objektiv nicht ausgeleuchtet werden KANN! Das ist kein Spezifikum des Biovar (das auch schon in meinen Händen war ;)) oder des speziellen 3,2er-Objektivs, das ist bei jedem Mikroskop so! Deshalb gibt es an manchen Mikroskope Großfeldlinsen oder man verwendet gar einen spzeiellen Großfeldkondensor.
Klaus Herrmann hatte letztens irgendwo gezeigt, wie man durch eine auf die Lichtquelle gelegte Linse erreichen kann, auch solche Objektive auszuleuchten. Allerdings finde ich auch die Schnelle nicht den entsprechenden Beitrag.
Herzliche Grüße
Peter
Zitat von: cicindela in November 17, 2012, 20:21:34 NACHMITTAGS
Die Abgleichlänge ist der Abstand vom Objekt,
die Tubuslänge ist der Abstand vom Okular.
Sorry Franz, das stimmt natürlich nicht. Die Abgleichlänge ist die angepaßte Baulänge der Objektive, ganz gleich wie weit die Frontlinse vom Objekt erntfernt ist. D.h. wenn ich über den Revolver auf eine andere Vergrößerung schalte, muß ich im Idealfall bei Objektiven gleicher Abgleichlänge nicht oder nur wenig nachfokussieren. Der Abstand zum Objekt variiert bei den verschienen Vergrößerungen aber deutlich.
Grüße
Martin
Hallo Ralf!
Im Biovar Prospekt 4/76 stehen die möglichen Kondensoren:
SA Kondensor A=1,25 mit Schwenklinse - für Objektive: 4 - 10 - 40 - 100
SB Kondensor A=1,25 - für Objektive: 10 - 40 - 100
NA Kondensor A=1,25 mit Schwenklinse - für Objektive: Plan/Semiplan 4 - 10 - 40 - 100
UA Klappkondensor A=0,9 - für Objektive: Plan/Semiplan 4 - 10 - 40 - 100
Sowie für Phasenkontrast DB und EB.
Welchen hast Du denn?
Schwenklinse ausklappen oder im Falle "SB" Frontlinse abschrauben, dann paßt die Ausleuchtung.
Gruß - Werner
Zitat von: beamish in November 17, 2012, 21:10:56 NACHMITTAGS
Sorry Franz, das stimmt natürlich nicht.
Präzisierung: gemeint ist natürlich in beiden Fällen der Abstand der hinteren Ebene.
Franz
Hallo Werner,
Peter mag mich korriegieren, ich Denke es ist der
SB Kondensor A=1,25 - für Objektive: 10 - 40 - 100
verbaut.
Halbwissen ist heftig. Nicht zu Glauben, ich habe das Problem mit alle der Hilfe von Euch hier gelöst.
Bitte nicht Nachfragen wie, das Schreibe ich nur in PN´s. Es ist zu Banal, als das ich es hier schreibe.
Trotz dem noch mal Dank an alle (auch von den "mitlesenden Einsteigern"), hier konnte ich bis
jetzt Kompakt mein Wissen um locker 100% steigern.
Gruss
Ralf
Zitat von: Werner in November 17, 2012, 15:57:49 NACHMITTAGS
.. Ich habe zuerst nicht genau gelesen bzw. nachgedacht.
Ha! - keiner hat aufgepaßt! - Meine Formel ist falsch - die gilt nur grob bei hohen Vergrößerungen.
Für kleine Vergrößerungen muß man schon die Abbildungsgleichung bemühen, am besten die nach Newton:
3,2xf + 2xf + 1/3,2xf = 160 + 37 (mm). Die Brennweite ergibt sich dann zu 35,7 mm (statt 50!). Der Objektabstand ist dann f + 0,313xF = 46,91 mm von der unteren Hauptebene,
also etwa 10 mm über der Abgleichlänge...
Hallo Werner,
so kann man leider nur mit einer dünnen Linse rechnen, da dann die Hauptebenen zusammenfallen, und
Gegenstandsweite + Bildweite= Entfernung zwischen Gegenstand und Bild.
Gruß,
Stuessi