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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: Peter V. in November 22, 2012, 08:32:10 VORMITTAG

Titel: Wenn DAS Herr Henkel liest........
Beitrag von: Peter V. in November 22, 2012, 08:32:10 VORMITTAG
Hallo,

mein "Neuerwerb", das "KuriosMikroskop"  ;) Zeiss "KM", verfügt über einen herausziehbares Alu-Bodenblech, das gleichzeitig eine aufgedruckte Bedienungsanleitung auf beiden Seiten enthält.
Und dort findet sich doch tatsächlich dieser Satz zur Aperturblende!  :o

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/109883_50929161.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/109883_7720849.jpg)


Interessant auch die Konstruktion der Objektführung, die es - was ich nicht wußte - auch neben dem üblichen Kreuztisch bei bestimmten Varianten des KM gibt. Eine Art "Gleittisch für Arme"! Der Träger ist unten mit 4 Telongleitern und zwei Magneten ausgestattet. Die Magnete halten den Träger mit einem gewissen Andruck auf dem metallenen Tisch, dieser Träger läßt sich aber über die Teflongleiter verschieben. Natürlich nicht ansatzweise so elegant und feinfühlig wie bei einem richtigen Gleittisch oder einem Kreuztisch, insgesamt eine etwas grobmotorische Konstruktion, aber immerhin: Verharzungssicher und vermutlich sehr wartungsarm.

Der Objektträger wird in eine verschiebbare Kassette eingelegt, exakt die gleiche Konstruktion gibt es bei Jenamed Histology! (Ich kannte sie bisher auch nur von diesem Mikroskop). Da stellt sich mir doch die Frage: Wer hat's erfunden? (Und wer nachgebaut?)

Ach, noch etwas: Vor langer Zeit kam mir mal ein Artikel aus einer Werksschrift oder einem Prospekt unter, in welchem über die Konstruktion des Zeiss KM und die Intention der Konstrukteure berichtet wurde. Leider finde ich ihn weder auf meiner Festplatte noch im Netz. Falls jemand weiß, was ich meine und die Datei verfügbar hat, wäre ich dankbar, wenn ich sie bekommen könnte.

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/109883_48119381.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/109883_26737573.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/109883_22498683.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/109883_50030775.jpg)

Herzliche Grüße
Peter



Titel: Re: Wenn DAS Herr Henkel liest........
Beitrag von: koestlfr in November 22, 2012, 10:36:41 VORMITTAG
Hallo Peter!

Freut mich, dass du auch das "Kastenmikroskop" oder den "Treteimer" hast!

Die Datei, die du meinst habe ich, wenn du mir deine eMailadresse schickst, dann schicke ich dir den Beitrag von Kurt Michel!

Liebe Grüße und viel Spass
Franz
Titel: Re: Wenn DAS Herr Henkel liest........
Beitrag von: reblaus in November 22, 2012, 10:59:31 VORMITTAG
Lieber Peter -

da hätte ich auch noch einen Artikel von Klaus Weber (1980) "Das kompakte Durchlichtmikroskop KM, ein neues Mikroskop-Konzept", wegen unseres langsam Dorf-Netzes schicke ich ihn aber nur, wenn du ihn nicht schon hast.

Viele Grüße

Rolf
Titel: Re: Wenn DAS Herr Henkel liest........
Beitrag von: JB in November 22, 2012, 15:13:29 NACHMITTAGS
Zitat von: Peter V. in November 22, 2012, 08:32:10 VORMITTAG
Und dort findet sich doch tatsächlich dieser Satz zur Aperturblende!  :o

Hallo Peter,

Ich oute mich mal als totaler Banause, aber ich kann den Fehler in dem Satz einfach nicht finden.

Soll es heissen, den Kontrast des Bildes des Objektes einstellen; oder ist Apertur-Irisblende gedoppelt? Immerhin wurde nicht geraten mit der Aperturblende die Helligkeit einzustellen ...

Bitte um Aufklaerung :)

Jon
Titel: Re: Wenn DAS Herr Henkel liest........
Beitrag von: Klaus Herrmann in November 22, 2012, 15:23:10 NACHMITTAGS
Hallo Jon,

ZitatApertur-Irisblende

das könnte auch eine Lochblende sein, Iris hat also schon eine gewisse Berechtigung.

Aber ich bin froh, dass du fragst, weil ich nämlich auch gestutzt habe, was der östliche Klaus hier bemängeln sollte?
Titel: Re: Wenn DAS Herr Henkel liest........
Beitrag von: Peter V. in November 22, 2012, 15:24:16 NACHMITTAGS
Hallo Jon, lieber Klaus

Es ist wohl nicht recht "rübergekommen", was ich daran kurios fand.

Also, die Aperturblende "offiziell" als "Kontrastblende" zu bezeichen und zu schreiben, dass die Blende der Einstellung des Kontrastes dient - das hätte ich mich niiiiieeeeeemals gar nie nicht getraut!!!!  ;)  ;D
Und dass Zeiss selbst das so schreibt, erstaunt mich schon! Hat Kurt Michel das noch erlebt?
(Natürlich wissen wir alle, dass der Durschnittsmikroskopiker die Blende genau so benutzt. Ordentlichen Kontrast einstellen und gut is'!  ;) )
Nur habe ich die Bezeichung als "Kontrstblende" noch nie in einem ernsthaften Buch über Mikroskopie oder in einer Werksschrift gesehen.
Üblicherweise wird doch nach der reinen Lehre die Aperturblende nach der 2/3-Regel eingestellt und nicht nach "optimalem Kontrast".

Vgl.. Mikrofibel Seite 61  2.5.3.1 (Zweiter Absatz auf der Seite).

@ Franz: Den Beitrag von Kurt Michel habe ich nicht. Mein email lautet: microman/at)web.de

@ Rolf: Den Beitrag von Weber habe ich. Du musst also Euer strapaziertes und schwachbrüstiges ländliches Telekommunikationsnetz nicht unnötig belasten.

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: Wenn DAS Herr Henkel liest........
Beitrag von: wilfried48 in November 22, 2012, 15:28:31 NACHMITTAGS
Zitat von: Peter V. in November 22, 2012, 15:24:16 NACHMITTAGS
Hallo Jon,

also, die Aperturblende als "Kontrastblende" zu bezeichen und zu schreiben, dass die Blende der Einstellung des Kontrastes dient - das hätte ich mich niiiiieeeeeemals gar nie nicht zu schreiben getraut!!!!  ;)  ;D
Und dass Zeiss selbst das so schreibt, erstaunt mich schon! Hat Kurt Michel das noch erlebt?
(Natürlich wissen wir alle, dass der Durschnittsmikroskopiker die Blende genau so benutzt. Ordentlichen Kontrast einstellen und gut is'!  ;) )

Herzliche Grüße
Peter


Also Peter ich verstehe nicht was Kurt Michel gegen das Wort Kontrastblende gehabt haben könnte. Dazu ist sie da, sonst könnte man sie weglassen. Und der "Nichtmediziner" (duck und weg) weiss dann eben noch  zusätzlich,
dass das nur im Kompromiss zu der zu dem durch die eingeschränkte Apertur verminderten Auflösung möglich ist. ;D

Ich dachte schon du störst die an der Verwndung des Begriffs Augenlinse bei der der Mediziner, der ihn in anderem Zusammenhang (Anatomie) auswendig gelernt hat, versucht sein könnte an seinen Augenlinsen herumzudrehen  ;D

und nochmal duck und weg

Wilfried
Titel: Re: Wenn DAS Herr Henkel liest........
Beitrag von: Peter V. in November 22, 2012, 15:50:18 NACHMITTAGS
Liebr Wilfried,

und ich dachte, die Bezeichnung der Aperturblende als quasi "Kontrastregler" sei verpönt.....

Leider kann ich den aus technischen Gründen nicht die Mikrofibel direkt  zitieren, aber dort steht explizit, dass die Blende nicht den Kontrast erhöht, auch, wenn es subjektiv so emfunden wird.

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: Wenn DAS Herr Henkel liest........
Beitrag von: TPL in November 22, 2012, 16:01:05 NACHMITTAGS
ZitatAlso, die Aperturblende "offiziell" als "Kontrastblende" zu bezeichen und zu schreiben, dass die Blende der Einstellung des Kontrastes dient - das hätte ich mich niiiiieeeeeemals gar nie nicht getraut!!!!

Lieber Peter,
das war ein gutes Rätsel. Auch ich bin nicht darauf gekommen, was nun in der Anleitung kurios sei (außer dem Mikroskop selbst ;D). 'Kontrastblende' ist doch gar kein schlechter Begriff, auch wenn sie mit 'Aperturblende' bereits einen Namen hatte.

Herzlichen Gruß, Thomas

PS: gerade lese ich Deine neue Nachricht.
Zitatdass die Blende nicht den Kontrast erhöht, auch, wenn es subjektiv so emfunden wird
Steht das da wirklich? Ich meine, genau das sei ihre Funktion.
Titel: Re: Wenn DAS Herr Henkel liest........
Beitrag von: Peter V. in November 22, 2012, 16:15:46 NACHMITTAGS
Zitat Mikrofibel:


ZitatBeim Schließen der Aperturblende wächst die Schärfentiefe an, wobei sich bei einem durchsichtigen Objekt von gewisser Tiefenausdehnung mehrere Schärfenebenen überlagern und seine Konturen auf die Weise kräftiger, dicker, fetter machen, so dass sie trotz der gleichzetigen Abdunkelung deutlicher sichtbar werden. Irrigerweise wird das gemein als Steigerung des Bildkontrastes gedeutet, was jedoch nicht zutrifft, obgleich man es visuell durchaus so empfinden mag.

Zugegeben, ich hatte hier im Forum mehr Korithen...... erwartet! O.k., habe mich geirrt  ;)  ;D

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: Wenn DAS Herr Henkel liest........
Beitrag von: Nomarski in November 22, 2012, 17:11:05 NACHMITTAGS
Hallo,

ich habe vom Mikroskopieren keine Ahnung. Mit meinem Mikroskop kenne ich mich auch nicht so recht aus, deswegen meine Frage:
Wo muß ich denn dran drehen oder stellen, um den Bildkontrast zu steigern. Bitte um Aufklärung.

Viele Grüße
Bernd
Titel: Re: Wenn DAS Herr Henkel liest........
Beitrag von: rhamvossen in November 22, 2012, 17:27:40 NACHMITTAGS
Hallo,

Ich hoffe das Herr Henkel nicht böse wird, aber meiner Meinung ist das man der Mikrofibel zu viel sieht als der einzige Referenz. Es ist gesunder Praxis um mehrere Ressourcen zu konsultieren. Zum beispiel, UK Microscope Pages, Optical Microscopy primer, Olympus Microscopy Recourse Center usw. Beste Grüsse,

Rolf
Titel: Re: Wenn DAS Herr Henkel liest........
Beitrag von: Jürgen Boschert in November 22, 2012, 17:37:39 NACHMITTAGS
Hallo Rolf, hallo Peter und alle anderen Kontrastsüchtigen,

Herr Henkel will -so denke ich- mit diesem Satz nur vermitteln, dass es beim Schließen der Aperturblende auch zu einer vermeintlichen Kontrastverstärkung durch Überlagerung von Strukturen aus verschiendenen Schärfeebenen kommen kann. Er sagt damit nicht, dass die Aperturblende keine Kontrastblende sei. Dies ist sie eindeutig auch nach der "reinen Lehre" sehr wohl, es ist ihre ureigendste Aufgabe.

Wogegen sich Herr Henkel zurecht verwahren würde -und das hat er auch mehrfach getan- wäre, wenn dort gestanden hätte: "Die Helligkeit des Bileindruckes kann mit der Kondensorblende geregelt werden." -ein ja bekanntlich häufiger Anfängerfehler.

Beste Grüße !

JB
Titel: Re: Wenn DAS Herr Henkel liest........
Beitrag von: wilfried48 in November 22, 2012, 17:53:43 NACHMITTAGS
Hallo,

auf Seite 76 der Mikrofibel steht das noch deutlicher:

http://www.klaus-henkel.de/mikrofibel.pdf

und ist am Beispiel eines kugeligen dickeren transparenten Objekts auch näher erklärt.

Auch Kurt Michel war offenbar Anhänger dieser "fiktiven Kontraststeigerung" die in Wirklichkeit eine Schärfentiefeerhöhung als Ursache hat.

Tatsache ist aber, dass der Kontrast im Bild gemäss seiner Definition K = (Imax - Imin)/(Imax + Imin) erhöht wird, wenn man die Aperturblende zuzieht, die damit zurecht auch als Kontrastblende bezeichnet werden kann.

Sie ist aber in erster Linie eine Schärfentiefenblende.

Die Michelsche Theorie der nur fiktiven Kontraststeigerung über die Schärfentiefe kommt aber sofort ins Schleudern wenn man Objekte betrachtet die weit dünner als die Schärfentiefe des Objektivs sind.

Also z.B. das Testgitter das ich hier an viele verschickt habe hat eine Dicke von nur 0,1 µm also weit dünner als die Schärfentiefe des Mikroskopobjektivs. Und trotzdem wird man feststellen dass der Kontrast bei Schliessen

der Kontrastblende objektiv gemessen steigt (natürlich unter Verlust an Auflösung). Wie erklärt man dann dies nur mit der Schärfentiefenerhöhung ?

Warten wir mal ab was unsere Experten dazu sagen.

viele Grüsse
Wilfried



Titel: Re: Wenn DAS Herr Henkel liest........
Beitrag von: Peter V. in November 22, 2012, 18:05:53 NACHMITTAGS
Ja,ja,ja, ja, ja.........ist ja schon gut!!!!  ;)  ;D  ;D  ;D

Es war doch auch nur "Wortklauberei". Natürlich ist auch mir klar, dass der Kontrast geteigert wird. Das sieht man auch ohne Messungen und Theorie mit dem gesunden Menschenverstand. Allerdings dient sie ja eben nicht der reinen Kontratsteigerung, sondern "ursächlich" der besagten Veränderung der Schräfentiefe und dadurch indirekt der Kontratsteigerung. Da doch sonst immer so viel Wert auf wissenschaftliche Korrektheit gelegt wird, dachte ich, dass sich manche Leute über die Bezeichnung "Kontrastblende" wundern würden. Ich habe sie jedenfalls noch nie so tituliert gesehen, lasse mich aber gerne eines Besseren belehren. Und mittlerweile heißt das "Amtliche Verzeichnis von Fernsprechziffern" ja auch ganz profan "Telefonbuch".

Also, nur die Ruhe, die Ehre von Zeiss betrachte ich als rehabilitiert!
Ist ja schließlich Zeiss, die schreiben doch kein' Sch.....!

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: Wenn DAS Herr Henkel liest........
Beitrag von: Jürgen Boschert in November 22, 2012, 18:07:49 NACHMITTAGS
Hallo Wilfried,

ein wesentlicher Aspekt ist die Reduzierung von Streulicht innerhalb des Objektivs beim Schließen der Aperturblende. Das kann man durch Beobachten der Objektiv-Pupille nachvollziehen und ist recht eindrücklich, wenn man die Blende aus völlig offener Position bis zum Rand der Objektivpupille zuzieht; man erkennt dann auch im Bild einen "Kontrastsprung".

Beste Grüße !

JB
Titel: Re: Wenn DAS Herr Henkel liest........
Beitrag von: Klaus Henkel in November 22, 2012, 18:11:47 NACHMITTAGS
Zitat von: wilfried48 in November 22, 2012, 17:53:43 NACHMITTAGS
auf Seite 76 der Mikrofibel steht das noch deutlicher:

http://www.klaus-henkel.de/mikrofibel.pdf

und ist am Beispiel eines kugeligen dickeren transparenten Objekts auch näher erklärt.

Die Michelsche Theorie der nur fiktiven Kontraststeigerung über die Schärfentiefe kommt aber sofort ins Schleudern wenn man Objekte betrachtet die weit dünner als die Schärfentiefe des Objektivs sind.

Also z.B. das Testgitter das ich hier an viele verschickt habe hat eine Dicke von nur 0,1 µm also weit dünner als die Schärfentiefe des Mikroskopobjektivs. Und trotzdem wird man feststellen dass der Kontrast bei Schliessen

der Kontrastblende objektiv gemessen steigt (natürlich unter Verlust an Auflösung). Wie erklärt man dann dies nur mit der Schärfentiefenerhöhung ?

Warten wir mal ab was unsere Experten dazu sagen.

Wilfried


Da mußte ich jetzt selbst erst nachschlagen, was ich damals geschrieben habe!
2.5.8     Die Fiktion des höheren Bildkontrasts

Und tatsächlich da ist auch das erklärt, man muß nur den Abschnitt 2.5.8 ganz zuende lesen! Da ist das erklärt mit dem flachen, dünnen Objekt. Mann, die Mikrofibel ist echt gut!

KH

Titel: Re: Wenn DAS Herr Henkel liest........
Beitrag von: JB in November 23, 2012, 12:57:22 NACHMITTAGS
Hallo,

Da bin ich ja froh, dass ich mit meiner Verwirrung nicht allein war. Die Bezeichnung als Kontrastblende fand ich nicht so schockierend, besonders wenn der ganze Text unter ein Mikroskopstativ passen muss.

Mein Verstaendnis zur Kontraststeigerung durch die Kondensorblende war bisher folgende:

1) Kontraststeigerung durch Ausblenden von Streulicht
- bei leicht zugezogener Blende reduziert man die Strahlen die vom aeussersten Rand der Linsen und anderer Flaechen im Objektiv gesteut werden
- diese Kontrastverbesserung ist, denke ich, einleuchtend

2) Weiteres Zuziehen der Blende erhoeht die Kohaerenz der Beleuchtung; dadurch tragen gebeugte und bebrochene Stahlen staerker zur Bildentstehung bei. Bei Phasenobjekten zB bewirkt dies eine Kontraststeigerung (wenn auch auf Kosten der Aufloesung) bei Zellmembranen etc.
- diese Interpretation scheint die Standard-Erklaerung fuer die Kontrastverbesserung zu sein
[Ref.: - http://www.microscopyu.com/articles/formulas/specimencontrast.html
         - Murphy DB (2001) Fundamentals of light microscopy and electronic imaging. Wiley-Liss; p71 ]

3) Verringerung des Blendendurchmessers erhoeht die Durchmesser der Airy discs
- dadurch werden feine Linien breiter und leichter sichtbar (wie in der Mikrofibel beschrieben)

4) Ueberlagerung von mehreren Tiefenebenen durch Erhoehung der Schärfentiefe
- das war mir neu, erscheint aber durchaus eine nuetzliche Interpretation


Wenn man ein Amplitudenobjekt nimmt, das leicht aufgeloset wird aber dessen Objekttiefe weit unterhalb der Tiefenaufloesung des Objektivs liegt, also zB ein Objektmikrometer dessen Striche aus wenigen nm dickem Metall bestehen, kommen eigentlich nur 1) und 2) zum tragen.

Beste Gruesse,

Jon
Titel: Re: Wenn DAS Herr Henkel liest........
Beitrag von: Klaus Henkel in November 23, 2012, 14:14:10 NACHMITTAGS
Zitat von: JB in November 23, 2012, 12:57:22 NACHMITTAGS

Da bin ich ja froh, dass ich mit meiner Verwirrung nicht allein war. Die Bezeichnung als Kontrastblende fand ich nicht so schockierend, besonders wenn der ganze Text unter ein Mikroskopstativ passen muss.

Mein Verstaendnis zur Kontraststeigerung durch die Kondensorblende war bisher folgende:

1) Kontraststeigerung durch Ausblenden von Streulicht
- bei leicht zugezogener Blende reduziert man die Strahlen die vom aeussersten Rand der Linsen und anderer Flaechen im Objektiv gesteut werden
- diese Kontrastverbesserung ist, denke ich, einleuchtend

2) Weiteres Zuziehen der Blende erhoeht die Kohaerenz der Beleuchtung; dadurch tragen gebeugte und bebrochene Stahlen staerker zur Bildentstehung bei. Bei Phasenobjekten zB bewirkt dies eine Kontraststeigerung (wenn auch auf Kosten der Aufloesung) bei Zellmembranen etc.
- diese Interpretation scheint die Standard-Erklaerung fuer die Kontrastverbesserung zu sein
[Ref.: - http://www.microscopyu.com/articles/formulas/specimencontrast.html
         - Murphy DB (2001) Fundamentals of light microscopy and electronic imaging. Wiley-Liss; p71 ]

3) Verringerung des Blendendurchmessers erhoeht die Durchmesser der Airy discs
- dadurch werden feine Linien breiter und leichter sichtbar (wie in der Mikrofibel beschrieben)

4) Ueberlagerung von mehreren Tiefenebenen durch Erhoehung der Schärfentiefe
- das war mir neu, erscheint aber durchaus eine nuetzliche Interpretation

Wenn man ein Amplitudenobjekt nimmt, das leicht aufgeloset wird aber dessen Objekttiefe weit unterhalb der Tiefenaufloesung des Objektivs liegt, also zB ein Objektmikrometer dessen Striche aus wenigen nm dickem Metall bestehen, kommen eigentlich nur 1) und 2) zum tragen.

Beste Gruesse,
Jon

Zu 1: Nein. Die Reduktion von Streulicht ist aufgabe der Leuchtfeldblende bei der Köhlerschen Beleuchtung.

Zu 2: Die sehr ausführliche Beschreibung des Phasenkontrastprinzips in der Mikrofibel fußt auf den Erklärungen von Dr. Kurt Michel, des Chefentwicklers von Carl Zeiss, der die welterste Phako-Einrichtung für das Mikroskop durchdacht und konstruiert hat. Meine ehem. Literaturkenntnis hat mich gelehrt, anderen Erklärungsversuchen á priori zu mißtrauen. Selbstverständlich gibt es auch fachlich gute Erklärungen, sogar im Internet. Doch sind viele davon allzusehr einem als zu gering eingeschätzten IQ eines Durchschnittstudenten der Biologie oder Medizin angepaßt. Nachdem ich glaubte, das erkannt zu haben, habe ich schon 2002 aufgehört, mich damit zu beschäftigen. Auf jenem Kenntnisstand stehe ich noch heute, deshalb kann ich mich zu neueren oder "schöneren" Erklärungen leider nicht äußern.

Beste Grüße an alle Kontrast- und Fasenphreunde!
KH
Titel: Re: Wenn DAS Herr Henkel liest........
Beitrag von: wilfried48 in November 23, 2012, 14:47:48 NACHMITTAGS
Zitat von: JB in November 23, 2012, 12:57:22 NACHMITTAGS
Mein Verstaendnis zur Kontraststeigerung durch die Kondensorblende war bisher folgende:

1) Kontraststeigerung durch Ausblenden von Streulicht
- bei leicht zugezogener Blende reduziert man die Strahlen die vom aeussersten Rand der Linsen und anderer Flaechen im Objektiv gesteut werden
- diese Kontrastverbesserung ist, denke ich, einleuchtend

2) Weiteres Zuziehen der Blende erhoeht die Kohaerenz der Beleuchtung; dadurch tragen gebeugte und bebrochene Stahlen staerker zur Bildentstehung bei. Bei Phasenobjekten zB bewirkt dies eine Kontraststeigerung (wenn auch auf Kosten der Aufloesung) bei Zellmembranen etc.
- diese Interpretation scheint die Standard-Erklaerung fuer die Kontrastverbesserung zu sein
[Ref.: - http://www.microscopyu.com/articles/formulas/specimencontrast.html
        - Murphy DB (2001) Fundamentals of light microscopy and electronic imaging. Wiley-Liss; p71 ]

3) Verringerung des Blendendurchmessers erhoeht die Durchmesser der Airy discs
- dadurch werden feine Linien breiter und leichter sichtbar (wie in der Mikrofibel beschrieben)

4) Ueberlagerung von mehreren Tiefenebenen durch Erhoehung der Schärfentiefe
- das war mir neu, erscheint aber durchaus eine nuetzliche Interpretation


Wenn man ein Amplitudenobjekt nimmt, das leicht aufgeloset wird aber dessen Objekttiefe weit unterhalb der Tiefenaufloesung des Objektivs liegt, also zB ein Objektmikrometer dessen Striche aus wenigen nm dickem Metall bestehen, kommen eigentlich nur 1) und 2) zum tragen.

Beste Gruesse,

Jon

Hallo,

ich sehe das auch so wie Jon

Lieber Herr Henkel, die Leuchtfeldblende kann bei exakt eingestellter Köhlerscher Beleuchtung zwar das Sreulicht aus nicht abgebildeten Objektregionen ausblenden, weil die gar nicht erst beleuchtet werden.
Aber sie kann nicht das Streulicht auf der Abbildungsseite z.B. Streuung an Linsenflächen und Rändern reduzieren. Das tut aber sehr wohl die Kondensorblende durch Begrenzung der Beleuchtungsapertur.

Es bleibt dabei, die Erklärungen von Kurt Michel greifen nicht bei dünnen Objekten und grösseren weit von der Beugungsbegrenzung wegliegenden Gitterabständen. Hier greift nur 1) und 2).

Aber eigentlich war ja die Frage des Themas: Darf die Kondensorblende zurecht Kontrastblende genannt werden ?

Und die Antwort ist ja, egal welcher der 4 von Jon angeführten Gründe für die Kontrastvebesserung vorliegt. Je nach Grad der Schliessung der Blende, Dicke des Objekts oder Ortsfrequenz des Objekts ist es halt ein anderer.

viele Grüsse
Wilfried

Titel: Re: Wenn DAS Herr Henkel liest........
Beitrag von: rhamvossen in November 23, 2012, 15:14:11 NACHMITTAGS
Hallo Herr Henkel,

ZitatMeine ehem. Literaturkenntnis hat mich gelehrt, anderen Erklärungsversuchen á priori zu mißtrauen

Es scheint mir, sie haben fur die Mikrofibel hauptsächlich Deutsche Literaturangaben gebraucht. Ist das nicht ein bischen begrenzt? Grüsse,

Rolf
Titel: Re: Wenn DAS Herr Henkel liest........
Beitrag von: Eckhard F. H. in November 24, 2012, 08:44:08 VORMITTAG
Hallo zusammen,
das Wort ´Kontrastblende´ als Synonym zur Aperturblende finde ich auch nicht sooo schlecht. Eine großes Loch in einem Kasten erzeugt auf dessen inneren Rückseite gewiß auch ein (Lochblenden-) Bild. Allerdings ein unsichtbares, weil vom randfernen, ungebeugtem Licht massiv überstrahlt. Erst durch Verkleinerung des Loches und damit Reduzierung dieses Lichtanteils (R/2) wird das Beugungsbild sichtbar. Diese Argumentation rief im interessierten Bekanntenkreis z.T. heftigen Widerspruch hervor. Auch hier genehm.  ;)
Gruß - EFH
Titel: Re: Wenn DAS Herr Henkel liest........
Beitrag von: Klaus Henkel in November 24, 2012, 10:23:36 VORMITTAG
Zitat von: Eckhard F. H. Nowack in November 24, 2012, 08:44:08 VORMITTAG
das Wort ´Kontrastblende´ als Synonym zur Aperturblende finde ich auch nicht sooo schlecht.
Gruß - EFH

Guten Morgen Herr Nowack!

Ja, da mögen Sie wohl recht haben, und viele werden Ihnen spontan zustimmen. Doch bitte ich auch zu bedenken, daß der durchaus richtige und bessere Begriff Aperturblende seit über 100 Jahren in der mikroskopischen Fachliteratur wie auch in Bedienungsanleitungen fest verankert und definiert ist. Gelegentlich kommt auch der Begriff Kondensorblende vor, vor allem in Büchern und Anleitungen von und für Amateure. Auch international ist die Aperturblende üblich.

Alles andere würde nur Verwirrung stiften, besonders deshalb, weil in der Technik Synonyme nicht gebräuchlich sind. Technik und ihre Begriffe müssen ein-eindeutig sein, auch noch weitere 100 Jahre. Begriffs- und Wortschöpfer werden eher in der belletristischen Literatur geschätzt. Aus dieser Sichtweise halte ich die ausziehbare Bedienungskurzanleitung des KM für unglücklich, ja verdammenswert. Auf den Index librorum prohibitorum damit!

Grüße von der Zensurbehörde!
KH

Titel: Re: Wenn DAS Herr Henkel liest........
Beitrag von: Peter V. in November 24, 2012, 10:58:42 VORMITTAG
ZitatAlles andere würde nur Verwirrung stiften, besonders deshalb, weil in der Technik Synonyme nicht gebräuchlich sind. Technik und ihre Begriffe müssen ein-eindeutig sein, auch noch weitere 100 Jahre. Begriffs- und Wortschöpfer werden eher in der belletristischen Literatur geschätzt. Aus dieser Sichtweise halte ich die ausziehbare Bedienungskurzanleitung des KM für unglücklich, ja verdammenswert. Auf den Index librorum prohibitorum damit!

Ja!!!! Endlich!!! Herr Henkel, das wurde aber auch Zeit! Ich habe so auf Sie gezählt, und dann nur so ein seichtes Geplänkel zu dieser Zeiss'schen Verfehlung, ja, beinahe schon indirekte Zustimmung!
Ich habe schon fast an Ihnen gezweifelt! Mein Weltbild drohte aus den Fugen zu geraten. Bitte, machen Sie das nie wieder....  ;)

Herzliche Grüße
Ihr
Peter Voigt
Titel: Re: Wenn DAS Herr Henkel liest........
Beitrag von: hinrich husemann in November 24, 2012, 11:49:17 VORMITTAG
Hallo Diskutanten,
vielleicht doch noch einige "Spitzfindigkeiten" zu diesem Thema:
Ein Mikroskop hat nun normalerweise mehrere - meistens zwei - während des Gebrauchs zu betätigende Blenden. Eine viel benutzte davon sitzt nun mal im Kondensor, deshalb ist die Bezeichnung "Kondensorblende" für die Beschreibung und Benutzung des Gerätes durchaus sinnvoll. Ihre optisch-physikalische Funktion ist natürlich die einer Aperturblende (sie regelt die Beleuchtungs-Apertur); Aperturblenden befinden sich aber auch - manchmal sogar als Irisblenden variabel und damit ebenfalls betätigbar - in jedem Objektiv.
Ganz spitz genommen ist damit der ausschließliche Gebrauch der Bezeichnung "Aperturblende" für die im Kondensor befindliche Blende nicht eindeutig. Wer also "Kondensorblende" sagt, dokumentiert damit noch nicht optisch-physikalische "Unterbelichtetheit".
Die Bezeichnung "Kontrastblende" ist mir auch neu. Wenn sie auch eine ihrer optischen Wirkungen beschreibt, halte ich sie für überflüssig. ZEISS hat sie aber - wohl zur Erläuterung - auch nur in Klammern angefügt.

Freundliche Mikrogrüsse
H. Husemann
Titel: Re: Wenn DAS Herr Henkel liest........
Beitrag von: TPL in November 24, 2012, 11:57:46 VORMITTAG
Zitat von: Klaus Henkel in November 24, 2012, 10:23:36 VORMITTAGGelegentlich kommt auch der Begriff Kondensorblende vor, vor allem in Büchern und Anleitungen von und für Amateure. Auch international ist die Aperturblende üblich.

Guten Morgen Herr Henkel!
Der Begriff Kondensorblende hat seine Berechtigung dann, wenn es darum geht, die Funktion einer Blende unabhängig von ihrer Position zu betrachten, und das kann sowohl für den Amateur, also den Liebhaber, als auch für den Fachmann von Interesse sein. Wie Sie wissen, wirkt bei schwachen Objektiven ("Suchobjektiven") nicht die Kondensorblende als Aperturblende, sondern diese Funktion übernimt die im Mikroskopfuß oder vor dem Leuchtenkollektor liegende Blende. Dass diese beiden Blendenpositionen pauschal mit ihren jeweils häufigsten Funktionen (Aperturblende, Leuchtfeldblende) gleichgesetzt werden, das, lieber Herr Henkel, sorgt für reichlich Verwirrung.

International ist der Begriff Aperturblende keineswegs üblich, auch nicht als Übersetzung in die jeweilige Landessprache ;).

Freundliche Wochendgrüße,
TPL
Titel: Re: Wenn DAS Herr Henkel liest........
Beitrag von: Peter V. in November 24, 2012, 12:01:29 NACHMITTAGS
Hallo Herr Husemann,

exakt SO habe ich es gemeint!!!!

Mal folgenden Vergleich: Einen Stützbalken in einem Fachwerkhaus würde man ja auch nicht "Bilderbalken" nennen, obwohl er sich natürlich auch hervorragend dazu eignet, ein Bild daran aufzuhängen.

Und wir sind uns ja einig, dass die "primäre" Funktion der Blende nicht der "Konrast" ist, sondern die Aperturregelung  die sekundär auch den Effekt der (virtuellen) Kontrastvertsärkung hat. Aber genau so gut könnte man sie dann auch "Artefaktblende" nennen, weil man mir ihr so hervorragende Artefakte erzeuegn kann.

Natürlich war meine "Kritik" an dem Bedienungsanleitungblech eine kortinthenkackerkische Spitzfindigkeit (die mir sonst als Pragmatiker so gar nicht eigen ist), aber ich fand es halt etwas kurios, dass Zeiss selbst die Blende hier so nannte. Natürlich würde ich Anfägern der Mikroskopie auch nur erklären, dass man mit dieser Blende den "Kontrast einstellt".
Ich fand es zunächst "witzig", als ich das auf dem Blech las. Vermutlich war ich da aber wohl doch der Einzige.... :-\

Herzliche Grüße
Peter


Titel: Re: Wenn DAS Herr Henkel liest........
Beitrag von: Eckhard F. H. in November 24, 2012, 18:56:41 NACHMITTAGS
ZitatTechnik und ihre Begriffe müssen ein-eindeutig sein, auch noch weitere 100 Jahre.

Jawohl, lieber Herr Henkel,
nicht nur die! Konfuzius formulierte (angeblich?) schon vor ca. 2000 Jahren:
"Wenn die Sprache nicht stimmt, so ist das, was gesagt wird, nicht das, was gemeint ist". Diesbezüglich schlußfolgerte er (angeblich?) noch wesentlich weiter: "..." Aber das kann jeder Interessierte dank Google selbst lesen.
Gruß vom Bodensee
EFH
Titel: Re: Wenn DAS Herr Henkel liest........
Beitrag von: Klaus Henkel in November 24, 2012, 21:24:14 NACHMITTAGS
Lieber TPL, lieber Herr Husemann!

Aus dem von Ihnen genannten Grund sind ja auch mir die Bezeichnungen Kondensorblende und Leuchtfeldblende eigentlich am liebsten. Allerdings halte ich diese Umkehrung der beiden Blendenfunktionen für ein eigentümliches Merkmal der Zeiss-Standard-Serie, das ich mit meinem Beitrag zur Terminilogie nicht verallgemeinern wollte.

Na, denn sind wir uns ja wieder einmal alle einig.
Ich geh jetzt wieder Krimi gucken.
Schönen Abend!
KH
Titel: Re: Wenn DAS Herr Henkel liest........
Beitrag von: Herbert Dietrich in Dezember 16, 2012, 13:01:03 NACHMITTAGS
Apertur- und Kontrastblende

Falls noch Interesse besteht: Beim Zeiss KM gibt es sowohl  eine Apertur-Blende, als auch eine Kontrastblende.

Die Apertur-Blende  (eine Lochblende, angepasst an das jeweilige Objektiv) wird automatisch beim Objektivwechsel zugeschaltet,
die Kontrast-Blende ermöglicht zusätzlich ein verkleinern der Kondensor-Apertur und somit ein Kontrasterhöhung auf Kosten der Auflösung.

Ebenso wie die Apertur-Blende wird automatisch beim Objektivwechsel die entsprechende Leuchtfeldblende zugeschaltet, voraus-
gesetzt die entsprechenden Blenden-Einsätze sind auch vorhanden! sonst nachkaufen oder basteln.

Das KM (für Kein-Mikroskop fiel beim WAF durch) bietet doch wesentlich mehr bastlerische Eingriffsmöglichkeiten als ich mir dachte,
sogar ein zuschaltbarer Analysator für POL ist realisierbar.

Mit vorweihnachtlichen Grüßen

Herbert Dietrich