Hallo zusammen,
ich brauche beim Tümpeln dünn ausgezogene Pipetten. Meine eigenen Versuche, Glaspipetten mit Hilfe einer Gasflamme zu erhitzen und dann auszuziehen scheiterten kläglich.
Kann mir jemand da Hilfestellung geben? Wie macht man sowas zweckmäßig? Welche Wärmequelle ist richtig (Mein Lötbrenner ist offenkundig zu kräftig, so schnell kann ich garnicht ziehen, wie der den Werkstoff aufschmilzt).
Für hilfreiche Hinweise wäre ich sehr dankbar.
m.f.G.
Herbert
Lieber Herbert,
im Studium haben wir oft Pipetten ausgezogen, wir benutzen dazu einen Bunsenbrenner.
Es gibt kleine Campinggasflaschen, die man wie einen Bunsenbrenner nutzen kann, an der Spitze der rauschenden, nichtrauchenden, blauen Flamme ist die Temperatur niedriger als im Inneren der Flamme (da erzähle ich Dir sicher nichts Neues :)).
Schnelles Auseinanderziehen und dann vorsichtiges Kappen des Glasfadens...
Viel Erfolg und herzliche Grüße nach Trier,
Mila
Lieber Herbert,
wie heiß Dein Lötbrenner ist, weiß ich nicht, aber mit einem billigen Labogaz-Brenner mit Kartusche geht das eigentlich ganz gut.
Wichtig ist, dass Du das Rohr unter gleichmäßigem Drehen erhitzt und das Glas auf keinen Fall zu heiß machst - offenbar Dein aktuelles Problem. Es muss eben so weit geschmolzen sein, dass Du die beiden Pipetten-Gegenstücke mit mehr oder weniger kräftigem Zug gleichmäßig auseinander ziehen kannst und ein adäquater Durchmesser der Spitze entsteht. Das Auseinanderziehen macht man am besten nicht in der Flamme sondern außerhalb. Die Sache muss man üben, dass man auch Ausschuss produziert, ist wohl kaum zu vermeiden.
Herzliche Grüße,
Florian
EDIT: Sehe gerade, Mila war schneller - sie meint bestimmt auch den Labogaz-Brenner.
Zitat von: Florian Stellmacher in Dezember 29, 2012, 19:37:34 NACHMITTAGS
EDIT: Sehe gerade, Mila war schneller - sie meint bestimmt auch den Labogaz-Brenner.
Jau, meint sie :)
Herzliche Grüße
Mila
Hallo Herbert,
fachkundige Ratschläge hast Du jetzt schon bekommen.
Deshalb kann ich mich jetzt mit einem semiprofessionellen Tipp beteiligen.
Eigentlich müsste es mit etwas Übung auch mit einer Spiritusflamme funktionieren. Jedenfalls gelang es mir damit.
Ansonsten hat die Lötbrennerflamme sicherlich Temperaturbereiche die für ein kontrolliertes Anschmelzen von Glas geeignet ist.
Viele Mikrogrüße
Rolf-Dieter
Hallo Rolf Dieter -
du nimmst mir das Wort aus dem Mund ;D
Gerade wollte auch auf das Spiritusflämmchen hinweisen, das - mit etwas mehr Geduld - für eine Pipette völlig ausreicht!
Guten Rutsch - und daran denken: Ein Stückchen Glasrohr sieht mit 400°C auf der feuerfesten Unterlag genau so aus wie bei Zimmertempertur.
Rolf
Hallo Herbert,
hier http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=411.0 gab es eine Anleitung dazu. Auch wie man Kunststoff-Pipetten mit dem Heißluftfön auszieht, die benutze ich besonders gerne.
Grüße
Günter
Hallo Herbert,
Apropopöchen Pipetten, das meint man wäre etwas banales. Dabei kann man dabei ganz interessante Dinge beobachten und so auch Spezialpipetten gezielt herstellen. Die Kapillare saugt sich bis zu einer gewissen Höhe voll Wasser; ist hinreichend bekannt. Weniger bekannt ist, daß sich so eine Pipette mit einer Kapillare wenn man sie unter einem flachen, schrägen Winkel hält im großen Querschnitt bis zu dieser Höhe vollsaugt; also als Pumpe wirkt.
So kannst du dir mit einer bei der Herstellung etwas schräg verzogenen Spitze, die das Eintauchen in deine Tropfen bei nahezu waagerechter Haltung erlaubt einen Staubsauger bauen und gezielt alle dich interessierenden "Kameraden" aus der Brühe ziehen.
Ein weiteres der Oberflächenspannung geschuldetes Phänomen sind dann die kleinen Wasserperlen, die sich bilden wenn man mit der Pipettenspitze bei gefüllter Pipette über eine glatte Fläche fährt.
Gelegentlich werde ich das Thema wieder aufgreifen, weil zum Beispiel die Spinne, die ihre Fangfäden mit Leimkügelchen versieht, vermutlich aus denn beobachteten Gründen gar nicht anders kann, als Kügelchen / Tröpfchen zu erzeugen. Lange ging man davon aus, daß die Spinne den Faden glatt bestreicht und dann mit einem Hinterbein daran zupft um ihn in Schwingung zu versetzen, damit sich die Kügelchen bilden.
Ich ziehe meine Pipetten auch mit so einem Gaskartuschenbrenner. Wenn dein Lötbrenner zu heiß ist kannst du aber auch neben die Flamme halten.
Gruß Lothar
Hallo zusammen,
viele Dank an alle für die ausführliche Beratung. Die Gasflamme, die ich benutzte, ist schwer zu kontrollieren (Minigas-Brenner von Fa. Rothenberger). Deshalb werde ich es mal mit einem Spiritusbrenner probieren. Ich verwende übrigens Pateurpipetten, deren Spitze bereits ausgezogen ist auf einen Durchmesser von ca. 2 mm - viel zu dick also für meine Zwecke. Zudem erschwert dies, daß man den richtigen Zeitpunkt für´s ziehen findet. Der Unterschied zwischen "noch fest" und "wupp, wegisse" ist sehr gering. Auch die richtige Zone ausserhalb der Flamme zu finden wird dadurch erschwert.
@ Rolf : Dieser Effekt ist mir sehr gut bekannt (wg. SFI/ IWE) ;) : Nicht alles, was kalt aussieht, ist es auch. Und auch Dinge, die nicht hellrot glühen, können ausreichen, sich die Pfoten zu verbrennen.
Ich wünsche allen einen guten Rutsch ins neue Jahr!
Herbert
Hallo Herbert,
zu meiner Laborzeit habe ich auch oft Pipetten ausgezogen. Es ist deutlich einfacher, wenn Du im nicht ausgezogenen Bereich ansetzt.
Hier ist die Glasstärke einigermaßen gleichmäßig und Du kannst beide Hälften der Pipette besser fassen.
Wie gehst Du denn genau vor?
Viele Grüße
Harald
Hallo Herbert,
warum tust Du Dir das an ?
Reichen nicht Pasteurpipetten mit sehr kleinem Volumen , z.B. mit 0,2 ml Inhalt fürs Tümpeln aus ?
http://www.alphascience.de/produktliste/laborbedarf/mess---pasteurpipetten/index.html
Wenn es Dir nur um die feine Spitze geht und nicht um ein größeres Volumen, dann wären Kapillarröhrchen meine Wahl.
http://www.marienfeld-superior.com/index.php/blutgasbestimmung/articles/kapillarroehrchen-fuer-schmelzpunktbestimmung.html
liebe Sonntagswünsche nach Trier
Wolfgang
Hallo zusammen,
@ Wolfgang:
Ich mache das, weil ich wirklich sehr kleine Objekte (etwa Diatomeen) sauber aus einer trüben Brühe fischen will. Der Trub besteht dabei hauptsächlich aus noch kleineren Sand-Partikeln. Die Trennung durch Sedimentation habe ich versucht, sie verursacht sehr große Materialverluste. Da der Anteil an schönen Diatomeen in der Brühe aber gering ist, ist das für mich nicht akzeptabel. Erfahrungsgemäß gehen gerade die schönsten dabei flöten. Ich verwende die normalen Pasteurpipetten an einem Mikropipettierhelfer und schaue dabei durch ein Stemi mit 40er oder 80er Vergrößerung. Röhrchen mit kleinerem Aussendurchmesser als 6 - 7 mm passen da nicht. Es kommt bei der Trennung auch weniger auf die aufgenommene Flüssigkeitsmenge als auf den Durchmesser des aufnehmenden Elementes an.
Danke aber für die Links, die Kapillar-Röhrchen werde ich mir mal beschaffen.
@ Harald : Das werde ich heute noch ausprobieren ( mit ´ner Spiritusflamme!). Ich gehe bisher so vor, daß ich den dünnen Teil der Pipette weiter ausziehe und dazu, um mir die Pfoten nicht zu garen, die Pipette mit Holzklammern fasse. Die Phase des teigigen Übergangs im Glas ist dabei aber nur schwer zu erwischen, dein Tipp ist da sicher sehr hilfreich!
Schöne Sonntagsgrüße nach Rheinhessen und ins Saarland!
Herbert
Hallo Herbert,
hier habe ich auch noch was zum Thema gefunden: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=5585.msg37975#msg37975
Viele Grüße
Michael
Lieber Herbert,
ich glaube, das wurde schon fast alles genannt:
Spiritusflamme (geht gut)
Der berühmte Gänsebrenner (http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=5840.msg39644#msg39644) geht ebenfalls gut
Bei heißeren Flammen halt etwas daneben halten
(so eben auch meine Erfahrungen)
Vielleicht machst Du folgenden Fehler: Wenn Du Pipetten mit ausgezogener Spitze verwendest, solltest Du nicht den bereits ausgezogenen Bereich weiter ausziehen. Hier ist das Glas so dünn, dass es sofort zu sehr schmilzt.
Schmilz bitte das Rohr dort auf, wo es noch die normale Wandstärke hat. Und nicht bis zur Rotglut schmelzen, sondern drehend. Und mit etwas Übung fühlst Du irgendwann, dass der geschmolzene Bereich so "lömmelig" ist, dass er sich gut ausziehen lätt. Nach 10 - 20 Pipetten hast Du den Bogen raus.
Mein Lieblingsbrenner für alle Lebenslangen, in denen kleine, aber heiße Flammen benötigt werden, ist übriegns dieses solide Gerät:
Proxxon Micoflam (http://www.fluidonline.de/proxxonmicromot/handgeraete/proxxon-nr-28146-microflam-brenner-mfb-e/a-82/?ReferrerID=7&gclid=CJX_0Zb-wbQCFUmN3godtRwAVw)
Klein, handlich, heiße, einstellbare Flamme. Und auch hervorragned geeignet zum (im wahrsten Wortsinne) reibungslosen Anzünden des Sylversterfeuerwerks (ernsthaft!)
Herzliche Grüße
Peter
Hallo Michael,
danke für den Link. Den Faden kannte ich, er geht mehr auf das Sekundärproblem der Erwärmung ein. Die ist der Grund, aus dem ich mit dem Mikropipettierhelfer arbeite, der eine sehr feinfühlige Dosierung praktisch ohne Einfluss der Handwärme gestattet.
Hallo Peter,
auch dir sei für die Hinweise gedankt. Die Erkenntnis, das der ausgezogene Teil der Pipette mit meinen Mitteln nicht zu beherrschen ist, hat mich mittlerweile auch beschlichen. ;)
An die aktuelle Verwendbarkeit morgen Abend hatte ich noch garnicht gedacht! :D ;D
Mit freundlichen Grüßen
Herbert
Hallo Herbert,
noch einen kleinen Tipp: während des Erhitzens schon leichten Zug auf die Pipette geben, sobald Du merkst sie läßt sich auseinander ziehen mußt Du sie aus der Flamme nehmen und weiterziehen.
Viel Spaß beim Üben ;D
Gruß
Harald
Herbert,
In YouTube habe ich ein schönes Video gefunden wo Mann Pipetten auszieht, sehr Interessant.
http://youtu.be/IFnuM5F7f3M?t=2s
Grüße Ronald
Hallo Harald und Ronald,
danke für die guten Tipps und das prima Video. Meine Versuche sind noch nicht ganz so erfolgreich, aber es wird. Nur lichtet sich die Schar meiner Pipetten bedenklich. Weiß jemand eine gute Bezugsquelle? Meine Internetrecherche dazu war erstaunlich unergiebig ...
Liebe Grüße
Herbert
Herbert,
"Pasteurpipet 150mm, doos met 250 stuks." Den habe ich auch, sauber und billig, Ideal, 20 Euro.
http://www.labstuff.nl/contents/nl/d12.html
Grusse Ronald
Zitat von: Ronald Schulte in Januar 02, 2013, 09:17:44 VORMITTAG
Herbert,
"Pasteurpipet 150mm, doos met 250 stuks." Den habe ich auch, sauber und billig, Ideal, 20 Euro.
http://www.labstuff.nl/contents/nl/d12.html
Grusse Ronald
hallo Herbert
vom gleichen Anieter, den Ronald zitiert, könnten im Tableau weiter unten auch "Micropipet 20 uL, 250 stuks" interessant sein
Wolfgang
Hallo Freunde des Pipettenziehens,
ich habe gestern mal ein Reagenzglas als Pipette ausgezogen; das geht auch ganz gut. Heute will ich mal schauen, was sich am dicken Ende als Membrane eignet. Damit müßte man schön per Fingerdruck auf die elastische Membrane ( Stückchen Gummituch, vielleicht auch ein Fingerling ?) kleine Mengen Wasser samt Chiliat oder sonstigem begehrten Inhaltes aufnehmen und transportieren können. Das müßte es auch ermöglichen etwas größere Kapillarquerschnitte zu verwenden, die sonst tropfen würden.
Ich melde mich später noch mal zum Thema "Lothars Tümplerpipette".
Gruß Lothar
Hallo Herbert,
ZitatWeiß jemand eine gute Bezugsquelle?
http://www.biologie-bedarf.de wird doch hier immer genannt, und ich habe bislang auch gute Erfahrungen gemacht.
zB Pasteurpipetten aus Glas, 150 mm lang Pkg. à 250 St. 12.50 EUR
Gruß
Günter
Hallo,
ZitatDas Auseinanderziehen macht man am besten nicht in der Flamme sondern außerhalb.
Zitatsobald Du merkst sie läßt sich auseinander ziehen mußt Du sie aus der Flamme nehmen und weiterziehen.
Dies also ist des Pudels Kern. Raus aus der Flamme!
Freundliche Grüße
Bernhard Kaiser