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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: liftboy in Februar 01, 2013, 08:31:14 VORMITTAG

Titel: Einschlussmittel
Beitrag von: liftboy in Februar 01, 2013, 08:31:14 VORMITTAG
Hallo erstmal,

In der Bucht wurde ein Einschlussmitel auf Wasserbasis angeboten
Bezeichnung "Magnacol" von der gleichnamigen englischen Firma.
Da ich nun nahe am Wasser gebaut bin (Tümpeln, etc.) habe ich eine Testreihe gestartet.
Die ersten Ergebnisse sind ermutigend.
Das mittel zieht nicht nach und scheint ungiftig zu sein (Algenfäden zeigten nach 24h noch Plasmaströmung)
Stapelfähig nach 1h, ausgehärtet 2Tage.
Ein ausziehen der Farbstoffe konnte ich nicht feststellen.
Zur Verpilzung kann ich noch keine Angaben machen, der Zeitraum ist noch zu kurz; ich werde mal einen Testlauf in der feuchten Kammer im Brutschrank machen; ev. mit Aspergillus animpfen.
Ich werde über den weiteren Verlauf berichten.

Grüße
Wolfgang
Titel: Re: Einschlussmittel
Beitrag von: belay68 in Februar 01, 2013, 09:39:32 VORMITTAG
Hallo Wolfgang,

Vielen Dank für Deine Vorabinformationen. Ich bin an den Ergebnissen ("Langzeitversuche") sehr interessiert.

Vg
Bernd
Titel: Re: Einschlussmittel
Beitrag von: Klaus Henkel in Februar 01, 2013, 14:55:54 NACHMITTAGS
Zitat von: liftboy in Februar 01, 2013, 08:31:14 VORMITTAG
In der Bucht wurde ein Einschlussmitel auf Wasserbasis angeboten
Bezeichnung "Magnacol" von der gleichnamigen englischen Firma.
Da ich nun nahe am Wasser gebaut bin (Tümpeln, etc.) habe ich eine Testreihe gestartet.
Die ersten Ergebnisse sind ermutigend.
Das mittel zieht nicht nach und scheint ungiftig zu sein (Algenfäden zeigten nach 24h noch Plasmaströmung)
Stapelfähig nach 1h, ausgehärtet 2Tage.  *
Ein ausziehen der Farbstoffe konnte ich nicht feststellen.  **
Zur Verpilzung kann ich noch keine Angaben machen, der Zeitraum ist noch zu kurz; ich werde mal einen Testlauf in der feuchten Kammer im Brutschrank machen; ev. mit Aspergillus animpfen.
Ich werde über den weiteren Verlauf berichten.

Hallo Liftboy!
Bitte zm Aufklärung:

Zu * -- Was bedeutet "Das mittel zieht nicht nach "? Meinen Sie, daß es nicht einzieht bzw. einschrumpft?
Zu ** - Welche Färbung haben Sie denn verwendet, d. h. mit welchen Farbstoffen? Erbitte genaue Angabe, falls es nicht die herkömmliche Algenfärbung Alizarinviridin-Chromalaun sein sollte.
Danke und Gruß
KH
Titel: Re: Einschlussmittel
Beitrag von: Wanda in Februar 01, 2013, 15:14:36 NACHMITTAGS
Hallo Wolfgang,
mal eine Frage, kann ich mit diesem Einschlussmittel also eine Wasserprobe einbetten? Ich habe ja einige gekaufte Präparate von Diatomeen und Algen, wäre toll wenn ich so etwas mal selbst machen könnte ohne große Umwege. Ich denke aber das das wohl eher nicht geht.Wenn ja wäre das wirklich toll. Ich wollte immer schon mal Präparate von verschieden Tümpelproben anfertigen...
LG Wanda
Titel: Re: Einschlussmittel
Beitrag von: JB in Februar 01, 2013, 15:26:45 NACHMITTAGS
Hallo Wolfgang,

Das Einschussmittel ist eine Mischung von Polyvinylalkohol und Glycerol. Diese Mischung findet breite Anwendung, zB als Einschlussmittel fuer die Fluoreszenzmikroskopie.

Manchmal wird, wegen das neutralen pH und des Glycerolgehaltes (?), der Zusatz eines Konservierungsmittels oder das Ringen der Praeparate empfohlen.

Beste Gruesse,

Jon

Ref.: http://www.jstor.org/stable/1668868?origin=ads
Lubkin, Virginia; Carsten, Mary (1942): Elimination of Dehydration in Histological Technique. Science 95: 633-634
Titel: Re: Einschlussmittel
Beitrag von: liftboy in Februar 01, 2013, 16:07:18 NACHMITTAGS
Hallo erstmal,

danke Jon für die Information.

@Klaus
zieht nicht nach, will meinen: die zugefügte Menge schrumpft nur dahingehend, dass das Deckglas beigezogen wird.
Lufteinzug habe ich noch nicht feststellen können.
zieht keine Farbe aus, will meinen: die von mir bei verschiedenen Präparaten angewendeten Farbstoffe (Safranin, Astrablau, Methylenblau, Lugol) wurden nicht ausgezogen, d.h. es gab keine Veränderung (bis jetzt)
Genau aus dem Grund, dass ich die Algen natürlich belassen, und nicht färben wollte, habe ich dieses Einschlussmittel gewählt.
Wie an anderer Stelle erwähnt, habe ich Moospräparate in Gray-Wess bekommen; die Farben scheinen mir unverändert seit 1977!

@Wanda
Ich setze einen kleinen Tropfen des Einschlußmittels auf den Objektträger, füge die feuchte Algenprobe hinzu, ordne das Ganze, noch ein kleiner Tropfen Einschlußmittel dazu, Deckel drauf und fertig.

Hier ein Beispiel, verm. Oscillatoria

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/117232_62047006.jpg) (https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/117232_60899290.jpg)

Grüße
Wolfgang
Titel: Re: Einschlussmittel
Beitrag von: Wanda in Februar 01, 2013, 16:12:30 NACHMITTAGS
Hallo Wolfgang,
vielen Dank für diese Information ! Geht das wohl auch mit anderen Sachen, ich meine wenn ich einen Wassertropfen auf dem Objektträger setze und dazu dann das Einschlussmittel gebe? (ich weiß dumme Frage aber ich bin da ja Anfängerin!)
Wo kann man diese Einschlussmittel hier in Deutschland bekommen?
LG Wanda
Titel: Re: Einschlussmittel
Beitrag von: Klaus Herrmann in Februar 01, 2013, 17:44:59 NACHMITTAGS
Hallo,

ich habe von Roth Phytohistol, das ist auch wasserverdünnbar auf Basis Glycerin und Sirup. Habe es aber selbst noch nie probiert und dann steht da noch eine Flasche Karion von Merck, das auch wasserverdünnbar ist. Das ist eine Sorbit-Lösung, die sich auch eignen soll. Hat jemand mit beiden Mitteln schon mal Erfahrungen gemacht?
Titel: Re: Einschlussmittel
Beitrag von: Dünnschliffbohrer in Februar 01, 2013, 18:47:59 NACHMITTAGS
Ich benutze am liebsten Polyvinyl-lacto-phenol als handelsfertiges Produkt. Die Botanik-Prof´s an der Uni hatten seinerzeit dieses Einschlußmittel in den Kursen sehr angepriesen, und wegen der unproblematischen Verarbeitung kann ich das gut nachvollziehen. Nur mit Färbungen ist es dem Vernehmen nach ein Problem, die wenigsten Farbstoffe halten sich angeblich darin. Aber ich Färbe ohnehin nur in Ausnahmefällen. Clorophyll bleibt zumindest über etliche Jahre im nicht umrandeten Präparat im natürlichen Grünton erhalten. Kürzlich habe ich aber nicht umrandete Algenpräparate wieder hervorgeholt, die ca. 10 Jahre alt waren, und bei denen die Farbe des Blattgrüns dann doch verschwunden war. Das Mittel eignet sich aber auch sehr gut zum direkten Einschluß von tierischem Plankton und anderen kleinen Arthropoden. Meine Bärtierchen sind in diesem Zeitraumpraktisch unverändert erhalten geblieben. Man muss nur die Schrumpfung berücksichtigen, und die damit verbundene lange Aushärtungszeit. -Dsb.
Titel: Re: Einschlussmittel
Beitrag von: Klaus Herrmann in Februar 01, 2013, 20:23:24 NACHMITTAGS
Hallo,

ZitatPolyvinyl-lacto-phenol

das hab ich vergessen, das steht hier auch noch. :D
Titel: Re: Einschlussmittel
Beitrag von: Alfons Renz in Februar 01, 2013, 21:16:32 NACHMITTAGS
ZitatPolyvinyl-lacto-phenol

ist ein sehr leicht anzuwendendes Einbettmittel, sogar aus wässrigen Lösungen, und deswegen mit Recht beliebt, nicht nur bei mir!

Zu bedenken ist nur, neben der schon erwähnten Unverträglichkeit mit vielen Färbungen - die erhebliche Schrumpfung beim Trocken, und, vor allem: Die Objekte dürfen keinen Kalk enthalten!! Sonst kommt es zur Freisetzung von CO2 und damit zur lästigen Blasenbildung unter dem Deckglas. Versuche mit Foraminiferen endeten in einer Katastrophe!

Herzliche Grüße,

Alfons

Titel: Re: Einschlussmittel
Beitrag von: Dünnschliffbohrer in Februar 01, 2013, 21:55:28 NACHMITTAGS
Zitatvor allem: Die Objekte dürfen keinen Kalk enthalten

Ja, klar, erschien mir so selbstverständlich, dass ich es nicht extra erwähnt hatte: es enthält ja Milchsäure (wie viele Fixiermittel/Aufhellungsmischungen), die ist wie viele organische Säuren sehr agressiv! Zum Aufkleben von kalkhaltigen Dünnschliffen wird es sowieso nicht hart genug. Pilze (lebende, nicht einzuschließende) sollten auch nicht hinein gehen, wegen dem Phenol als konservierendem Zusatz. Ich frage mich immer nur, warum das Zeugs bei den Hobbyisten so unbeliebt/unbekannt ist. Liegt es nur an der Unverträglichkeit mit den vielen bunten Farben, oder gibt es noch andere außer den genannten Gründen? - Dsb.
Titel: Re: Einschlussmittel
Beitrag von: Klaus Herrmann in Februar 01, 2013, 22:07:46 NACHMITTAGS
Zitatoder gibt es noch andere außer den genannten Gründen

Durch das Phenol ist es für viele eben nicht zugänglich. Obwohl ich mir nicht vorstellen kann, dass sich damit jemand vergiftet, da gehört schon was dazu das scheußliche Zeug zu schlucken!
Titel: Re: Einschlussmittel
Beitrag von: Dünnschliffbohrer in Februar 02, 2013, 16:07:41 NACHMITTAGS
ZitatDurch das Phenol ist es für viele eben nicht zugänglich.

Gibt´s fertig angemischt im Biologiebedarfshandel etc.. Bei den kleinen Mengen dürfte sich das selber zubereiten kaum lohnen. Ich hab als Schüler mal "Glyceringelatine nach KAISER" gemäß STRASBURGER & KOERNICKE gemischt, ist zwar auch sehr gut geworden, hab aber in fast 30 Jahren seither nur 2-3% davon verbraucht. - Dsb.
Titel: Re: Einschlussmittel
Beitrag von: liftboy in Februar 02, 2013, 20:53:50 NACHMITTAGS
Hallo DSB,

meine Gelatine ist auch noch fast vollständig da, ist aber noch gut :-)

Gruß
Wolfgang
Titel: Re: Einschlussmittel
Beitrag von: Gunther Chmela in Februar 02, 2013, 23:54:15 NACHMITTAGS
Werte Einschlußmittel-Diskutanten,

ich wollte zum Polyvinyllactophenol noch etwas nachtragen. Das Mittel eignet sich sehr gut für ungefärbte botanische Schnitte, vor allem für solche von Alkoholmaterial (aber wer färbt die nicht - außer mir  ;)). Ich gehe dabei immer so vor, daß ich den Schnitt auf den Objektträger in Wasser aufbringe, dann das überschüssige Wasser mit Filterpapier weitgehend absauge und schließlich einen Tropfen PVLP draufgebe.

Ebenfalls sehr gut eignen sich ungefärbte botanische Epidermen, die man oft mit etwas Geschick durch Abziehen gewinnen kann. Diese Präparate muß man allerdings meistens im Phasenkontrast betrachten - dann aber sind sie recht eindrucksvoll. Solche Präparate halten viele Jahre lang.

Allerseits einen schönen Sonntag!
Gunther Chmela