Mikro-Forum

Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: LL0rd in Februar 06, 2013, 15:23:30 NACHMITTAGS

Titel: Suche Stereolupe für Gutachten
Beitrag von: LL0rd in Februar 06, 2013, 15:23:30 NACHMITTAGS
Hallo Leute,

ich bin momentan auf der Suche nach einer Stereolupe für Gutachten. Ich Gutachter für IT und Elektronik, bisher bin ich auch mit meiner ganz normalen Lupe weitergekommen. Allerdings habe ich momentan einen etwas komplexeren Fall auf dem Tisch liegen. Und zwar geht es da um den Verdacht, dass Chips umettiketiert wurden. Ich möchte deshalb unter einer vernünftigen Vergrößerung den aktuellen Aufkleber entfernen. Dabei möchte ich auf Fremdpartikel wie z.B. Staub, Fasern, Haare achten aber auch auf Klebereste.

Es geht mir also darum, Oberflächenstrukturen zu untersuchen, die etwa 0.1mm groß sind. Und wenn ich die Möglichkeit habe, da eine Kamera oder meine DSLR anzuschließen, um gleichzeitig eine Bild-Dokumentation zu haben, dann wäre es wunderbar. Ich möchte aber auch an diesen Oberflächen arbeiten und sie manipulieren können.

Da ich nicht weiß, wie teuer so etwas sein kann, bin ich beim Preis auch relativ offen. Rein vom Gefühl möchte ich ca. 800€ für so ein Gerät investieren. Wenn es aber 1.500€ sind, dann wäre es auch in Ordnung. Absolute oberste Preisgrenze sind 2.500€.
Titel: Re: Suche Stereolupe für Gutachten
Beitrag von: Werner in Februar 06, 2013, 18:49:13 NACHMITTAGS
Hallo LLord!

Wenns schnell gehen muß und nicht zu lange dauert - eines leihen. - Beim Fachhändler oder google: "Mikroskop-Verleih"
Ansonsten ein Gebrauchtes bei ebay.

Gruß   -   Werner
Titel: Re: Suche Stereolupe für Gutachten
Beitrag von: ManK in Februar 07, 2013, 00:06:30 VORMITTAG
Guten Abend,
sind schon wilde Zeiten -- ich bedauere den Auftraggeber...
ManK
Titel: Re: Suche Stereolupe für Gutachten
Beitrag von: Kiloph in Februar 07, 2013, 01:54:40 VORMITTAG
Hallo,
für den beschriebenen Zweck ist ein Stereomikroskop das Richtige. Ich würde zum Besuch beim Fachhändler raten.

Um ICs auf Umetikettierung zu prüfen ist eigentlich einzig die Entkapselung ein sicheres Mittel, was durchaus machbar ist. Es ist ein offenes Geheimnis, dass in Shenzhen Chips mit dem Laser umgelabelt werden.
Dann wiederum ist ein Stereomikroskop ungeeignet.

Viele Grüße
Kilian
Titel: Re: Suche Stereolupe für Gutachten
Beitrag von: Klaus Herrmann in Februar 07, 2013, 10:15:36 VORMITTAG
Zitatsind schon wilde Zeiten -- ich bedauere den Auftraggeber...

Hallo ManK,

diese kurze Bemerkung verstehe ich nicht kannst du bitte erklären, was du damit sagen willst?
Ich habe versucht deine Vorstellung zu finden, aber die ist nicht vorhanden - oder ich suche falsch.

#LLOrd: hast du die Segnungen der persönlichen Nachricht schon entdeckt? Je nach Einstellung, die man gewählt hat wird man benachrichtigt, oder man muss selber nachschauen!
Titel: Re: Suche Stereolupe für Gutachten
Beitrag von: wilfried48 in Februar 07, 2013, 12:30:21 NACHMITTAGS
Zitat von: LL0rd in Februar 06, 2013, 15:23:30 NACHMITTAGS
Und zwar geht es da um den Verdacht, dass Chips umettiketiert wurden. Ich möchte deshalb unter einer vernünftigen Vergrößerung den aktuellen Aufkleber entfernen. Dabei möchte ich auf Fremdpartikel wie z.B. Staub, Fasern, Haare achten aber auch auf Klebereste.

Es geht mir also darum, Oberflächenstrukturen zu untersuchen, die etwa 0.1mm groß sind. Und wenn ich die Möglichkeit habe, da eine Kamera oder meine DSLR anzuschließen, um gleichzeitig eine Bild-Dokumentation zu haben, dann wäre es wunderbar. Ich möchte aber auch an diesen Oberflächen arbeiten und sie manipulieren können.

Hallo LLord,

ich habe noch nie einen Chip mit Aufkleber gesehen, sind die nicht alle bedruckt oder laserbeschriftet ? Kannst du mal ein Makrofoto mit deiner DSLR einstellen, damit man sieht was du unter aufgeklebtem Etikett meinst ?
Eventuell genügt ja schon deine DSLR mit kurzbrennweitigem Objektiv in Retrostellung um deutlich mehr zu sehen als bisher mit der Lupe. Die Canon DSLR mit Kit-Objektiv in Retrostellung löst z.B. mehr als
250 LP/mm auf! Argviel mehr können einigermassen preiswerte Stereomikroskope auch nicht.

viele Grüsse
Wilfried
Titel: Re: Suche Stereolupe für Gutachten
Beitrag von: Klaus Herrmann in Februar 07, 2013, 14:31:44 NACHMITTAGS
Hallo Wilfried,

das ist schon möglich, aber der Arbeitsabstand ist relativ gering

und dafür:
ZitatIch möchte aber auch an diesen Oberflächen arbeiten und sie manipulieren können.

ist es auch wenig geeignet!

Titel: Re: Suche Stereolupe für Gutachten
Beitrag von: LL0rd in Februar 08, 2013, 06:49:41 VORMITTAG
@Klaus Herrmann
Ja, deine PN habe ich bekommen. Nicht die einzige - wohlgemerkt. Ich melde mich bei dir!

@wilfried48
Wenn du noch nie einen Chip mit Aufkleber gesehen hast, dann hast du nicht viele Chips gesehen.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/117838_58730784.jpg)

Über den konkreten Fall werde ich öffentlich nicht sprechen und schon garnicht irgendwelche Informationen veröffentlichen. Deshalb mal ein anderes Beispiel: Arbeitsspeicher. Auf dem Bild ist links die Angabe des Herstellers über Eigenschaften des Modules. Ändere ich diese angaben, kann ich auf einmal mehr Geld für das gleiche Modul verlangen. Vielen würde eine solche Umettiketierung nicht einmal auffallen, wenn das Modul im Einsatz wäre. Der Aufkleber rechts auf dem Bild ist noch "schlimmer". In diesem Fall hat der Hersteller eines Servers den Arbeitsspeicher zertifiziert. Bevor dieser Aufkleber auf das Modul kommt, wird es ausführlich vom Hersteller überprüft und ist deshalb ein Qualitätsmerkmal, der den Preis vervielfachen kann.

Ich möchte unter der Stereolupe sauber arbeiten können um mehr Details erkennen zu können. Es kann evtl. ausreichen, den Aufkleber sauber abzuziehen. Es kann aber auch sein, dass ich ins innere des Chips schauen muss.
Titel: Re: Suche Stereolupe für Gutachten
Beitrag von: Werner in Februar 08, 2013, 09:01:31 VORMITTAG
Hallo LLOrd!

Ich habe wie Winfried auch noch keinen Chip mit Aufkleber gesehen, Chips sind meist schwarz mit vielen Beinen. Der Typ ist entweder eingeätzt oder aufgedruckt. Was Du hier zeigst, ist ein Modul oder Platine. Die Möglichkeit einer Preismultiplikation mit gefälschten Aufklebern ist natürlich unheimlich verlockend!
Aber ich fürchte, Du kommst mit einem Stereomikroskop nicht viel weiter. Dazu braucht es ein "kriminaltechnisches Labor". Die chemische Zusammensetzung und Struktur von Kleber und Papier und Druckfarbe undsoweiter von den vorliegenden Mikromengen sind zu ermitteln, Referenzsubstanzen der Originale sind auch nötig. Wenn die Fälscher denselben Lieferanten für Aufkleber und Druckfarbe haben, ist das mikroanalytisch nicht unterscheidbar.
Mit einem Mikroskop wäre nur unterschiedliches Papier und evtl. Druckfarbe erkennbar. Aber da darf der Oringinalhersteller auch nie das Materiel gewechselt haben, sonst ist das kein Beweis.
Um an den Siliziumchip dranzukommen und dessen Kennung zu suchen, muß das schwarze Gehäuse entfernt werden. Das ist aber nur mit 300° heißer konzentrierter Schwefelsäure möglich, es entwickelt sich viel beißendes Schwefeldioxid. Ein gut funktionierender Abzug sowie chemische Kenntnisse sind nötig. Bei einer mechanischen Trennung von Gehäuse und Wafer gibt es meistens schöne Silizium-Bruchflächen, wie ich erlebte.
Wenn die Kennung auf dem Wafer aber kleiner als 400 nm ist, versagt ein Lichtmikroskop.

Wäre es nicht einfacher, eine Fälschung anhand der elektrischen Spezifikationen nachzuweisen zu versuchen? In den Datenblätteren sind die Spezifikationen und die Testverfahren doch meist angegeben. Im Falle von Speicherriegeln kann ein RAM-Testprogramm Aufschluß geben, aber eine Fälschung nicht zweifelsfrei beweisen - wenn die Daten stimmen.

Gruß   -   Werner
Titel: Re: Suche Stereolupe für Gutachten
Beitrag von: Klaus Herrmann in Februar 08, 2013, 12:12:18 NACHMITTAGS
Hallo zusammen,

das ist etwa vergleichbar mit Briefmarkenfälschungen mit denen ich mich mal auseinander gesetzt habe. Da kann man lichtmikroskopisch schon was machen wenn man gesichertes echtes Referenzmaterial hat. Bei meinem Fall ging es um Aufdrucke, die den Wert um den Faktor 100 verbessert haben, was ja eine schöne Rendite ist. Ich konnte Pigmente nachweisen, die in der gefälschten Druckfarbe vorhanden waren und in der echten nicht.
Die Erstuntersuchung geht bei mir fast immer mit dem Stemi - ohne das kann man nicht arbeiten und dann gehts ans Auflichtmikroskop oft mit Fluoreszenz, oder auch ans Durchlichtmikroskop, was bei den Briefmarken - für mich eher erstaunlich - bessere Bilder gebracht hat.
Bei den Chips könnte man auch so vorgehen: unterm Stemi ablösen und schon mal auf Unterschiede achten (schon dabei ist Auflicht-Polarisation oft hilfreich) und dann mit Auflicht/Durchlicht nach allen Regeln und Methoden der Lichtmikroskopie vorgehen.
Aber nur mit dem Stemi wird man auf keinen grünen Zweig kommen, so doof sind die Fälscher heute nicht mehr!
Titel: Re: Suche Stereolupe für Gutachten
Beitrag von: Klaus Herrmann in Februar 09, 2013, 14:29:02 NACHMITTAGS
Hallo,

was ich nicht ganz verstehe: diese Labels sind doch aus Papier oder Kunststoff und aufgeklebt? Und die sind doch das Identifizierungsmerkmal nachdem auch der Preis festgelegt wird.
Das wäre dann vergleichweise so, wie ein vergoldeter Wolfram-Barren der einen gut gemachten Aufkleber trägt: Gold 24 Karat 1 Kg
Eine Fälschung, die ein "Echtheitszertifikat" trägt. Und das ist eben eine Fälschung. Wenn man also nachweisen kann, das das Label falsch ist reicht das doch?