Hallo zusammen,
ich bin auf der Suche nach einer Fotoausrüstung und zwar sowohl für die Benutzung im Gelände als auch am Binokular <Stemi 2000C>. Meine Probleme habe ich unter anderem im Steinkernforum (Mikrofotografie kalkige Gesteinsoberflächen) und im Mikro-Forum (Mikrofotografie (Kalkskelette in kalkig-lehmiger Matrix) geschildert.
Versuch mit einer Lumix T10 waren von der Auflösung und vom Kontrast her nicht so, wie ich mir das gewünscht habe. Im Moment arbeite ich mit einer ca. 12 Jahre alten Nikon D 70 und einem Makroobjektiv (Sigma 105 mm 1:2,8) ohne Stativ, die ansprechende Bilder macht, allerdings immer mit dem Problem des Verwackelns.
Nun bin ich auf die Coolpix 995 gestoßen, die als das "Non-Plus-Ultra" für Makrofotografie dargestellt wird. Da ich fotografiemäßig ein blutiger Laie bin, möchte ich mir dazu gerne Meinungen einholen. Viele Objekte liegen im Bereich von ca. 500 mikrometer (0,5 mm, ggf. auch bis 0,2 mm) und sind oft auch recht kontrastarm in die Gesteine eingebettet. Besondere Anforderungen stelle ich deshalb an Auflösung, Kontrast und Verwacklungsgefahr.
Vielleicht kann mir jemand entsprechende Erfahrungen mit dem Gerät schildern.
Außerdem möchte ich wissen, ob ich die Kamera auch an ein Binokular (Stemi 2000C) anschließen kann und welcher Adapter dazu notwendig ist. Auf Grund der sehr schlechten Erfahrung, die ich mit einer Digitalkamera (Moticam 3.0) gemacht habe (sowohl von der Bedienung als auch vom fotografischen Ergebnis her), ergibt sich auch die Frage ob jemand in dieser Hinsicht Erfahrung mit der fotographie von gesteinsoberflächen hat. überhaupt nicht zufrieden und habe deshalb wieder zurückgegeben.
Außerdem habe ich die Frage, ob man die Kamera als Mikroskopkamera benutzen kann und ob es dazu Software gibt, mit der man unter dem Mikroskop Vermessungen durchführen kann.
Vielen Dank im Voraus
Johannes
Hallo Johannes,
zu der Kamera kann ich nicht viel sagen, da meine Gebrauchte aus der Bucht schon kurze Zeit später den Geist aufgegeben hatte.
Aber was möchtest du darstellen? Gesteinsoberflächen mit Flechten/sonstigem Bewuchs? Oder frische Bruchflächen um die Mineralkörner / Sedimentpartikel zu zeigen?
Insbesondere bei feinkörnigen Sedimentgesteinen braucht man unter dem Stemi für die letztere Aufgabe sehr schnell hohe Vergrößerungen. Das führt dann dazu, das jedes einzelne winzige Glimmerschüppchen eines Tonschiefers oder anderen Gesteines, oder eine sonstige Spalt-/Bruchfläche eines Mineralkornes, als Spiegel wirkt, und als Glanzlicht das lLicht der Lampe direkt in das Objektiv zurück wirft. Es ist fast so, als wolle man in dunkler Nacht Fotos einer Straßenszene aufnehmen, wenn die Straßenlampen direkt mit im Bild sind. Um diese Glanzlichter sieht man dann gut Beugungsringe - wie beim Sterntest bei der Prüfung von astronomischer Optik.
Es ist daher selbst visuell, erst recht natürlich fotographisch, eine Herausforderung -auch für eine gute technische Ausrüstung. Viele Grüße, Dünnschliffbohrer
Zitat von: johannes-gm in Februar 23, 2013, 13:34:17 NACHMITTAGS
Im Moment arbeite ich mit einer ca. 12 Jahre alten Nikon D 70 und einem Makroobjektiv (Sigma 105 mm 1:2,8) ohne Stativ, die ansprechende Bilder macht, allerdings immer mit dem Problem des Verwackelns.
Johannes
hallo Johannes
da ich selbst zwei dieser Nikon D70 im Einsatz habe, glaube ich mitreden zu können :
Makroaufnahmen, in der von Dir geschilderten Größenordnung des Objektes ohne Stativ oder einer anderen Fixierung der Kamera, sind ohne Verwackeln nicht möglich. Das A&O ist ein stabiles Stativ, z.b. ein Berlebach, dazu noch einen X_Y_Wegschlitten, um nicht immer das Stativ umsetzen zu müssen, und dann sind auch mit einer Nikon D70 solche Makroaufnahmen möglich.
Auch die Adaption an ein Mikroskop bzw Stemi geht nach dem gleichen Prinzip wie bei anderen DSLR´s problemlos. Der einzige Nachteil ist die bei diesem Modell noch nicht vorhandene Liveview. Um dies auzugleichen habe ich mir eine auf den Kamerasucher aufsetzbare 2,5x - Lupe gekauft, die mit anderen mitgelieferten Adaptern auch an meiner CANON-DSLR´s verwendbar ist.
Durch den mit Lupe bestückten Sucher scharfstellen, Selbstauslöser (!), fertig. Auch "stapeln" ist kein Problem.
lG
Wolfgang
Hallo Dünnschliffbohrer, Hallo Wolfgang,
herzlichen Dank für Eure interessanten Ausführungen. Zunächst habe ich aber noch ein paar Fragen an Wolfgang bezüglich der Adaption der Nikon an das Stemi 2000 C (welche Zusätze sind nötig?) und das Stapeln (braucht man dazu ein extra Programm oder sind damit Bildserien gemeint?).
Desweiteren stellt sich für mich die Frage, ob man die Nikon zusammen mit einem Messprogramm einsetzen kann, wenn ja, welches?
Zur Frage nach dem Stativeinsatz und der Motivart ergeben sich folgende Anmerkungen:
Im Gelände hat sich herausgestellt, dass Versuche mit Stativ (Cullmann Magig 1) im oft sehr unebenen oder steilem, oft auch rutschigem Gelände sehr umständlich sind, weil die Naheinstellung über die Stativ-Beinlängen geregelt und ggf. die Nikon auf dem Stativteller auch noch gekippt werden muss (bei früheren Fotos mit Insekten auf Blüten war der Einsatz wegen des Zeitaufwandes beim Eistellen und dem damit verbundenen, störenden Gefummel überhaupt nicht sinnvoll. Dazu kam, dass Aufsichtsfotos schwierig bis unmöglich waren). Außerdem ist der Schwerpunkt durch das vorstehende Makroobjektiv sehr stark nach vorne und nach dem Kippen des Mikroskoptisches auch nach unten verschoben, so dass man ständig Probleme hat, das Gerät einigermaßen senkrecht zu halten und im steinigen Gelände ohne Beschädigung in die richtige Position zu bekommen. Bei sich bewegenden Objekten ist es meiner Ansicht nach besser, ein einbeiniges Stativ, das schnell mit der Hand zu führen ist, zu benutzen, da das zeitaufwändige Gefummel den Tieren erheblich stört .
Generell ist zu sagen, dass ich mit der Nikon D 70 auch im Freihandmodus zum Teil sehr gute Ergebnisse von Fossilienoberflächen (Hexagonaria-Kelche, Brachiopoden, Crinoiden-Stielglieder, Alveoliten und ästige Thamnoporen, Fenesteliden-Trichter ästige Bryozoen u. a.) erzielt habe. Oft hilft auch das Auf- und Abstützen u. ä.. Sogar bei "Wackelobjekten" (Insekten bei Wind auf schwankenden Büten, Moose usw.) lassen sich zumindestens Körperteile scharf abbilden und auswerten (deshalb immer Fotoserie), um entsprechende Bestimmungen vornehmen zu können. Es geht mir also nicht so sehr um die durchgehende Brillanz eines Objektes, sondern um die Detailgenauigkeit und Erkennbarkeit einzelner, oft sehr kleiner Strukturen im Bereich von grob geschätzt 50 mikrometer (1/20 mm), ggf. auch mal darunter. Die Mineralien- und Fossilienfotos in verschiedenen Foren u. s. w. lassen sich mit den vorhandenen Makro-Zoom-Systemen, wenn auch ggf. mit kleineren Abstrichen, relativ leicht und problemlos gestalten, vor allem auch dann, wenn man ein Stativ dazu benutzt.
Lose Gesteine lassen sich am besten zu Hause nach schrägem Fixieren in aller Ruhe mit einem Dreibein-Stativ, voll ausgefahrenem Makro und einfacher Beleuchtung (Tageslicht am Fenster reicht meistens aus) mit geringem Abstand fotografieren. Generell mache ich mehrere Aufnahmen bei gleicher Vergrößerung mit Blende 28 und und variiere die Belichtungszeiten bzw. auch Vergrößerungen, so dass dann meistens auch was Gescheites dabei rum kommt. Fotografiert werden witterungsbeeinflusste Oberflächen [ggf. nach Reinigung (mit Wasser, Bürste, Ultraschallbad, Spritzpistole), verd. Essigsäure, KOH oder Rewoquat), frische Bruchflächen und Anschliffe (letztere nass)]. Diese sind entweder calcitisch bis dolomitisch (weiß bis farbig durch Eisen-, Mangan- oder Kohlen-Verfärbungen), wie die Skelette, oder mergelig bis tonig-siltig-feinsandig in wechselnden Verhältnissen, ggf. auch mit Fossilien in Steinkernerhaltung. Körnigere Gesteinen bestehen hpts. aus siltigem Material, ggf. mit kleineren Anteilen von Feinsand im unteren Bereich zwischen 0,063 und 0,2 mm. Die vorhandenen Glimmerblättchen sind von wenigen Ausnahmen abgesehen, sehr klein, ungeregelt eingelagert und kommen meistens auch nur in geringer Dichte vor, stören also eher nicht. Calcit- und Dolomitkristalle stören ebenfalls nicht sonderlich, sind aber meistens auch nicht Gegenstand der Aufnahmen. Ähnlich verhält es sich mit kleinen, granatähnlich aussehenden, teragonalen Kristallen von goldenem, regenbogenfarbenem oder dunklem Kupferkies.
Mit einem älteren Trino habe ich mit der Nikon D90 und früher mit der Nikon F-401S auch recht gute Fotos gemacht, obwohl beiden Kameras die Spiegelvorauslösung fehlt und der einfach nur eingesteckte, allerdings nicht sehr passgerecht gearbeitete T4-Adapter beim Fotografieren nicht wackelfest ist. Insgesamt bin ich aber mit der Kamera sehr zufrieden, kann aber damit keine Messungen und auch kein Stacking durchführen. Außerdem ist sie ausgeliehen, weswegen ich mich um was Neues umsehen muss (evtl. Kauf einer gebrauchten Nikon D70).
Frühere Versuche mit einer ausgeliehenden Lumix TZ 10 (maximal herangezoomt) konnten mich in den Kleinstrukturen ebenfalls nicht überzeugen und fielen schlechter aus als entsprechende Versuch mit der Nikon D70. Ich denke deshalb, auch im Einklang mit vielen Testberichten, dass die Spiegelreflexkameras leistungsstärker sind als selbst die leistungsstärksten kleineren "Pocketkameras". Andererseits habe ich aber gesehen, wie durch einfache Haltevorrichtungen am Okular mit einfacheren Digicams tolle Aufnahmen von Algen u. ä. im Durchsichtmikroskop zustande gekommen sind, so dass ich nicht verstehen kann, wieso das nicht auch bei Gesteinsoberflächen im Auflichmikroskop möglich sein sollte. Inwieweit dabei die Spiegelvorauslösung bei Spiegelreflexkameras zu Verbesserungen führt, vermag ich nicht zu beurteilen, da ich damit noch nicht arbeiten konnte.
Insgesamt werde ich also nicht drumrum kommen, mir 2 Geräte anzuschaffen [ein teures für die Mikrofotographie im Trino und ein preiswerte(re)s mit gutem Preisleistungsverhältnis (wie z. B. die Coolpix 995 (?)]. Vorher möchte ich aber gern möglichst viele Erfahrungen zu der Kamera (z. B. Coolpix995 oder eine andere empfelenswerte Digitalkamera) bezüglich einer entsprechende Eignung oder Nicht-Eignung haben und Tips zur Fotografie von Gesteinsoberflächen mit kleinen Fossilien ("Mikromounts") erhalten. Leider zeigen die in den Testberichten angebenenen Fotos immer nur größere farbige Objekte (Vogelkopf, Insekten in Ganzkörperansicht usw.), was aber wenig über die Detailtreue kleiner Strukturen aussagt. Bei vielen Firmenfotos weiß man außerdem auch nicht, ob hier das beste Ergebnis von einigen 100 Versuchen veröffentlicht oder die Bilder überhaupt mit der gleichen Kamera geschossen wurden.
Viele Grüße
Johannes
PS. Der Tip mit der Lupe hat mir sehr gefallen (Glückwunsch für die Idee oder das konow how!)!
Zitat von: johannes-gm in Februar 25, 2013, 16:10:37 NACHMITTAGS
(wie z. B. die Coolpix 995 (?)].
Vor der Anschaffung einer Coolpix 995 vorsichtshalber das hier lesen:
http://www.klaus-henkel.de/coolpix-artefact-report.pdf
Gruß
KH
hallo Johannes
zu deinen Fragen :
Stapeln = stacking
Programme:
Freeware:
Picolay (von Herrn Cypionka hier aus dem Forum ) super !!!
Combine z
Kaufprogramme:
Helicon focus
Zerene Stacker
Stativfrage :
Im "Studio " verwende ich ein Berlebachstativ mit schwerem Berlebachneiger über x/y-Schiene. Die Kombi hält bis zu 12 kg und die Fixierung des Neigers geht ohne das gefürchtete Nachrutschen eines schlechten (wenn auch teuren ) Kopfes. Im Außenbereich verwende ich ein englisches Benbo MK2 , an welches ich meinen Berlebachneiger bei Bedarf anschraube. Dieses Benbo hat gegenüber anderen Stativen 4 Vorteile:
(1) : Es läßt sich die Beinspreizung nach Ausrichten durch einen Drehgriff in Höhe der Mittelsäule sicher fixieren. ( Man muss sich aber auch an diesen Drehgriff gewöhnen, denn wenn er geöffnet wird , gehen alle Beine locker und rumms ...., aber wenn man das einmal beherrscht, dann ist die Ausrichtung auch im unebensten Gelände ein Kinderspiel )
(2) : Man kann mit diesem Stativ auch ins etwas 60 cm tiefe (Salz)Wasser, ohne dass die Auszüge sich innen mit Wasser volllaufen. Der Trick besteht darin, dass im Unterschied zu allen anderen Stativen die Beinverlängerungen nicht unter herausgezogen werden, sondern oben und das äußere Bein ist unten geschlossen.
(3) : einfache Justage über die feinfühlig laufende Mittelsäule
(4) : Man spart sich den Gang ins Fitnesstudio ;D ;D
im Gebrauch von Fotokollegen Fraenzel : Berlebachneiger oben links und Benbo die unteren 3 Bilder
http://digitalfotografiedockenhuden.jimdo.com/ausr%C3%BCstung/stative/
oder
http://gallery.digicamclub.de/4images/details.php?image_id=42830&mode=search
oder
Benbo in Aktion
http://www.photax.se/sttv/bnb/bnb.htm
lG
Wolfgang
meine 2 D70 kamen übrigens auch aus der Bucht mit jeweils unter 4000 Auslösungen
Nachtrag : http://www.photax.se/sttv/bnb/benbonatur/bnbnatur.htm#4
Hallo Johannes,
Das von mir angeführte Problem mit den Glanzlichtern lässt sich durch zwei Pol-Filter in gekreuzigter Stellung beheben: einer vor der Lampe, der andere vor dem Objektiv. Für feinste Details von Pflanzenfossilien, Graptolithen (in Abdruckerhaltung), "kohligen"Arthropodenkutikeln etc. ist es eine Ideale Methode, die noch verfeinert werden kann, wenn man das Fossil mit Anisöl bedeckt und auf den Tropfen dann noch ein Deckgläschen auflegt. Aber die angewandte Methode hängt natürlich immer vom Objekt, und von dem was man darstellen/hervorheben möchte ab. Bei der oben beschriebenen Methode verschindet die räumliche Struktur fast völlig, während feinste Farb-/Helligkeit-/Reflektionsunterschiede sehr verstärkt werden. Für räumliche Strukturen von Mikrofossilien gibt es andere Verfahren, die z.T. auf Bestäubung mit Salmiak oder z.T. wohl sogar Silber beruhen. Ein Senckenberger Mikropaläontologe hatte damit seinerzeit in den 60er Jahren des verflossenen Jahrhunderts ganz erstaunliche Ergebnisse erzielt und publiziert, die fast wie REM-Aufnahmen wirkten. Das REM kam aber erst gut 10 Jahre später in allgemeinen Gebrauch - der Autor (ich glaube es war H. Malz) hatte dagegen Leitz-Lichtmikroskope und Auflichtbeleuchtung benutzt.
Es lohnt sich in dieser Richtung zu experimentieren. - Dünnschliffbohrer
P.S.: Die Bedampfungstechniken stammen noch aus der Zeit, als (geo-)wissenschaftliche Fachzeitschriften nur S/W-Aufnahmen drucken konnten/wollten. Immersion und Pol-Kontrast eignen sich auch für Farbe.