Hallo liebes Forum!
Wie werden eigentlich Deckgläser hergestellt?
"Mit Sorgfalt" weiß ich selber - Aber ist jemandem die tatsächliche Fertigungsweise bekannt?
Ist vermutlich schwieriger als die Objektträgerherstellung...
Gruß - Werner
Hallo Werner,
zum Verfahren der Deckglasherstellung existiert ein inzwischen lange abgelaufenes Patent. (siehe PM) Ich nehme an, daß das gegenwärtig verwendete Verfahren sich nicht wesentlich von dem in der Patentschrift beschriebenen Verfahren unterscheidet.
Mit freundlichen Mikrogrüßen
Rainer
PS
Meine e-mail-Adresse ist offen, wer also an einer Kopie (pdf-Datei) der Patentpublikation interessiert ist, dem schicke ich sie auf Anforderung gerne zu.
Hallo Werner und andere Leser,
damit auch andere Mitleser etwas von deiner Frage haben: Flachglas wird heutzutage im Zinn-Flachbett gegossen.
Die Glasmasse wird auf eine Zinnschmelze verteilt und erstarren lassen. Ausnahmen werden nur bei speziellen Glasarten wie z.B. Relief- und Drahtglas usw. gemacht. Dies nur als grobe Beschreibung, näheres kann unter dem Stichwort "Floatverfahren" erkundet werden.
Mit besten Grüßen
Jürgen
Hallo Jürgen!
Floatglas funktioniert aber nur ab etwa 2 mm Glasdicke. Dünneres Glas ist nicht im Handel.
Das geht also für Objektträger und Deckgläser nicht.
Gruß - Werner
Hallo Werner,
dies ist eine interessante Frage, die ich mir auch schon gestellt habe. Ich bin gespannt ob wir eine Erklärung bekommen werden. Wäre ein schönes Thema für die "Sendung mit der Maus".
Liebe Grüße
Manfred
Hallo -
Und nochn Patent - in Wikipedia kommt unter Flachglas eines zur Herstellung von LCD-Bildschirmen (ab 0,1 mm), da wird die Folie anscheinend hängend gezogen - aber vielleicht hat jemand die Nerven, aus der Patentschrift eine verständliche Kurzfassung zu exzerpieren.
http://www.freepatentsonline.com/EP1832558.html
Historisch wurden so weit ich weiß große Blasen (Christbaumkugeln) geplättet und zurechtgeschnitten.
Viele Grüße
Rolf
.. habe soeben die PM von Rainer Teubner (mit Verspätung) bekommen.
Das Patent von 1959 ist sehr aufschlußreich.
Die Patentnummer DBP 1057743 kann ich auf zugänglichen Patentservern aber nicht finden, nur im Anhang von Rainer Teubners Mail.
Wäre für Andere doch auch interessant - Vielleicht kann Rainer da helfen?
@ Rolf:
Uhrgläser (fürs Chemielabor) werden meines Wissens auch heute noch aus einer großen mundgeblasenen Glaskugel geschnitten.
Deshalb sind sie auch relativ teuer.
Vielen Dank - Werner
Hallo Werner,
die Patentnummer lautet "DE 1057743".
Unter dieser Nummer und mit der Länderabkürzung müßte das Patent zu finden sein. Eventuell muß das Leerzeichen zwischen Länderabkürzung und der Nummer entfallen.
Die Abkürzung "DBP" steht für "Deutsches Bundespatent" und ist so in den öffentlich und kostenlos zugänglichen Patentdatenbanken
(zum Beispiel beim DPMA: https://depatisnet.dpma.de/DepatisNet/depatisnet?action=einsteiger, der Server ist zur Zeit wegen Wartungsarbeiten ewas langsam)
nicht zu finden.
Die Länderabkürzungen bei Patentpublikationen sind genormt.
Mit freundlichen Patent- und Mikrogrüßen
Rainer
Leicht OT:
Das Floatglasverfahren wurde letzten in der Sendung mit der Maus (http://www.youtube.com/watch?v=osupFgDVbS4) vorgestellt ;D
Hier der Link zum Patent:
http://worldwide.espacenet.com/publicationDetails/biblio?DB=worldwide.espacenet.com&II=0&ND=3&adjacent=true&locale=en_EP&FT=D&date=19590521&CC=DE&NR=1057743B&KC=B
Gruss,
Stefan
Hier noch eine Ergänzung aus der Mikrofibel, Seite 178:
5.3.7 Was von Deckgläsern sonst noch wissenswert ist
Deckgläser werden übrigens erst seit einigen Jahrzehnten als Flachglas maschinell gewalzt und gezogen, das Verfahren wurde von Johannes RÖDER im Institut für angewandte Silikatforschung der Deutschen Akademie der Wissenschaften in Berlin entwickelt (Patent 1955). Die Glashütte in Ilmenau wandte das Verfahren zuerst an. Davor wurden Deckgläser mit der Glasmacherpfeife am Mund geblasen. Der Glasmacher entnahm mit ihr einen Glasklumpen aus dem Schmelzofen, blies ihn zu einer Kugel von fast einem Meter Durchmesser auf und rollierte die Pfeife, so daß eine flache Halbkugel entstand, von der nur der ,,ebene" Boden als Deckgläschenglas verwendet werden konnte. Er wurde herausgeschlagen und zerfiel in unterschiedlich große Flächen, die auf Schneidbrettern mit dem Diamanten in die entsprechenden Größen geschnitten wurden.
Es ist bei dieser Technik nicht verwunderlich, daß manche Deckgläser alles andere als plan waren. Da konnte es schon passieren, daß ein Präparat je nach Wölbung des Deckglases an der einen Stelle scharf und kontrastreich im Bild erschien, an der anderen aber weniger, weil dort erheblich mehr Kanadabalsam darunter war.
Bei dem geringen Preis für Deckgläser sollte man nur neue verwenden. Bei alten kann, je nach früherer Lagerung, das Glas bereits verwittert sein, so daß sie auch durch Putzen nicht mehr klar werden. Alte Deckglasschächtelchen aus Pappe sollte man deshalb höchstens als Erinnerungsstücke aufheben, aber die alten Gläser nicht mehr verwenden.
KH