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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: Dypsis in März 21, 2013, 14:38:45 NACHMITTAGS

Titel: Krumme Sache? (Zeiss Ib)
Beitrag von: Dypsis in März 21, 2013, 14:38:45 NACHMITTAGS
Hallo,

kennt jemand von Euch oder hat jemand von Euch ein Zeiss Stativ IB (ca. Baujahr 1917 und früher). Mir kommt es so merkwürdig vor, dass der Fuß krumm zu sein scheint. Ob das so gehören kann? Aber wie soll sich so was verbiegen? Ich kann keinerlei Spuren sehen, die darauf schließen lassen würden, dass das Stativ mal heruntergefallen ist oder so. Die beiden Messingstreben sind recht massiv, so dass eigentlich ein Verbiegen durch Benutzung doch auch kaum möglich ist?

Außerdem war ich im ersten Moment felsenfest davon überzeugt, dass der Revolver nachgerüstet ist. Nun habe ich aber schon wieder ein 1b gesehen (ähnliche Nummer), das auch so einen modernen Revolver hat. Weiß jemand von Euch was dazu?
Auf dem letzten Bild kann man ganz gut den Winkel erkennen, um den man das Stativ aufrichten muss, damit der Tubus in der Senkrechten ist.
"Komisch das ist" (würde Meister Yoda sagen)

Herzliche Grüße
Thomas

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/121468_10710288.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/121468_12200949.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/121468_12171805.jpg)
Titel: Re: Krumme Sache? (Zeiss Ib)
Beitrag von: Florian Stellmacher in März 21, 2013, 18:45:36 NACHMITTAGS
Lieber Thomas,

nimm's mir nicht krumm, aber bei meinem Stativ ist die Sache gerade:

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/121484_17411106.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/121484_45302294.jpg)

Da hat sich wohl jemand draufgesetzt...  :-

Herzlice Grüße,
Florian
Titel: Re: Krumme Sache? (Zeiss Ib)
Beitrag von: Dypsis in März 21, 2013, 20:27:01 NACHMITTAGS
Lieber Florian,

also ich weiß nicht, Deines ist doch auch krumm!? Oder kommt das von der Perspektive? Ich finde es hängt auch leicht nach vorne über.
Wie auch immer, eine gute Nachricht steckt in Deinem Beitrag auf jeden Fall:
Deines hat auch so einen, wie ich finde, viel zu modernen Revolver. Welche Nummer bzw. Baujaht hat Deines denn?

Ich warte jetzt mal noch ein bisschen, dann werde ich mal sehen, ob ich wieder gerade biegen kann. So gefällt mir das nicht. Das einzige Problem sehe ich darin es so einzuspannen, dass der Lack, der noch recht schön ist, nicht zu sehr leidet. Vielleicht setz ich mich auch mal drauf?

Herzliche Grüße
Thomas

P.S. Das was Du da zeigst ist doch ein Ib? Ist es das, das Du mir in Deiner Mail als Ic "verkauft" hast?  ;)
Titel: Re: Krumme Sache? (Zeiss Ib)
Beitrag von: Florian Stellmacher in März 21, 2013, 20:45:13 NACHMITTAGS
Lieber Thomas,

ja, das ist dann doch wohl ein Ib (irgendwie hatte ich das vor Jahren mal nachgeschlagen und dann wohl falsch gemerkt). Das Stativ hängt in der Tat ganz lecht nach vorne über, die Tischhalterung ist bei Deinem aber, wenn ich das auf Deinen Bildern richtig erkenne, selbst nach unten gebogen, und das ist sie bei mir nicht.

Meins hat die Nummer 65247. Der Revolver dürfte der gleiche sein wie Deiner, das "Kleeblatt" finde ich persönlich aber auch viel schöner.

Das Stativ zurecht biegen würde ich nicht. Das Mikroskop hat gegenüber dem Tisch einen Klemmhebel, mit dem man das Mikroskop in jeder Neigung fixieren kann. So gerade wie ein Zinnsoldat habe ich es nur fürs Foto gestellt, jetzt ist es wieder bequem nach hinten geneigt wie alle anderen Mikroskope in seiner Reihe.  ;)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/121492_25337316.jpg)

Herzliche Grüße,
Florian
Titel: Re: Krumme Sache? (Zeiss Ib)
Beitrag von: Dypsis in März 21, 2013, 21:03:50 NACHMITTAGS
Lieber Florian,

uff, immerhin ist Deines auch ein bisschen krumm.  :D
Mein Tisch sieht nur so aus, als würde er nach vorne gebogen sein. Er steht im rechten Winkel zum Oberteil des Stativs.
Krumm ist nur der Fuß. Aber es kann doch keinen Sinn dafür geben??? Wenn Deines aber auch krumm ist? Und ich meine bei Ebay noch mind. eines gesehen zu haben, dass mind. so krumm ist wie meines.
Ob die Zeiss da aus Versehen Bleifüße verbaut hat?  :D
Sehr eigenartig.

Herzliche Grüße
Thomas

Titel: Re: Krumme Sache? (Zeiss Ib)
Beitrag von: Florian Stellmacher in März 21, 2013, 21:16:35 NACHMITTAGS
Lieber Thomas,

nee, der Fuß ist bei meinem gerade, es ist nur so, dass der obere Teil des Mikroskops sich ein klitzekleines Bisschen zu sehr nach vorne um die Kippwelle neigen lässt. Auf Deinem letzten Foto sieht es so aus, als wenn bei Deinem die senkrecht auf dem Fuß stehenden Träger oben nach vorne gebogen sind. Bei mir sind diese gerade.

Kipp das Mikroskop doch einfach nach hinten, dann siehst Du nichts mehr davon!

Herzliche Grüße,
Florian
Titel: Re: Krumme Sache? (Zeiss Ib)
Beitrag von: Dypsis in März 21, 2013, 21:24:35 NACHMITTAGS
... nein, das mag ich nicht leiden, dass das krumm ist. Ich glaub, das ist eine Sonderanfertigung für Seefahrer - oder so.

Herzliche Grüße
Thomas
Titel: Re: Krumme Sache? (Zeiss Ib)
Beitrag von: Florian Stellmacher in März 21, 2013, 21:30:43 NACHMITTAGS
,,En beten scheev hat Gott leev..." sagt man bei uns!
Titel: Re: Krumme Sache? (Zeiss Ib)
Beitrag von: Dypsis in März 21, 2013, 21:33:33 NACHMITTAGS
... also guuuut. Das tröstet mich.



Aber jucken täts mich schon - das Biegen.



Nur so ein bisschen.



Vielleicht.
Titel: Re: Krumme Sache? (Zeiss Ib)
Beitrag von: olaf.med in März 21, 2013, 21:54:54 NACHMITTAGS
Lieber Thomas,

ich glaube wir reden hier von zwei verschiedenen Dingen. Florians Stativ ist OK, dass es sich ein klein wenig zu weit nach vorne neigen läßt liegt am Verschleiß. Der Anschlag für die Endstellung ist bei diesen Stativen sehr nahe an der Drehachse. Hat sich da etwas im Laufe des Jahrhunderts plattgedrückt führt das zu diesem Effekt.

Bei Deinem Stativ scheint ein echter Defekt vorzuliegen, evtl. durch Fallen oder unsachgemäßes Verschicken. Da habe ich schon die tollsten Dinge gesehen, vor allem, wenn die Mikroskope in Ihren Holzkästen versandt werden. Man glaubt immer diese wären eine perfekte Transportmöglichkeit, aber dadurch entstehen solche Schäden.

Aber bieg' ruhig - ist ja nur ein Z...s und noch dazu nur biologisch ;D ;D ;D

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Krumme Sache? (Zeiss Ib)
Beitrag von: Tilman in März 22, 2013, 07:44:27 VORMITTAG
Lieber Olaf,
es ist allerdings ein Z...s, aber die Sache mit den krummen Mikroskopen hat bei L...z durchaus mehr Tradition. Die alten Messingstative (ca. 1880-1900) dieser Firma ohne das Beugegelenk habe ich noch nie gerade gesehen. Im Regelfall zeigt der Tubus diese gleiche Tendenz ganz leicht, aber bei näherer Betrachtung deutlich sichtbar, von der Säule wegzuknicken. Theoretisch wäre das durch ein exaktere Ausrichtung des Gewindes am Tubusträger zu vermeiden gewesen. Ich habe diesen Makel schon vor Jahren mit Timo diskutiert, der ebenfalls den Grund dieses merkwürdigen Phänomens nicht kannte. Schließlich sind wir resignierend zu dem Schluß gelangt, dass L...z vielleicht einen tieferen Sinn darin sah. Vielleicht ist hier jemand der diesen tieferen Sinn kennt. Es wäre sehr schön, wenn wir dieses Rätsel auflösen könnten.
Nichts für ungut, Olaf, aber über Z...s lasse ich da nichts kommen.
Liebe Grüße an alle Interessierten
Tilman
Titel: Re: Krumme Sache? (Zeiss Ib)
Beitrag von: olaf.med in März 22, 2013, 09:15:16 VORMITTAG
Lieber Tilmann,

natürlich wollte ich Dich als alten Z...sianer nicht kränken; dieses Phänomen des Schiefstands nach längerem Gebrauch zeigen ALLE Stative dieser Bauart, also sogar L....z und selbst Fuess.

Also bleibt als Argument für Biegerei mit möglichem Totalverlust noch die Tatsache, dass es sich "nur" um ein biologisches Stativ handelt, und die sind ja eher wiederzubeschaffen (jetzt bekomme ich wohl Haue von der biologisch-medizinischen Seite, aber ich kann ja wieder das M...l nicht halten und muss lästern ;)).

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Krumme Sache? (Zeiss Ib)
Beitrag von: Hugo Halfmann in März 23, 2013, 18:11:05 NACHMITTAGS
Liebe Bewahrer und Restaurierer,

ich habe mir gestern beim Lesen dieses Freds schon folgende Frage gestellt:

Wie ist es denn überhaupt möglich, die schweren und massiven Stativteile zu verbiegen?

Oder wird sich nicht eher die Schraube / Gewinde verziehen / -biegen, so daß der eigentliche Schaden hier zu suchen wäre ?

Bei meinem Stativ IIIa von Leitz ist i.Ü. auch der Tisch "krumm", ohne daß Spuren einer Gewalteinwirkung zu sehen sind.

Titel: Re: Krumme Sache? (Zeiss Ib)
Beitrag von: olaf.med in März 23, 2013, 18:51:18 NACHMITTAGS
Lieber Hugo,

es sind tatsächlich viel häufiger die massiven Teile verbogen als die Schrauben. Ganz offensichtlich sind kraftschlüssige Schraubverbindungen äußerst stabil! Ich habe schon Hufeisenstative gesehen, deren beiden Schenkel ganz unterschiedlich verbogen waren, ohne daß an der Verschraubung auch nur das Mindeste zu sehen war. Mein bestes Stativ habe ich nur deshalb für einen akzeptablen Preis erwerben können, weil sogar beide Schenkel abgebrochen waren und der Tubus aus seiner Verschraubung gerissen war - alles nur ein Transportschaden, weil das schwere Stativ in seiner sog. "Transportkiste" verschickt wurde. Auch hier war an den Schrauben absolut nichts zu sehen.

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Krumme Sache? (Zeiss Ib)
Beitrag von: Florian Stellmacher in März 23, 2013, 19:19:58 NACHMITTAGS
Lieber Hugo,

mir fällt da wieder dieses Mikroskop ein: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=160.msg29266#msg29266

Da biegt sich eher das Stativ, als dass die Schrauben verbiegen! Ich kapier's ja auch nicht, aber Messing ist wohl weicher als man denkt.

Herzliche Grüße,
Florian
Titel: Re: Krumme Sache? (Zeiss Ib)
Beitrag von: Eckhard F. H. in März 23, 2013, 20:22:20 NACHMITTAGS
@ Olaf:
Hmm, hmm,
höchst merkwürdig, lieber Olaf und wert, sich darüber Gedanken zu machen. Der´längere Gebrauch´ dünkt mir ein guter Anhaltspunkt. Sollte tatsächlich über deren Vertikaltrieb soviel Kraft ausgeübt werden können, daß sich Messing verbiegt bevor das Trägerglas platzt? Kaum glaubhaft.  :-\ Falls nicht, wäre als nächstes der Verdacht auszuräumen, daß nicht schon früher die Hebelwirkung von Mikroskoptrieben frevlerisch mißbraucht wurde.

@Florian:
ZitatDa biegt sich eher das Stativ, als dass die Schrauben verbiegen!
Lieber Florian, im vorliegenden Fall(Normfall) werden die Schrauben nur auf Zug beansprucht, erst bei fortgeschrittener Deformation des Systems zusätzlich auf Biegung. Das Messing hingegen wird von Anfang an auf Biegung beansprucht. Um Verformungen im Überlastfall vorauszusagen, sind Statikrechnungen unerläßlich.

Gruß - EFH
Titel: Re: Krumme Sache? (Zeiss Ib)
Beitrag von: Dypsis in März 23, 2013, 20:22:54 NACHMITTAGS
Hallo.

also bei meinem sind es ablsout sicher beide Holme, die verbogen sind. Allerdings beide sehr gleichmäßig.
Das Mikroskop war eigentlich recht gut verpackt. Die Kiste war gut ausgestopft und mit reichlich weichem Polstermaterial umgeben. Der Schaden muss älter sein.
Ob es wohl auch sein könnte dass es die unzähligen kleine Schläge sind (wenn man das Stativ nach vorne schnappen lässt) die diese Verformung bewirken? Von den äußerem Spuren her sieht es für mich so aus.
Noch bin ich im Zweifel ob ich ans Biegen gehen soll oder nicht. Ich fürchte, dass sich nicht die gestauchten Bereiche verformen sonder eher die jetzt noch geraden. Es wäre auf jeden Fall eine ziemliche "einspanntechnische Herausforderung".

Herzliche Grüße
Thomas
Titel: Re: Krumme Sache? (Zeiss Ib)
Beitrag von: Eckhard F. H. in März 23, 2013, 22:34:01 NACHMITTAGS
Hallo Thomas!
ZitatNoch bin ich im Zweifel, ob ich ans Biegen gehen soll oder nicht.
Tu es! Die Genugtuung über den Erfolg überwiegt den eventuellen Mißerfolg.
ZitatIch fürchte, dass sich nicht die gestauchten Bereiche verformen sondern eher die jetzt noch geraden.
Kaum! Dazu müßte der Biegevorgang falsch kalkuliert, d.h. Kraftangriff/Fixierung falsch oder instabil sein. Gedankliche Schwangerschaft angebracht.
ZitatEs wäre auf jeden Fall eine ziemliche "einspanntechnische Herausforderung".
...und einer Erfahrung mit völliger Gewißheit der Erkenntnis (nach Schopenhauer).  ;D
Gruß - EFH
P.S. Bedenke aber, daß Metall zurückfedert. Federstahl z.B. nach Verformung > E-Modul um ca. 1/8.
Titel: Re: Krumme Sache? (Zeiss Ib)
Beitrag von: Peter V. in März 24, 2013, 00:04:16 VORMITTAG
Hallo Thomas,

Der Einstein sprach: Ob grad, ob schief,
das ist doch alles relativ!


Ja, ich weiß: Der Spruch hat sooooooooooo'n Bart!

Ich würde daran nicht herumbiegen ( zumal bei mir so etwas vermutlich im wahrsten Wortsinne "schief ging" ). Wenn es nach hinten geneigt ist, sieht man es doch nicht.
Aber ich ahne schon: Meine Mahnung wird nichts bringen, es wird an Dir nagen und eines Tages wirst Du nicht an Dich halten können... ;)

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: Krumme Sache? (Zeiss Ib)
Beitrag von: Tilman in März 24, 2013, 07:59:43 VORMITTAG
Hallo Dypsis,
jetzt mische ich mich nochmals ein. Man sollte vielleicht feststellen was genau verbogen ist. Dazu wäre es auch sinnvoll den Teil unterhalb des Tisches zu zerlegen. Z.B. Hufeisen abschrauben und auf Deformationen untersuchen. Dann das Säulenteil zwischen Hufeisen und Tisch abschrauben und untersuchen. Vielleicht sieht man die Stauchungen oder die Unebenheiten (auf ebene Fläche legen). Eine Korrektur wäre auch durch geeignetes Anpassen der Auflagefläche der Säule auf das Hufeisen durch Unterlegen (reversibel) oder durch Abschleifen (irreversibel!!) möglich. Zumindest sollte man eindeutig wissen(!!), wo der Hund begraben liegt. Sollte der Winkelfehler im Tischbereich liegen, sollten auch da Deformationen erkennbar sein, denen man nach sinnvoller Überlegung entgegenwirken könnte. Dass Zeiss diese Teil so krumm ausgeliefert hat, bezweifle ich sehr. Zuletzt muss man auch an die etwas unwahrscheinliche Möglichkeit einer "Marriage" (Ersatzteile eingebaut) denken.
Liebe Grüße an alle Mitdenker
Tilman
Titel: Re: Krumme Sache? (Zeiss Ib)
Beitrag von: olaf.med in März 24, 2013, 10:01:20 VORMITTAG
Lieber Eckhard,

ZitatHmm, hmm,
höchst merkwürdig, lieber Olaf und wert, sich darüber Gedanken zu machen. Der´längere Gebrauch´ dünkt mir ein guter Anhaltspunkt. Sollte tatsächlich über deren Vertikaltrieb soviel Kraft ausgeübt werden können, daß sich Messing verbiegt bevor das Trägerglas platzt? Kaum glaubhaft.

Da ein Bild mehr als tausend Worte sagt hier gleich zwei davon. Die Wurzel des Übels liegt da wo der rote Pfeil hindeutet. Der Hebel ist lang und der Auflagepunkt in "Ruhestellung" sehr nah am Drehpunkt. Hier wird das Material bei nicht extrem vorsichtigem Umgang leicht gestaucht. 1/10 mm Deformation an dieser Stelle bedingt eine Schräglage nach vorne, die ganz deutlich zu sehen ist. Man erkennt die Deformation bei geplagten Stativen an einer runzelig-welligen Oberfläche an dieser Stelle.

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/121765_46395329.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/121765_7415056.jpg)


Zur Biegerei:

Tilman hat natürlich völlig recht:

ZitatDazu wäre es auch sinnvoll den Teil unterhalb des Tisches zu zerlegen. Z.B. Hufeisen abschrauben und auf Deformationen untersuchen.

vor jeglicher Biegerei muß das Teil natürlich zerlegt werden, sonst passieren völlig unkontrollierbare Dinge. Dann braucht man einen sehr guten Schraubstock zum Fixieren, Zulagen um das eingespannte Stück zu schonen, einen langen Hebel und sehr viel Gefühl und Erfahrung. Grundsätzlich gilt: lieber 20 mal einen winzigen Betrag in die richtige Richtung biegen und jeweils kontrollieren als einmal zu viel.

Viel Glück,

Olaf

Titel: Re: Krumme Sache? (Zeiss Ib)
Beitrag von: Eckhard F. H. in März 24, 2013, 15:42:06 NACHMITTAGS
Lieber Olaf,
Deine von Bildern gestützte Dokumentation der Kraft/Hebelsituation ist eindeutig. Mithin dünkt mir dieser Fall gelöst: Die Ursache der (vermeintlich) üblichen Verbiegung beruht auf einem Statik-Rechnungsfehler. ;D
Gruß - EFH
Titel: Re: Krumme Sache? (Zeiss Ib), Detail, welches Stativ?
Beitrag von: Heino Lauer in März 24, 2013, 16:25:30 NACHMITTAGS
Lieber Olaf,

diese Detailaufnahmen sind faszinierend. Könntest Du auch das ganze Stativ zeigen und sagen, um welches Instrument es sich handelt?

Herzlicher Gruß

Heino
Titel: Re: Krumme Sache? (Zeiss Ib)
Beitrag von: olaf.med in März 24, 2013, 18:26:35 NACHMITTAGS
Lieber Heino,

es handelt sich um ein Fuess No. II Polarisationsmikroskop aus der Zeit um 1895 in phantastischer Erhaltung. Besonders aufwändig ist der schöne mechanische Kreuztisch. Ein nahezu baugleiches aber etwas älteres Instrument ist in allen Detail in Timo Mappes einmaliger Fundgrube beschrieben:

http://www.musoptin.com/fuess_545.html

Herzliche Grüße,

Olaf

Titel: Re: Krumme Sache? (Zeiss Ib)
Beitrag von: Dypsis in März 24, 2013, 18:39:32 NACHMITTAGS
Hallo,

also bei meinem sind eindeutig die Füße verbogen. Das ist so klar wie Klosbrühe. Selbst ohne Auseinanderbauen.
Dass es einspanntechnisch eine Herausforderung wird hatte ich ja schon festgestellt. Am Schraubstock wird´s jedenfalls nicht scheitern. Ich habe einen der wiegt um die 60 kg. Da dran könnte man 10 solcher Messingfüßchen auf einen Schlag abreißen.
Ich glaube meine Chancen sind ganz gut, die Füße wieder gerade zu bekommen. Die Füße sind in einem sanften Radius über ihre ganze Länge gebogen. Da ich schon sehr viele Metalle (auch in anderen Dimensionen) gebogen habe, traue ich mir das nötige Fingerspitzengefühl zu. Respekt habe ich noch vor der Art wie ich die Geschichte lackschonend einspanne. Wo sich die Füße biegen, wird gar nicht so schwer unter Kontrolle zu bekommen sein.
Da jetzt doch recht viel geschrieben wurde, ;D kann ich ja schon nicht mehr anders als zu biegen.

Ich werde berichten.

Titel: Re: Krumme Sache? (Zeiss Ib)
Beitrag von: Dypsis in März 25, 2013, 09:56:09 VORMITTAG
Hallo,

hier also mal der Fuß. Selbst ohne angelegten Winkle kann man sehen wie geneigt sie sind. Es sind gut 5 mm, die sie sich aus der Senkrechten neigen. Ich werde wohl das Hufeisen angschraubt lassen. Mit hätte ich schon einen Angriffspunkt (mit den Händen, das dürfte am lackschonendsten sein). Mit muss nur noch eine Vorreichtung einfallen, das obere Ende zu fixieren. Es wird wohl nur gehen, wenn ich irgendwie die Ösen für die Schraube mit dafür verwende. Wenn der Lack nicht wäre, dann wäre die Geschichte in 2 Minuten erledigt (er ist viel besser erhalten als es auf dem Bild scheint!1).

Der Schraubstock ist an meine Freiluftwerkbank montiert. Im Moment ist es draußen nicht gerade einladend (leichter Schneefall bei -3 Grad)
Da wird das Abenteuer noch etwas warten müssen.

Grüße
Thomas

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/121870_13069983.jpg)
Titel: Re: Krumme Sache? (Zeiss Ib)
Beitrag von: Hugo Halfmann in März 25, 2013, 10:13:15 VORMITTAG
Hallo Thomas,

schraube doch das Hufeisen ab, lege die krumme Säule auf 2 gleichstarke Holzklötzchen und bearbeite die Biegung vorsichtig mit einem Gummihammer von oben. Ein Stück Teppichfilz zwischen Hammer und Material sowie dicker Stoff (Jeansreste) auf den Klötzen schonen den Lack. Als Unterlage dient ein Amboss.
Titel: Re: Krumme Sache? (Zeiss Ib)
Beitrag von: Dypsis in März 25, 2013, 10:32:32 VORMITTAG
Hallo Hugo,

puh, Dein Vorschlag hört sich wüst an  :D

Aber Du bringst mich auf eine Idee. Mein Schraubstock ist so groß, dass ich mit ihm den von Dir vorgeschlagenen Gummihammer ersetzen könnte. Die Methode bliebe die gleiche.
Statt Jeans würde ich Leder nehmen, damit habe ich schon gute Erfahrungen gemacht (auch z.B. um Rändelungen an festsitzenden Schrauben, bei Zangeneinsatz, zu schonen).

...

Je länger ich über Deinen Vorschlag nachdenke, desto vielsprechender scheint er mir! Danke!!!

Herzliche Grüße
Thomas
Titel: Re: Krumme Sache? (Zeiss Ib)
Beitrag von: olaf.med in März 25, 2013, 10:37:48 VORMITTAG
Hallo Thomas und Hugo,

hämmern würde ich hier keinesfalls und auch nicht mit den Händen biegen! Da hat man viel zu wenig Gefühl.

In diesem Fall würde ich den Fuß abschrauben, die Planfläche des senkrechten Teils auf eine massive Stahlplatte legen mit je einer dünnen Hartholzleiste an beiden Enden (wegen des Rückfederns) und mit der Pinole einer großen Ständerbohrmaschine von oben dosiert Druck ausüben. Zwischen Pinole und Messing kommt natürlich eine Hartholzzulage.

Zeitbedarf 3 Minuten, gutes Ergebnis garantiert!

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Krumme Sache? (Zeiss Ib)
Beitrag von: Dypsis in März 25, 2013, 10:52:55 VORMITTAG
Hallo Olaf,

nun, wie es scheint bahnt sich ja eine gute Lösung an. Ich würde bei meinem Schraubstock bleiben. Wird egal sein ob Ständerbohrmaschine oder Schraubstock. Hartholz als alleinige Auflage wird nicht reichen, der Lack würde das wohl nicht mögen. Meinst Du nicht?
Vielleicht mache ich es doch trotz Kälte. Bin schon so gespannt.

Bericht folgt
Thomas
Titel: Re: Krumme Sache? (Zeiss Ib)
Beitrag von: Hugo Halfmann in März 25, 2013, 15:08:08 NACHMITTAGS
Hallo ,

mit "vorsichtig bearbeiten" meinte ich auch eher sanftes Klopfen und nicht brachiales Zuschlagen. Auch zwischen Leder und Werkstück würde ich noch ein Tuch legen !
Viel Erfolg !
Titel: Re: Krumme Sache? (Zeiss Ib)
Beitrag von: olaf.med in März 25, 2013, 19:39:14 NACHMITTAGS
Lieber Thomas,

natürlich geht es auch im Schraubstock, man braucht halt nur drei Hände um Zulagen und Werkstück richtig zu positionieren. Man kann aber auch die Zulagen zunächst mit Doppelklebeband an den richtigen Stellen an den Schraubstockbacken fixieren, da hat man beim multiplen Einspannen nicht immer die gleich Fummelei oder muß die Gattin zur Hilfe holen. Vom Hämmern, egal mit welcher Kraft, würde ich wirklich abraten.

Es ist schon erstaunlich wie hart die alten Lacke in der Regel sind. Mit Hartholz ohne weitere Zwischenlagen habe ich immer gute Erfahrungen gemacht.

Danke übrigens für die Wohlgerüche, die heute per Päckchen eingetroffen sind.

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Krumme Sache? (Zeiss Ib)
Beitrag von: Dypsis in März 25, 2013, 20:46:58 NACHMITTAGS
Lieber Olaf und andere

es ist vollbracht.

Und es war wahrlich nicht Warmduschers Bastelstunde.
Schneegestöber, -4 Grad und einsetzende Dämmerung. Optimale Vorausstetzungen für lackschonende Biegearbeiten mit schwerem Gerät an sensiblem Material.
Dass ich an den Schraubstock gegangen bin war wohl getan. Ich musste ganz schön hinlangen, bis sich die Streben endlich gebogen haben. Eichenstäbe waren schon mal zu weich, erst mit Eisenstäben als Unterlage war Wirkung zu sehen. Das Leder hat den Lack optimal geschützt, es gab keinerlei Schäden. Alles was ich an Ständerbohrmaschinen kenne, wäre mindestens an seiner Grenze gewesen, kraftmäßig.
Allerdings hatte ich am Schraubstock Anfangs Schwierigkeiten mit der Schwerkraft. Wenn man versucht mit zwei Händen drei Metallstäbe zu positionieren, dann kann man schon mal ins Fluchen geraten...
Es ging, aber von kontrollierter Positionierung kann nicht wirklich die Rede sein. Gottlob steht der Nachbarsjunge auf Extremeinsätze im Schneegstöber (meine Frau hätte mir was gehustet). Mit vier Händen waren dann die drei Metallstäbe ruckzuck unter Kontrolle.
Jetzt ist das Stativ wieder aufgerichtet.

Eine Erkenntnis darf ich Euch nicht vorenthaltent:
Als ich die lange Schraube herausgetrieben habe, die als Achse für die Neigung des Stativs dient, musste ich merkwürdig kräftig mit dem Hämmerchen zuschlagen. Beim wieder Einsetzen gab es noch mehr Widerstand. Mein erster, wie mir schien sehr naheliegender Verdacht: entweder hat sich die Schraube bei dem ursprünglichen Schaden verbogen oder die Ausrichtung der Streben zueinander stimmt nicht mehr. Mist.
Nö! Es war einfach die "Bremse" für die Neigung angezogen. Es wird über den Hebel an der Rückseite des Stativs der Kanal für die Schraube verengt. Kein Wunder also, dass sie nicht mehr hineinwollte. Hebel umlegen war dann die Lösung. So einfach können sich schwere Probleme also auch lösen.

Ich danke Euch allen für die Tipps und das Mitdenken. Es war sehr hilfreich.
Morgen gibt es Bilder.

Mit herzliche Grüßen
Thomas

Titel: Re: Krumme Sache? (Zeiss Ib)
Beitrag von: Eckhard F. H. in März 25, 2013, 21:27:52 NACHMITTAGS
Hallo Thomas,
gratuliere aus vollem Herzen. Goethe hatte Recht: "Produktiv sein ist die innerste Eigenschaft des Menschen." Tun schlägt Konsum!  ;)
Gruß - EFH
Titel: Re: Krumme Sache? (Zeiss Ib)
Beitrag von: Dypsis in März 26, 2013, 07:47:56 VORMITTAG
Hallo Eckhard und andere,

danke für die Glückwünsche.
Mit aufgetauten Fingern habe ich das Stativ jetzt mal (noch) nackig (nein, nicht ich, das Stativ!) fotografiert.
Auf den Fotos sieht man es noch stärker, es ist fast nicht möglich, eine Perspektive zu finden, aus der nicht irgendetwas schief aussieht. Das umgekehrte gilt leider auch, man kann ein schiefes Stativ so fotograieren, dass des leidlich gerade aussieht, wenn man es darauf anlegt...

Insgesamt ist das Ding jetzt ziemlich gerade (die Feststellung ist gelöst, es ist also nicht für das Foto geschummelt worden! ;)).
Ich hatte den U-Fuß nicht abgeschraubt. Die Schrauben wollten sich nicht gerne lösen lassen und so ohne Not wollte ich es auch nicht auf Biegen und Brechen durchsetzen.
Letztlich war es sogar ganz gut, weil ich den Fortschritt meiner Richterei direkt überprüfen konnte ohne den Fuß jedesmal wieder anschrauben zu müssen.

Ich weiß jetzt nicht, ob das ganze auch bei Sonnenschein funktioniert hätte. Das muss ich mit dem nächsten schiefen Stativ ausprobieren.

Herzliche Grüße
Thomas


(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/121956_12897937.jpg)



Titel: Re: Krumme Sache? (Zeiss Ib)
Beitrag von: Florian Stellmacher in März 26, 2013, 18:46:15 NACHMITTAGS
Lieber Thomas,

Du ahnst ja gar nicht, welche Höllenqualen ich in den etzten Tagen ausgestanden habe! Aber es ist ja tatsächlich gut gegangen - also auch von mir herzlichen Glückwunsch!

Herzliche Grüße,
Florian
Titel: Re: Krumme Sache? (Zeiss Ib)
Beitrag von: Jürgen Boschert in März 26, 2013, 19:44:44 NACHMITTAGS
Hallo,

@Florian

ich habe leise mitgelitten.

@Thomas

Gratulation ! Toll gemacht.

Beste Grüße !

JB
Titel: Re: Krumme Sache? (Zeiss Ib)
Beitrag von: Dypsis in März 26, 2013, 19:55:53 NACHMITTAGS
Lieber Florian u. Jürgen

als ich gebogen habe, hatte ich ständig das Bild eines reißenden Messingfußes vor Augen. Dieses Gefühl im Bauch, wenn sich so etwas irreversibles andeutet und dann langsam zur Gewissheit wird – kein wenn und aber mehr, einfach aus und vorbei...
Aber wie der Franzose sagt: No risk no fun.

Ich bau jetzt mal alles wieder dran, mache ein paar Bilder für eine (knappe) Vorstellung.

Herzliche Grüße
Thomas