Liebe REM Spezialisten
Ich betreue seit drei Monaten an einem Schülerforschungszentrum einige Schüler an einem
Hitachi S-2300 mit Röhrenmonitor.
Das Gerät wurde uns von einer Uni geschenkt und arbeitet einwandfrei.Die Bilder wurden mit
einer Mittelformat-Kamera von einem Flachbildschirm auf Polaroid Film belichtet.
Wir dachten dass wir einfach die Polaroid durch eine Digitale SLR ersetzen können und alles ist
auf dem Stand der Technik. Nach endlosen Versuchen mit allen möglichen Profi SLR's und den
unterschiedlichsten Objektiven haben wir schließlich aufgegeben.
Da es für Forschungszewecke aber unbedingt notwendig ist, die Bilder zu dokumentieren suchen
wir händeringend nach einer Möglichkeit, das am Monitor oder am Detektor anliegende Signal
auf einen PC zu bekommen.
Wir haben zwar die Untestützung der Uni aber es gibt keinen mehr, der sich mit der Schaltungs-
Elektronik des Gerätes auskennt.
Schaltpläne sind nicht vorhanden, nur das Handbuch zur Bedienung des Gerätes.
Die noch vorhandenen Mitarbeiter der Uni, die das Gerät füher mal benutzt haben, können uns
nicht weiterhelfen, da sie nur Anwender waren. Wir möchten diese Leute auch nicht andauernd mit
unseren Problemen belästigen da die Personaldecke an der Uni ohnehin sehr dünn ist. Die qualifizierten
technischen Mitarbeiter bekommen nur noch befristete Jobs und wissen nicht wie alles weiter gehen soll.
Dadurch ist das Engagement verständlicherweise ein wenig ausgebremst.
Für jeden Hinweis oder Tipp sind wir dankbar. Die Sevice Hotlines, die wir bisher bei Hitachi erreichen
konnten waren auch nicht in der Lage uns weiter zu helfen.
Vielen Dank für Euer Interesse und
Herzliche Grüße Horst-Dieter
Hallo Horst-Dieter,
wie ist denn dieser Röhrenmonitor mit dem Rest des Mikroskopes verbunden? Ist es ein Videosignal, wie man es bei den herkömmlichen Fernsehern hat oder schon ein RGB-Signal, wie es die PC-Monitore brauchen?
Viele Grüße
Bernd
Lieber Bernd,
vermutlich weder noch. Das Bild wird bei einem REM üblicherweise Zeile für Zeile synchron zur Bewegung des Primärelektronenstrahls über dem Objekt erzeugt, d.h. der Bildschirm ist nichts Anderes, als ein Kathodenstrahloszillograph. Das kann Minuten dauern. Er wurde per Dauerbelichtung abfotografiert. Warum das nicht auch mit einer DSLR gehen soll, verstehe ich nicht. Sie muss natürlich die Möglichkeit der Dauerbelichtung haben (Verschluss bleibt so lange offen, bis man den Auslöser los lässt; früher "B" auf dem Programmknopf).
Ich denke, man müsste aber auch das Signal mit einem AD-Wandler digitalisieren können und auf einem PC wieder geben können.
Herzliche Grüße
Detlef
Hallo Horst-Dieter,
ein vergleichbares Problem hatten wir mit unseren alten Leitz -REM. Auch dort lag das Bild nur im Röhrenmonitor oder als Polaroid vor.
Wir haben es dadurch gelöst, dass wir mit Hilfe einer preiswerten Soundkarte und einem Programm die Daten auslesen und sie dann in Bilddaten umwandeln, so dass das Bild auf einem handelsüblichen Monitor zu betrachten ist oder per USB -Stick mitgenommen werden kann.
Die REM-Bilder auf der Website der Mikrogruppe Hamburg aber auch viele Aufnahmen auf der Website foraminifera.eu sind mit diesem Gerät/Konstruktion erstellt worden. Vielleicht fragst Du wegen der technischen Einzelheiten den Webmaster der Mikrogruppe Hamburg.
Grüsse in die Runde
CMB
Lieber Detlef,
es mag ja durchaus sein, daß sich das Bild zeilenweise aufbaut, aber um es fotografieren zu können, warte ich doch lieber ab, bis es sich vollständig aufgebaut hat, um es dann mit einer entsprechend kurzen Belichtungszeit abzufotografieren. Bei Fernsehbildern funktioniert das doch auch. Die Belichtungszeit darf dabei allerdings wieder nicht zu kurz werden, sonst hat man die Synchronbalken auf dem Bild. Probier es aus, dann siehst du, was ich meine.
Viele Grüße
Bernd
Gehen tut es zumindest, diese Firma hier bietet es an: http://semservice.com/semscan1000.html. Ist natürlich die Frage, wieviel Geld die Umrüstung kosten darf. Vielleicht kann man wenigstens dort in Erfahrung bringen, wo das Signal herkommt. Die Firma sollte auch die Unterlagen für das Gerät haben, vieleicht haben sie gescannte Versionen. Fragen kostet nichts.
Gruss,
Stefan
Lieber Bernd,
das setzte voraus, dass das Signal gespeichert wird. Das war bei den alten Geräten aber nicht der Fall. Du siehst nur einen flackernden grünen Punkt der über den Bildschirm wandert, nach jeder Zeile um eine Zeilenbreite nach unten versetzt.
Aber, was soll's, CMB hat ja die Lösung vorgegeben.
Detlef
Hallo
Herzlichen Dank für die große Resonanz und die angebotenen Tipps.
Ich denke die Vorschläge von CMB und von Stefan führen am ehesten
zur Lösung des Problems.
Der Signalaufbau am Röhrenmonitor ist genau so wie von Detlef geschildert.
Unser Irrglaube war, dass wir nur eine DSLR auf bulb stellen müssen um
den Chip zu belichten. Der Dynmikumfang der DSLR reicht nicht, um die
dunklen Bildstellen darzustellen, da diese in den Reflexen der hellen
Bildstellen regelrecht ersaufen.
Der Nachzieheffekt des Monitors tut sein übriges um das Bild bis zur
Unkenntlichkeit " tot " zu belichten. Das Bild baut sich wie auf einem
alten Radarmonitor eines Schiffes auf.
Der Bildaufbau für ein Bild, bis die Zeile durchgelaufen ist, dauert 35 sec.
Wenn das so einfach gewesen wäre hätte ich dafür sogar meinen
alten Sony TV- Studiomischer geopfert.
Ich habe früher mal als freier Kameramann gearbeitet und kenne mich
mit ( der alten )TV Studiotechnik ziemlich gut aus.
Ich denke mit euren Tipps komme ich einen Schritt weiter un werde Euch
auf dem Laufenden halten.
Ganz herzlichen Dank
Horst-Dieter
Hallo Horst-Dieter,
Ich bin kein Fachmann, aber ich habe mir mal etwas Zeit genommen und im "WWW" gesucht, vielleicht hilft dir das weiter... ;)
http://www.orionmicroscopy.com/files/SEMpics/Hitachi/Original%20Hitachi%20Schematics/S-2300%20Schematics%20Manual.pdf
Schöne Grüsse aus der Schweiz, Reto B.
Lieber Reto
Herzlichen Dank!
Das war der alles entscheidende Tipp.
Damit werden wir ein ganzes Stück weiterkommen.
begeisterte Grüße
Horst-Dieter
Hallo Horst-Dieter,
Freut mich,,, na dann wünsch ich frohes rastern.... , und nächstens frohe Ostern :D
Herzliche Grüsse aus der Schweiz, Reto B.
Zitat von: HDD in März 26, 2013, 17:47:19 NACHMITTAGS
Unser Irrglaube war, dass wir nur eine DSLR auf bulb stellen müssen um
den Chip zu belichten. Der Dynmikumfang der DSLR reicht nicht, um die
dunklen Bildstellen darzustellen, da diese in den Reflexen der hellen
Bildstellen regelrecht ersaufen.
Der Nachzieheffekt des Monitors tut sein übriges um das Bild bis zur
Unkenntlichkeit " tot " zu belichten. Das Bild baut sich wie auf einem
alten Radarmonitor eines Schiffes auf.
Der Bildaufbau für ein Bild, bis die Zeile durchgelaufen ist, dauert 35 sec.
Hallo,
das kann ich mir nicht vorstellen, das würde ja bedeuten, dass eine DSLR mit einer Dynamik von 12 bit
eine schlechtere Dynamik hätte wie ein alter Polaroidfilm, dem ich höchstens 8 bit zutraue.
Habt ihr da wirklich alle Empfindlichkeitseinstellungen an der Kamera und alle Bildaufbauzeiten am REM ausgetestet (man kann doch das Bild auch schneller als 35 sec durchlaufen lassen sonst könnte man im REM doch gar keine Objektstellen auffinden) ?
Natürlich kann man am alten REM einen Bildspeicher nachrüsten mit dem man auch Bilder aufaddieren kann, was auch das Arbeiten ohne Photografieren sehr erleichtern würde. Aber da bewegt man sich, wenn man eine Fertiglösung kauft sicher oberhalb von Zehntausend Euro. Und ob sich das bei so einem alten REM, wo ja morgen ein nicht mehr erhältliches Teil kaputtgehen kann rentiert ist natürlich Risiko.
Andererseits bietet die Hitachi Vertretung selbst noch das S 2300 als Gebrauchtgerät an:
http://www.hht-eu.com/cms/6475.html
Das heisst das sie auch noch den Service dafür übernehme können müssen und somit alle Ersatzteile noch erhältlich sind.
viele Grüsse
Wilfried Nisch
P.S.: Ich kann doch davon ausgehen, dass ihr auf dem Monitor fotografiert an dem die Polaroid Kamera sitzt.
Lieber Wilfried,
ich kann ja nur aus meiner Erfahrung aus alten Tagen berichten. Man musste diesen extrem langen Scan-Vorgang wählen, um das Rauschen auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Zum Durchmustern gab es natürlich den Video-Modus. Aber die Qualität dieses Bildes war einfach zu schlecht für die Dokumentation.
Im Übrigen gebe ich Dir vom Gefühl her recht: die DSLR sollte den Dynamik-Umfang bewältigen können. Man muss natürlich auf manuelle Empfindlichkeit stellen (60 ASA oder so) und die Blende entsprechend zuziehen. Aber, ich glaube gerne, dass Horst-Dieter dies beherzigt hat. Also, schwierig aus der Distanz!
Herzliche Grüße
Detlef
Zitat von: Detlef Kramer in März 28, 2013, 17:33:05 NACHMITTAGS
ich kann ja nur aus meiner Erfahrung aus alten Tagen berichten. Man musste diesen extrem langen Scan-Vorgang wählen, um das Rauschen auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Zum Durchmustern gab es natürlich den Video-Modus. Aber die Qualität dieses Bildes war einfach zu schlecht für die Dokumentation.
Lieber Detlef,
ja das weiss ich schon, ich habe mich ja schliesslich lange genug mit alten REMs und finsteren Räumen herumgeplagt. Aber zwischen dem Videomodus mit 25 Bildern/sec und den 35 sec für ein Bild gibt es doch auch noch viele Zwischenstufen und da müsste doch eine passen. Wenn sie natürlich vom Sichtmonitor und nicht vom Fotomonitor fotografieren könnte die lange Nachleuchtdauer des Sichtmonitors das Problem sein.
viele Grüsse
Wilfried
Lieber Wilfried,
d'accord. Die Frage kann nur Horst-Dieter beantworten.
Herzliche grüße
Detlef