Hallo zusammen,
wenn ein Kristall zwischen gekreuzten Polfiltern farbig erscheint, so erwarte ich bei einem flachen, in der Dicke stetig zunehmenden Kristall eine Reihe von Interferenzfarben, wie sie im Michel-Levy-Diagramm dargestellt sind.
In folgendem Bild sehe ich diese Farben bei einem Schwefelkristall:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/122068_64939307.jpg)
So, wie die Farbverläufe sind, gehe ich davon aus, dass der Kristall ganz links (da, wo es schwarz erscheint) am dünnsten ist.
Wie kommt es zu den blassen Farbstreifen ganz links im Bereich der 1. Ordnung (s. Ausschnittsvergrößerung)?
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/122068_36587673.jpg)
Viele Grüße
Kai
Hallo Kai,
vielleicht wird der Kristall da wieder dicker. Die Dicke geht ja immerhin, von rechts kommend, nicht auf 0 zurück, man sieht ja nicht mal Dunkelgrau. Warum die Farben da allerdings so blass sind, weiß ich auch nicht so recht. Vielleicht liegen da zwei Kristalle übereinander, mit leicht unterschiedlichen Orientierungen? Wilde Spekulation. Ein Bild des gesamten Kristalls könnte u.U. hilfreich sein.
Grüße
Ole
Hallo Kai
Ich bin zwar kein Profi, habe aber folgende Idee:
Wenn ich mir in Deinem Bild die Farbe "erster Ordnung" ( also im ersten Bild von links nach rechts gesehen, nach den blassen die deutlichen )
ansehe, dann verlaufen die von grau/ gelb nach orange nach rot und blau ( Zweite Ordnung dahinter ist genauso : gelb rot blau) u. s.w dritte Ordnung gelb rot grün .....
Bei den blassen ist das umgekehrt sie sehen gespiegelt aus - von rechts nach links : gelb rot blau
Das läßt mich denken das es sich um eine Verzilligung handeln könnte.
Man sieht auch schwarze Spaltlinien im farbigen Bereich, und helle Linien im verschwommenen, welche in eine andere Richtung zeigen.
Grüße
Gerd
Lieber Kai,
bist Du sicher dass es sich um Pol-Interferenzfarben handelt. Es gäbe ja auch noch die Möglichkeit, dass es sich um Newtonsche Ringe an einem Luftspalt handelt. Die sehen so blaß aus, müßten dann aber auch bei unpolarisiertem Licht sichtbar sein. Nur so ne Idee....
Herzliche Grüße,
Olaf
Hallo Ole,
das Präparat habe ich wie folgt hergestellt: Schwefel über der Flamme zwischen Objektträger und Deckglas langsam bis zum Schmelzen erwärmt. Dann den Objektträger auf ein Blatt Papier gelegt und mit einem Stück Holz kräftig gedrückt. Die Auflagepunkte des Holzstückes haben dann die Schicht schön zusammengedrückt. Nach dem Erkalten ist also ein Dickengradient entstanden. Ich bin sehr sicher, dass das dunkle Zentrum am dünnsten ist und die Dicke ganz gleichmäßig ansteigt. Überprüfen kann ich das nicht.
Anbei die Bilder eines größeren Ausschnitts.
Hallo Olaf,
ja, Newtonringe - das könnte es sein. Schräg über die Deckglasoberfläche geschaut kann man gut sehen, das das Glas über den dunklen Stellen in Richtung Objektträger gebogen ist, also unter Spannung steht. Vielleicht hat es sich im dunklen Zentrum von den Schwefelkristallen gelöst und so einen Luftkeil gebildet.
Liebe Grüße
Kai
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/122105_16281031.jpg)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/122105_61557762.jpg)
Hallo Kai,
ich bin ehrlich gesagt noch gar nicht überzeugt dass die Bilder große einkristalline Domänen zeigen. Nehmen wir mal das zweite, das mit dem spitzwinkligen bunten Bereich: Löscht dieses Dreieck aus, wenn du den Tisch drehst (bzw. die beiden Filter synchron)?
Und bei den beiden letzten Bildern: löscht da homogen alles aus, was jetzt (in den Fotos) bunt erscheint?
Viele Grüße
Ole
Hallo Ole,
Wenn ich den Objekttisch um 360° drehe, wechseln sich Hell und Dunkel viermal ab.
Zur Überprüfung von Olafs Idee habe ich eine Aufnahme ohne Polfilter gemacht. Newton-Ringe sollten dann immer noch sichtbar sein. Anbei die Vergleichsfotos.
LG
Kai
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/122240_56144108.jpg)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures003/122240_43456911.jpg)
Hallo Kai,
erst mal schöne Schwefelfotos!
Und dann muss man sagen: der Olaf hat Ahnung und Erfahrung! :)
Ich wär nie im Leben auf den Gedanken gekommen! Super!