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Foren => Mikrofoto-Forum => Thema gestartet von: Karl73 in Mai 26, 2013, 21:23:53 NACHMITTAGS

Titel: Eierschale (+Haut)
Beitrag von: Karl73 in Mai 26, 2013, 21:23:53 NACHMITTAGS
Liebe Freunde,
etwas vom  Frühstück übrig gebliebene Eierschale (braun) habe ich improvisiert mit Sekundenkleber auf einen OT geklebt und mit Schleifpapier geschliffen. Deshalb bitte ich die nicht vorhandene Politur zu entschuldigen. Man sieht die Calcit Kristalle besonders auf dem zweiten Bild.

Viele Grüße
Karl

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/126197_36971259.jpg) (http://s1154.photobucket.com/user/kreykf/media/IMG_0649_zps0d96bfce.jpg.html)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/126197_25759335.jpg) (http://s1154.photobucket.com/user/kreykf/media/IMG_0648_zps8ad53a31.jpg.html)
Titel: Re: Eierschale
Beitrag von: Heiko in Mai 27, 2013, 22:59:37 NACHMITTAGS
Hallo Karl,

interessant, wie muss ich mir das vorstellen – hast Du so lange geschliffen, dass die Schale fast komplett abgeschliffen war, um hinreichend dünn zu werden?
Entschuldige, habe dergleichen noch nie versucht ...

Gruß, Heiko
Titel: Re: Eierschale
Beitrag von: Eckhard F. H. in Mai 28, 2013, 07:52:42 VORMITTAG
Hallo zusammen,
apropos Eischale. Vor langer Zeit las ich mal in einem alten Chemiebuch, Eischale würde sich eignen als Diaphragma bei der Elektrolyse von Kochsalzlösung. Kann dazu jemand etwas sagen?
Gruß - EFH
Titel: Re: Eierschale
Beitrag von: Karl73 in Mai 28, 2013, 13:34:52 NACHMITTAGS
ad Eckhard, ja das kann ich mir vorstellen. Als eigentliche Membran vermute ich aber die "Eihaut" und nicht die harte Schale...

ad Heiko: ja genau so. Ich habe ca. 3-5mm große Fragmente der Eischale mit Sekundenkleber auf einen Objektträger geklebt und diesen dann auf Schleifpapier verschiedener Körnung abgeschliffen. Das hat eingie Minuten gedauert. Die Eierschale war wesentlich widerstandsfähiger als gedacht. Am Ende war sie am Rande durchsichtig, aufgrund der Wölbung geht es wohl nicht anders. Ich habe auch Längsschliffe probiert um die Kristallstruktur zu sehen, die sind mir aber nicht so gut gelungen... deshalb kein Foto. Sehen aber aus wie Palisaden.

Viele Grüße
Karl
Titel: Re: Eierschale
Beitrag von: Gerd Schmahl in Mai 28, 2013, 18:35:33 NACHMITTAGS
Hallo Eckhard,
als ich Ende der 80er Jahre an der Bergakademie Freiberg studiert habe, standen im Labor der Paläontologie einige Eierschalen rum, in denen irgendwelche Elektrolyte waren und auch Elektroden. Es ging da irgendwie um das Freiätzen von Mikrofossilien. Genau weiß ich nicht was und wie das gemacht wurde, aber die als Diaphragma wirkende Eihaut spielte dabei eine entscheidende Rolle.

Liebe Grüße
Gerd
Titel: Re: Eierschale
Beitrag von: hebi19 in Mai 28, 2013, 19:49:36 NACHMITTAGS
Aus "CHEMIE SELBST ERLEBT, Experimentierbuch von Erich Grosse & Christian Weissmantel" Aulis Verlag Deubner & Co KG . Köln 1975
Lizenzausgabe des Urania-Verlags Leipzig/Jena/Berlin - ISBN 3-7814-0214-7

Seite 36f - " Das Hühnerei als Diaphragma

Ein anderer Teil der in der Industrie gebrauchten Natronlauge wird nach dem Diaphragmaverfahren gewonnen. Unter einem Diaphragma versteht man eine poröse Scheidewand, die wohl eine Vermischung der Flüßigkeit des Kathoden- und Anodenraumes verhindert, eine Wanderung der Ionen aber nicht hemmt. In der ....(ca 6 Zeilen zur Herstellung von Diaphragmen in der Technik)....
..........
Für unseren Versuch können wir mit gutem Erfolg eine einseitig geöffnete Eierschalre  verwenden. Wir spülen sie mit verdünnter Salzsäure aus und waschen dann mehrmals mit Wasser nach. An einer Halterung aus starkem isolierten Draht hängen wir sie in ein nicht zu kleines Becherglas und füllen Schale und Glas mit konzentrierter Kochsalzlösung. Die Anode, die in das Ei eintaucht, besteht wiederum aus einem Kohlestift, als Kathode nehmen wir einen schlangenförmig gebogenen Eisendraht.
Nach etwa 5 Minuten Elektrolysedauer bei 6 bis 12 V und 1/2 bis 1 A entnehmen wir die erste Probe und prüfen sie, wie im vorigen Versuch angegeben auf alkalische Reaktion. Nach weiteren 5 Minuten brechen wir den Versuch ab. Wir entnehmen etwa 20ml der entstandenen Natronlauge aus dem Kathodenraum, zu dem Rest geben wir 1 Tropfen Phenolphtaleinlösung. Eine intensive Rotfärbung ist das Zeichen des Erfolges. In den Anodenraum eingetropftes Phenolphtalein bleibt unverändert, eine Kaliumjodidstärkelösung färbt sich blau. In der Technik wird die 10- bis 15%ige Natronlauge in Vakuumapparaten eingedampft. Das restliche Natriumchlorid fällt beim Eindampfen aus und kann durch Filtration abgetrennt werden."
---- Ende Zitat----

Es sind noch zwei Skizzen, eine zum gesamten Versuchsaufbau, eine "Drahthalterung für Eierschale" abgebildet.

Vom Grundthema ist mein Beitrag zugegebenermaßen/natürlich OT. Ich finde diese Experimentierbücher aus den 70er Jahren aber so faszinierend, dass ich die aufkommende Diskussion zur Eierschale als Diaphragma auf jeden Fall damit ergänzen wollte.......

Ich gehe davon aus, dass die Eierschale selbst als Diaphragma wirkt - die Eihaut halte ich für eher störend. Es dürfte sich mit 98%-iger Sicherheit um das gleiche "alte Chemiebuch" handeln.  

Martin

edit: Rechtschreibung
Titel: Re: Eierschale
Beitrag von: Eckhard F. H. in Mai 29, 2013, 10:03:52 VORMITTAG
Hallo Gerd und Martin,
seid bedankt für Euren Beitrag bezüglich Diaphragma. Vermutlich wird der Verkauf von Hühnereiern und Kochsalz an Privatpersonen vorerst nicht verboten. So ist zumindest Natronlauge und Salzsäure (im Zuge der ´Störfreimachung´ (DDR-Wort)) noch verfügbar, wenn NaOH und HCL auf dem Index landen. ;D Ach, wie tröstlich! KOH könnte dann übrigens aus Holzasche gewonnen werden.  :-X
Gruß - EFH
Titel: Re: Eierschale
Beitrag von: Karl73 in Juni 01, 2013, 22:54:30 NACHMITTAGS
Eine kleine Ergänzung...
Die Eihaut ist die semipermeable Membran (http://www.chemieunterricht.de/dc2/grundsch/eier/versuch10.htm).
Ich habe mal versucht ein paar Fotos zu machen. Was einfach klingt stellte sich als für mich nicht so einfach dar. Anbei zwei meiner Resultate. Ein Stack ist mir leider nicht gelungen. Vielleicht hat jemand eine Idee wie man diese Strukturen am besten kontrastiert?

Das erste mit 20iger und Kreutz-Blende, das zweite 40iger Hellfeld, angefärbt mit Fuchsin...

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/126653_52583073.jpg)[/URL]

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/126653_66525526.jpg)[/URL]
Titel: Re: Eierschale (+Haut)
Beitrag von: Heiko in Juni 01, 2013, 23:19:08 NACHMITTAGS
Hallo Karl,

da Du Dich weiterhin mit der Eierschale beschäftigst, ist dieser Bericht vielleicht interessant:

http://www.zeit.de/1973/52/andaechtig-vor-jedem-huehnerei/seite-2

Besonders der vorletzte Abschnitt legt nahe, eine Längsansicht zu erstellen – für die, die das können (ich leider nicht).

Viele Grüße,
Heiko
Titel: Re: Eierschale (+Haut)
Beitrag von: Karl73 in Juni 01, 2013, 23:23:19 NACHMITTAGS
Danke, sehr interessant! Soweit wollte ich es nicht treiben ;-). Aber schon erstaunlich was die simple Untersuchung eines Eies für Schwierigkeiten bereitet... Am Längsschnitt arbeite ich... Ich denke mit Einbettung in Methacrylat sollte es gehen- für die Schale. Wie man einen Längsschnitt der Eihaut machen soll ist mir noch nicht ganz klar.

Viele Grüße
Karl
Titel: Re: Eierschale (+Haut)
Beitrag von: hebi19 in Juni 02, 2013, 06:55:54 VORMITTAG
Hallo Karl

Das was in dem von Dir verlinkten Artikel beschrieben ist, ist die OSMOSE, doch nicht die Elektrolyse. Man kann für den Elektrolyseversuch auch dünne Blumentöpfe verwenden. Nach Aussage des bereits zitierten Chemie-Experimentierbuch werden(/wurden?) solche Membranen technisch aus Portlandzement, dem Kochsalz zugefügt wurde hergestellt. Nach dem Aushärten werden die Kochsalzkristalle mit Wasser herausgelöst "und es entsehen die erforderlichen Poren".

Dies deckt sich nach dem von Heiko verlinkten Artikel doch gut mit der Eischale:
"Durch alle Schichten hindurch ziehen sich Porenkanäle. Sie dienen, dem Embryo zum Gasaustausch mit der Umwelt."

Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass die Eihaut bei der Elektrolyse eher hinderlich ist und die Eischale alleine bestens funktioniert.
Vielleicht können da die Profichemiker was dazu schreiben  ??? ?

Martin
Titel: Re: Eierschale (+Haut)
Beitrag von: Karl73 in Juni 02, 2013, 20:53:28 NACHMITTAGS
Hallo Martin, ja du hast wahrscheinlich recht.
Nur interessehalber habe ich mal versucht einen Längsschnitt zu machen. Mit meinen "Küchenutensilien" habe ich folgendes Ergebnis fabriziert. Zur besseren Kontrastierung im Pol.
Jemand der sich wirklich mit Biologie auskennt und zufällig das liest bitte ich um Kommentar - alle Anderen natürlich auch!
Viele Grüße
Karl

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/126695_36003335.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/126695_57054996.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/126695_30660102.jpg)
Titel: Re: Eierschale (+Haut)
Beitrag von: Eckhard F. H. in Juni 02, 2013, 21:12:08 NACHMITTAGS
Hallo Karl,
vielen Dank dafür, daß Du Dir die Mühe machtest, dieser Sache nachzugehen. Die Erfahrung solcher Bemühungen ist, daß mit der Erkenntnis auch Staunen über die Schöpfung und Demut einhergeht.
Gruß - EFH