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Foren => Mikrofoto-Forum => Thema gestartet von: Ole in März 23, 2009, 18:49:51 NACHMITTAGS

Titel: Goldalgen auf der Flucht?
Beitrag von: Ole in März 23, 2009, 18:49:51 NACHMITTAGS
Hallo Tümpler,
letzte Woche musste ich bei meinem Gartenteich eine deutliche Trübung feststellen, der es natürlich nachzugehen galt. In dem Probenwasser befanden sich reichlich Goldalgen der Gattung Dinobryon (sofern ich meinen alten "Streble/Krauter" richtig bedient habe).
Zum Abschluss habe ich mir die Algen einmal im Fluoreszenzlicht angeschaut und dabei die Beobachtung gemacht, dass die Protoplasten nach etwa 10s-20s Bestrahlungsdauer anfingen, ihr Gehäuse sehr zügig zu verlassen, um direkt danach zu lysieren. Der gesamte Ablauf ist in den drei Abbildung unten dargestellt, er dauerte insgesamt geschätzt 20-40s, wobei das Verlassen des Gehäuses selbst nur wenige Sekunden dauerte. Die eingestrahlte Wellenlänge (getestet: UV, Violett, Blau und Grün) spielte hierbei offenbar keine signifikante Rolle. Daten zum Patchwork-Bild (die unteren drei großen Abbildungen): Überlagerung Phako (Durchlicht)/Fluoreszenz (Auflicht HBO100, Filter: Leica E4 (Anregung: 436/7nm)), Objektiv: HCX PL Fluotar 40x/0.75 PH2
Nun zu meiner Frage: Weiß jemand, ob das sehr zügige Verlassen des Gehäuses ein passiver Effekt (z.B. thermisch) oder eine Art "aktive Fluchtreaktion" (z.B. auf die hohe Lichtintensität) ist?
Viele Grüsse und schon einmal vielen Dank für Hinweise,
Ole

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures001/8856_34554267.jpg)
Titel: Re: Goldalgen auf der Flucht?
Beitrag von: Ralf in März 23, 2009, 21:33:05 NACHMITTAGS
Hallo Ole,

die Kombination Phasenkontrast und Fluoreszenz finde ich sehr gelungen, eine tolle Idee. Fehlt mir also nur noch die Fluoreszenzeinrichtung zum testen...... ::)

Titel: Re: Goldalgen auf der Flucht?
Beitrag von: d65 in März 24, 2009, 12:03:48 NACHMITTAGS
Hallo Ole,

"fliehen" die Algen denn auch, wenn die Halogenlampe voll aufgedreht ist (ohne Phako, maximale Beleuchtungsstärke)? Oder nur bei der Fluoreszenzanregung?

Eine HBO Quecksilberdampflampe zur Fluoreszenzanregung gibt den Hauptteil ihrer Strahlungsenergie im UV-Bereich ab. (Ein Spektrum ist z.B. hier: http://www.microscopy.fsu.edu/primer/anatomy/sources.html. Zumindest Säugerzellen reagieren da empfindlich drauf (Stichwort Phototoxizität). Auch gute Fluoreszenzfilter, sogar spezielle UV-Blocking-Filter kriegen diese Riesenmenge UV-Licht nicht völlig aus dem System. Ich könnte mir vorstellen, dass die Algen mit ihren vielen Farbstoffen das erst recht nicht mögen. Zumindest sehen die Zellen auf dem letzten Bild ziemlich tot aus.
Wenn also die Algen nur bei Bestrahlung mit UV (Quecksilberdampflampe) nicht aber sonst (Halogenlampe) "fliehen" sollten, dann spricht das für UV-Schäden.

Was viele nicht wissen: Fluoreszenz lässt sich auch mit einer normalen 12 V Halogenlampe anregen. Natürlich nicht so gut, selbst bei voll aufgedrehter Lampe ist die Fluoreszenz nur vielleicht 1/3 so hell wie mit der Quecksilberdampflampe. Mit dem Auge wird es dann schon mal schwierig noch was zu sehen. Bei Objekten, die sich nicht schnell bewegen, lässt sich das aber in der Regel über längere Belichtungszeiten ausgleichen. Halogenlampen haben ein Spektrum, dass etwa der "Tungsten Lamp" bei obigem Link entspricht, emittieren also fast kein UV. Bei manchen Mikroskopen haben die Lampenhäuser für Quecksilber und Halogen kompatible Anschlüsse, so dass einem Test nur der Schraubenzieher im Weg steht.

Schöne Grüße

Steffen
Titel: Re: Goldalgen auf der Flucht?
Beitrag von: Wolfgang Bettighofer in März 24, 2009, 15:56:45 NACHMITTAGS
Hallo Mikrofreunde,

weil ich gerade zufällig reingucke:
a) Das Chlorophyll wird durch UV geschädigt
b) Ich habe selbst bei Beleuchtung mit einer Cree (XR-E 7090 R2, weiß, 242 Lumen) ein Verblassen des Chlorophylls bei einer Phacus-Zelle nach 25 Minuten Beobachtung mit der Immersion, 80/20-Fotostrahlenteiler und DIK erlebt. Seitdem lege ich auch bei weißen LEDs wieder mein Linos-UV-Filter ein.

Tschüß, Wolfgang
Titel: Re: Goldalgen auf der Flucht?
Beitrag von: Ole in März 24, 2009, 17:35:09 NACHMITTAGS
Hallo,
Zunächst vielen Dank für eure Anregungen! Mein erster Gedanke war ebenfalls, dass die UV-Strahlung der HBO100 den Algen zu schaffen macht. In dem Falle würde ich aber erwarten, dass der Effekt bei UV-Anregung stärker ist als bei Anregung mit größeren Wellenlängen (selbst wenn immer noch ein gewisser UV-Anteil das Filter passiert). Das war aber nicht der Fall (zumindest nicht in der kurzen Bestrahlungszeit). Trotzdem habe ich den Versuch noch einmal mit einer 100W Halogenbeleuchtung wiederholt (im Durchlicht). Zwar dauerte es spürbar länger (etwa 1-2min), aber auch in diesem Falle haben die Protoplasten ihren Becher verlassen.
Letztlich interessiert mich aber im Wesentlichen, ob die Algen wirklich aktiv aus dem Becher "flüchten" können oder ein passiver Effekt (z.B. während der Lyse) den Protoplasten aus dem Becher schiebt. Vielleicht hat ja schon einmal jemand hier von diesem Phänomen gehört.
Die Algen auf dem letzten Bild sind definitiv tot, das Chlorophyll ist zerstört und die Zellen sind auch lysiert.
Viele Grüße,
Ole