Liebe erfahrene Mikroskopiker,
der Titel könnte eine Frage sein. Selbstverständlich habe ich die Mikrofibel Seite 173 gelesen. Rezepte zur "richtigen" Säuberung, oder besser zu absolut fettfreien Deckgläsern zu kommen ist wohl eine Wissenschaft.
Wieso bekommt man mit
1. Alkohol - Äther 50/50
2. Alkohol - Ammoniak 70/30
3. Alkohol - Salzsäure 90/10
und ähnlichen Mischungen den letzten Fettfilm auf Deckgläsern nicht weg ???
Einzige Methode ist also wohl das Deckglas direkt vor der Verarbeitung durch eine Flamme zu ziehen ( ohne Ruß ).
In konz. HNO3 oder Chromschwefelsäure habe ich es noch nicht versucht, es soll laut Mikrofibel funktionieren. Ist es ein Versuch wert ?
Die Frage ist :
Wieso lösen die unter 1. - 3. genannten Gemische den Fettschleier nicht ?
Für Objektträger ist (3.) in einem großen Glas eine sehr gute Lösung. Nach 8 Tagen sind die Objektträger absolut sauber,
wenigstens was ich erkennen konnte.
Ich hoffe die vielen Chemiker hier im Forum haben eine Erklärung ;D
Schöne Grüße
Peter Höbel
Beitragsinhalt auf Wunsch des Autors gelöscht
Und wenn man diese Mixturen in einen Ultrason Reiniger gebrauchen würde? Dann abspülen mit Demi-Wasser und trocknen lassen. Als Optiker gebrauche ich das Gerät jeden Tag mit ein Wasser Amoniak Gemisch und die Brillengläser werden blitze blank! Für Säuren und Alkohol könnte man ein Becherglas, schwimmend im Wasser benutzen.
Schöne Grüsse, Albert
Hallo Herr Höbel,
an der Sache bin ich auch schon verzweifelt. Trotz aller Sorgfalt verbleiben nach dem Trocknen sowohl auf Objekt- als auch Deckgläsern immer Schlieren (Kalk?). Die sind ziemlich wischfest und das Entfernen hat nicht selten Kratzer zur Folge.
Gruß - E. Nowack
Seltsam, ich benutze zur Entfettung immer p. A. Ether, Aceton, Pentan und dergleichen und hatte noch nie solche Probleme.
Schlieren traten bei mir nur in Verbindung mit Baumarkt Alkohol auf....
Ansonsten sind meine Deckgläser (von Carl Roth) - frisch aus der Packung - absolut sauber und Sie recylcen die doch nicht etwa?
#Seltsam, ich benutze zur Entfettung immer p. A. Ether, Aceton, Pentan und dergleichen und hatte noch nie solche Probleme.#
Klar, das funktioniert. Aber für den Preis solcher Substanzen könnte man fast neue Gläser kaufen. Gibt es denn keine billigen Hausmittel, die auch so säubern können? Im alten Forum hatte ich mal Ultraschall-Reiniger in den Ring ge- und anschließend verworfen.
Gruß - E. Nowack
Allgemein halte ich die Anschaffung eines Ultraschallgerätes zum Reinigen von allem Möglichen für sinnvoll, kleine Geräte gibt es schon für 100 Euro, für 200 auch mit Heizfunktion.
Da löst sich so mancher Dreck ganz von alleine, oder eben einfach die gebrauchten Gläser wegwerfen, kostet ja nicht Welt.
Danke für die reichlichen Antworten !
Aber ........
es sind absolut neue Gläser, sehen sauber aus, keine Kratzer, keine Partikel.
Im Ultraschall könnte ich auch noch reinigen, aber es geht ja um einen extrem feinen Film von ???
Es ist also ein Witz, dass das einfache kurzzeitige Erhitzen über einer Alkoholflamme , Isoprop , ( nicht Brennspiritus , ich leiste mir den Luxus ) alle sonstigen Entfettungen absolut übertrifft.
Mag sein, dass es nur bei meinen teilweise kritischen Diatomeen Präparate solche Probleme gibt.
Grüße
Peter Höbel
Hallo Herr Höbel,
aus meiner beruflichen Praxis, wo es darum geht Kopplungsöle von Fiberoptiken für Slow Scan Kameras restlos von den Oberflächen der Fiebroptiken zu entfernen (bevor man sie wieder neu koppelt) hat sich folgendes Verfahren bewährt:
Vorreinigen mit Cyclohexan danach Behandlung mit Methanol oder Ethanol (am besten p. A.) um eventuelle Rückstände von Vergällungszusätzen zu vermeiden.
Bei den Fiberoptiken hat das immer wunderbar geklappt - bei Deckgläsern habe ich es (muss ich zu meiner Schande gestehen) noch nie ausprobiert.
Mit Fett- und Schlierenfreien Grüßen
Stephan Hiller
Zitat von: peter-h in März 25, 2009, 21:34:05 NACHMITTAGS
Aber ........
es sind absolut neue Gläser, sehen sauber aus, keine Kratzer, keine Partikel.
Im Ultraschall könnte ich auch noch reinigen, aber es geht ja um einen extrem feinen Film von ???
Hallo Herr Höbel,
das verstehe ich nicht wenn sie sauber aussehen, woher wissen sie dann, dass noch ein extrem feiner Film drauf ist ?
Ich nehme mal an es geht um das Benetzungsverhalten von Einbettmittel ? oder Wasser ? d.h. sie brauchen eine bestimmte gleichmässige
Oberflächeneigenschaft (hydrophil?).
Mit der Flamme hydrophylisieren sie sehr wahrscheinlich die Oberfläche. Aber wenn ich sie richtig verstanden habe, dann ist die Gefahr, dass die Flamme auch veschmutzt (Russ?) gross. In der Vorbehandlung technischer Substrate ist daher eine Plasmabehandlung als letzter Schritt vor dem Kleben oder Beschichten üblich. Aber es könnte auch mit UV - Licht funktionieren. Sie könnten ja mal versuchen die Deckgläschen mit ihrer 365 nm Diode zu bestrahlen aber wahrscheinlich sind 365 nm noch zu langwellig. Im Laborfachhandel gibt es Lichtplatten bzw. Lampen mit kurzwelligerem UV für solche Zwecke.
Viele Grüsse
Wilfried
Hallo Herr Hiller,
danke für den Hinweis. Ich will es auch einmal mit Chloroform versuchen, denn es soll auch gut fettlösend sein.
Aber !!!
Verblüffend ist es schon, dass es einfach reicht ein Deckglas durch die "saubere" Flamme zu ziehen und schon sind alle Probleme beseitigt.
Ich will jetzt auch nicht über andere Möglichkeiten wie Ionenätzen , "Beglimmmen" in Argon nachdenken ;) , wäre alles noch denkbar, denn ein Wasserfilm haftet ja sehr fest auf einem Glas. Da helfen keine Temperaturen von etwas über 100°C. Jedoch möchte ich nicht für meine Deckglasreinigung die Vakuumanlage anwerfen ::)
Fettfreie Grüße
Peter Höbel
Hallo Wilfried - hoffe das Du ist ok,
es geht tatsächlich NUR um die Benetzung der Oberfläche mit in bidest. Wasser oder Wasser + Isoprop und darin enthaltenen Diatomeen. Demnächst mal eine Mikroaufnahme des kleinen Tropfens.
Durch die sehr saubere Flamme habe ich bisher keine Rußpartikel gesehen.
Schöne Grüße
Peter
Hallo Peter,
natürlich geht das klar mit dem Du.
ich hab noch vergessen zu erwähnen, wie wir im Institut Glassubstrate vor dem Beschichten (Aufdampfen, Sputtern, PECVD)
reinigen.
Die früher übliche Reinigung mit Chromschwefelsäure ist schon lange durch einen Reinigungsschritt mit RBS oder BMD (stark alkalische Reiniger) esetzt.
Das sind Reiniger, die als Chromschwefesäureersatz zur Reinigung Chemischer Laborgläser Verwendung finden (Lieferant Fa. Roth). Anschliessend wird mehrmals in dest. Wasser gespült und mit Isoporpanol nachgereinigt. Das alles passiert bei 80° C im Ultraschallbad. Aus dem letzten Isopropanolbad wird abgespült und unter dem Infrarotstrahler getrocknet (kein Abwischen!). Das ganze passiert in in Haltern aus Teflon mit ca. 20 Substraten pro Halter die von Bad zu Bad eingetaucht werden. Dabei hängen die quqdratischen Substrate senkrecht im Halter mit einer Ecke nach unten, sodass der letzte Tropfen Isopropanol beim Ablaufen von der Oberfläche in dieser unteren Ecke sich sammelt und sehr schnell wegtrocknet.
viele Grüsse
Wilfried
P.S.: Neulich habe ich es endlich geschafft, das Amphipleura Präparat, das ich von Dir seinerzeit erhalten habe zu "knacken".
Ich brauchte dazu allerdings den Ölimergierten Kondensor 1.4 und das Zeiss Planapochromat 1,3 Öl und blaues Licht (Anregungsfilter aus meinem Fluorezenzkondensor im Lichtstrahlengang der Osram 4Chip Weisslichtdiode. Mit dem 2 fach Optovar konnte ich dann die 250 nm Strukturen sogar life ohne Kamera mit Bildaddierung sehen. Ich habe die Strukturen auch mit der Kompaktkamera fotografieren können, aber an die Qualität deiner Bilder reicht es bei weitem noch nicht heran.
Hallo,
von Chloroform würde ich in diesem Zusammenhang die Finger lassen, denn selbst p.a. ist "Hydrocarbon stabilized", d.h. enthält selbst wieder das, was man loswerden will.
Der Grund für die Stabilisierung ist die hohe Radikalbildung von hochreinem CHCl3 zu CCl3-Radikalen (die auch katalytisch die Leberschädigung auslösen, der zweite Grund für die Zurückhaltung bei CHCl3 ).
Grüße,
Wolfgang Prüfert
Hallo,
ist Alkohol nicht der völlig verkehrte Weg um Fett zu lösen?
Alkohol ist doch polar, Fett dagegen unpolar. Wenn Alkohol Fett löst, dann müsste auch Wasser Fett lösen.
In der Industrie gibt es sog. FORMENREINIGER (z.B. zum reinigen von Spritzgießwerkzeugen). Da hier oftmals absolut fettfreie Oberflächen nötig sind, leisten diese Reiniger erstaunliches. Ich hatte damit noch nie Probleme mit Fettfilmen auf Objektträgern.
Evtl. mal hier nachschauen.
http://www.distrelec.de/ishopWebFront/catalog/product.do/para/keywords/is/Formenreiniger/and/language/is/de/and/shop/is/DE/and/series/is/1/and/id/is/01/and/node/is/DC-92032.html;jsessionid=53E59B4346ED83EC0D38920B5A8B6321.chdist51
Ansonsten würde ich einfach Aceton empfehlen - das entfettet ja sogar die Haut.
Zum Thema Reinigen von Deckgläsern: sind die nicht eher Verbrauchsmaterial?
Viele Grüße
Holger
Zitat von: Holger Gerber in März 26, 2009, 04:06:47 VORMITTAG
Hallo,
ist Alkohol nicht der völlig verkehrte Weg um Fett zu lösen?
Alkohol ist doch polar, Fett dagegen unpolar. Wenn Alkohol Fett löst, dann müsste auch Wasser Fett lösen.
(snip)
Ansonsten würde ich einfach Aceton empfehlen - das entfettet ja sogar die Haut.
Aceton ist auch polar. Wegen seiner Carbonylgruppe. Wenn ich mich an meinen Chemie-Unterricht richtig erinnere ist der Trick bei Lösungsmitteln, dass sie sowohl polare als auch unpolare Gruppen haben, damit können sie sich an Fett und an Wasser anlagern.
Steffen
Hallo,
eben fällt mir ein, dass für die Entfernung kleiner Mengen organischer Materialien auf Glas im Labormaßstab gerne mal "Piranha-Lösung" (1 Teil Wasserstoffperoxid 30% auf 2-3 Teile konz. Schwefelsäure) verwendet wird.
Ein Kommilitone, der in den 90ern über die Kristallisation von Kalk auf Glasflächen promoviert hat, hat damit seine Objektträger gereinigt.
Gegenüber Chromschwefelsäure hat Piranha-Lösung den Vorteil, dass sie nach sehr starker Verdünnung komplett ungiftig wird, d.h. man kann mit den Überresten das Klo saubermachen und abspülen. Chromschwefelsäure ist und bleibt dagegen stark krebserregend und muss auch in kleinen Mengen als Sondermüll entsorgt werden.
Nachteil ist, dass sie nur kurze Halbwertszeit hat und immer frisch hergestellt werden muss.
Piranha-Lösung ist aber ein ziemliches Teufelszeug, das auch die meisten Laborhandschuhe rasch zerfrisst. Ich würde es nur verwenden, wenn gar nichts anderes hilft.
Grüße,
Wolfgang Prüfert
Vorsicht, Aceton und Piranha-Lösung vertragen sich nicht!
http://de.wikipedia.org/wiki/Piranha-L%C3%B6sung
ZitatWenn ich mich an meinen Chemie-Unterricht richtig erinnere ist der Trick bei Lösungsmitteln, dass sie sowohl polare als auch unpolare Gruppen haben, damit können sie sich an Fett und an Wasser anlagern
Das ist der Trick bei Tensiden. Der Trick bei lösungsmittel heißt: "Geliches löst Gleiches".
Von daher würde ich es nicht mit - noch halbwegs polaren - Verbindungen wie iPOH propieren sondern härtere Geschütze auffahren (Pentan, Hexan, Per, Tri, Tetra, Chloroform....).
Noch ein Hinweis zur Chrom-Schwefelsäure: Glasoberflächen neigen dazu größere Mengen Chrom(VI)-Ionen zu adsorbieren, auch noch nach mehrmaligem Waschen. Diese sind jedoch toxisch auf viele Lebewesen --> Wo noch was lebendes rein soll: keine Chrom-Schwefelsäure.
Hallo zusammen,
danke für die vielen Ratschläge. Piranha-Lösung wird auch gerne Knabberwasser genannt, was schon fast harmlos klingt ;D
Aber ich bleibe nun erst mal bei der gaaaaanz einfachen Methode und ziehe die neuen und sauberen Deckgläser kurz vor der Benutzung in 1 cm Abstand langsam über die Alkoholflamme - NICHT Spiritus !
Warum, wieso das so gut geht ? Aber ich fand den Hinweis auch an anderen Stellen. Ist jedenfalls einfacher, als neben dem Mikroskop auch noch H2SO4 in H2O2 einzurühren ;) , ein Prof. sagte mir ein Mischungsverhältnis von 1 : 1 , ist bestimmt unkritisch.
Wie das mit dem Aceton und anderen Substanzen ist kennen wir sicher gut nach den neuen Bestimmungen am Flughafen. :o
Blitzblanke Grüße
Peter Höbel
Liebe Mitmikroskopiker,
Das Thema ist zwar schon längst durch... Aber ich frage mich jetzt, ob die einfache Feuerreinigunbgsmethode auch tauglich ist, um Paraffinschnitte ohne Eiweiß per Adhäsion aufkleben zu können. Gibt es damit Erfahrungen? Und wenn mit Feuer? Sollte man dann wegen des Russes vorsichtigerweise die dem Feuer abgewandte Seite benutzen, oder doch besser die dem Feuer zugewandte?
Mikrogrüße
Jürgen Harst
Aber hallo!
Wie wahr, Deckgläser wären nun das letzte was ich reinigen würde!
Gruß
Wolfgang
Oh, ja , Du hast recht! Ich meinte natürlich hier die Objektträger. Ich suchte gestern nach einer einfachen Reinigungsmethode.. Natürlich habe ich Klaus Henkels Mikrofibel hierzu gelesen. Aber was mache ich gegen meine Faulheit? Bzw. meine Unlust, mich mit niederen Objektträgerputzarbeiten zu beschäftigen? Das hat mir Klaus Henkel dort nicht verraten. Ist ja auch eine Mikro und keine Psychofibel....
Reicht beim Objektträger ein Abflämmen auch, um die Eiweißglycerinklebe zu vermeiden und die Schnitte nur per Adhäsion aufkleben zu können?
Mikrogrüße
Jürgen Harst
Hallo,
auch ich benutze gerne Aceton und habe damit sehr gute Ergebnisse.
Gruß
Harald