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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: ImperatorRex in August 08, 2013, 21:55:45 NACHMITTAGS

Titel: Kondensor Frontlinse läßt sich nicht lösen
Beitrag von: ImperatorRex in August 08, 2013, 21:55:45 NACHMITTAGS
Guten Abend liebe Forummitglieder,
habe kürzlich einen Zeiss Revolver-Kondensor in der Bucht erworben. Es ist ein Kondensor mit der achr. apl. 1,4er Frontlinse zum "aufschrauben" auf die 0,32er Kondensorlinse.
Die Frontlinse sitzt so fest, dass sich diese nur mitsamt der 0,32er Linse rausdrehen läßt. Mit der Hand läßt sich die Frontlinse definitiv nicht abschrauben. Bevor ich jezt aber mit Rohrzange und anderem Geschütz rangehe:

- hat jemand diesbezüglich Erfahrungen? Bin nun am überlegen, einen kleinen Tropfen eines niedrig viskosen Öles am Sockel der Frontlinse auszubringen (z.B. Nähmaschinenöl)? Oder evtl. einen Korrosionslöser, der in die Gewindegänge "kriecht"? Gibt es was bewährtes, z.B. für Buntmetalle?

über Hinweise und Tipps würde ich mich sehr freuen,

viele Grüße
Jochen
Titel: Re: Kondensor Frontlinse läßt sich nicht lösen
Beitrag von: Gerd Schmahl in August 08, 2013, 22:17:41 NACHMITTAGS
Hallo Jochen,
natürlich will man das Zeug nicht auf den Linsen haben, aber wenn 's sein muss, setze ich sowohl  WD-40 als auch Ballistol ein, um solche Sachen gängig zu bekommen. Hinterher muss man natürlich ordentlich putzen... Aber warte mal noch ein wenig. Vielleicht hat noch jemand einen Geheimtipp, den ich nicht kenne und die Kriechöle sind immer ein wenig verpönt bei den Mikroskopmechanikern. Da wird bestimmt jemand rufen: "Niemals WD-40!"
Grüße
Gerd
Titel: Re: Kondensor Frontlinse läßt sich nicht lösen
Beitrag von: TPL in August 08, 2013, 22:19:12 NACHMITTAGS
Hallo Jochen,
meines Wissens gibt es eine frühe Varianten dieses Kondensors (V Z), bei dem die Frontlinse integrierter Bestandteil des Kondensoreinsatzes ist. Die haben dann keinen gerändelten Rand. Drehst Du die aus der (großen) Fassung, dann ist nachher deren Gewinde durch die Zentrierschrauben zerkratzt.

Wenn es nicht dieser Fall ist (was ich Dir wünsche), dann würde ich statt Nämaschinenöl WD-40 nehmen. Natürlich nirgend hinsprühen, sondern draußen in ein Einmachglas abfüllen und dann sehr zurückhaltend mit einem feinen Pinsel auftragen, und auftragen, und auftragen, auftragen.... ;).

Viel Erfolg
Thomas
Titel: Re: Kondensor Frontlinse läßt sich nicht lösen
Beitrag von: Hugo Halfmann in August 08, 2013, 22:27:25 NACHMITTAGS
Hallo Jochen und Gerd,

ich hab da so eine Vermutung: Die Linsen wurden erfolgreich mit Immersionsöl verklebt. Ist an anderen Stellen des Kondensors denn erkennbar, ob da in der Vergangenheit mit Immersionsöl ´rumgepanscht wurde ?
Ich hatte mal einen Kondensor mitgekauft, der war regelrecht von einer Kruste aus altem Öl und Dreck überzogen, es hat Wochen gedauert, bis alles auseinander war. Wenn die beiden Linsen nur zusammen abgehen, leg´ sie in Waschbenzin ein. Ein längerer Aufenthalt auf der warmen Heizung kann auch hilfreich sein. Zum Auseinanderschrauben benutze ich für solche Sachen eine mit Plastikschlauch armierte Syphonzange.
Ein Foto wäre für weitere Tipps hilfreich !
Titel: Re: Kondensor Frontlinse läßt sich nicht lösen
Beitrag von: Jürgen Boschert in August 08, 2013, 22:30:27 NACHMITTAGS
Hallo zusammen,

gerade bei dem aplanatischen Kondensor sollte man mit Kriechöl seeeehr vorsichtig sein. Der abschraubbare Kopf 1,4 ist ein komplexes, mehrgliedriges System, das intern nicht abgedichtet ist zwischen den einzelnen Gliedern. Aus demselben Grund bitte keine Rohrzange benutzen.

Beste Grüße !

JB
Titel: Re: Kondensor Frontlinse läßt sich nicht lösen
Beitrag von: Nomarski in August 08, 2013, 22:44:38 NACHMITTAGS
Guten Abend,

aufgrund der noch nicht hinreichend geklärten Sachlage ist es leider noch nicht möglich, konkrete Tipps für die Vorgehensweise zur Lösung des vorliegenden Problems zu geben.

VG
Bernd
Titel: Re: Kondensor Frontlinse läßt sich nicht lösen
Beitrag von: ImperatorRex in August 08, 2013, 23:45:27 NACHMITTAGS
Vielen Dank für das zahlreiche und prompte Feedback. Thomas und Gerd -  dann werde ich am Wocheende mal nach WD-40 ausschau halten. Danke für den Hinweis - werde das Mittel nur minimalen dosiert und gezielt einsetzten. 
Ich gebe zu, ich war mit meinen Angaben mal wieder zu sparsam und ich habe damit Tür und Tor für Vermutungen geöffnet - Bernd Du hast es mal wieder auf den Punkt gebracht  ;)

Danke Thomas dass Du trotz Deines anstehenden Umzuges Zeit gefunden hast zu Antworten: Es handelt sich bei dem kürzlich erworbenen Kondensor um einen Zeiss Inko Kondensor für das "neuere" DIK (465285). Also mit der gerändelten Frontlinse, so ähnlich wie bei dem Kondensor den ich mal von Dir erstanden habe (und der mir auch noch immer gute Dienste leistet).

Foto geht momentan nicht - die Akkus müssen erst geladen werden. Aber um es vorweg zu nehmen Hugo: ich konnte keine Anzeichen für Immersions-Ölreste finden. Alles soweit sauber, leichtgängig und ansonsten auch nicht verklebt...nur die Frontlinse ist halt wie festgebacken. Wieso die so fest sitzt - keine Ahnung. Vielleicht hat die richtig gefressen?

Werde aber natürlich Fotos nachliefern.

viele Grüße
Jochen
Titel: Re: Kondensor Frontlinse läßt sich nicht lösen
Beitrag von: Klaus Herrmann in August 08, 2013, 23:49:18 NACHMITTAGS
Hallo Jochen,

der Hinweis von Jürgen ist Ernst zu nehmen: die 1,4er Linse ist auf jeden Fall ein Duplett. Ich habe eine, da ist der obere Teil abnehmbar! >:(
Titel: Re: Kondensor Frontlinse läßt sich nicht lösen
Beitrag von: Nomarski in August 09, 2013, 00:09:03 VORMITTAG
Hallo Jochen,

ZitatEs handelt sich bei dem kürzlich erworbenen Kondensor um einen Zeiss Inko Kondensor für das "neuere" DIK (465285).
demnach handelt es sich also um spannungsfreie Optik, so daß vom Einsatz der Rohrzange sowieso abzuraten wäre.
Mit dem Abschrauben der Frontlinse hatte ich eigentlich noch nie Probleme, nur mit dem Herausdrehen der Basisoptik aus dem Fassungsring, der über drei Madenschrauben zentriert wird. Daß das Gewinde der Frontlinse gefressen hat, glaube ich weniger. Entweder hat die jemand zu fest draufgedreht oder es ist etwas Immersionsöl in den Spalt gelangt. Du solltest deine Akkus also erstmal laden und es morgen mit erneuter Kraft versuchen.

Viele Grüße
Bernd
Titel: Re: Kondensor Frontlinse läßt sich nicht lösen
Beitrag von: purkinje in August 09, 2013, 10:54:35 VORMITTAG
Hallo,
für festgebackene Gewinde verwende ich durchaus WD40 oder Caramba: aber ich sprühe es in ein Tropffläschchen oder kl Becherglas, lasse es 1 Tag entgasen ! da es sonst aus Pipetten oder Tropffläschchen schießen kann und bringe es in wahrhaften Mikrodosen auf. Immer Wattestäbchen zum notfallmäßigen Entfernen parat liegend. Nach 1 Tag wiederholen , händisch versuchen aufzudrehen , wiederholen etc.
Deinen Kondensor kenne ich jedoch nicht, weshalb vor minimalinvasiver Ölung, der Dir angebotene Rat von berufener Seite (nach Foto) besser abzuwarten wäre.. ;)
Ich hatte mal hier ein ähnliches Problem mit der Schraubfassung einer Augenmuschel an einem Leitz GF Okular gepostet, am 2- Tag nach minimaler Ölung ließ es sich ohne Probleme aufschrauben.
Titel: Re: Kondensor Frontlinse läßt sich nicht lösen
Beitrag von: ImperatorRex in August 09, 2013, 20:31:15 NACHMITTAGS
Hallo,
hier noch die Aufnahmen von dem Kondensor - die Frontlinsen-Optik ist rausgeschraubt:

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/130929_52439269.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/130929_61204789.jpg)

Auf den Fotos sieht es immer schlimmer aus als in Wirklichkeit. Habe mir die Details auch mit der Lupe angeschaut, es gibt da möglicherweise etwas Korrosion am Gewindeansatz der Frontlinse, aber alles eigentlich nicht wirklich auffällig.

Dann werde ich Morgen mal das WD40 besorgen und es ganz langsam und behutsam angehen.

Vielen Dank nochmals für all die hilfreichen Hinweise. Ich werde berichten...

viele Grüße
Jochen
Titel: Re: Kondensor Frontlinse läßt sich nicht lösen
Beitrag von: Nomarski in August 09, 2013, 20:41:59 NACHMITTAGS
Hallo Jochen,

zu was mußt du denn die Frontlinse abschrauben können? Der DIC und der Phasenkontrast würde dann ohnehin nicht funktionieren, weil er mit Frontlinse bemessen ist.

Viele Grüße
Bernd
Titel: Re: Kondensor Frontlinse läßt sich nicht lösen
Beitrag von: JB in August 09, 2013, 21:22:26 NACHMITTAGS
Hallo,

Das ist bei meinem Kondensor auch so. Man kann nur die gesamte Baugruppe herausdrehen, weil die Frontlinse fest sitzt.

Letztlich habe ich es so gelassen. Bevor ich mir die teure, spannungsfreie Optik mit Waerme, Druck oder Chemikalien beschaedige...! Abschrauben muss man die Frontlinse fast nie.

Jon


"Each generation imagines itself to be more intelligent than the one that went before it, and wiser than the one that comes after it."
Titel: Re: Kondensor Frontlinse läßt sich nicht lösen
Beitrag von: ImperatorRex in August 09, 2013, 21:45:43 NACHMITTAGS
Hallo Jon & Bernd,
wenn die Frontlinse auf die homöopatische Behandling mit "WB-40" nicht anspricht, lasse ich die Frontlinse dran. Da habt Ihr sicherlich recht, mit der festen Frontlinse läßte es sich auch ganz gut Leben.
Den Kondensor möchte ich künftig am Zeiss Universal betreiben, da ist der Abstand der Frontlinse zum Präparat ja kein Thema.
Bei dem IM35 habe ich aber auch mit anderen Frontlinsen (0,63er und 0,9er) ganz gute DIC Resultate erzielt (dabei kommen dann ganz seltsame Kombination zustande: z.B. Prisma II mit folgenden Kombinationen: Planapo 25 mit dem 40er Schieber / Plan 40 mit 16er Schieber / Plan 16 mit 6,3er Schieber).

Viele Grüße
Jochen
Titel: Re: Kondensor Frontlinse läßt sich nicht lösen
Beitrag von: Klaus Herrmann in August 09, 2013, 21:47:08 NACHMITTAGS
Lieber Jochen,

damit dein Leben leichter wird noch eine Meinung zu : Machen, lassen, warten, hoffen...
Das würde mich aber sehr wundern, wenn das sich nicht abschrauben ließe: WD 40 in die Fuge pinseln ein paar Stunden warten und beide Hälften mit gummierten Werkzeugen packen und aufschrauben. Wenn nicht schick sie mir, wenn ich versage bekommst du meine heile! :)
Titel: Re: Kondensor Frontlinse läßt sich nicht lösen
Beitrag von: Nomarski in August 09, 2013, 22:49:17 NACHMITTAGS
Und der Klaus hat sogar noch viel Schönere, wo die Gravur noch schön weiß strahlt. Hier ist vom Nikotin schon alles braun.
Titel: Re: Kondensor Frontlinse läßt sich nicht lösen
Beitrag von: Klaus Herrmann in August 09, 2013, 22:57:18 NACHMITTAGS
Zitatwo die Gravur noch schön weiß strahlt
Ich färb die immer um mit Nagellack von meiner Frau, so schön rot waren die nie!
Titel: Re: Kondensor Frontlinse läßt sich nicht lösen
Beitrag von: Alfons Renz in August 10, 2013, 08:29:21 VORMITTAG
Also, lieber Jochen: Eile mit Weile!

Die doppelte Angabe auf dem Linsensystem: Apertur 0,32 und 1,4 ist ein deutlicher Hinweis auf die Verwendung mit und ohne die obere Frontlinse. Das System muss sich demnach zerlegen lassen.

Vom Einsatz von Zangen, auch gummibewehrten, würde ich - aus eigener Erfahrung - eher abraten. Allenfalls Holzzangen im "Nussknackertyp" mit genau passender Bohrung der entsprechenden Durchmesser, ev. mit Lederbewahrung der Backen. Man könnte sich diese auf festem (Buchen-)Holz selbst herstellen, in dem man zunächst die Bohrung - oder mehrere Bohrungen in Reihe - im passenden Durchmesser in ein Holzscheit bohrt, dieses dann halbiert und an einem Ende dann mit einem Scharnier verbindet. Eine solche Zange habe ich bei einem sehr erfahrenen Service-Techniker bewundert, mir aber nie die Zeit genommen, eine selbst zu bauen.

Denn es geht auch viel einfacher und sorgsamer. Und: Bei allen Zangen ist das Hebelmoment für den Laien schwer zu kontrollieren. Irgendwann rutschen sie immer ab - oder man dreht dem Teil den Kragen ab.

Am besten bewährt haben sich - nach meiner Erfahrung - lange Gummibänder in variabler Dicke von ca. 5 bis 15 mm, die man sich aus einem Fahrrad- oder Autoreifen zuschneidet. Unter Spannung (=> richtige Aufdrehrichtung beachten) so oft um die zu trennenden Teile wickeln, bis man - durch Vergrößerung des Radius - einen guten Griff hat. Etwas Wärme - bei Verharzungen - und/oder Kriechöl bei Korrosion erleichtern die Trennung. Solange man nur von Hand dreht, ist die Gefahr einer mechaninschen Überbelastung eher gering.

Aber vor allem: Geduld, nichts überhasten. Wärme (bei Optiken nicht mehr als ca. 45 °C) und ggf. sparsam aufgetrageens Kriechöl bewirken Wunder, brauchen aber ihre Zeit.

Viel Erfolg!

Alfons

p.s.: Eben hab ich es getestet: Auch bei meinem Inco-Kondensor lässt sich die 1,4-Linse ganz leicht abschrauben.
Titel: Re: Kondensor Frontlinse läßt sich nicht lösen
Beitrag von: Klaus Herrmann in August 10, 2013, 10:13:47 VORMITTAG
Hallo liebe Schrauber,

Alfons hat es schon gesagt: "no net hudle" Oder "eile mit Weile"
Nach wie vor würde ich WD 40 liebevoll einpinseln, warten und nochmal einpinseln. Danach erst schrauben. Ich habe einen Schraubstock mit Kunststoff-Klemmbacken. Einklemmen und die andere Hälfte mit einem der beiden Schlingen-Helfer packen. Wenn man die Frau zum Gegenhalten braucht, telefoniert sie ja sicher kurz mit ihrer Freundin, dafür ist der Schraubstock da! ;D

Das geniale Nußknackerwerkzeug könnte Johannes mal in Serie herstellen, ich kenne es auch nur vom Zuschauen bei einem Zeisstechniker.

Aber es gibt auch käufliche: Die "Boa constrictor", hab ich aus dem Baumarkt. Das schöne kleine mit dem Metallband "Martin Germany" 23-964-10
hab ich vom Flohmarkt.

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/130946_25862359.jpg) (http://s106.photobucket.com/user/microklaus/media/Mikropraeparate%202012/Micropaeparate_2013/IMG_0005_zpsbca9284c.jpg.html)
Titel: Re: Kondensor Frontlinse läßt sich nicht lösen
Beitrag von: Nomarski in August 10, 2013, 11:34:24 VORMITTAG
Uiii, jetzt kommen wieder die ganzen Strangulatoren, die ich hinterher wieder flicken darf. ::) Den Gelben kenne ich ja noch gar nicht...
Mönsch, dabei müßt ihr alle doch nur besser frühstücken! ;D
Titel: Re: Kondensor Frontlinse läßt sich nicht lösen
Beitrag von: -JS- in August 10, 2013, 13:47:58 NACHMITTAGS
Lieber Jochen,

nachdem Bernd so nette Worte zu den Herrmannschen 'Strangulatoren' gefunden hat, möchte ich auch mal meine Methode für derartige hartnäckige Fälle zum Besten geben,
Als erstes - das wurde ja schon angesprochen - träufelst Du (wenig !) WD40 in den Spalt zwischen der Kopflinse n.A. 1.4 und der Fassung für die Linse n.A. 0.32. Anschließend drehst Du die Einheit um und stellst sie auf die kleinere Linse, damit das Kriechöl auch schön seinen Weg in das Gewinde nehmen kann. Das kann in der Tat Tage dauern, und hierfür ist auch die meiste Kunst des Abwartens notwendig.

Nun brauchst Du zwei Fensterlederstreifen, etwa 1cm hoch und 30 cm lang, sowie zwei Schlauchschellen (Metall, die Ausführung mit einer Sechskantkopfschraube zum Spannen) mit Maximaldurchmesser 40 - 45 mm.
Der erste Lederstreifen wird befeuchtet und im Uhrzeigersinn sauber um die Fassung mit der Linse n.A. 1.4 gewickelt, anschließend wird die erste Schelle darüber gestülpt und moderat, aber dennoch gut festgezogen.
Gleiches Vorgehen mit Lederstreifen und Schelle bei der Fassung für die Linse n.A: 0.32, wobei auf einen Abstand von ca. 1-2 mm zwischen beiden Schlauchschellen zu achten ist.

Eine der beiden Schellen wird nun in einen mit Plastikschutzbacken versehenen Schraubstock eingespannt, dabei wird die Spannschraube der Schelle als Widerlager nach vorn positioniert.

Nun wird die zweite mit Lederband und Schelle versehene Fassung mittels passender weitmauliger Zange, einem alten Windeisen oder einer sog. Connectorzange von Hazet ebenfalls unter Nutzung der Schellenspannschraube als Widerlager vorsichtig unter gleichförmigem Druck versucht, zu lösen.
Eine Holzzange, wie Alfons sie bereits beschrieben hat, kann hierzu auch sehr empfohlen werden.

Das Geräusch des nachgebenden Gewindes kann durchaus sehr erleichternd sein...
Wenn es aber nicht funktioniert: Rückbau, Einsatz von WD 40....und Geduld....

Viele Grüße
Joachim
Titel: Re: Kondensor Frontlinse läßt sich nicht lösen
Beitrag von: ImperatorRex in August 10, 2013, 18:53:50 NACHMITTAGS
Hallo,
inspiriert von all den guten Ideen und Vorschlägen (danke insbesondere an Joachim, Klaus und Alfons) habe ich mich auf den Weg ins Bauhaus gemacht:
WB-40 und ein Lochband landeten in meinen Einkaufskorb. Mit Alfons Idee "Fahrradschlauch" habe ich mir dann folgendes gebastelt:

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/130969_58820591.jpg)   

Ein bischen WB40 mit Watte umwickeltem Zahnstocher aufgebracht..und eine Stunde gewartet:

Dann das Stückchen Fahrradschlauch und den Abzieher aufgesetzt:

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/130969_28878227.jpg)

Es hat tatsächlich funktioniert. Es wahr wohl etwas Grünspan der die Frontlinse schwergängig machte.

Jezt kann ich beruhigt den Grill anschmeissen...soeben hat der erste Gast geklingelt. Muss jetzt Schluss machen. Melde mich aber Morgen nochmals ausführlicher.

Viele Grüße
Jochen
Titel: Re: Kondensor Frontlinse läßt sich nicht lösen
Beitrag von: Klaus Herrmann in August 10, 2013, 19:51:05 NACHMITTAGS
Hallo Jochen,

super!

Du bist Schwabe mit schottischen Wurzel - alle Achtung! ;D
Titel: Re: Kondensor Frontlinse läßt sich nicht lösen
Beitrag von: Nomarski in August 10, 2013, 23:43:17 NACHMITTAGS
Nun mag die Frontlinse zwar abgeschraubt sein, dafür haben wir jetzt Kratzer auf der Linse der Basisoptik, weil man die nicht so auf den Tisch hinstellen sollte, da der Linsenscheitel nicht geschützt ist.
Titel: Re: Kondensor Frontlinse läßt sich nicht lösen
Beitrag von: Gerd Schmahl in August 11, 2013, 12:39:22 NACHMITTAGS
Hallo,
hier gibt es einen schönen "Strangulator" für wenig Geld:

http://flashkatalog.louis.de/Katalog/2013/

Die Seite 890 im Katalog anwählen, Nr. 2 auf der Seite: Ölfilterschlüssel mit Stahlband.

Manchmal ist es hilfreich, wenn man eine Motaradschrauberin zur Frau hat. Da gibt es doch gewisse Schnittmengen im Werkzeugkasten, die auch dem Mikroskopschrauber nützlich sein können...

Grüße
Gerd
Titel: Re: Kondensor Frontlinse läßt sich nicht lösen
Beitrag von: ImperatorRex in August 11, 2013, 13:27:06 NACHMITTAGS
Hallo Klaus

Du bist Schwabe mit schottischen Wurzel - alle Achtung!

zu den schottischen Wurzeln muß ich erst noch genauer rechergieren, aber wäre ich Schwabe, so hätte ich mir das WB-40 gespart und stattdessen mit dem Diesel aus meine alten Lanz-Traktor und ein paar Tropfen Benzin dasselbige hergestellt.   ;)

Hallo Bernd,

dafür haben wir jetzt Kratzer auf der Linse der Basisoptik, weil man die nicht so auf den Tisch hinstellen sollte, da der Linsenscheitel nicht geschützt ist.

bevor ich das Foto gemacht habe, habe tatsächlich kurz darüber nachgedacht, ob der Linsenscheitel aufliegen könnte. Naja jedenfalls habe ich Linse nicht hin und her bewegt und darauf vertraut, dass da noch das eine oder andere mü zwischen Gewinderand und Linsenscheitel ist.
Unter dem Stereomikroskop betrachtet, hat die Linse auch keinen sichtbaren Schaden davon getragen. Wahrscheinlich habe ich halt mehr Glück als Verstand gehabt.

Joachim, danke für die ausführliche Beschreibung Deiner Selbstbaulösung mit den Schlauchschellen. Ich meine, das hat auch etwas! Es zeigt, dass man mit wirklich einfachen Mitteln zweckmaßige Werkzeuge herstellen kann. Der eine oder andere wird darüber schmunzeln, aber viele Wege führen ja zum Ziel. Und ich muß ja nicht jeden Tag einen festsitzende Kondensor-Frontlinse entfernen.

viele Grüße

Jochen
Titel: Re: Kondensor Frontlinse läßt sich nicht lösen
Beitrag von: Johannes Kropiunig in August 12, 2013, 19:47:30 NACHMITTAGS
Hallo,

nachdem irgendwo mittendrin mein Name gefallen ist, mische ich mich noch schnell ein.
Da ich eigentlich selbst Nüsse mit den Händen knacke, habe ich über ein solches Werkzeug noch nicht nachgedacht, aber in der Mittagspause fiel mir dieser Beitrag ein und habe schnell etwas gebastelt.

Ist in etwa so etwas das gesuchte Werkzeug?
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/131066_30948112.jpg) (http://s1116.photobucket.com/user/Googol1972/media/IMG_0022_zps6b9cb0a0.jpg.html)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/131066_4229457.jpg) (http://s1116.photobucket.com/user/Googol1972/media/IMG_0025_zpsb1f019de.jpg.html)

Allerdings habe bei diesem Modell nur ein kleines Reststück aus der Brennholzkiste verwendet, denkbar wäre natürlich auch ein Holzgriff und mehrere Bohrungen mit verschiedene Durchmesser.
Sollte Interesse bestehen einfach eine PN, wenn ein paar zusammenkommen Plane ich ein besseres Modell und dann sehen wir weiter.  ;)

Viele Grüße,
Johannes
Titel: Re: Kondensor Frontlinse läßt sich nicht lösen
Beitrag von: Nomarski in August 12, 2013, 22:49:05 NACHMITTAGS
Hallo Johannes,

das ist zwar ein Super-Werkzeug, aber damit kommst du nun leider reichlich spät, da die Frontlinse eben schon nachgegeben hat. Aber vielleicht hast du etwas für den umgekehrten Fall, wobei von innen nach Außen gedrückt werden muß: Ich habe da so ein Okular bekommen, wo die Linsen zwecks Säuberung ausgebaut werden sollen. Die Schlitzmutter, die die Linsen am Rausfallen hindert, ist nun schon herausgeschraubt worden, aber nun wollen die Linsen nicht rauskommen. ::)

Viele Grüße
Bernd
Titel: Re: Kondensor Frontlinse läßt sich nicht lösen
Beitrag von: Eckhard F. H. in August 12, 2013, 22:52:39 NACHMITTAGS
ZitatIst in etwa so etwas das gesuchte Werkzeug?
Hallo Johannes,
Dein Modell ist konstruktiv zweckmäßig, elegant und sehr schnucklich. Aber rein von meinem Mechanikergefühl her würde es wahrscheinlich den ersten Praxistest mit einem widerborstigen Objekt nicht erfolgreich absolvieren. Wahrscheinlich würde es senktrecht zum Drehpunkt ´durchreißen´.  Ich habe in der Vergangenheit etliche Nußknacker (Metall) in Anwandlung von Zorn und Empörung aus ähnlichem Grund, garniert mit üblen Worten, spontan und mit Schwung dem runden Ordner übereignet.
Gruß - EFH
Titel: Re: Kondensor Frontlinse läßt sich nicht lösen
Beitrag von: Johannes Kropiunig in August 13, 2013, 05:43:32 VORMITTAG
Hallo Bernd,

vielleicht könnte man einer kleinen Einwegspritze vorne das Zipferl abschneiden und statt dessen eine Gummidichtung ankleben.
Okular einspannen, Dichtung an die Linse ansetzte, mit der Spritze Unterdruck erzeugen und ziehen.
Ist zwar nur eine schnelle frühe Morgen-Idee, aber bei der Geburtshilfe funktioniert so etwas Ähnliches und Scheitel ist Scheitel, ob von einer Linse oder einen Kindeskopf sollte eigentlich Egal sein.  ;)
Nachtrag: Der Unterdruck eine Einwegspritze wird wohl nicht reichen, eben probiert, das Prinzip könnte aber klappen.

Hallo Eckhard,

mir ist klar das diese Konstruktion Mängel aufweist, genau genommen sind es die Bohrungen für die Griffe, die das Material sehr schwächen und auch das Gelenk lies sich sicher besser machen.
Das Ding ist eben auf die Schnelle in der Mittagspause ohne jegliche Planung entstanden und da sich eh noch niemand gemeldet hat, werde ich mir das auch ersparen dürfen.

Viele Grüße,
Johannes
Titel: Re: Kondensor Frontlinse läßt sich nicht lösen
Beitrag von: Nomarski in August 13, 2013, 09:23:49 VORMITTAG
Hallo Johannes,

es handelt sich um ein KPL 10x für Brillenträger. Vakuum braucht man nicht, da man durch leichten Druck auf die Augenlinse das ganze Paket nach unten herausdrücken kann, eigentlich fallen die Linsen schon von alleine heraus. Nun habe ich aber schon einigen Druck ausgeübt, ohne daß sich etwas getan hat.
Zwar könnte ich es noch mit der hydraulischen Presse versuchen, aber die Linsen sollten eigentlich heile bleiben. ;D
Ich vermute, daß da Nachverkittung im Spiel war, ohne daß dieser vom Linsenrand entfernt wurde, und die Linsen nun wie eingeklebt sind.

Viele Grüße
Bernd
Titel: Re: Kondensor Frontlinse läßt sich nicht lösen
Beitrag von: Klaus Herrmann in August 13, 2013, 22:48:17 NACHMITTAGS
Vielen Dank Johannes,

dass du die Idee aufgegriffen hast. Der Prototyp ist noch zu klobig und das Holz sollte ein Tropen-Hartholz sein, oder eine HDF-Platte.

Ich reiche eine Skizze nach, wie es aussehen könnte. Die Bohrungsdurchmesser muss ich noch bestimmen. Das Scharnier sollte aus Metall sein.
Titel: Re: Kondensor Frontlinse läßt sich nicht lösen
Beitrag von: Johannes Kropiunig in August 14, 2013, 20:26:10 NACHMITTAGS
Hallo Klaus,

Tropenholz verwende ich wenn es sich vermeiden lässt nicht, schon gar kein Hartholz, welches länger zum Nachwachsen benötigt.
HDF-Platten wären eine Möglichkeit, allerdings sind sie meine Meinung nach hässlich und bestehen mehr aus Klebstoff den aus Holz, ein Werkzeug aus diesem Material wäre also eine Themenverfehlung. 
Birken-Sperrholz ist Ideal, es bricht nicht so leicht wie normales Holz, und es sieht besser aus als der dunkelbraune, heiß gepresste Matsch namens HDF-Platte, da hilft auch kein nörgeln.  ;D

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/131215_63550520.jpg) (http://s1116.photobucket.com/user/Googol1972/media/IMG_0033_zpse8d21045.jpg.html)
Abmessungen 180x65x18mm, Bohrungen 35mm, 30mm und 25mm

Um dich zu Sperrholz zu bekehren, sende ich dir Freitag eines davon zu, damit bekommst du übrigens auch jedes Fläschchen auf.  ;)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/131215_2559032.jpg)

Viele Grüße,
Johannes
Titel: Re: Kondensor Frontlinse läßt sich nicht lösen
Beitrag von: Klaus Herrmann in August 14, 2013, 22:13:19 NACHMITTAGS
Hallo Johannes,

klar du liebst Holz. Aber das Hartholz aus den Tropen ist aus der Plantage. Für das Birkensperrholz müssen auch die schönen schlanken Birken ins Tundragras beißen! ;)

Und für HDF verwendet man Holzabfälle. Absolut Recourcen-schonend! Und das Zeug ist homogen und sehr stabil!

Sind die Scharniere Holzstifte? Die sollten auf jeden Fall aus Metall sein!

Bin sehr gespannt!

Herzlich

Klaus
Titel: Re: Kondensor Frontlinse läßt sich nicht lösen
Beitrag von: Nomarski in August 15, 2013, 08:40:04 VORMITTAG
Hallo Klaus,

ZitatSind die Scharniere Holzstifte? Die sollten auf jeden Fall aus Metall sein!

was hast du gegen Holz? Es gibt stabile Holzkonstruktionen wie z.B. Fachwerkhäuser oder Brücken, wo kein Metall dran ist. Das kann ggf. bloß rosten. :D
Und sollten die Scharniere tatsächlich mal für die Tonne sein, dann kannst du das, was du versucht hast zu lösen, meist gleich dazutun.
Titel: Re: Kondensor Frontlinse läßt sich nicht lösen
Beitrag von: Johannes Kropiunig in August 15, 2013, 09:11:11 VORMITTAG
Hallo,

die Stifte sind 8mm Buchendübel, wenn die unter der Querbelastung zerbersten, wäre wohl eine gute Rohrzange das Werkzeug der Wahl gewesen.  ;)
Die Zangenfunktion ist auch eher sekundär, primär geht es um die besser Griffigkeit und die Erhöhung des Durchmessers des zu drehenden Objektes.

Viele Grüße,
Johannes

Titel: Re: Kondensor Frontlinse läßt sich nicht lösen
Beitrag von: Eckhard F. H. in August 15, 2013, 11:02:23 VORMITTAG
ZitatDie Zangenfunktion ist auch eher sekundär, primär geht es um die besser Griffigkeit und die Erhöhung des Durchmessers des zu drehenden Objektes

Überzeugende Argumentation, lieber Hannes. Zudem ist fraglich, was bei Überlast zuerst ´bersten´ würde. Die Stifte (Druck + Scherung, kein Zug) vermutlich nicht.
Gruß - EFH