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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: felix in September 07, 2013, 17:37:58 NACHMITTAGS

Titel: Rätselhaftes Objektiv
Beitrag von: felix in September 07, 2013, 17:37:58 NACHMITTAGS
Hallo liebe Gerätekenner,

mir ist heute in einer meiner Kiste wieder ein "Objektive" in die Hände gefallen, dessen Funktion mir völlig unbekannt ist. Vielleicht kann jemand etwas dazu sagen.  Hier einige Bilder:

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/133026_19598821.jpg)

(Bitte um Vergebung für die edle Unschärfe: Sind halt nur Händi-Bilder). Kurze Erläuterung:

War eine Zugabe zu einem Zeiss Standard. Das Obj. hat ein normales RMS-Gewinde und ist aus Alu gedreht, keine Beschriftung. Es besteht aus zwei ineinander geschobenen Zylindern. Der innere Zylinder ist an einer Feder elastisch aufgehängt und läßt sich leichtgängig knapp einen cm in Richtung Objektträger (!) ausziehen (2: hier mit einem Schraubenzieher kurz festgehalten). Die Schraube (1) führt und stoppt nur den inneren Zylinder und hat sonst offenbar keine Funktion. OT-seitig ist der innere Zylinder mit einer recht dicken, konischen Hartgummikappe (3) versehen (so, daß er offenbar ohne Schaden beim Ausziehen auf etwas aufsetzen kann). Was mag das bloß sein  ???

fragt sich felix
Titel: Re: Rätselhaftes Objektiv
Beitrag von: TPL in September 07, 2013, 18:12:13 NACHMITTAGS
Hallo Felix,

die Bauform ähnelt in manchen Aspekten denen der stärkeren Zeiss-Winkel-Pol-Objektive (25, 40, 50). Diese haben allerdings zwei Exzenter-Hülsen um den federgespannten Optik-Tubus herum. Die äußere Exzenterhülse, die mit ihrem Rändelring gleichzeitig alle drei Teile beieinander hält, scheint hier zu fehlen.

Dass im Falle Deines Exemplares nicht nur der innere Optik-Tubus, sondern auch die äußere Fassung beweglich, und mit der gleichen Feder gespannt zu sein scheint, könnte damit zusanmmen hängen, dass die Pol-Objektven typische äußerste Hülse hier fehlt. Wozu die bei Deinem Exemlar äußere Hülse dann aber dient, ist mir unklar. Ist sie drehbar?

Die Hartgummikappe ist mir gänzlich unbekannt. Wozu könnte man das gemacht haben? Vielleicht, um das Objektiv resistent gegen aggressive Flüssigkeiten zu machen? Ich weiß es nicht, könnte mir aber vorstellen, dass dies auch die Wahl des (günstigen) Fassungsmetalls erklären könnte.

Interessierte Grüße
Thomas

Titel: Re: Rätselhaftes Objektiv
Beitrag von: Jürgen Boschert in September 07, 2013, 18:42:27 NACHMITTAGS
HalloThomas,

könnte das ein Objektmarkierer sein? Dann müsste es irgendwo eine Möglichkeit zum Einfüllen von Tusche / Farbe geben.

Titel: Re: Rätselhaftes Objektiv
Beitrag von: felix in September 07, 2013, 19:51:43 NACHMITTAGS
Hallo Jürgen,

danke, aber leider kein Treffer. Es ist sicher kein Objektmarkierer.

-- felix
Titel: Re: Rätselhaftes Objektiv
Beitrag von: felix in September 07, 2013, 21:30:36 NACHMITTAGS
Hallo Thomas,

Pol? Das "Objektiv" kam mit einem Standard 16, das keine Spur von einem Pol-Ausbau zeigte.  Das "Objektiv" ist auch kein Objektiv: Eine Optik ist nicht vorhanden und offenbar auch nicht vorgesehen. Das Teil muß eine rein mechanische Funktion haben. Das Rätsel geht also weiter ...

-- felix

PS Die äußere Hülse ist nicht drehbar. Das verhindert die Schraube in der Führungsschiene. Würde man die äußere Hülse drehen können, dann bestünde die Gefahr, daß man die innere Spiralfehler duch Verdrehen beschädigt.
Titel: Re: Rätselhaftes Objektiv
Beitrag von: TPL in September 07, 2013, 21:41:17 NACHMITTAGS
Hallo Felix,

...verstehe: keine Optik. Also auch kein Objektiv ;D.

Obwohl Du es schon ausgeschlossen hast, tippe auch ich dann auf einen Objektmarkierer. Die gab es nicht nur mit der drehbaren Diamantspitze, sondern auch mit aufpressbarem Tusche-Ring.

Schönen Gruß, Thomas
Titel: Re: Rätselhaftes Objektiv
Beitrag von: Werner in September 07, 2013, 22:06:35 NACHMITTAGS
Vielleicht gehört da ein Vickers-Diamant zur Härtemessung hinein.
Die gab es integriert in einem Objektiv und separat für einen Wechsler.
Z.B. für den Leitz Mikro-Härteprüfer Durimet.

Gruß   -   Werner
Titel: Re: Rätselhaftes Objektiv
Beitrag von: felix in September 07, 2013, 22:57:30 NACHMITTAGS
Also Markierer (Tusche oder Diamant) ist definitiv auszuschließen.

Härteprüfer? Ich kenne diese Teile zwar nicht, kann mir aber nicht vorstellen wie das hier funktionieren soll. (Wo soll der Diamant hin?) Das Mikroskop stammt übrigens aus einer Universitätsklinik.

Das Teil (ich nenne es jetzt nicht mehr "Objektiv"  ;)) ist sehr einfach gebaut. Es erfüllt seine Funktion offenbar nur durch dieses Element:
Eine Gumminase objektseitig, die straff an einer Spiralfeder hängt und sich so einige mm gerade ausziehen läßt.

Hier ist eine Idee: Mit einem Objektiv auf eine Stelle im Präparat einstellen. Teil einschwenken und mit der Gumminase durch Ausziehen auf die Stelle klopfen.  Hört sich etwas einfältig an aber mehr leistet das Teil im Grunde nicht. Bei wem oder was würde man so anklopfen wollen?

-- fragt sich weiterhin felix

Titel: Re: Rätselhaftes Objektiv
Beitrag von: beamish in September 07, 2013, 23:08:15 NACHMITTAGS
Hallo Felix,

vielleicht einfach die edlere Variante des Radiergummis, mit dem man Quetschpräparate herstellt: das "Teil" einschwenken, runterfahren und quetschen, und weiter gehts...

Grüße

Martin
Titel: Re: Rätselhaftes Objektiv
Beitrag von: TPL in September 07, 2013, 23:12:25 NACHMITTAGS
http://www.worthpoint.com/worthopedia/microscope-object-marker-for-nikon-olympus (Zwei Bilder; lassen sich vergrößern)

Ich erkenne da gewisse Ähnlichkeiten...

Gute Nacht
Thomas
Titel: Re: Rätselhaftes Objektiv
Beitrag von: Florian Stellmacher in September 08, 2013, 04:33:51 VORMITTAG
Hallo Felix,

Material, Ausführung und das Fehlen einer Artikelnummer lassen vermuten, dass dies kein originales Zeiss-Teil ist, sondern ich denke vielmehr, dass es (von der Uniwerkstatt) für eine Spezialanwendung extra gefertigt wurde. Auch mir erschließt sich der Sinn dieses Bauteils nicht aus den Fotos, aber vielleicht kommen wir über die Anamnese weiter: Weißt Du, aus was für enem Labor das Mikroskop stammt? Mikrobiologie, Pathologie, Hämatologie, Forschung?

Um auch noch etwas zum Brainstorming beizutragen: Vielleicht kann man mit diesem "Stempel" etwas auf das Präparat kleben (also eine spezielle Art des Objektmarkierers, die man sonst nicht kennt)?

Herzliche Grüße,
Florian
Titel: Re: Rätselhaftes Objektiv
Beitrag von: Gerd Schmahl in September 08, 2013, 11:10:22 VORMITTAG
Hallo,
ich kann auch nur spekulieren: könnte man mit dem Ding vielleicht einen schönen runden Deckglaslackring schön mittig um ein vorher mit einem anderen Objektiv heraus gesuchtes Objekt stempeln, um ein Trocken-Dauerpräparat her zu stellen.

Was mich an der Konstruktion stört: Dass es in der "falschen" Richtung beweglich ist, genau umgekehrt wie ein Präparateschutz. Wenn ich mit dem Ding auf dem Objektträger bin, ist die Feder ja schon gespannt. Vielleicht wurde damit eher etwas abgehoben, statt aufgedrückt?

Schönes Rätzel! Gefällt mir besser als die Rätzelfotos.

Beste Grüße
Gerd
Titel: Re: Rätselhaftes Objektiv
Beitrag von: Frank D. in September 08, 2013, 22:34:07 NACHMITTAGS
Hallo Felix,

wenn es sich um Hartgummi mit einer flachen, senkrecht zur Objektivachse stehenden Oberfläche handelt, wäre das Teil als "Anschliffpresse" für kleinere Objekte dienlich.
Und zwar mit dem Vorteil, dass nicht parallel zum Tisch, sondern senkrecht zum Objektiv ausgerichtet wird.
Anwendungsfall: bei leicht keilförmigen Scheiben oder zerbrechlichen Kristalltafeln.

Mir ist das Problem der Ausrichtung früher schon, an mit Zinksulfid belegten Torbernitkristallen aufgefallen. Meine Lösung war ein einfaches Lomo 8-fach Objektiv, auf dessen ebener Frontlinse eine dünne Gummischeibe klebte. Hartgummi war wichtig, da die Kristallplatten durch weiches Gummi teilweise wieder von ihrem Sockel abgehoben wurden. Kein besonders gutes Feingefühl für den richtigen Anpressdruck ergab sich durch Grob- und Feintrieb, so dass Deine gefederte Variante eine sensiblere Ausrichtung möglich macht. Vorausgesetzt, die Federspannung ist nicht zu hoch.

Herzliche Grüße
Frank

Titel: Re: Rätselhaftes Objektiv
Beitrag von: HDD in September 09, 2013, 06:46:11 VORMITTAG
Hallo Felix

Vielleicht könnte es auch nur zur Herstellung sauber begrenzter Streupräparate dienen?

Quasi als Maske für Diatomeen oder Radiolarien Streupräparate, die mit anchließend mit
einem Tropfen Xylol versehen werden, bevor sie eingedeckt werden.

Man bekäme mit diesem Verfahren einen schönen kreisrunden Rand auf dem OT.

Nur mal so eine Idee ...

...oder es ist einfach nur der Prototyp eines neuen Objektiv-Designs ohne Linsen ...

Viele Grüße   Horst-Dieter
Titel: Re: Rätselhaftes Objektiv
Beitrag von: felix in September 10, 2013, 14:49:03 NACHMITTAGS
Zeit zusammenzufassen. Dank an alle, die sich an dem Rätsel versucht haben!

Die Frage nach der Funktion des "Objektivs" haben wir leider nicht definitiv beantworten können. Das Teil bleibt eines der großen Mysterien unserer Zunft  ;)

Aus der Beschreibung geht hervor, daß es nicht mehr tun kann, als mit einer Gumminase auf ein Präparat zu klopfen. Das tut es absolut senkrecht und mit Fingerkraft dosierbar. Also vielleicht ein "Quetscher", wie es einige hier vermutet haben.

Florian hat aus der Beobachtung, daß es nicht beschriftet ist, geschlossen, daß es sich um eine Einzelanfertigung handelt, vielleicht aus der mechanischen Werkstatt einer Uni-Klinik stammt. Klingt plausibel. Der, der es sich hat anfertigen lassen, muß überlegt haben, wie eine Routineaufgabe einfacher, sicherer oder schneller zu erledigen ist. Nur wissen wir leider nicht, um welche Aufgabe es sich gehandelt hat.

Ich denke, das Kapitel können wir einstweilen abschließen. Wir alle haben kleine Helfer in der Schublade, selbst konstruiert, manchmal in einer Werkstatt sauber gedreht. Zukünftige Mikroforen werden darüber rätseln und vielleicht auf geniale Anwendungsmöglichkeiten stoßen, die wir uns posthum gern zurechnen lassen.

Gruß die in Runde! -- felix
Titel: Re: Rätselhaftes Objektiv
Beitrag von: Klaus Schloter in Oktober 05, 2013, 23:08:40 NACHMITTAGS
Hallo,
schau Dir mal in diesem Angebot das erste Objektiv rechts neben den Okularen an,m.E.sieht das Deinem Objektiv sehr ähnlich.(13.Bild)

http://www.ebay.de/itm/261299851753?_trksid=p2055119.m1438.l2649&ssPageName=STRK%3AMEBIDX%3AIT

Die Tatsache,dass das Objektiv an einem Inversmikroskop Verwendung findet,lässt mich darauf rückschliessen dass der "einfahrbare "Frontteil mit dem Gummiring zum Schutz einer Planktonkammer diente.
Man konnte das Objektiv verkürzen um beim Wechseln der Vergrößerung zu verhindern den Boden der Planktonkammer kaputt zu hebeln !?

Gruß
Klaus
Titel: Re: Rätselhaftes Objektiv
Beitrag von: Gerd Schmahl in Oktober 06, 2013, 08:57:56 VORMITTAG
Hallo Klaus,
was mich verwirrt ist die Tatsache, dass sich bei diesen Objektiven, genau umgekehrt zu einem Präparateschutz, die äußere Hülle heraus schieben lässt und nicht rein. Zumindest legt das Foto 2 von Felix im Auftaktbeitrag das nahe, sonst hätte ich ja auch gedacht, dass der "Präparateschutz" nur fest sitzt.
Grüße
Gerd
Titel: Re: Rätselhaftes Objektiv
Beitrag von: felix in Oktober 06, 2013, 11:58:56 VORMITTAG
Hallo Klaus,

vielen Dank für die gute Beobachtung und den Hinweis. Das in der Auktion abgebildete "Objektiv" scheint genau die gleiche Funktion wie meines zu haben. Alle wesentlichen Konstruktionsmerkmale scheinen gleich zu sein.  Der Zylinder ist an einer Feder aufgehängt und läßt sich, wie Gerd richtig bemerkt, nach außen ziehen. Welche Funktion das hat, ist mir allerdings noch immer nicht klar. Mein Teil steckte übrigens an einem normalen Zeiss Standard 16.  Wenn es kein Irrläufer war, hat es also mit inverser Mikroskopie nicht wesentlich zu tun.

Das abgebildete Teil ist ein wenig anders gearbeitet als meines, stammt also von einem anderen Hersteller oder aus einer anderen "Auflage". Also ist es vermutlich nicht Resultat einer privaten Tüftelei sondern diente einem allgemein bekanntem Zweck.  ???

Mit bestem Gruß! -- felix
Titel: Re: Rätselhaftes Objektiv
Beitrag von: Klaus Schloter in Oktober 06, 2013, 13:18:15 NACHMITTAGS
Hallo Felix,
ich bleibe nochmals beim Inversmikroskop,könnte die Gummikappe nicht dazu dienen Immersionsöl aufzunehmen und gegen den Boden der Planktonkammer abzudichten?
Leider kenne ich die opt.Daten des Objektives nicht.

Gruß
Klaus
Titel: Re: Rätselhaftes Objektiv
Beitrag von: TPL in Oktober 06, 2013, 13:22:48 NACHMITTAGS
Hallo felix,

tu mir bitte den Gefallen und benutze dieses Gerät einmal am Mikroskop mit eingelegtem Objektträger und halte dabei einen Streifen Schreibmaschinen-Kopierpapier dazwischen...

Die Idee dahinter ist immer noch die Gleiche: Objekt-Markierung. Allerdings habe ich mich nach Klaus' toller Entdeckung (ein schönes Mikroskop!) gefragt, wie denn nach dem Auszählen eines Gesichtsfeldes (egal ob Sedimentationskammer oder konventioneller Objektträger) dieses so markiert wird, dass es nicht später erneut oder überlappend gezählt wird. Dafür wäre eine Methode hilfreich, mit der man schnell eine Markierung aufbringen kann, die sich ggfs. auch wieder abwaschen lässt.

Nur so eine Idee...

Beste Grüße
Thomas
Titel: Re: Rätselhaftes Objektiv
Beitrag von: felix in Oktober 31, 2013, 21:59:24 NACHMITTAGS
Thomas (= TPL), ich glaube, Du hast recht! Rätsel gelöst:

A still simpler arrangement was devised some years ago by
the author, and used by him very considerably. It consists in
having a "dummy" objective turned in brass to fit the nosepiece.
The end that would correspond to where the little hemispherical
front lens is seen in ordinary, is made to taper to a
blunt point a little larger than the diameter* of a rubber letter
" O " (such being about 2 mm. in diameter), which can be obtained
from any rubber-type manufacturer. It is fixed to the
brass front with seccotine. After having found the position to
be recorded, the objective is removed and the "dummy" substituted.
A little common ink dabbed on to the rubber "O"
makes a mark on the slide when the fine adjustment lowers it
sufficiently to bring it gently in contact with the cover. The
object then is found in the "O."

Spitta, Microscopy, London (John Murray's), 3rd ed. 1920, pp. 459f.

Bei meinem Dummy ist die Gummispitze schon arg "verwittert", so daß das "O" nur noch zu ahnen ist. Aber ich habe es einmal mit einem Stempelkissen ausprobiert und es scheint genau das zu tun, was Spitta beschreibt.

Schöne Grüße in die Runde! -- felix
Titel: Re: Rätselhaftes Objektiv
Beitrag von: TPL in August 01, 2014, 01:10:19 VORMITTAG
... ein "hübsches" Fundstück zum Thema:
http://www.ebay.de/itm/Ink-Marker-Objective-Microscope-/321465376381

Gruß, Thomas
Titel: Re: Rätselhaftes Objektiv
Beitrag von: felix in August 03, 2014, 23:36:41 NACHMITTAGS
Sieht ja scheußlich aus! Aber ja, genau so sieht es aus. Unbedingt zuschlagen! Das Teil ist offenbar viel seltener als ein Zeiss Apo 1,4.

Mit bestem Gruß!
felix