Liebe Pflanzenfreunde,
die Weiße Lichtnelke hat eine ganze Reihe von Synonymen. Der vollständige Taxonname ist Silene latifolia subsp. alba (Mill.) Dazu existieren die folgenden Synonyme (jeweils mit den Referenzen).
•Lychnis alba Mill. - Gard. Dict., ed. 8: no. 4 (1768)
•Lychnis arvensis P. Gaertn., B. Mey. & Scherb. - Oekonom.-Techn. Fl. Wetterau, 2: 117 (1800)
•Lychnis pratensis Rafn - Danm. Holst. Fl., 2: 792 (1800)
•Melandrium pratense (Rafn) Röhl. - Deutschl. Fl., ed. 2,, 2: 274 (1812)
•Lychnis divaricata Rchb. - Iconogr. Bot. Pl. Crit., 4: 3 (1826)
•Silene pratensis (Rafn) Godr. - Mém. Soc. Roy. Sci. Nancy, 1846: 171 (1847)
•Melandrium album (Mill.) Garcke - Fl. N. Mitt.-Deutschland, ed. 4: 55 (1858)
•Silene alba (Mill.) E. H. L. Krause - in: Sturm, Deutschl. Fl., ed. 2,, 5: 98 (1901) non Muhl. ex Britton 1893, nom. illeg.
•Silene alba subsp. Alba
Die Weiße Lichtnelke (Silene latifolia) gehört zur Familie der Nelkengewächse (Caryophyllaceae). Die Weiße Lichtnelke ist in Europa und Asien heimisch, in Nordamerika wurde sie erst durch menschliche Einflüsse verbreitet. Sie gedeiht in meridionalen bis borealen Klimazonen - die Pflanze kommt in der Nordhalbkugel von Nord-Amerika über Europa bis nach West-Asien sowohl im Flach- als auch im Hügelland vor. In Tiefen bis mittleren Höhenlagen (max. 700 Meter). Man findet die Weiße Lichtnelke ziemlich häufig in Unkrautfluren der Schuttplätze, sowie an Wegen und Ackerrändern. Sie liebt ziemlich stickstoffreiche, nicht allzu basenarme Lehmböden. Es ist eine Lichtpflanze und bevorzugt helle, leicht basische und stickstoffreiche Standorte.
Die Pflanze ist zwei- bis mehrjährig, die Wuchshöhen betragen 30 bis 120 Zentimeter. Der Stängel, meist mit großen Ästen, ist dicht weich behaart. Die Blätter sind länglich eiförmig, die oberen länglich sitzend, alle kurz zugespitzt.
Die Pflanze ist ein typischer ,,Nachtblüher", tagsüber wirken die Blüten durch eingerollte Kronblätter wie verwelkt.
Ihre Blüten öffnen sich erst in der Dämmerung vollständig und verströmen dann ihren angenehmen Duft. Die meist nachts geöffneten Blüten reflektieren das Mondlicht und locken damit verschiedene Nachtfalter an. Bereits in der Dämmerung schließen sie sich wieder.
Die Rote Lichtnelke zeigt rote, tagsüber
geöffnete Blüten.
Die Blüten enthalten entweder nur Staubgefäße oder nur Stempel. Die verschiedenen Geschlechter zeigen äußerlich Unterschiede und zwar sind die weiblichen Blüten öfters kleiner und besitzen stets einen 20 - rippigen Kelch, während die Kronblätter der männlichen Blüten oftmals länger, aber etwas schmäler sind. Der Kelch dieser Blüten ist nur 10 - rippig. Die Blüten stehen getrennt auf verschiedenen Pflanzen (eine zweihäusige Pflanzenart).
In der Naturheilkunde werden der Pflanzensaft und die Wurzeln bei Atemwegserkrankungen, Husten, Gicht, Hautkrankheiten und Rheuma eingesetzt.
Einige Leute setzen die Droge auch gegen Krebs ein (es ist keine Erfolgsberichte bekannt).
Bild 01 Silene latifolia
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/133971_9028075.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Diese Bild ist gemeinfrei.
Nur bei der weiblichen Blüte und bei zwittrigen Blüten ist der Kelch aufgeblasen. Die Zwitterblüten sind vormännlich. Das bedeutet, dass zuerst der Pollen gebildet ist, und erst wenn die Blüte älter und sich im weiblichen Stadium befindet, nehmen die nun reifen Narben den mitgebrachten Pollen bestäubender Insekten (langrüsselige Nachtfalter) auf. Mit diesem Mechanismus wird verhindert, dass sich die Pflanze selbst bestäubt.
Kleinere Insekten werden zurückgewiesen. Dafür sorgen die 2 mm hohen Schlundschuppen, die als Nebenkrone den Schlundeingang umgeben. Der Nektar wird vom fleischigen Blütenboden abgeschieden. Bei weiblichen Blüten ist er 2,0 bis 2,5 cm, bei männlichen 1,5 bis 1,8 cm tief verborgen. Die Blütezeit dauert von Juli bis September.
Systematik:
Ordnung: Nelkenartige (Caryophyllales)
Familie: Nelkengewächse (Caryophyllaceae)
Unterfamilie: Caryophylloideae
Tribus: Sileneae
Gattung: Leimkräuter (Silene)
Art: Weiße Lichtnelke
Wissenschaftlicher Name: Silene latifolia
Volkstümliche Bezeichnung: Weiße Nachtnelke, Weißes Leimkraut, Nacht-Lichtnelke, Weiße Nacht, Weiße Narzisse, Weiße-Seifenwurz und Nachtnelke
englischer Name: White Campion
Bild 02 Silene latifolia
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/133971_65603328.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Standort: Ristedter Moor – Niedersachsen
Die Blätter sind gegenständig, lanzettich.
Bild 03 Silene latifolia
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/133971_11404063.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Tagsüber wirken die Blüten durch eingerollte Kronblätter (Petalen) wie verwelkt.
Bild 04 Silene latifolia
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/133971_19297155.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Weibliche Blüte mit aufgeblasen Kelch (Calyx)
Spross, Querschnitt, 40 µm
Spross aufrecht, verzweigt, kurzhaarig, oben zusätzlich mit Drüsenhaaren.
Bild 05 Schnittstelle, Silene latifolia
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/133971_42906120.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
W-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)
Arbeitsablauf :
1. Schnitte liegen in 30 % Ethanol.
2. Aqua dest. 3x wechseln je 1 Minute.
3. Vorfärbung Acridinrotlösung 8 Min.
4. 1x auswaschen mit Aqua dest. .
5. Acriflavinlösung (differenzieren bis gerade keine Farbwolken mehr abgehen - Lupenkontrolle) ca. 12 Sekunden !!!.
6. 2 x auswaschen mit Aqua dest..
7. Nachfärbung Astrablaulösung 2 Minute.
Bei der Nachfärbung mit Astrablau eine Mischung aus Astrablau und Acriflavin im Verhältnis 3 : 1 verwendet (blau + gelb = grün).
8. Auswaschen mit Aqua dest. bis keine Farbstoffreste auf dem Objektträger verbleiben.
9. Entwässern mit 2x gewechseltem Isopropylalkohol ( 99,9 % ).
10. Als letzte Stufe vor dem Eindecken Xylol einsetzen.
11. Einschluss in DePeX.
Ergebnis :
Zellwände blaugrün bis grün, verholzte Zellwände leuchtend rot, Zellwände der äußeren Hypodermis orangerot, Cuticula gelb, Zellwände der innenliegenden Hypodermis tiefrot.
Fotos: Nikon D5000, die Übersichtsaufnahmen wurde mit ,,MagniFlash" erstellt.
Bild 06 Übersicht, Silene latifolia
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/133971_44022584.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Im Zentrum erkennt man einen Hohlraum – Markhöhle.
Bild 07 Vergrößerung aus der Übersicht mit Beschriftung, Silene latifolia
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/133971_18222900.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
EP = Epidermis, R = Rindenparenchym, SK = Sklerenchymring, K = Kambium, PH = Phloem, XY = Xylem, T = Trachee, MP = Markparenchym.
Sklerenchymatische Gewebe bestehen stets aus toten Zellen. Ihre Festigkeit erhalten Sklerenchymzellen durch sehr dicke Sekundärwände.
Bild 08 Unterschiedliche Darstellungen vom Spross, Silene latifolia
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/133971_3158694.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Bild 09 Trichome, Silene latifolia
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/133971_49762818.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Bei vielen Haaren stirbt nach deren Fertigstellung der plasmatische Inhalt der Zellen ab. Sie sind stellenweise dann von Luft erfüllt und sehen infolge der Totalreflektion des Lichtes weiß aus.
Bild 10 Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Silene latifolia
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/133971_29284961.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 520, Erregerfilter BP 436/10
Bild 11 Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Silene latifolia
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/133971_9801759.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 520, Erregerfilter BP 436/10
Wurzel, Querschnitt, 30 µm
Die Wurzeln sind rübenförmig, sie wurden früher wegen ihres Gehalts an Saponinen als ,,Weiße Seifenwurz" arzneilich sowie zum Waschen benutzt.
Saponine (lat. Sapo ,Seife') werden so bezeichnet, da sie beim Schütteln mit Wasser oft einen seifenartigen Schaum ergeben
Man findet Saponine auch in Gemüsepflanzen, wie Sojabohnen, Erbsen, Spinat, Tomaten und Kartoffeln.
Bild 12 Schnittstelle, Silene latifolia
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/133971_27120785.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Bild 13 Übersicht, Silene latifolia
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/133971_38387520.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Es handelt sich um eine alte Wurzel, mit einer kräftigen Seitenwurzelabzweigung bei 14.00 Uhr.
Bild 14 Vergrößerung aus der Übersicht mit Beschriftung, Silene latifolia
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/133971_63944969.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
R = Rindengewebe, K = Kambium, PH = Phloem, T = Trachee, XY = Xylem, XYP = Xylem – Parenchym, St = Strahl ( elliptische Zellen)
Die Trachee ist von einem Kranz flacher, lebender Zellen umgeben, das ist das Xylem – Parenchym.
Bild 15 Vergrößerung mit Beschriftung, Silene latifolia
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/133971_17153643.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Bild 16 Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Silene latifolia
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/133971_30705039.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 520, Erregerfilter BP 436/10
Bild 17 Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Silene latifolia
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/133971_62344630.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 520, Erregerfilter BP 436/10
Bild 18 Zentrum der Wurzel,
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/133971_25049934.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Bild 19 Polarisation, Silene latifolia
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/133971_30384484.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Einlagerung von Calciumoxalat – Kristallen
Fazit:
Die sehr robust aussehende Wurzel (siehe Bild 12 Schnittstelle) lag ca. 1 Woche in AFE III und die Schnitte habe ich 14 Tage in Ethanol 70 % aufbewahrt. Trotzdem blieb das Zellgewebe weich und schwammig (einige Zellen sind längs angeschnitten).
Quellen und weiterführende Informationen:
Oskar Sebald: Wegweiser durch die Natur Wildpflanzen Mitteleuropas, ADAC Verlag, München 1989, ISBN 3-87003-352-5
Schubert + Wagner: Pflanzennamen und botanische Fachwörter, 1961
Katherina Esau: Pflanzenanatomie, 1969
Spacer A. Poletti; H. Schilcher; A.Müller: HEILKRÄFTIGE PFLANZEN, Walter Hädecke Verlag, (1982). ISBN 3-7750-0104-2.
Spacer H. Schilcher: Kleines Heilkräuter-Lexikon; Walter Hädecke Verlag, 1999; ISBN 3-7750-0316-9.
Spacer Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen; Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008.
Spacer Wikipedia; Freie Enzyklopädie.
Danke an Detlef Kramer für seine Hilfe bei der Zellbestimmung der Wurzel.
Ich hoffe alles richtig verstanden zu haben. Für Anregungen bin ich dankbar.
Mit freundlichem Gruß
Hans-Jürgen