Nach der erfolgreichen Restauration eines Kristallpräparats (Asparagin) aus dem Hause Möller, folgt nun der zweite Streich. Dieses ziemlich ramponierte Präparat, eigentlich nur ein beschrifteter Objektträger mit Präparationsspuren, habe ich in einem Kasten gefunden:
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Wieder handelt es sich um ein Auflichtpräparat für die Betrachtung mit einem Lieberkühn-Spiegel. Der "Lieberkühn-Sockel" war noch erhalten, der Goldsand verschwunden; ebenso der Außenring. Im Bild oben zu sehen, sind die wesentlichen "Ersatzteile": Goldsand (aus der Slg. von Alfons Renz) und ein Dichtungsring im passenden Maß. Möller hat sog. Gardinenringe aus Messing verwendet. Die sind etwas flacher als die Dichtungsringe. (Die Dichtungsringe, die ich für Auflichtpräparate von Foraminiferen vorrätig halte, haben m.E. Vorteile, auf die ich aber jetzt nicht eingehen möchte.)
Das Präparat wurde gesäubert. Dann wurde der neue Ring mit UHU-Hart aufgeklebt. Danach wurde unter dem Stemi eine Schicht Traganth auf den Sockel aufgetragen und darauf der Goldsand gelegt, bzw. die feineren Teile geschüttet und nach dem Trocknen abgeklopft und ausgeblasen. Nach dem vollständigen Abtrocknen des Traganths wurde der Ring oben mit schwarzem Schellack bestrichen und nach kurzer Antrocknung ein sorgfältig gesäubertes Deckglas (18 mm) aufgelegt und vorsichtig angedrückt, so daß ein luftdichter Abschluß entstand. Hier ist das Möller-Präparat und ein weiteres à la Möller:
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Nach dem das Ganze getrocknet war, kam es auf den Drehtisch zur Einringung, wieder mit Schellack (in Spiritus mit Kolophonium und Lampenruß-Pigment). Hier das à la-Präparat:
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Am Ende sieht es so aus:
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Zur Serie gehört ein drittes Präparat, das Alfons Renz als Dankeschön erhält.
Mit bestem Gruß!
-- felix
Hallo,
Bei aller Anerkennung der Kunstfertigkeit, ist "Restauration" das richtige Wort?
Eigentlich macht man das ja heute nicht mehr so: http://www.lemonharanguepie.com/2012/08/how-not-to-restore-old-painting.html ;D
Beste Gruesse,
Jon
Hallo Jon,
ich erlaube mir zu widersprechen ;) : Im Prinzip habe ich es doch genauso wie Mr Bean gemacht: UHU-Hart, Kamerungold statt australisches, Ring aus Fibermaterial statt Messing. Ob dieser Neuaufbau noch Restauration zu nennen ist oder gar schon in Richtung Fälschung tendiert, darüber kann man sicher streiten. Insofern möchte zu dieser Art Bearbeitung nur raten, wenn Gold aus Möllers australischer Mine mit einiger Sicherheit nicht mehr zu erwarten ist.
Gruß! -- felix
Hallo Felix,
unabhängig von der Debatte um Restauration oder Nachbildung: lässt sich rekonstrieren, ob 1941 eine Jahreszahl oder eine Inventarnummer ist?
Beim ersten Ansehen hatte ich mich gefragt, woher eine in Deutschland sitzende Firma 1941 australische Goldsande bekommen haben mag, aber als Jahreszahl würde die Beschriftung wohl nicht zu den viel älter anmutenden Etiketten passen.
Beste Grüße
Thomas
Hallo Felix,
wohl weiß ich, was ein Lieberkühnspiegel ist, hatte aber noch nie einen in den Händen.
Auch hatte ich nie darüber nachgedacht, daß das Präparat eine "'Dunkelfeldblende" braucht, den Lieberkühnsockel. Läßt sich das auch anders realisieren?
Wie ist der Effekt einer solchen Beleuchtung? Ich würde erwarten, daß sie ähnlich der Ultropakbeleuchtung ist.
Viele Grüße
Wolfgang
Lieber Wolfgang,
der Lieberkühnspiegel ist eine schlichte und einfache "Auflichtbeleuchtung", ganz ohne Dunkelfeldeffekt. Es ging einfach nur darum genügend Licht von oben auf die Probe zu bekommen, daher hat Herr Lieberkühn einen Hohlspiegel genommen und ein Loch für's Objektiv hineingebohrt. Ich kann Dir gerne nächste Woche einen zeigen.
Herzliche Grüße,
Olaf
Hallo in die Runde!
@TPL: Die Frage nach der Jahreszahl habe ich mir vor einigen Tagen auch gestellt. Ich bin stolzer Besitzer von derzeit acht Möller-Präparaten. Alle sind von gleicher Hand beschriftet und sieben tragen an gleicher Stelle folgende Zahlen:
1898, 1909, 1914, 1920, 1939, 1941, 1959.
Das sieht einerseits sehr nach Jahreszahlen aus. Andererseits liegen 61 Jahre (?) zwischen 1898 und 1959. Kann ein Präparator so alt werden? ;) Ich vermute, daß es sich um die Inventarnummern von Proben handelt. Dafür spricht auch, daß alle ein Etikett aus offenbar gleicher Auflage tragen. Möllers Etiketten haben sich aber über die Jahre geändert. (Ich glaube mich zu erinnern, daß es anfangs noch "I.D. Moeller" hieß, später dann "I.D. Möller" und "J.D. Möller".) Ich schätze, daß die Präparate Ende des 19. Jhdts enstanden.
@ortholux: [Olaf hat's auch soeben erklärt.] Der Leberkühn-Spiegel ist Auflicht für den armen Mann. Die Idee ist es, mit normalen Durchlichtobjektiven (ohne Irisblende!) und einem Durchlichtkondensor Auflichtbetrachtung zu ermöglichen. Dazu muß der Sockel breit genug sein, um Lichteinfall ins Objektiv auszuschließen. Das Licht darf halt nur in die "Spiegeltüte" fallen. Ultropak ist, wenn ich das richtig verstehe, eine Auflichteinrichtung mit annähernd DF-Effekt ("Relief"). Das leistet der Lieberkühn-Spiegel sicher nicht.
@ Wolfgang hat per PN einige Fragen gestellt, die vielleicht auch andere interessieren.
1. Die Dichtungsringe bestehen aus einem Fibermaterial (meist rötlich, nicht aus Gummi). Es gibt sie in jedem Baumarkt. Sind das die von Gardena? -- Ich kenne die Ringe von Gardena nicht.
2. Traganth habe ich von Pigmente Kremer bezogen. Dextrin wird manchmal als Ersatz genommen. Aber Traganth ist schon der Klassiker.
3. Das Mischungsverhältnis des Deckglaslacks ist schwierig zu beziffern. Man löst halt soviel Schellack in Spiritus, bis sich die richtige Konsistenz ergibt. Das Lösen geschieht einfach durch Stehenlassen und gelegentliches Schwenken; das kann einige Tage dauern. Etwa 1/10 der Schellackmenge an Kolophonium gibt dem Lack Glanz; ansonsten trocknet er matt ab. Lampenruß (Pigment von Kremer oder aus dem Bastelladen/Künstlerbedarf) einrühren, bis der Lack deckt. Das prüft man durch Proben auf Glas. Einige empfehlen das Reiben des Pigments in Spiritus. Das ist eine irre Schweinerei! Einfacher und praktisch genauso gut ist es, das Pigment gleich möglichst fein zu kaufen und den Lack nach jedem Aufschütteln ein wenig absetzen zu lassen.
4. Ist der Decklack auch für die Beringung von Z-Rax-Präparaten geeignet? Absolut.
5. Ich benutze kleine, starke Magneten (Neodym), um das Präparat auf dem Drehteller zu halten. Meine Magneten habe ich bei Manufactum gekauft. Unter die Magneten ist dünnes Leder geklebt, damit das Glas nicht leidet.
Mit besten Grüßen! -- felix
Hallo felix,
danke für die Auskunft. Ich darf mir also doch keine Geschichte für die Herkunft des Goldsandes in Kriegszeiten zusammenreimen ;)
À propos Dunkelfeld: Den Lieberkühn-Spiegel nennt Michel (1962) den "Prototyp dieser Beleuchtungsvorrichtung" (gemeint sind einfache Vorrichtungen für allseitige Dunkelfeldbeleuchtung). Der Ultropak ist definitiv eine Dunkelfeld-Vorrichtung. Das Relief bei diversen DF-Beleuchtungen eine Begleiterscheinung, aber nicht ausschlaggebend für die Benennung.
Schöne Grüße
Thomas
Hallo,
zum Thema "Lieberkühn-Spiegel":
http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=10065.msg71774#msg71774
Dieses Bild (http://www.alanwood.net/photography/olympus/lieberkuhn-reflectors.html) zeigt gut den Strahlengang bei Verwendung eines Lieberkühn-Spiegels. Wurde mittlerweile weitestgehend von der "Jansjö" abgelöst ;)
Herzliche Grüße
Peter