Liebe Pilzfreunde,
heute fand ich Pilze, die ich als leichtsinniger junger Mensch noch spontan als Hallimasch in Korb und Topf geworfen habe/hätte. Heute ging es mir aber nicht ums Essen, sondern wieder mal um den Versuch, einen Pilz über Aussehen und Sporenbilder vielleicht bestimmen zu können. Und um den Vergleich des Planapo 63/1,4 mit dem Plan 100/1,25. Aus der Bestimmung wurde nichts und aus dem Objektivtest auch nicht wirklich sehr Erhellendes. Zugegeben, der Objektivtest im DIC ging etwas schnell, ich werde das morgen noch einmal in Ruhe wiederholen.
Beim "Rest" kann mir vielleicht jemand helfen?
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/137702_13163381.jpg)
So fand ich die Pilze heute im Buchenwald nahe am "Aalbäumle".
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/137702_17283084.jpg)
Leider war nur eine Kompaktknipse dabei, also nicht ganz perfekt.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/137702_35494342.jpg)
Im Quetschpräparat mit Wasser, mit dem Planapo 63/1,4
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/137702_38222253.jpg)
Plan 100/1,25
Hallo Bernd,
schöne Impressionen der "Pfifferlinge" ;D beim Essen muss man nur fest dran glauben, dann schmecken sie auch. Petersilie nicht vergessen, die rundet ab.
Bei der Pilzbestimmung habe ich mich schon so oft blamiert, das überlass ich unseren Experten!
Aber deine Sporenbilder zeigen schon besondere Merkmale (Spiegelei) das hilft sicher
Hallo,
wo jetzt da kein Pilzler antwortet...
Das ist jetzt nicht meine Schublade (zu groß ;-) )
Aber ich würde das für ganz normale Stockschwämmchen halten (Kuehneromyces). Die wuchsen sicher auf vielleicht im Boden verborgenem Holz. Da Bernd dankenswerterweise die Mikrobilder bemaßt hat, kann der hochgiftige Doppelgänger Galerina marginata (Gifthäubling) eigentlich ausgeschlossen werden. Dessen Sporen sind wesentlich größer (7,5-10 µm, Stockschwämmchen 6-7,5 µm) und haben ein rauheres Aussehen. Und der von Klaus betonte "Spiegelei"-Aspekt der Stockschwämmchensporen paßt auch.
https://picasaweb.google.com/108675098872555540610/STROPHARIACEAE202#5733036723892393010
Dies ist übrigens, wie immer bei Fernbestimmungen, keine Essensfreigabe dieser oder ähnlicher Pilze!
Tip für zukünftige Anfragen: Für eine Bestimmung sind nicht nur Bilder von oben und unten (wie hier gegeben) sondern auch Bilder vom ganzen Pilz von der Seite (vom Hut bis zur Anwuchsstelle) hilfreich, sowie die Angabe des Substrats. Im vorliegenden Fall wäre z.B. das Ornament der Stieloberfläche bestimmungsförderlich.
Ich hoffe, es meldet sich aber noch jemand berufeneres...
Grüße
Martin
Hallo Bernd,
stimme Martin zu. Wenn ich Dein zweites Makrofoto richtig interpretiere, erkenne ich unterhalb des Stielringes kleine braune Schüppchen am Stiel. Das wäre ein typisches makroskopisches Merkmal für das Stockschwämmchen (Kuehneromyces mutabilis). Mikroskopisch solltest Du dir die Sporen mal im Hellfeld anschauen. DIC scheint hier nicht viel zu bringen. Um kleine Braunsporer in die richtige Gattung stellen zu können, müssen, je nach Art, eine Vielzahl von Merkmalen mikroskopisch untersucht werden:
- Sporenform (elliptisch, zitronenförmig, walzenförmig, rundlich....)
- Sporengröße (zumindest Mittelwert aus 15 bis 20 Messungen) 6-7,5 x 3,4-4,6 µm
- dick- oder dünnwandig
- Sporenornament (glatt (zumindest im Lichtmikroskop) oder rau, warzig, punktiert)
- bei rauen/warzigen Sporen kann wichtig sein, ob und wie stark sich das Perispor ablöst und ob eine Plage vorhanden ist
- Sporen mit oder ohne Keimporus
- Farbreaktion mit Melzers Reagenz oder Lugol: inamyloid (bin ich mir aber beim Stockschwämmchen nicht 100% sicher): keine Farbveränderung - amyloid: blau/violett bis blauschwarz - dextrinoid: weinrot/braunrot
Fett sind die Sporenmerkmale des Stockschwämmchen hervorgehoben.
Die Kombination von Makro- und Mikromerkmalen führt dann vielleicht ;) zur richtigen Art.
Ich hoffe, ich habe nicht allzuviel vergessen...
Viele Grüße
Jürgen
Hallo Martin, hallo Jürgen,
herzlichen Dank für Eure Antworten! Zu mehr als einer weiteren Aufnahme kam ich heute leider nicht:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/137812_14788723.jpg)
Wunschgemäß im Hellfeld, diesmal mit dem Planapo 100/1,3. Zur Färbung hätte ich nur Lugolsche Lösung zur Verfügung. Wird die in diesem Fall auch nur unter dem DG durchgesaugt, oder funktioniert das bei Pilzsporen anders?
Ich werde versuchen, den Standort noch einmal zu finden und dann die angemahnten Details fotografieren.
Hallo,
herzlichen Dank für diese Pilzbilder!
Ja, das werden wohl Stockschwämmchen sein - auch mikroskopisch schön getroffen.
Hier mal die Maße der Sporen lt. Literatur (Pilze der Schweiz): 4,7-6 x 2,9-3,7 µm.
Viele Grüße
Rainer
Zitat von: schuppi in November 10, 2013, 08:05:54 VORMITTAG
Hier mal die Maße der Sporen lt. Literatur (Pilze der Schweiz): 4,7-6 x 2,9-3,7 µm.
Hallo Rainer,
???, Band 4, S. 338, Nr. 434 der Pilze der Schweiz gibt 6-7,5x3,4-4,6 µm an.
@ Bernd:
Lugol unter das Deckglas einziehen lassen ist ok.
Ein Wort noch zur mikroskopischen Untersuchung von Pilzen:
Ich bin jetzt nur auf die mirkoskopischen Merkmale der Sporen eingegangen. Es gibt natürlich noch andere Mikromerkmale, die evtl. beachtet werden müssen (Vorhandensein, Form und Größe von Zystiden, Aufbau der Hutdeckschicht und der Lamellentrama, sind an den Septen Schnallen vorhanden usw.)
Viele Grüße
Jürgen
Nachsatz:
Auf Deinem Foto kann man den Keimporus an einigen Sporen erkennen:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/137824_24069125.jpg)
Hallo und Danke für den Hinweis.
Ich hatte die Stockschwämmchen in meiner Access-Datenbank gesucht und nicht drauf geachtet, dass es drei verschiedene Arten gibt.
Also hier nochmal die Maße der drei Arten der Stockschwämmchen zusammen:
Weissstieliges Stockschwämmchen: 4,7-6 x 2,9-3,7 µm
Frühlings-Stockschwämmchen: 5,5-7,7 x 3,6-4,4 µm
Gemeines Stockschwämmchen: 7,5 x 3,4-4,6 µm
Gruß
Rainer
Liebe Pilzfreunde,
allen herzlichen Dank für die Hilfen und die letztendlich sicher richtige Bestimmung. Ich fürchte, dass ich neben meinen Algen nun auch immer öfter mal Pilze anschauen werde, denn ich muss mich wieder mehr bewegen und das mache ich am liebsten, wenn ich dabei etwas beobachten, sammeln und am Schluss mikroskopieren kann. Zum ausgewachsenen "Pilzler" wird es zwar bestimmt nicht reichen, aber ein bisschen tiefer reinschnuppern werde ich dank Eurer Anleitungen und Hilfen sicher. Und sobald mein bestelltes Sublimationsöfchen da ist, geht es auch vermehrt den Flechten an den Kragen, denn da verbinden sich Pilze und Algen und dann hat die liebe Seele Ruh. ;D - Nein, gerade fällt mir ein, dass im Hinterkopf auch noch die Moose und "Biofilme" aller Art lauern.