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Foren => Mikrofoto-Forum => Thema gestartet von: peter-h in November 09, 2013, 17:55:22 NACHMITTAGS

Titel: Ein besonderer Glimmer
Beitrag von: peter-h in November 09, 2013, 17:55:22 NACHMITTAGS
Liebe Glimmerfreunde,

an einigen Stellen in Deutschland wie z.B. bei Bergen im Vogtland gab es vor Jahren eine Fundstelle am Steinbruch Streuberg für seltene Glimmerstücke. Uranocircit gehört zu der Gruppe der Uranglimmer. Beschrieben und benannt wurde das Mineral um 1877. Die kleinen Glimmerplättchen zeigen bei Bestrahlung mit UV eine starke Fluoreszenz. Bei allen Arbeiten mit dem Material ist zu bedenken, dass es ein Alphastrahler ist und entsprechende Schutzmaßnahmen zu beachten sind. Nun einige Bilder einer großen Stufe (Handstufe).

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/137769_35619405.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/137769_42849587.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/137769_41930866.jpg)
Alle Aufnahmen mit HF gestackt. Makroobjektiv f=40mm , Canon 450D

Auch ein räumlicher Eindruck darf nicht fehlen.
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/137769_13251611.jpg)

Etwas näher
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/137769_7938173.jpg)

Noch näher
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/137769_25276962.jpg)

Eine Animation zur Fluoreszenz. Übergang von Tageslicht zu UV-Bestrahlung mit 365nm UV-LED.
http://www.mikroskopie-ph.de/Animation4.gif

Nach den kurzwellig strahlenden Aufnahmen, wieder ab in die Bleikammer damit die Zerfallsreihe nicht gestört wird  ::) Strahlende Grüße zum Wochenende
Peter
Titel: Re: Ein besonderer Glimmer
Beitrag von: Heiko in November 09, 2013, 18:22:58 NACHMITTAGS
Hallo Peter,

sehr interessant, danke für diese Doku.

Und – ich werd' verrückt – das Mineral gibt's sogar wohlfeil im Netz.  :o

Übervorsichtig zurückhaltende Grüße,
Heiko
Titel: Re: Ein besonderer Glimmer
Beitrag von: Klaus Herrmann in November 09, 2013, 18:41:04 NACHMITTAGS
Lieber Peter,

sehr schön das letze Makro. Der Glasglanz kommt schön raus! Es könnte natürlich auch das Arsenat-Analogon Heinrichit sein. Rauch doch mal eine Probe im Platintiegel mit Salpetersäure ab und mach die Arsenprobe! ;D
Titel: Re: Ein besonderer Glimmer
Beitrag von: Bastian in November 09, 2013, 18:53:15 NACHMITTAGS
Peter,
das sind wirklich sehr schöne Makroaufnahmen. Ich finde sie wirklich sehr gelungen!

Klaus,
ZitatRauch doch mal eine Probe im Platintiegel mit Salpetersäure ab und mach die Arsenprobe!

;D gute Idee! Platintiegel gibts schließlich für umme um die Ecke...


Bastian
Titel: Re: Ein besonderer Glimmer
Beitrag von: peter-h in November 09, 2013, 19:56:50 NACHMITTAGS
Lieber Klaus,

zu dumm, ich habe den kleinen Platintiegel gerade ausgeliehen und im großen Tiegel köchelt Brigitte gerade etwas. ;D

Viele Grüße
Peter
Titel: Re: Ein besonderer Glimmer
Beitrag von: Klaus Herrmann in November 09, 2013, 20:27:08 NACHMITTAGS
Lieber Petr,

ist das der schwere 5l Platin-Dampfgarer mit dem Brillantverschluss von dem sie immer schwärmt? Den hast du ihr doch im Gegenzug zu der Patek Philippe, die sie dir zum Namenstag geschenkt hatte, besorgt? :-*
Titel: Re: Ein besonderer Glimmer
Beitrag von: koestlfr in November 10, 2013, 07:30:27 VORMITTAG
Hallo Peter!

Interessanter Beitrag, schöne Bilder!

Hast Du Dir mit der LED eine Leuchte gebaut? Genügt eine LED?

Liebe Grüße
Franz
Titel: Re: Ein besonderer Glimmer
Beitrag von: schuppi in November 10, 2013, 08:07:49 VORMITTAG
Hallo!

Herzlichen Dank für diese tollen Bilder. Auch die 3D-Version ist gut gelungen!

Liebe Grüße
Rainer
Titel: Re: Ein besonderer Glimmer
Beitrag von: peter-h in November 10, 2013, 11:21:18 VORMITTAG
Hallo Franz,

meine LEDs incl. der Fassungen baue ich mir alle selbst. Die UV-LED ist sehr speziell und eigentlich nur für das Olympus BH2 gebaut damit ich für meine UV-Aufnahmen eine kräftige Strahlungsquelle habe. Für die Anregung hier nur provisorisch "hingebastelt".
Augenschutz nicht vergessen !!!

Gruß
Peter
Titel: Re: Ein besonderer Glimmer
Beitrag von: peter-h in November 10, 2013, 11:47:16 VORMITTAG
Hallo Dünnschliffbohrer,

der Umgang mit diesem Material ist mir nicht fremd, aber danke. Bei der Handhabung trage ich Nitrilhandschuhe!
Ich hatte ja zu Beginn auch Uranocircit geschrieben und hoffe dass es stimmt. Die Zerfallsreihe von U238 über Th234 usw.  über Ra226 zu Rn222 bis nach weiterem Zerfall mal stabiles Blei wird kenne ich gut. Stichwort Strahlenlabor.

OT/
Radon läßt sich auch sehr einfach nachweisen. Dazu einen dünnen Draht ca. 3 Meter Länge in dem zu überwachenden Raum aufspannen und gegen Erde an -15 kVolt legen. 3 -4 Stunden warten, Spannung abschalten, den Draht mit einem in Aceton getränkten Filterpapier abwischen und sofort unter einen Geigerzähler legen. Alle Minute die Zählrate ablesen und notieren. Aus der Abklingkurve kann dann auf die Anwesenheit von Radon Rückschluß genommen werden. Man muß aber die ganze Zerfallskette berücksichtigen.
/OT

Ja einen Interferenzverlaufsfilter besitze ich und man könnte  ;D aber das wäre dann eine andere Geschichte.

Schönen Sonntag
Peter
Titel: Re: Ein besonderer Glimmer
Beitrag von: Dünnschliffbohrer in November 10, 2013, 18:45:35 NACHMITTAGS
Hallo Peter,
ich war beim Schreiben meines ersten Beitrages etwas zu schnell gewesen und hatte das, was du und die anderen Foristen geschrieben hatten, nur flüchtig gelesen. Aufgeschreckt wurde ich etwas durch die Bezeichnung "Glimmer" für die Uranglimer. Nachdem ich es nochmal in Ruhe gelesen hatte, merkte ich, das ja alles entscheidende bereits geschrieben war, daher hab ich mein Geschreibsel umgehend wieder gelöscht. Aber mal eine Frage: Wie groß ist denn das schöne Stück? Und hast du es selbst gesammelt? Laut wikipedia soll Uranocircit z.T. schon unter Blaulicht fluoreszieren.

Hier möchte ich noch das passende Mikroskop dazu zeigen. Der grünliche Farbklecks neben dem Aufkleber wird sicher auch unter UV floureszieren, vieleicht auch Nachts von selbst leuchten (hab´s noch nicht ausprobiert).

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/137890_6445162.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/137890_56910856.jpg)

Einen schönen Sonntag abend noch - Dsb.
Titel: Re: Ein besonderer Glimmer
Beitrag von: olaf.med in November 10, 2013, 19:00:08 NACHMITTAGS
Hallo Dünnschliffbohrer,

wenn das Mikroskop von der Wismut AG ist leuchtet evtl. nicht nur der grüne Punkt, sondern sogar das ganze Gerät ;D ;D ;D Dann kannst Du vielleicht ohne zusätzliche Lichtquelle auskommen.

(Erläuterung für Nicht-Insider: Wismut AG war der irreführende Name der Uran-Abbau-Betriebe für die russischen Atombomben im sächsischen Erzgebirge)

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Ein besonderer Glimmer
Beitrag von: peter-h in November 10, 2013, 22:36:44 NACHMITTAGS
Ganz ehrlich !

Ein Gerät der Wismut würde ich nur mit Bleihandschuhen anfassen und mit schwerem Atemschutz begutachten. Ich hatte einmal einen Bericht zur Wismut gesehen und will bis heute nicht glauben, dass Menschen aus dieser Hölle lebend herausgekommen sind. Unglaublich!
Da ich eine Zeit auch Strahlenschutzmessungen vorgenommen habe, weiß ich wovon ich spreche.

Gute Nacht
Peter
Titel: Re: Ein besonderer Glimmer
Beitrag von: olaf.med in November 11, 2013, 08:53:35 VORMITTAG
Lieber Peter,

so ganz kann ich das allerdings doch nicht stehen lassen. Ich hatte das große Glück wenige Tage vor der Wende zahlreiche damals noch im Abbau befindliche Uran-Gruben im sächsischen Erzgebirge befahren zu dürfen (mittlerweile sind alle aufgelassen) und war sehr überrascht von der Art der Betriebsführung. Berufsbedingt habe ich zahlreiche Befahrungen gemacht, aber nirgends auf der Welt habe ich vorbildlichere und sauberere Arbeitsbedingungen gesehen. Zumindest untertage war wirklich alles höchst modern und bestens überwacht! Daher war meine Bemerkung eher als Scherz gedacht.

Herzliche Grüße,

Olaf
Titel: Re: Ein besonderer Glimmer
Beitrag von: Dünnschliffbohrer in November 11, 2013, 20:11:20 NACHMITTAGS
Hallo Peter, hallo Olaf,

ZitatGanz ehrlich ! Ein Gerät der Wismut würde ich nur mit Bleihandschuhen anfassen und mit schwerem Atemschutz begutachten.

das war dann wohl der Grund, warum damals nur so wenige auf das schöne Polmi A geboten hatten... Es war in der Tat dick mit Staub bedeckt, aber ich habe den Fall-Out einfach mit einem Lappen abgewischt und das gute Stück so dekontaminiert.

Spass bei Seite, auf dem Schränkchen und den Zubehörkästen ist noch ein zweiter Aufkleber: als es der Wismut nicht mehr gut genug war, ist es wohl weiter gewandert, zu einem VEB Hydrogeologische Erkundung. Und die konnten sicherlich nicht viel damit anfangen (wozu braucht die "Ortsgruppe Dreck & Schlamm" ein Polmi? Für die reicht doch ein olles Zementrohr in der Landschaft als Grundwassermessstelle.), und dort ist es dann wohl über die Jahre erst eingestaubt. Wenn nicht, dann dürfte die Ausgangsaktivität wohl zwischenzeitlich den Weg aller instabilen Isotope gegangen sein...   - anderenfalls leg ich es in Lubmin ins Abklingbecken.

Den Aufkleber werde ich jedenfalls immer belassen: noch vor der Wende hat bei uns ein älterer, noch gesamtdeutsch denkender Prof. damals den Granit von Aue in der Vorlesung als denjenigen bezeichnet, der Deutschland das meiste Unglück gebracht hätte - eben wegen der Wismut und den Anfangs wohl teilweise Gulag-artigen Arbeitsbedingungen.

Das Mikroskop ist somit nicht nur ein Stück Technik- und Wissenschaftsgeschichte, sondern auch ein Dokument der Zeitgeschichte.
Einen schönen Abend noch - Dünnschliffbohrer
Titel: Re: Ein besonderer Glimmer
Beitrag von: Dünnschliffbohrer in November 11, 2013, 22:46:33 NACHMITTAGS
So, hier dann auch noch mein Uranocircit - leider noch nicht gestapelt, nur konventionell durch das Winkel-"Zeiss" Stemi DRC fotografiert. Jedoch bei den etwas höher vergrößerten Aufnahmen die Doppelirisblende am Vergrößerungswechsler teilweise geschlossen. Die Stücke sind alle selbst gesammelt, auf zwei Befahrungen der http://de.wikipedia.org/wiki/Grube_Krunkelbach. Mein schönstes Stück, eine ca 10 mm durchmessende Kristallrosette ist allerdings z.Zt. noch ausgelagert und stand daher für die Aufnahmen noch nicht zur Verfügung.

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/137984_27017095.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/137984_60108445.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/137984_9419954.jpg)http://i1152.photobucket.com/albums/p489/duennschliffbohrer/IMG_1445_zps38d3fd0f.jpg[/img]

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/137984_12993984.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/137984_11015373.jpg)

Bei den letzten etwas gelblicher und bröseliger wirkenden Stücken bin ich nicht so sicher, ob es sich um Uranocircit handelt, der etwas mehr verwittert ist, oder ob es ein anderes Mineral ist. Insgesamt kann man schon die tetragonale Symmetrie erahnen - Glimmer wären (pseudo-)hexagonal. Ärgerlicherweise hatten meine Kommilitonen damals ihre Fundstücke alle weggeworfen, bevor ich eingreifen konnte - nachdem einer die Dummheit begangen hatte, mal einen Geigerzähler daran zu halten. Gute Nacht - Dsb.