Mikro-Forum

Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: abbeköhl in Dezember 12, 2013, 22:51:24 NACHMITTAGS

Titel: Lackierung von Mikroskopen - Eine kleine Anleitung
Beitrag von: abbeköhl in Dezember 12, 2013, 22:51:24 NACHMITTAGS
Hallo liebe Forums Teilnehmer und Restauratoren,

Da ich schon des Öfteren zum Thema Mikroskopteile lackieren gefragt wurde, habe ich hier eine kurze Erklärung dazu. Dieser Bericht geht auf meine Erfahrung als Autolackierer zurück. Ich bin also nicht auf das lackieren von Mikroskopteilen spezialisiert. Mittlerweile gibt es ja mehrere Lackier-Techiken, wie Tauchen, Fluten, Airless, Airmix, Pulverbeschichtung, verschiedene elektrostatische Verfahren und natürlich das bekannte normale Verfahren mittels Lackierpistole und Kompressor um nur einige zu nennen. Ich möchte hier nur über das normale Verfahren mittels Lackierpistole und Kompressor berichten.

Als erstes möchte ich auf den Unterschied zwischen einer 1-Schicht und 2-Schicht Lackierung eingehen und wie man herausfinden kann um welche von beiden es sich handelt.

1-Schicht Lackierung(1-Schicht Farbe) heisst,,, dass die Farbe und der Klarlack "quasi" eins sind. Durch die Verwendung(Vermischung) von 1-Schicht Bindemittel wird "quasi" der Klarlack ersetzt. Die Farbe muss nicht mehr mit Klarlack überspritzt werden um den gewünschten Glanzgrad und Schutz gegen äussere Einflüsse zu erreichen. Das Bindemittel gibt es in verschiedenen Glanzgradausführungen. Bei einigen Herstellern kann man den Glanzgrad durch den Härter bestimmen, bei anderen wiederum durch Additive(Zusätze). Beim schleifen einer 1-Schicht Lackierung hat der Abrieb(Schleifstaub) auf dem Schleifmittel(Schleifpapier, Schleifpad, etc.) von Anfang an die Farbe der lackierten Teile. So weiss ich ob es sich um eine 1-Schicht Lackierung handelt oder nicht. Die Farbe(oberste Schicht) sollte man möglichst nicht durchschleifen, wenn es nicht unbedingt erforderlich ist. Sonst muss der Untergrund zuerst mit einer Grundierung vor dem eigentlichen Lackieren wieder isoliert(vorgespritzt) werden. Wenn man dass nicht macht, kann es zur  es zur Abstossung der neuen Lackierung kommen. 1-Schicht Lackierungen sind nicht so heikel wie 2-Schicht Lackierungen, was die Vorbereitung des Untergrundes(Schleifkratzer) betrifft. Zudem gibt es weniger Arbeit beim spritzen, weil die zusätzliche Lackierung mit Klarlack entfällt.

2-Schicht Lackierung(Farbe/Basislack und Klarlack separat) heisst, dass die Farbe(da spricht man dann von dem Basislack) und der Klarlack nicht eins sind. Die Farbe(Basislack) muss  anschliessend mit Klarlack überspritzt werden(welcher auch in verschiedenen Glanzgraden erhältlich ist), um den gewünschten Glanzgrad und den Schutz gegen äussere Einflüsse zu erreichen. Beim schleifen hat der Abrieb(Schleifstaub) auf dem Schleifmittel zuerst eine weisse Farbe(das ist der Klarlack) und nimmt erst später wenn man den Klarlack durchgeschliffen hat, die Farbe(Basislack)  der Teile an. Den Klarlack sollte man möglichst nicht durchschleifen, wenn es nicht unbedingt erforderlich ist. Sonst muss der Untergrund zuerst mit einer Grundierung vor dem eigentlichen Lackieren wieder isoliert(vorgespritzt) werden. Wenn man dass nicht macht, kommt es ziemlich sicher zur Abstossung der neuen Lackierung. Also Vorsicht beim schleifen. 2-Schicht Lackierungen sind heikel was die Vorbereitung des Untergrundes(Schleifkratzer) betrifft, weil der Basislack eine schlechte Füllkraft besitzt. Zudem gibt es mehr Arbeit beim spritzen, weil es eine zusätzliche Lackierung mit Klarlack erfordert. Eine 2-Schicht Lackierung hat andere Vorteile, ist aber wenn es um Mikroskope geht meiner Meinung nach nicht relevant. Für Mikroskope und deren normal beanspruchten Teile würde ich eine "1-Schicht" 2K(Komponenten) Acryl-Autolack Lackierung vorziehen. Jeder der ein Auto hat, sollte selber abschätzen können ob Autolack seinen Anforderungen und Ansprüchen für die normalen Mikroskopteile genügt. Soviel zu 1-Schicht und 2-Schicht Lackierungen.

Zur Vorbereitung einer "1-Schicht" 2K(Komponenten) Acryl-Autolack Lackierung....
Die Mikroskopteile mit einem Schleifpad als Schleifmittel (600er Körnung) schleifen, z.B. von Scotch, die gibt es in drei Farben,,, Grün, Weiss, Rot. Davon nimmt man für eine 1-Schicht Lackierung den roten. Nicht durchschleifen, falls es nicht unbedingt erforderlich ist ! Das kann zu Problemen mit der neuen Lackierung führen. Einfach anschleifen bis die Lackierung im Vergleich zu vorher richtig matt erscheint. Sollte man beim schleifen aus welchen Gründen auch immer, auf die unteren Schichten(Füller, Grundierung, etc.) oder das Metall durchgekommen sein, muss man vor dem lackieren mit 2K(Komponenten) Epoxidharzgrundierung grundieren(isolieren). Der Vorteil von Schleifpads ist, dass sie die Teile besser umschmiegen(sich anpassen). Mann kann sie zum "Trocken-Schleifen" nehmen(ohne Wasser), oder zum "Nass-Schleifen"(mit Wasser,,, Vorsicht). Durch die spezielle Oberflächenstruktur können sie mehr Schleifstaub aufnehmen. Man kann sich vorstellen, dass es beim schleifen von Mikroskopteilen von Vorteil sein kann, wenn man ohne Wasser und mit wenig Staub auskommt. Wenn es sich aber um Teile handelt, bei denen es kleine Spalten und Vertiefungen gibt, kann man diese Stellen immer noch mit einem Nassschleifpapier(600er Körnung) trocken oder nass(Wasser=>Vorsicht) schleifen. Wenn man mit einem Nassschleifpapier trocken schleift, trägt es einfach schneller Schleifstaub auf, wass die Schleifwirkung reduziert und die Gefahr von Schleifkratzern erhöht. Wichtig: Farbige Schleifwasser-Rückstände nach dem nass schleifen zu entfernen kann mühsam sein, vor allem wenn es eingetrocknet ist.

Falls es sich beim Mikroskop um eine 2-Schicht Lackierung handelt, denn Klarlack nicht durchschleifen falls es nicht unbedingt erforderlich ist ! Das kann zu Problemen mit der neuen Lackierung führen. Den Klarlack nur anschleifen bis der Klarlack richtig matt erscheint im Vergleich zu vorher. Auch hier gilt,,, sollte man beim schleifen aus welchen Gründen auch immer, auf die unteren Schichten(Basislack/Farbe, Füller, Grundierung, etc.) oder das Metall durchgekommen sein, muss man vor dem lackieren mit 2K(Komponenten) Epoxidharzgrundierung grundieren(isolieren). Das weitere Vorgehen ist wie bei der 1-Schicht Lackierung.
In Ausnahmefällen kann es sein, dass man nach dem schleifen mit 2K(Komponenten) Epoxidharzgrundierung grundieren(isolieren) muss, auch wenn man nicht durchgeschliffen hat. Erst danach kann die Farbe aufgetragen werden. Das ist dann Materialtechnisch bedingt. Sei es weil es eine zusätzliche Haftbrücke braucht, oder weil die chemische Zusammensetzung von der alten Farbe sich mit der neuen nicht verträgt. Wenn alles nichts bringt, dann gibt es im Zweifelsfalle nur eins,,, runter mit der Farbe bis auf den Untergrund(Metall). Dann die Lackierung neu Aufbauen. Im Zweifelsfalle zuerst an einem kleinen Teil einen Test machen !
Wichtig: Beim schleifen die Staubfiltermaske nicht vergessen !

Zum lackieren.... Wichtig: Beim lackieren die Aktivkohlefiltermaske nicht vergessen ! Hinweise des Material Herstellers beachten !

Zuerst zu den Teilen(eigentlich alle, bis auf den Tisch), welche keinen starken mechanischen und chemischen Einflüssen ausgesetzt sind.
Da würde ich gleich vorgehen wie beim lackieren eines Autos. Denn ich glaube, dass dafür die Qualität eines guten Autolackes von der Beanspruchung her absolut ausreichend ist. Das heisst,,, nach dem schleifen die Teile vorsichtig mit einem feuchten nicht "tropfend nassen" fusselfreien Tuch(Stoff, Papier etc.) mit Antisilikon-Putzmittel reinigen.
Darauf achten dass danach die Teile mit nichts fettigem, öligem,,, wie fettige Hände(Finger) in Berührung kommen. Danach werden die sauberen Teile abgeklebt, da wo es notwendig ist,,, und anschliessend noch einmal mit Antisilikon-Reiniger gereinigt. Anschliessend kann man um ganz sicher zu gehen, dass später keine Fussel in der Lackierung sind, vor dem lackieren das Teil mit einem sogenannten Honigtuch(Staubbindetuch) abstauben. Danach mit der 1-Schicht Lackierung beginnen.
Dazu würde ich normalen "1-Schicht" 2K(Komponenten) Acryl-Autolack nehmen. Denn kann man sich in einem Farben-Fachgeschäft oder in einer Lackiererei anhand des speziellen Bindemittels in dem gewünschten Glanzgrad mischen lassen. Den Härter separat verlangen und erst bei Bedarf vor Ort im richtigen Mischverhältniss dazugeben. Je nach Spritzbedingungen kann man noch Additive(Zusätze) wie Trocknungs-Beschläuniger oder Trocknungs-Verzögerer dazugeben.
Tipp: Bei der ersten Schicht die Farbe nur dünn auftragen, aber nicht zu trocken spritzen. Zu trocken gespritzt heisst,,, pro Schicht zu wenig Farbe aufgetragen(dass heisst,,, die Farbe ist mehr oder weniger nur aufgenebelt), entweder durch zu viel Luft im Verhältniss zum Farbdurchfluss durch die Düse, oder die Viskosität der Farbe ist falsch, oder der Abstand beim spritzen ist zu gross, oder die Spritzbewegung zu schnell, etc. etc.
Dann mit jeder Schicht immer etwas nässer spritzen, aber nicht zuviel, sonst besteht die Gefahr von Tränenbildung(die Farbe läuft und tropft sonst davon). Die Farbe zwischen den einzelnen Spritzgängen immer etwas anziehen lassen. Das Problem ist, dass all diese Massnahmen mit normalen Farb-Spraydosen schwer zu bewältigen sind. Nicht einmal mit den "professionellen" Dosen aus dem SmartRepair Bereich.

Die Teile(Tisch), welche einem starken mechanischen und chemischen Einfluss ausgesetzt sind, würde ich wie folgt mit Farbe lackieren......
Anstatt normalen "1-Schicht" 2K(Komponenten) Acryl-Autolack, würde ich "1-Schicht" 2K(Komponenten) Epoxidharzlack im gewünschten Glanzgrad und Farbton nehmen. Der ist in der Regel ernorm Wiederstandsfähig. Es gibt natürlich noch andere speziell wiederstandsfähige Farben, wie Emaillacke, etc.
Bei 2K(Komponenten) Farben, trocknet die Farbe durch eine Reaktion mit der zweiten Komponente dem Härter durch einen Katalysatoreffekt. Die Temperatur beim trocknen beschläunigt nur die Verdunstung der Lösungs und Verdünnungsmittel. Somit ist der Lack in der Regel nach 45min. bei 55°-60° in der Spritzkabine nach etwas abkühlen staubtrocken. Wenn man von staubtrocken spricht, heisst das, dass kein Staub mehr auf der Farbe klebenbleibt. Mechanisch voll belastbar ist der Lack aber erst nach ein, zwei Tagen. Aushärten tut ein zwei Komponenten Lack aber auch ohne Wärmezufuhr, dauert einfach länger. Ein 1Komponenten Lack hingegen, braucht zum trocknen die Wärme.
Wichtig: Beim lackieren die Aktivkohlefiltermaske nicht vergessen !
Falls keine Möglichkeit zum selber spritzen besteht, würde ich einen Lackierer fragen, was es kosten würde diese Teile zu spritzen. Die Teile würde ich selber mit einer 600er Körnung schleifen, reinigen und abkleben, damit der Lackierer weniger Arbeit hat, dass kommt dem Preis zugute. Denn Lackierer darf man ruhig darauf Aufmerksam machen, dass es sich um hochempfindliche, teure, Mikroskopteile handelt. Also muss er Vorsicht walten lassen, auch wenn er die Teile vor dem spritzen mit Antisilikon reinigt ist Vorsicht geboten, nicht dass das Antisilikon in alle Ritzen und Öffnungen läuft. Die Teile müssen auch wieder zusammen passen. Je nach Fertigungs-Toleranz der Bauteile darf man dann nicht zuviel Farbe aufragen. Tipp: Die Teile kann der Lackierer ja ""falls sie z.B: Schwarz sind"" wenn er als Auftrag ein schwarzes Auto lackieren muss, zusammen mit dem Auto in der Spritzkabine lackieren, so muss er dir die Kosten für die Spritzkabine nicht verrechnen. ;)

Noch was......
Es gibt Leute die würden eine Lackierung mit normalem Glanzeffekt machen und dann mit einer Schleifpaste polieren, bis der gewünschte Glanzgrad erreicht ist. Vor dem kann ich aber nur abraten. Erstens weil danach auf der aufgerauten Farbe der Schmutz viel besser haften bleibt. Zum zweiten ist es so, dass wenn man einen Schmutzfleck auf der so mattierten Fläche wegputzt, die Stelle danach wieder einen anderen Glanzgrad aufweist als der Rest. Vor allem wenn man stark "gerubelt(gerieben)" hat. Schleifpaste ist nichts anderes als Politur mit Schleifmittel darin. Schleifpaste gibt es auch mit verschiedener Körnung, ist aber für andere Zwecke gedacht, ist hier also nicht von Interesse. Um den gewünschten Glanzgrad zu erreichen muss man mit Mattbinder oder speziellen Zusätzen arbeiten. Die im Baumarkt etc. erhältlichen Farb und Klarlack-Spraydosen haben in der Regel nur die drei typischen "Glanz, Seidenglanz, oder Matt" Effekte zur Auswahl. Es gibt im professionellen Bereich aber noch viele Glanz-Zwischenstufen.

Also ich fasse noch einmal zusammen.......

Die Mikroskopteile mit einem Schleifpad als Schleifmittel(600er Körnung) trocken(ohne Wasser) schleifen.

Danach die Teile mit Antisilikon(nicht zuviel) und einem fusselfreien Tuch/Papier reinigen und trocken reiben. Danach die Teile abkleben(abdecken, falls erforderlich), dann noch einmal mit Antisilikon reinigen und trocken reiben. Zum reinigen braucht es fusselfreie Tücher aus Stoff oder Papier. Um ganz sicher zu gehen, dass nach dem reinigen von den Tücher später keine Fussel in der Grundierung oder Lackierung sind, kann man vor dem lackieren das Teil mit einem sogenannten Honigtuch(Staubbindetuch) abstauben.

Zur Lackierung:
Mikroskopteile die "nicht stark beansprucht" werden, würde ich mit 1-Schicht 2K(Komponenten) Acryl-Autolack(Farbe) mit dem entsprechenden(Glanzgrad) lackieren.

Mikroskopteile die "stark beansprucht"(Mikroskoptisch) werden, würde ich mit 1-Schicht 2K(Komponenten) Epoxidharz-Farbe, oder mit 1-Schicht 2K(Komponenten) Epoxidharz Email-Farbe mit dem entsprechenden Glanzgrad lackieren.

Falls man beim schleifen auf die unteren Schichten oder aufs Metall durchgekommen ist, sollte man vorher mit 2K(Komponenten) Epoxidharz Grundierung grundieren, damit die neue Lackierung nicht abgestossen wird. Oder dass später das Metall nicht zu rosten anfängt und dass die nachfolgende Lackierung eine Haftbrücke hat.

Wichtig: Es gibt natürlich noch andere sehr gute Grundierungen wie Zinkchromat Grundierung, Phosphat Grundierung, etc. Ich würde aber wenn möglich auf diese verzichten. Ich würde im Allgemeinen von ,,Chromaten" haltigen Materialien abraten, da diese sehr gesundheitsschädlich sein können. Man bedenke, dass man sich doch fleissig in der Nähe des Mikroskops befindet. Auch wenn es in der Wohnstube in der Vitrine steht, sollte man sich über die Ausdünstungen im klaren sein. Ich berufe mich auf Materialien die sich seit langem in der Auto-/ Industrie Lackiererei bewährt haben und in der Regel einen Langzeitschutz bieten.

Nachtrag:
Es gibt normale Grundierung(Primer) - Das ist die erste Haftbrücke und Rostschutz, ohne Füllkraft, auf der alle weiteren Schichten aufgebaut werden. Falls nötig kann man dann ein paar Schichten Füller spritzen, um danach zu lackieren. Das wird in der Regel bei sehr starken Unebenheiten gemacht.

Dann gibt es Grundierfüller(Grundierfiller) - Das ist die erste Haftbrücke und Rostschutz, in der Regel mit mittlerer bis guter Füller-Eigenschaft um Unebenheiten zu füllen. darauf kann dann die Lackierung aufgebaut werden. Es handelt sich also um Grundierung und Füller in einem.

Dann gibt es noch den Füller(Filler) - Das ist im Grunde genommen Laienhaft gesagt,,, dickflüssige "Spachtelmasse" zum Spritzen. Benötigt aber vor dem Auftragen eine vorgrundierte Oberfläche. Normaler Füller spritzt man in der Regel nicht auf blankes Metall. in der Regel hat Füller eine sehr gute Füllkraft, um sehr starke Unebenheiten zu füllen. Darauf kann dann die Lackierung aufgebaut werden.

Noch was zu den grossen allerbilligsten Baumarkt-Lackierpistolen ;D

Die billigen grossen Spritzpistolen für so um die 30€, 40€, 50€ sind wenn es um eine gute Lackierung geht, nur bedingt zu gebrauchen. Für Holzlasuren(Gartenzaun, etc.), oder sonstige Hobbybereiche kann man sie gebrauchen. Für Modellbau und andere Bereiche, wo man eine schöne, glatte Oberfläche mit einer schönen Struktur will, würde ich abraten, sogar wenn man sie nur einmal braucht. Man stelle sich vor, man kauft sich für 50 € so ein Teil, und ist dann mit dem Endresultat(Finish) nicht zufrieden. Was machst man dann ? Dann geht man zum Lackierer und zahlst dem noch einmal ein paar Euro. Und wenn man dann noch die Arbeit dazu zählt, bis die schlechte Lackierung zuvor wieder entfernt ist und alles wieder zum neu lackieren vorbereitet ist..... Ich denke dann hätte man besser eine gute gekauft. Für den Gebrauch ist man mit ca. 100€ - max. 150€ dabei. Dann hat man aber was gutes, dass einem bei jedem Gebrauch immer wieder Freude bereitet. ;) Für so kleine Farbmengen würde ich mich für eine kleine Fliessbecher-Lackierpistole(Düsengrösse ca. 1,5mm,,, Becher 100ml) entscheiden,,, keine Saugbecher. Dann kann man auch etwas dickflüssigere Materialien wie Grundierfüller damit verarbeiten. Eine Airbrush-Spritzpistole hat für den Anwendungsbereich eine zu feine Düse, davon würde ich abraten.

Nachtrag: Man sollte beim Kauf einer Lackierpistole darauf achten, dass man die Farbmenge und die Luftmenge einzeln regulieren kann. Es sollte auch die Möglichkeit einer Verstellung des Spritzstrahls von "Rund" auf "Breit" gegeben sein.

Noch ein paar Links zu den Materialien, damit man sich vorstellen kann was ich meine, dass soll keine Werbung sein....

Epoxidharz-Grundierfiller (http://www.autolack-versandhandel.de/oxid.php/sid/9afdea965913bc1c1d49e25885d21dce/cl/details/cnid/6fe48e8673e3dc0b7.29768314/anid/6224913f8512e9ee5.41736241/Mipa-EP-Grundierfiller-1.0L/) Das ist nur ein Beispiel.
Epoxidharzgrundierung (http://www.epiform.de/shop/show_product.php?cPath=61_62&products_id=87&SESS=305a30a547e58a1f8e50b071ae5b52cf) Das ist nur ein Beispiel.
Epoxidharz-Emaillack(Farbe) (http://www.feyco.ch/media/Merkblaetter/5312md.pdf) Das ist nur ein Beispiel.

Scotch Schleifpads,,, Google (http://www.google.ch/search?q=schleifpad+scotch+3m&source=lnms&sa=X&ei=U-6oUsWcOMLGtQa22ID4Cg&ved=0CAYQ_AUoAA&biw=1454&bih=1025&dpr=1#q=scotch+schleifpad&undefined=undefined)

Antisilikon Reiniger,,, Google (http://www.google.ch/#q=Antisilikon+Reiniger&undefined=undefined)
Honigtuch(Staubbindetuch),,, Google (http://www.google.ch/#q=honigtuch&undefined=undefined)

Ein paar Profi-Spritzpistolen Hersteller,,, z.B:
Binks Profi-Spritzpistolen (http://www.binks.com/products/spray-guns) Gehören zu den günstigeren Marken
Devilbis Profi-Spritzpistolen (http://www.devilbisseu.com/de-de/)
Iwata Profi-Spritzpistolen (http://www.anest-iwata.de/default.asp?Area=1)
Sata Profi-Spritzpistolen (http://www.sata.com/index.php?id=lackierpistolenspritzpistolen)
Sagola Profi-Spritzpistolen (http://www.sagola.com/)

Eine "No Name" Alternative, die aber einen brauchbaren Eindruck macht, aber man müsste sie halt zuerst testen können, um sicher zu gehen.
Hobby Spritzpistole (http://www.westfalia-versand.ch/product_info.php?products_id=295576) Etwas in der grösse würde ich kaufen.

Was andere Materialien angeht, die müsste man zuerst testen können, um etwas über deren Anwendung/Verarbeitung und den Finish sagen zu können. Und um die Langzeit Qualität beurteilen zu können, müsste man das lackierte Testobjekt in ein paar Jahren zur Beurteilung untersuchen. Was das angeht wären Erfahrungswerte von Restauratoren über andere Materialien sehr nützlich, da ich unmöglich alles kennen kann. ;) in dem Sinne.....

Herzliche Grüsse aus der Schweiz, Reto B.
Titel: Re: Lackierung von Mikroskopen - Eine kleine Anleitung
Beitrag von: Leopold in Dezember 12, 2013, 23:18:06 NACHMITTAGS
Hallo Reto,

Deine "kleine Anleitung" ist ja eine umfassende Anleitung geworden. (Vielleicht trau ich mich mit dieser Anleitung ja doch mal an meinen arg abgearbeiteten Tisch dran ;)).
Eine Freude zu lesen und mir die einzelnen Schritte vorzustellen.

Herzlichen Dank für die viele Arbeit und Grüezi,
Leopold
Titel: Re: Lackierung von Mikroskopen - Eine kleine Anleitung
Beitrag von: the_playstation in Dezember 12, 2013, 23:48:11 NACHMITTAGS
Hallo Reto,

Danke für die vielen Tipps deiner "kleinen" Anleitung.
Vor allem mit der 2K Epoxy-Grundierung.
Ich war öfter mal frustriert, weil die Farbe nicht recht halten wollte.

Liebe Grüße Jorrit.
Titel: Re: Lackierung von Mikroskopen - Eine kleine Anleitung
Beitrag von: Wilfred Mott in Dezember 13, 2013, 00:53:59 VORMITTAG
Eine schöne und fundierte Anleitung - vielen Dank!
Titel: Re: Lackierung von Mikroskopen - Eine kleine Anleitung
Beitrag von: abbeköhl in Dezember 13, 2013, 01:51:31 VORMITTAG
Guten Abend zusammen,

Es freut mich, dass das Thema auf Interesse stösst, :) Vielen Dank allerseits.
Ich habe was die Lackierpistole und die Grundierung angeht noch einen Nachtrag gemacht.

Herzliche Grüsse aus der Schweiz, Reto B.

Titel: Re: Lackierung von Mikroskopen - Eine kleine Anleitung
Beitrag von: koestlfr in Dezember 13, 2013, 06:37:23 VORMITTAG
Hallo Reto!

Was für ein Erguss! :-))

Tolle Anleitung!

Ciao
Franz
Titel: Re:Lackierung von Mikroskopen - Eine kleine Anleitung
Beitrag von: Frank D. in Dezember 13, 2013, 08:56:38 VORMITTAG
Hallo Reto,

vor einigen Tagen blieb genau dieses Thema bei einem PN-Wechsel in der "Luft hängen", da ich in Sachen Lack und lackieren von Mikroskopteilen völlig grundiert bin. Du lieferst mit Deiner tollen Anleitung genug Licht für die Orientierung. Vielen Dank!

Herzliche Grüße
Frank
Titel: Re: Lackierung von Mikroskopen - Eine kleine Anleitung
Beitrag von: abbeköhl in Dezember 13, 2013, 14:35:34 NACHMITTAGS
Guten Tag zusammen,

Vielen Dank, für den netten Kommentar. :D Ich habe zum Thema Grundierung und Füller noch eine Ergänzung. Ich wollte sie im ersten Thread nachträglich einfügen,,, aber es kahm wieder einmal die lustige Meldung,,,, dass das max. von 20'000 Zeichen erreicht sei. Also füge ich es hier ein ;D....

Nachtrag zur Grundierungen und Füller:

Es gibt normale Grundierung(Primer) - Das ist die erste Haftbrücke und Rostschutz, ohne Füllkraft, auf der alle weiteren Schichten aufgebaut werden. Falls nötig kann man dann ein paar Schichten Füller spritzen, um danach zu lackieren. Das wird in der Regel bei sehr starken Unebenheiten gemacht. Bei der normalen Grundierung kann man, falls davon nicht zuviel aufgetragen wurde, je nach Hersteller ohne anzuschleifen dass nächste Material(Füller oder Farbe) auftragen. Bei anderen Herstellern wiederum, muss man zuerst fein anschleifen(in unserem Fall 600er Körnung). Auch hier gilt wieder,,, nicht durchschleifen, sonst muss man die Stelle wieder neu grundieren. Wichtig: Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass je dicker die aufgetragene Grundierschicht ist, auch der Rostschutz und die Haftung zunimmt. Dem ist nicht so ! Alles weitere vernimmt man vom Hersteller. Im Zweifelsfalle, immer an einem kleinen "Muster" testen.

Dann gibt es Grundierfüller(Grundierfiller) - Das ist die erste Haftbrücke und Rostschutz, in der Regel mit mittlerer bis guter Füller-Eigenschaft um Unebenheiten zu füllen. Darauf kann dann die Lackierung aufgebaut werden. Es handelt sich also um Grundierung und Füller in einem. Der Grundierfüller muss nach der Trocknung natürlich "glatt" geschliffen werden, um eine schöne Fläche und eine gute Haftung für die nachfolgende Lackierung zu gewährleisten. Wenn es sich um eine dicke Grundierfüllerschicht handelt, kann man zuerst mit etwas gröberem Schleifmittel(z.B. 300er Körnung) vorschleifen. Wenn man mit vorschleifen fertig ist, kann in unserem Fall mit einer 600er Körnung anschliessend feingeschliffen werden. Tipp: Vor dem schleifen den auf die Mikroskopteile gespritzten Grundierfüller mit einer handelsüblicher schnelltrocknender 1K Farbe aus dem Baumarkt übernebeln. Wichtig: Nicht soviel Farbe auftragen bis sie deckend ist, die Farbe des Grundierfüllers soll noch durchscheinen. Der Sinn und Zweck dieser Technik ist folgender: Die Farbe setzt sich nicht nur auf der Fläche fest, sonder auch in deren Unebenheiten oder Kratzer, etc. Das hat zur Folge, dass beim abschleifen dieser ""sagen wir mal Färbung dazu"", zuerst die Färbung auf der Fläche(dem höchsten Punkt) abgetragen wird. Danach schleift man immer mehr auf eine glatte Fläche, bis die restliche Färbung auch die in den Vertiefungen, Kratzer, etc. verschwunden ist. So,,, jetzt haben wir schon auf "Glatte Fläche" geschliffen. Jetzt nebeln wir die Teile nochmals ein, damit man mit dem Feinschliff(600er Körnung) die Schleiffkratzer vom vorschleifen beseitigen kann, sonst erreicht man keinen schönen Finish nach der Lackierung. Bei der Wahl der Farbe zum einfärben der Teile vor dem schleifen, sollte man auf folgendes achten. Der Farbton sollte sich so gut wie möglich von dem Farbton des Grundierfüllers und dem der Mikroskopteile unterscheiden lassen, dass erleichtert die Sache ungemein. Wichtig: Beim Grundierfüller darauf achten, dass man nicht durchschleift, sonst muss mit Grundierfüller oder Grundierung die betroffene Stelle wieder vorgespritzt(isoliert) werden ! Alles weitere vernimmt man vom Hersteller. Im Zweifelsfalle, immer an einem kleinen "Muster" testen.

Dann gibt es noch den Füller(Filler) - Das ist im Grunde genommen Laienhaft gesagt,,, "Spachtelmasse" zum Spritzen. Benötigt aber vor dem Auftragen eine vorgrundierte Oberfläche. Normaler Füller spritzt man in der Regel nicht auf blankes Metall. Normalerweise hat Füller eine sehr gute Füllkraft, um sehr starke Unebenheiten zu füllen. Darauf kann dann die Lackierung aufgebaut werden. Der Füller muss nach der Trocknung natürlich "glatt" geschliffen werden, um eine schöne Fläche und eine gute Haftung für die nachfolgende lackierung zu gewährleisten. Wenn es sich um eine dicke Füllerschicht handelt, kann man zuerst mit etwas gröberem Schleifmittel(z.B. 300er Körnung) vorschleifen. Wenn man mit vorschleifen fertig ist, kann in unserem Fall mit einer 600er Körnung anschliessend feingeschliffen werden. Tipp: Vor dem schleifen den auf die Mikroskopteile gespritzten Füller mit einer handelsüblicher schnelltrocknender 1K Farbe aus dem Baumarkt übernebeln. Wichtig: Nicht soviel Farbe auftragen bis sie deckend ist, die Farbe des Füllers soll noch durchscheinen. Der Sinn und Zweck dieser Technik ist folgender: Die Farbe setzt sich nicht nur auf der Fläche fest, sonder auch in deren Unebenheiten oder Kratzer, etc. Das hat zur Folge, dass beim abschleifen dieser ""sagen wir mal Färbung dazu"", zuerst die Färbung auf der Fläche(dem höchsten Punkt) abgetragen wird. Danach schleift man immer mehr auf eine glatte Fläche, bis die restliche Färbung auch die in den Vertiefungen, Kratzer, etc. verschwunden ist. So,,, jetzt haben wir schon auf "Glatte Fläche" geschliffen. Jetzt nebeln wir die Teile nochmals ein, damit man mit dem Feinschliff(600er Körnung) die Schleiffkratzer vom vorschleifen beseitigen kann, sonst erreicht man keinen schönen Finish nach der Lackierung. Bei der Wahl der Farbe zum einfärben der Teile vor dem schleifen, sollte man auf folgendes achten. Der Farbton sollte sich so gut wie möglich von dem Farbton des Füllers und dem der Mikroskopteile unterscheiden lassen, dass erleichtert die Sache ungemein. Beim Füller darauf achten, dass man nicht durchschleift, sonst muss mit Grundierung oder Grundierfüller die betroffene Stelle wieder vorgespritzt(isoliert) werden ! Alles weitere vernimmt man vom Hersteller. Im Zweifelsfalle, immer an einem kleinen "Muster" testen.

Nachtrag: Ich werde bei Gelegenheit noch auf das Thema 2K(Komponenten) Spachtel eingehen. Das Thema Kunststoffteile könnte man auch noch abarbeiten.

Herzliche Grüsse aus der Schweiz, Reto B.