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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: Dünnschliffbohrer in Dezember 20, 2013, 20:14:33 NACHMITTAGS

Titel: Objektführungsapparat weichgekocht.
Beitrag von: Dünnschliffbohrer in Dezember 20, 2013, 20:14:33 NACHMITTAGS
Liebe Mitforisten,

bei mir lag die ganze Zeit ein alter Objektführer von Winkel-(Zeiss) heraum, der bombenfest verharzt war.
Versuche, ihn durch gezieltes Erwärmen mit einem Lötkolben wieder gangbar zu machen, halfen nichts. Die ganze Mechanik war wie fest verschweisst.

Bestimmt 5 mal versuchte ich, das verharzte Fett durch WD40 zu lösen. Ohne den geringsten Erfolg.

Zweimal legte ich das Stück in Benzin in einem alten Kochtopf ein. Trotz eines normal-dicht schließendem Deckels verdunstete das Benzin darin bei niedrigen Außentemperaturen schneller, als das irgendwelcher Schmodder angelöst wurde. Reine Benzinvergeudung.

Danach wurde es mir zu bunt. Das Problem beim Lötkolben ist die schlechte Wärmeübertragung von Kolben auf das Werkstück. Wenn die Wärmeübertragung aber durch ein Wasserbad erfolgt, ist alles viel einfacher. Gesagt, getan, den Apparat in einen Kochtopf, Wasser mit einem Tropfen Spüli darauf, einmal kurz aufgekocht und schnell herausgefischt und jetzt im heissen Zustand  - er trocknete dabei sehr schnell - hin und herbewegt damit sich da beim Erkalten nicht wieder etwas festfressen konnte, und er läuft seither wieder angenehm weich. Zwei weitere Kochwaschgänge, und der schwarzbraune Schmodder auf den vernickelten Halteklammern des Apparates ließ sich im noch heißen Zustand auch abwischen.

Er darf nun seine Arbeit zu Belohnung für die erduldete Behandlung am "Kosmos-Mikroskop C" verrichten, und bekommt zur Sicherheit demnächst noch sein (neues) Fett ab.

Der Topf war allerdings mit einer dünnen Schicht aus harten Kalkseifen überzogen, die sich mit einem Lappen etwas mühsam abrubbeln und nachher noch mit Essigreiniger entfernen ließen. Für Teile, die Optik enthalten, kommt die Vorgehensweise selbstredend nicht in Frage.
Da ich von dieser rabiaten Methode noch nichts gehört hatte, wollte ich sie hier mal kurz vorstellen, ohne die Priorität der Erfindung zu beanspruchen.

- Dünnschliffbohrer
Titel: Re: Objektführungsapparat weichgekocht.
Beitrag von: Kay Hoerster in Dezember 20, 2013, 20:36:00 NACHMITTAGS
Hallo liebe Fettkocher,

eine nicht ganz so rabiate Methode hilft bei meinen festgebackenen Zeiss-Jena Teilen fast immer, wenn die Teile sich nicht durch einfache Zugabe von Bremsenreiniger lösen lassen: Gerade jetzt in der kalten Jahreszeit bietet es sich an, die betreffenden Teile für ein paar Stunden auf die Heizung zu legen, die aufsteigende warme Luft bewirkt Wunder. Auch hier ist der Wärmeübergang großflächiger als beim Lötkolben. So werden bei mir nahezu alle festsitzenden Teile, insbesondere auch die Dioptrientuben der Zeiss-Jena Binos, vorab behandelt. Meist lassen sie sich dann mit ein wenig kontinuierlichem Druck wieder bewegen.

Mit freudlichem Gruß

Kay