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Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: DrLand in Dezember 29, 2013, 15:56:00 NACHMITTAGS

Titel: Problem mit Leitz Mikroskop Stativ IV 1887
Beitrag von: DrLand in Dezember 29, 2013, 15:56:00 NACHMITTAGS
Hallo zusammen,

ich habe kürzlich ein Leitz Mikroskop Stativ IV (a.e. von 1887) erwerben können. Der äußere Zustand entspricht einer musealen Qualität.

Leider ist der innere Tubus für die grobe Scharfstellung in niedrigster Position fixiert und nicht zu bewegen. Das System ist wohl "verbacken".

Das Mikroskop mit dem entsprechend unbeweglichen Tubus ist auf den folgenden Bildern zu sehen:


(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/141463_43402040.jpg)

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/141463_34653181.jpg)


Über Ratschläge, wie man den Tubus gängig bekommen könnte ohne die Zaponierung zu beschädigen wäre ich sehr dankbar.

Gruß Erwin
Titel: Re: Problem mit Leitz Mikroskop Stativ IV 1887
Beitrag von: Hagen v.T. in Dezember 29, 2013, 16:15:52 NACHMITTAGS

Hallo Erwin,

ich hatte mal ein ähnliches Problem - auch mit einem alten Leitz (aber nicht meines).

Zunächst wollte ich (echtes!) Kriechöl immer wieder topfenweise (z.B. mit einem Zahnstocher) bei umgedrehten Mikroskop an/in den Spalt auf- bzw. einbringen. Vorsicht jedoch mit der Zaponierung - das Öl könnte sie angreifen. Mit Kriechöl sind die meisten zu ungeduldig - es muß mehrere Stunden wirken (am besten über Nacht). Wie gesagt: vorsicht ! Ich würde es nicht auf lackierte Flächen bringen - ich hab's aber auch noch nicht ausprobiert.

Mein damaliges Problem lies sich dann doch leichter lösen (und der Tubus auch  ;) ), als ich mit einem Fön (bitte KEINE Heißluftpistole!!!) das Gerät außen etwas über handwarm blies - das reichte damals schon um den Tubus etwas zu lockern, der Rest ging dann durch Hin- und Herdrehen. Achtung: natürlich nicht den Tubus erwärmen und vorsicht mit dem Lack - nicht zu heiß.

Viel Glück !

Nils


Titel: Re: Problem mit Leitz Mikroskop Stativ IV 1887
Beitrag von: Dypsis in Dezember 30, 2013, 01:46:21 VORMITTAG
Hallo Erwin,

der sprituslösliche Lack reagiert auf Öl eigentlich gar nicht. Die Gefahr ist relativ gering, aufpassen würde ich aber wie schon empfohlen dennoch.

Aber noch was anderes:
Ich würde mich fast mein linkes Bein wetten trauen, dass die Kiste eine Zeisskiste für ein VII oder VIIa ist. Ich habe genau die gleiche Kiste mit dem passenden Zeissstativ. Und auch ein IVer Leitz. Die Kisten für die Leitzstative sind deutlich anders. Ich hab natürlich gleich ausprobiert, ob das IVer nicht auch in die Zeisskiste passen würde, siehe da es passt (so ungefähr).
Eigentlich sollten sich die Nummern Deines Stativs und der Kiste unterscheiden?
Würde mich brennend interessieren!

Herzliche Grüße
Thomas
Titel: Re: Problem mit Leitz Mikroskop Stativ IV 1887
Beitrag von: Dypsis in Dezember 30, 2013, 01:53:02 VORMITTAG
...uhps,
ist doch wohl schon spät, jetzt seh ich erst, dass Du die Zeisskiste MIT Mikroskop ja nur als Hintergrund genommen hast.
Ist auch ein schönes Ding, doch eigentlich zu schade als bloßer Hintergrund?!

Halbschlafende Grüße
Thomas
Titel: Re: Problem mit Leitz Mikroskop Stativ IV 1887
Beitrag von: DrLand in Januar 01, 2014, 17:10:03 NACHMITTAGS
Erstmal vielen Dank für die Tips und Respekt bezüglich Deiner Mikroskopkenntnisse!

Im Hintergrund meines Bildes handelt es sich tatsächlich um ein Carl Zeiss Jena Mikroskop Stativ VIIa. Es wurde 1889 ausgeliefert.

Ich habe nun vor den Tubus von außen mit einem Föhn zu erwärmen, und mit einem eisgefülltem Reagenzglas den inneren Tubus abzukühlen.

Das Ergebnis bleibt abzuwarten.

Gruß Erwin
Titel: Re: Problem mit Leitz Mikroskop Stativ IV 1887
Beitrag von: Alfons Renz in Januar 01, 2014, 18:05:50 NACHMITTAGS
Hallo Erwin,

Beim Zerlegen historischer Instrumente ist viel Geduld nötig: Es kann Tage dauern, bis sich die Teile wieder lösen. In Ihrem Fall würde ich das Gerät demontieren, so weit dies möglich ist. Z.B. die Feintriebglocke lösen (mit leichtem Gegendruck gegen die innere Feder!) und den ausziehbaren 23-mm Tubus entfernen und dann nur mit dem Träger und den festsitzenden Rohren arbeiten. In die Längsspalten des Tubus-Klemmrohrs etwas Kriechöl einträufeln, ebenso unten dort, wo die beiden Rohre unten klemmen, und oben am Rändelring des inneren Tubus. Dann die Teile in einen Plastikbeutel einwickeln und auf die warme Heizung legen. Der Zaponlack ist gegen Öl sehr beständig.

Zum Lösen die beiden zu trennenden Röhren jeweils getrennt mit einem Gummiband (z.B. bandnudelbreiten Streifen aus einem Fahrradschlauch geschnitten) dick umwickeln, um den Griff zu erhöhen. Dann die warmen Teile mit sanftem Druck von Hand gegeneinander drehen. Wenn sich die Verkrustung zwischen den beiden Röhren nicht gleich löst, lieber warten. Und vor allem keine Metallzangen o.ä. verwenden. Lieber warten...

Viel Erfolg!

Alfons
Titel: Re: Problem mit Leitz Mikroskop Stativ IV 1887
Beitrag von: DrLand in Januar 22, 2014, 18:28:20 NACHMITTAGS
Hallo Alfons, Thomas und Nils,


zunächst nochmals vielen Dank für Eure Tips zum Lösen meines "festgefressenen" Mikroskoptubus.

Zwischenzeitlich konnte ich durch Erwärmung (Fön), Ölapplikation (Ballistol!) und extrem vorsichtiges Spreitzen (im elastischen Bereich!) des äußeren Tubus mit kleinstem Schraubenzieher über die Schlitze den Tubus lösen.

Er zeigt sich jetzt als wieder einwandfrei gängig.
Bei der Procedur konnte ich beobachten, dass auch das warme Ballistol zu keinerlei Schäden an der Zaponierung geführt hat.

PS: Die Mikroskopschrauben zeigen alle auffallend enge Schlitze, gibt es hierfür spezielle (z.B. Optiker-) Schraubenzieher?

Gruß Erwin
Titel: Re: Problem mit Leitz Mikroskop Stativ IV 1887
Beitrag von: Dypsis in Januar 22, 2014, 19:35:26 NACHMITTAGS
Hallo Erwin,

auf Dein Stativ hatte ich auch mitgeboten. Hätte mir auch gut gefallen!

Nach solchen "dünnen" Schraubenziehern habe ich auch schon verzweifelt gesucht und keine gefunden. Nachdem mir Olaf gesagt hat, dass er auch noch keine gefunden hat, habe ich aufgegeben. Man muss sie sich selbst zuschleifen.

Jetzt hätte ich noch eine Bitte an Dich, könntest Du mir bitte verraten, auf welchem Segment Deiner Objektive die Kennzahl eingraviert ist?
Oder noch besser, könntest Du mir vielleicht Bilder davon schicken? Das wäre klasse!!

Grüße
Thomas