Liebe Pflanzenfreunde,
die Berberitze ist ein immergrüner, dorniger ca. 2 Meter hoher, reich und dicht verzweigter Strauch.
Zur Gattung Berberis zählen rund 500 Arten. Innerhalb der Familie gibt es 14 Gattungen. Verbreitet ist die Berberitze in Mittel- und Ostasien, vor allem in China, sowie in den Anden Südamerikas; wenige Arten im nördlichen und tropischen Afrika (Hochgebirge). Fossil seit dem Oligozän nachgewiesen. Der Beginn des Oligozäns liegt bei etwa 33,9 Millionen Jahren, das Ende wird auf vor etwa 23,03 Millionen Jahren datiert.
Der lat. Name ,,candidulus" bedeutet hübsch weiß.
Bild 01 Schneeige Berberitze (Berberis candidula)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/145502_56953536.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Die Blattoberseite ist glänzend dunkelgrün; unterseits ist das Blatt fast schneeweiß. Dieses erklärt auch den deutschen Namen ,,Schneeige Berberitze".
Quelle: OGG-Bilder , Autor: Alfred Osterloh
Systematik:
Ordnung: Hahnenfußartige (Ranunculales)
Familie: Berberitzengewächse (Berberidaceae)
Gattung: Berberitzen (Berberis)
Art: Schneeige Berberitze
Wissenschaftlicher Name: Berberis candidula
Volkstümliche Bezeichnung: Immergrüne Kissen-Berberitze, Weißliche Berberitze
Bild 02 Tafel im Arboretum Bad Grund im Harz
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/145502_26906067.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Der Strauch stammt aus West-China und wurde 1895 von Père Farges eingeführt.
Père Paul Guillaume Farges (1844 - 1912) war in französischer Missionar und Naturforscher.
Bild 03 Illustration, Schneeige Berberitze (Berberis candidula)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/145502_56000407.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Prof. Dr. Otto Wilhelm Thomé Flora von Deutschland, Österreich und der Schweiz 1885, Gera, Germany
Permission granted to use under GFDL by Kurt Stueber
Quelle: www.biolib.de
Die Blätter der Berberis candidula sind flach, 1,5 bis 3 cm lang, die Ränder nach unten umgebogen. Die hellgelben, einzeln gestielten Blüten sind 5 bis 10 cm lang. Die Blütezeit ist im Mai.
Da sich auf den Blättern häufig rostfarbene Flecken finden, die zu dem gefährlichen Schwarzrost (Puccina graminis) in naher Beziehung stehen, sollte man den Strauch in der Nähe von Getreidefeldern nicht dulden. Im Dritten Reich bekämpfte man aus diesem Grund die Berberitze.
Der Getreideschwarzrost ist heterözisch, das heißt er führt einen Wirtswechsel zwischen dem Getreide und Berberitzengewächsen als Sekundärwirt durch.
Die Rostpilze verursachen jedes Jahr weltweit einen Ernteschaden von mehreren Milliarden Euro.
Aus dem sehr harten, fein faserigem Holz, sowie aus Rinde und Wurzen wird ein gelber Farbstoff ,,Berberin" gewonnen, der zum Gelbfärben von Wolle und Leder verwendet wurde.
Der Strauch enthält Alkaloide und ist giftig.
-3A-Färbung nach Wacker (Acridinrot-Acriflavin-Astrablau)
Arbeitsablauf :
1. Schnitte liegen in 30 % Ethanol.
2. Aqua dest. 3x wechseln je 1 Minute.
3. Vorfärbung Acridinrotlösung 6 Min.
4. 1x auswaschen mit Aqua dest. .
5. Acriflavinlösung (differenzieren bis gerade keine Farbwolken mehr abgehen - Lupenkontrolle) ca. 12 Sekunden !!!.
6. 2 x auswaschen mit Aqua dest..
7. Nachfärbung Astrablaulösung 2 Minute.
Bei der Nachfärbung mit Astrablau eine Mischung aus Astrablau und Acriflavin im Verhältnis 4 : 1 verwendet (blau + gelb = grün).
8. Auswaschen mit Aqua dest. bis keine Farbstoffreste auf dem Objektträger verbleiben.
9. Entwässern mit 2x gewechseltem Isopropylalkohol ( 99,9 % ).
10. Als letzte Stufe vor dem Eindecken Xylol einsetzen.
11. Einschluss in Entellan
Ergebnis :
Zellwände blaugrün bis grün, verholzte Zellwände leuchtend rot, Zellwände der äußeren Hypodermis orangerot, Cuticula gelb, Zellwände der innenliegenden Hypodermis tiefrot.
Fotos: Nikon D5000, die Übersichtsaufnahmen wurde mit ,,MagniFlash" erstellt.
Teil 1: Spross, Querschnitt 30 µm
Bild 04 Übersicht, Spross, Schneeige Berberitze (Berberis candidula)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/145502_58749171.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Bild 05 Vergrößerung aus der Übersicht mit Beschriftung, Schneeige Berberitze (Berberis candidula)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/145502_26235693.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
CU = Cuticula, EP = Epidermis, SK = Sklerenchym , PE = Periderm, RP = Rindenparenchym, PH = Phloem, HB = Hartbast, St = Strahl, XY = Xylem
Bei vielen holzigen Pflanzen wechseln sich im sekundären Phloem (Bast) Weichbast und Hartbast innerhalb einer Vegetationsperiode ab. Hier ist der Hartbast etwas dürftig ausgefallen.
Bei der Berberitze entsteht das Phellogen dicht am Leitbündelgewebe oder direkt im Phloem.
Das Sklerenchym ist totes Gewebe, das durch seine extrem dicken Zellwände zur Stabilität der Pflanze beiträgt (Festigungsgewebe).
Bild 06 Vergrößerung aus der Übersicht , Schneeige Berberitze (Berberis candidula)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/145502_31196562.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Bild 07 Vergrößerung aus der Übersicht , Schneeige Berberitze (Berberis candidula)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/145502_13422119.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Bild 08 Vergrößerung aus der Übersicht mit Beschriftung, Schneeige Berberitze (Berberis candidula)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/145502_26856366.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
RP = Rindenparenchym, PH = Phloem, K = Kambium, XY = Xylem
Bild 09 Vergrößerung aus der Übersicht , Schneeige Berberitze (Berberis candidula)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/145502_54161467.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Bild 10 Vergrößerung aus der Übersicht , Schneeige Berberitze (Berberis candidula)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/145502_57817238.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Bild 11 Vergrößerung aus der Übersicht , Schneeige Berberitze (Berberis candidula)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/145502_58863023.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Bild 12 Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Schneeige Berberitze (Berberis candidula)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/145502_30448230.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 520, Erregerfilter BP 436/10
Bild 13 Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Schneeige Berberitze (Berberis candidula)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/145502_52842714.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 520, Erregerfilter BP 436/10
Teil 2: Blatt, Querschnitt 30 µm
Bild 14 Übersicht, Blatt, Schneeige Berberitze (Berberis candidula)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/145502_9023374.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Bild 15 Vergrößerung aus der Übersicht mit Beschriftung, Schneeige Berberitze (Berberis candidula)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/145502_65429409.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
CU = Cuticula, EP = Epidermis, SPA = Schwammparenchym, SK = Sklerenchym, PH = Phloem, XY = Xylem
Bei geschlossen kollateralen Leitbündeln (kommt bei einkeimblättrigen = monokotylen oder (anderen) krautigen Pflanzen vor) fehlt das Kambium und die Leitbündel sind von einer geschlossenen, sklerenchymatischen Leitbündelscheide umgeben.
Leitbündel sind für den Ferntransport von Wasser, gelösten Stoffen und organischen Substanzen im Spross, von höheren Pflanzen (Gefäßpflanzen) verantwortlich.
Teil 3: Blattdorn, Querschnitt 30 µm
Die hellbraunen Blattdornen der Berberis vulgaris sind dreiteilig und 1,5 bis 2 cm lang. Diese Dornen sind aus umgewandelten Blättern entstanden, in deren Achsen die blättertragenden Kurztriebe stehen.
Dornen sind stets von Leitbündeln durchzogen. Dies unterscheidet sie von den ähnlichen Stacheln, die jedoch als Emergenz nur von Epidermis und Rindengewebe gebildet werden.
Dieser Link zur Nadel-Rose Rosa acicularis zeigt deutlich den Unterschied Dornen – Stacheln:
https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=10381.msg74470;topicseen#msg74470
Bild 16 Übersicht, Blattdorn, Schneeige Berberitze (Berberis candidula)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/145502_4969035.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Bild 17 Vergrößerung, großes zentrales Leitbündel, Schneeige Berberitze (Berberis candidula)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/145502_49636602.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Bild 18 Vergrößerung, Schneeige Berberitze (Berberis candidula)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/145502_24614956.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Bild 19 Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Schneeige Berberitze (Berberis candidula)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/145502_38338155.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 520, Erregerfilter BP 436/10
Bild 20 Auflicht – Fluoreszenzaufnahme, Schneeige Berberitze (Berberis candidula)
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/145502_9225614.jpg) (http://www.fotos-hochladen.net)
Fluoreszenzaufnahmen mit Anregungswellenlänge RoyalBlue mit 455 nm, 3 Watt LED, Sperrfilter LP 520, Erregerfilter BP 436/10
Fazit:
Einen Dorn zu Schneiden hatte ich mir leichter vorgestellt. Das Gewebe ist extrem hart, viele Schnitte sind von der Klinge einfach weggesprungen und irgendwo auf dem Fußboden gelandet.
Ein paar Schnitte konnte ich retten.
In der Fachliteratur ist von behaarten Zweigen die Rede. Diese Haare habe ich nicht gesehen.
Quellen und weiterführende Informationen:
Wikipedia; Freie Enzyklopädie.
Kosmos Baumführer Europa, ISBN: 978-3-440-11741-5
Taschenbuch der Gehölze, ISBN: 978-3-494-01448-7
Lexikon der Baum- und Straucharten, ISBN: 978-3-86820-123-9
Esau, Katherine ,, Pflanzenanatomie" 1969
Raven, Evert, Eichhorn ,,Biologie der Pflanzen", ISBN978-3-11-018531-7
Mit freundlichem Gruß
Hans-Jürgen