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Foren => Mikrofoto-Forum => Thema gestartet von: Manfred Ulitzka in März 01, 2014, 00:53:19 VORMITTAG

Titel: Thrips-Inkluse aus der Kreidezeit
Beitrag von: Manfred Ulitzka in März 01, 2014, 00:53:19 VORMITTAG
Hallo alle!

Mal wieder ein Bernstein-Thrips!

Der zweite Thrips aus der Kreidezeit ist präpariert und fotografiert! Hab ganz schön geschwitzt, da sich dieser Bernstein sehr sehr schlecht schleifen lässt. Er ist viel spröder und brüchiger als Baltischer Bernstein und die hauchdünnen Scheibchen sind selbst in Kunstharz eingebettet wirklich nicht einfach anzufertigen.

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/146159_8157401.jpg)
Thysanoptera-Inkluse männlich (Familie, Gattung und Art bisher unbestimmt, vermutl. neu) in Bernstein aus dem Campanium (Oberkreide, 83.6 bis 72.1 Mio Jahre alt). Körperlänge (ohne Fühler): 0,52 mm (!)

Ich hatte schon einmal ein Tier hier gezeigt vom selben Fundort (siehe: https://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=18255.msg139479#msg139479).
Fundort ist Neuse River, Goldsboro, North Carolina, USA. Die Fundstelle ist relativ unbekannt und geht zurück auf das Campanium (Oberkreide).
Ein Paper, das etwas Aufschluss darüber gibt findet sich hier: http://www.google.de/url?...amp;bvm=bv.57155469,d.Yms.
Victor Krynicki - der Verfasser dieser Publikation - ist auch der Finder dieser Fransenflügler-Inkluse.

Insgesamt gibt es laut Victor vier Thysanopteren-Inklusen von dieser Fundstelle (die anderen beiden bekomme ich noch  ;D). Ich habe mir noch keine Gedanken über die Einordnung der Art gemacht. Art und Gattung sind jedenfalls neu; die Familie vermutlich auch. Mehr lässt sich (vorerst) nicht sagen, das ganze wird aber dieses Jahr noch publiziert, wenn ich die beiden anderen Thysanopteren auch noch habe und viel Literatur gewälzt und Zeichnungen angefertigt habe.

Faszinierend finde ich den Erhaltungszustand, da selbst nach rund 70 bis 80 Mio Jahren jede Borste sichtbar ist! Auch auf der Unterseite sind keine Bläschen oder Trübungen vorhanden, so dass man diese Art wirklich detailliert beschreiben kann. Insbesondere den Hinterrand des Pronotums mit den vielen Borsten finde ich Klasse und die beiden dornartigen Borsten am vorletzten Abdominalsegment.
Die Vorstellung, dass dieser Thrips den Dinosauriern um die Nase geflogen ist, ist doch der Wahnsinn, oder? Ich jedenfalls werde da am Mikroskop immer ganz ehrfürchtig!

Zum Foto:
Objektiv: Nikon M-Plan 20 ELWD. Statt der Okularoptik hatte ich ein Balgengerät (Novoflex) mit Vollauszug und zwei Zwischenringe auf dem Mikroskopstativ montiert um die Vergrößerung des Winzlings hinzukriegen.
Kamera: Canon EOS 70d
Beleuchtung: 2 IKEA Jansjö-Lampen durch Papier als Diffusor  +  schwaches Durchlicht ebenfalls durch Papier als Diffusor. Risse und Verwerfungen im Bernstein erfordern immer einige Versuche bis die Ausleuchtung brauchbar und frei von Spiegelungen ist.
Stack aus 42 Aufnahmen mit Helicon Focus. Photoshop und Nik Sharpener.

Viel Spaß beim Anschauen.

Ich grüße Euch herzlich!

Manfred.

Titel: Re: Thrips-Inkluse aus der Kreidezeit
Beitrag von: HDD in März 01, 2014, 06:01:36 VORMITTAG
Hallo Manfred

Eine wunderbare Arbeit. Wenn man sich das Alter dieser Tierchen vorstellt, kann es einem schon kalt den Rücken runter laufen.
Es ist der Blick in eine Vergangenheit, die wir uns nur in groben Zügen vorstellen können und deren Vielfalt an Leben uns wohl
für immer verschlossen bleibt.
Mit Deinen Arbeiten öffnest Du uns Allen ein kleines Fenter und gewährst uns einen kleinen Blick in diese Zeit. Vielen Dank dafür!

Herzliche Grüße
Horst-Dieter
Titel: Re: Thrips-Inkluse aus der Kreidezeit
Beitrag von: Rawfoto in März 01, 2014, 12:32:20 NACHMITTAGS
Hallo Manfred

Die Arbeit hat sich wieder ausgezahlt, unglaublich was da zu tage tritt. Ist dir wieder super gelungen ...

Schade das nicht auch eine Seitenansicht machbar ist, das würde mich auch noch einmal interessieren. Aber ich weiss, das geht nicht ...

Liebe Grüße aus Wien

Gerhard
Titel: Re: Thrips-Inkluse aus der Kreidezeit
Beitrag von: the_playstation in März 01, 2014, 14:37:09 NACHMITTAGS
Danke Manfred,
Die kleinen Unterschiede zu heutigen Insekten finde Ich sehr interessant. Z.B. die geringere Anzahl der Facetten und der recht kräftige Übergang vom Kopf zum Körper.

Danke für das Zeigen und liebe Grüße Jorrit.
Titel: Re: Thrips-Inkluse aus der Kreidezeit
Beitrag von: TPL in März 01, 2014, 15:11:21 NACHMITTAGS
Hallo Manfred,

danke, dass Du uns an Deinen faszinierenden Entdeckungen teilhaben lässt! Das Bild ist wirklich toll und Deine Gedanken dazu
ZitatDie Vorstellung, dass dieser Thrips den Dinosauriern um die Nase geflogen ist, ist doch der Wahnsinn, oder?
regen meine Phanatsie an: was, wenn die 'Dinos' am Ende der Kreide so genervt waren von diesen schwärmenden Thripsen, dass sie kurzerhand ausstarben... ;).

Herzliche Grüße
Thomas
Titel: Re: Thrips-Inkluse aus der Kreidezeit
Beitrag von: abbeköhl in März 01, 2014, 20:03:41 NACHMITTAGS
Guten Abend Manfred,

Was soll man da noch sagen ausser grandios, super,,, vielen Dank fürs zeigen.

Herzliche Grüsse aus der Schweiz,,,   Reto B.
Titel: Re: Thrips-Inkluse aus der Kreidezeit
Beitrag von: Manfred Ulitzka in März 01, 2014, 23:54:53 NACHMITTAGS
Hallo,

vielen Dank für Euer positives Feedback!

@ Thomas: vielleicht waren die ja damals tatsächlich so nervig wie die heutigen Gewittertierchen in manchen Regionen und haben die Dinos zur Weißglut gebracht! Schöne Vorstellung!

@Jorrit: Für die Thripse trifft das nicht immer zu. Hier gibt es auch heute Arten mit noch viel wenigeren Facetten. Ich habe vor kurzem eine Art von den Seychellen neu beschrieben (Urothrips kobroi) http://www.thrips-id.de/Resources/Ulitzka%20%26%20Mound%20Zootaxa%203755%202014a.pdf der hat gerade mal 8 dorsale und 2 ventrale Facetten pro Auge ... sieht vermutlich recht verpixelt ;D

@ Gerhard: vor kurzem habe ich mal einen rezenten lateral eingestell. Hier der Link: http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=19104.0. Thripse sehen von der Seite schon sehr bizarr aus mit dem nach hinten gerichteten Mundkegel.

Grüße Euch ganz herzlich!

Manfred.