Mikro-Forum

Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: Werner in April 28, 2014, 20:25:47 NACHMITTAGS

Titel: Schneiden mit Küchen-Keramikmesser ?
Beitrag von: Werner in April 28, 2014, 20:25:47 NACHMITTAGS
Hallo liebes Forum!

Beim momentan fast täglichen Spargelschälen ist mir etwas durch den Kopf gegangen...
Ich benutze dafür seit Jahren ein kleines Keramikmesser. Das ist bei weitem schneidenhaltiger sogar als die sonst so geschätzten Japanmesser. Im letzten Jahr hatte ich es einmal mit Diamant abziehen müssen, weil ein unerkannt gebliebenes Familienmitglied damit auf dem Teller geschnitten hatte. Spargelschälen ging danach wieder tadellos - heute auch noch.

Könnte man mit so einem (fabrikneuen) Messer auch brauchbare Dünnschnitte herstellen?

Ich stelle das mal zur Diskussion - ist ja sonst nicht viel los hier...

Gruß   -   Werner
Titel: Re: Schneiden mit Küchen-Keramikmesser ?
Beitrag von: Eckhard F. H. in April 28, 2014, 20:42:43 NACHMITTAGS
Hallo Werner,
mit welchem "Diamant" hast Du das Messer abgezogen? Wie sieht der aus?
Gruß vom diesig-trüben Bodensee
EFH
Titel: Re: Schneiden mit Küchen-Keramikmesser ?
Beitrag von: Werner in April 28, 2014, 21:30:50 NACHMITTAGS
Abgezogen wurde mit einem Diamant-Abziehstein, galvanisch gebunden, ziemlich fein.
Marke DMT (R) - Diamond Machining Technology Inc. Körnung steht keine drauf.
Ist von meinem Bruder, der sammelt Messer.

Gruß   -   Werner
Titel: Re: Schneiden mit Küchen-Keramikmesser ?
Beitrag von: the_playstation in April 28, 2014, 23:26:47 NACHMITTAGS
Hallo.
Meiner persönlichen Meinung nach hat ein Keramikmesser einige Nachteile.
1.) Es lassen sich mit Keramik keine, stabilen, sehr dünnen Klingengeometrien herstellen.
2.) Keramikmesser bestehen aus feinem Keramikpulver, ... Beim Schleifen wird oft keine perfekte glatte Schneide erzeugt, da einzelne Körnchen aus der Bindung gelöst / gerissen werden.
Daher lassen sich Stahlklingen in der Regel, wenn Sie gut gefertigt wurden, schärfer und feiner polieren / herstellen.
Keramikmesser sind zwar (für den Normalbürger) recht scharf. Aber ein gutes Messer aus feinem Stahl mit guter Geometrie ist besser.

Ich kann mir im Moment kein Schärfverfahren vorstellen, daß aus dem Keramikmesser eine höhere Schärfe herausholt.
Ich habe Keramikmesser und Cera-Titan-Messer. Sie kommen nicht an meine guten Stahlmesserklingen herran.
Aber das ist wie gesagt meine persönliche Meinung basierend auf meiner Messersammlung.

Ob die Schärfe für Mikroschnitte, ... ausreicht kann Ich nicht beurteilen.

Liebe Grüße Jorrit.
Titel: Re: Schneiden mit Küchen-Keramikmesser ?
Beitrag von: Herbert Dietrich in April 29, 2014, 10:05:14 VORMITTAG
Hallo Werner,

eine interessante Idee und "Versuch macht kluch!"

Du hast ja so ein Messer, probier's doch einfach mal aus, sehr dünne Klingengeometrien sind doch nicht erforderlich, oder?

Herzliche Grüße
Herbert
Titel: Re: Schneiden mit Küchen-Keramikmesser ?
Beitrag von: Werner in April 29, 2014, 11:30:03 VORMITTAG
... ich trau´mich nicht...
Da ich kaum persönliche Erfahrung mit Dünnschnitten habe, könnte ich da sehr schnell auf dem Holzweg landen...
Obwohl ein Holzweg immer noch besser ist, als durch den Baaz stapfen zu müssen - eigentlich ein blöder Spruch.

Das war mehr für einen bewährten "Schnibbler" gedacht, der das dann besser beurteilen kann.

Gruß   -   Werner
Titel: Re: Schneiden mit Küchen-Keramikmesser ?
Beitrag von: Eckhard F. H. in April 29, 2014, 11:38:50 VORMITTAG
ZitatObwohl ein Holzweg immer noch besser ist, als durch den Baaz stapfen zu müssen

Klaro! Ist auch meine Devis. Ein Mißerfolg ist immer noch besser als gar keiner.  ;D
Gruß - EFH
Titel: Re: Schneiden mit Küchen-Keramikmesser ?
Beitrag von: the_playstation in April 29, 2014, 12:21:02 NACHMITTAGS
Hallo Werner,
Als wissenschaftlicher Test, ob es überhaupt ausreichend funktioniert, ist es sicherlich interessant.
Wenn es um die Frage geht, was besser ist bzw mit welchem Material man ein besseres Ergebnis erreicht, würde Ich Keramik als Klingenmaterial nicht in Erwägung ziehen.

Das ist ähnlich wie im Thread Lupen, Billigmikroskope oder PC-Sicherheit. Wenn man für das selbe Geld eine Lupe mit echter Achromat oder Triplet(t) Linse bekommt. Warum eine Lupe mit einfacher Linse kaufen?

In diesem Fall: Warum eine Keramikklinge verwenden, mit einem schlechteren Keilwinkel, einer dickeren Geometrie und einer gröberen Materialstruktur, wenn man eine Klinge mit spitzerem Schneidkeilwinkel, ohne Phase und mit feinerer Materialstruktur (und daher besserer Schneidleistung) bekommen kann?

Einziger Nachteil, der hier interessant sein könnte ist die Rostempfindlichkeit bzw Rostträgheit von Stahl. Da sich die Rostunempfindlichkeit oft mit der max. erziehbaren Schärfe beißt. Aber es gibt auch Stahlsorten, die Beides gleichzeitig sehr gut hinbekommen.

Ganz allgemein läßt sich sagen, daß man durch die Wahl der Stahlsorte viel mehr Einfluß auf die Eigenschaften hat als bei einer Keramik-Klinge.

EDIT Frage: Was erhoffst Du Dir durch den Einsatz einer Keramikklinge? Eine höhere Standzeit? Härte?

Meine persönliche Meinung aus meiner Erfahrung mit Keramik- und hochwertigen Stahlklingen.

Liebe Grüße, Jorrit.
Titel: Re: Schneiden mit Küchen-Keramikmesser ?
Beitrag von: Bob in April 29, 2014, 20:58:27 NACHMITTAGS
Hallo zusammen,

Werner, ich beneide Dich: Bei uns würde es kein Jahr dauern, dass so ein Messer zum Tellerspalten misbraucht werden würde! Daher haben wir sowas auch nicht. Wenn ich mal was koche, führt mein erster Weg in die Werkstatt zur Schleifmaschine.

Keramik ist ein Oberbegriff für recht unterschiedlich zusammengesetzte Werkstoffe, so dass die Eignung zum Feinschnibbeln sehr unterschiedlich sein dürfte. Praktische Erfahrungen kann ich da leider nicht einbringen.

Ich meinte, dass ich mal gelesen hätte, dass in der Neuzeit noch gelegentlich Obsidian-Messer für besonders feine Schnitte bei Operationen verwendet worden wären. So ein gebrochener hiesiger Feuerstein scheint auch eine sehr scharfe und feinkörnige Schneide zu ergeben.
Hier: http://www.finescience.de
habe ich sowas auch tatsächlich gefunden für schlappe 95€.

Bei meinen Hobeln habe ich ein Modell mit besonders standfestem Eisen: Es ist aus HSS gemacht. Beim Schärfen wird es nie extrem scharf, hält diese etwas eingeschränkte Schärfe dann aber sehr lange.


Viele Grüße,

Bob
Titel: Re: Schneiden mit Küchen-Keramikmesser ?
Beitrag von: Herbert Dietrich in April 29, 2014, 22:12:16 NACHMITTAGS
??? geht's jetzt, oder gehts nicht?
das Pflanzenschnibbeln mit einem Keramik-Messer.

Herzliche Grüße
Herbert
Titel: Re: Schneiden mit Küchen-Keramikmesser ?
Beitrag von: Klaus Henkel in April 29, 2014, 22:29:51 NACHMITTAGS
Zitat von: Herbert Dietrich in April 29, 2014, 22:12:16 NACHMITTAGS
??? geht's jetzt, oder gehts nicht?
das Pflanzenschnibbeln mit einem Keramik-Messer.
Herzliche Grüße
Herbert

Werte Schnippler!

Hiermit bestätige ich verbindlich, daß man mit einem Keramikmesser sehr wohl Pflanzen schneiden kann. Oftmals habe ich Rübenwurzeln, wie Kohlrüben (Wruken), Teltower Rübchen, karotten, Radi, Sellerie etc. damit geschnitten, auch Grüne Bohnen und Rote Bete. Bis meinen Söhnen die ewigen Eintöpfe zu viel wurden. Das Keramikmesser habe ich dann verschenkt, weil es im Vergleich zu den Carbonstahlmessern der Manufaktur Herder in Solingen (Windmühlenmesser) keine Vorteile bot.

Das ist alles sehr problematisch!!

Grüße aus Oberbayern von
KH
Titel: Re: Schneiden mit Küchen-Keramikmesser ?
Beitrag von: the_playstation in April 29, 2014, 22:32:36 NACHMITTAGS
Hallo,
Bei Keramikklingen ist die Qualität leider eine Glückssache. Je nach Hersteller, Schliff, ... Man kann kaum beurteilen, wie fein z.B. die Struktur ist. Ich war aber öfter eher enttäuscht von der Schärfe. Sie war eher mittelmässig. Nicht schlecht aber auch nicht gut. Und Sie sind mir zu empfindlich.

Obsidian ist sehr scharf, was an der Herstellung der Bruchkante / Schneide liegt. Das Schwierige ist, eine saubere gerade Schneide zu bekommen. Und die Klinge ist nicht so hoch belastbar.

Mein Favorit ist immer ein gutes Messer aus sehr gutem Stahl. Es schneidet viel besser und die Schärfe hält länger.
Z.B. Leodamast,DSC-Damast,ZDP189,   VG10,C95 oder ein guter Siliziumfederstahl (deutscher Stahlschlüssel).
Bitte kein 440A, 420J, 440C, ... Eine Klinge (Dünnschliff) mit spitzem Keilwinkel ohne Phase. Gemüse schneidet sich dann quasi von selbst.
Zwilling bietet schöne, dünne Gemüsemesser mit ZDP189 Mittellage an. Der Röslerschäler ist wirklich ziemlich gut. Aber halt ein Schäler.

EDIT: Schneiden tun alle Messer (hoffentlich). Aber halt nicht Alle gut.

Liebe Grüße Jorrit.
Titel: Re: Schneiden mit Küchen-Keramikmesser ?
Beitrag von: Klaus Henkel in April 29, 2014, 22:35:26 NACHMITTAGS
Zitat von: Safari in April 29, 2014, 21:19:49 NACHMITTAGS
Bei uns liegt so ein Keramik Spargelschäler seit ein paar Jahren ungenutzt herum. Nicht weil wir keinen Spargel essen, hier in Franken gibt es sogar sehr guten und die Spargelhöfe sind in der Nähe, sondern weil ich die Keramikklinge nicht so toll fand. Wir verwenden die Sparschäler der Firma Rösle und sind damit sehr zufrieden. Ich finde sie sind schärfer und halten sehr lange. Auch passt der Schäler besser zum Design der anderen Küchengeräte.

Hallo Safari!

Den Rösleschäler nehme ich auch immer. Als der Baden-Klaus Herrmann mal bei mir zu Besuch war und den Rösle-Schäler benützte beim Spargelschälen, ließ er sich sogar zu der Behauptung hinreißen, der Pendelschäler sei wahrscheinlich die bedeutendste Erfindung des Jahrhunderts und ein wahrer Segen für die Menschheit.

So ist es!
KH
Titel: Re: Schneiden mit Küchen-Keramikmesser ?
Beitrag von: Rolf-Dieter Müller in April 30, 2014, 07:02:32 VORMITTAG
Hallo Werner,

über Keramikmesser wurde schon einmal im Mikroskopie-Forum diskutiert und tatsächlich auch an Handschnitten ausprobiert:  http://www.mikroskopie.de/mikforum/read.php?1,15999,16019#msg-16019

Viele Grüße
Rolf-Dieter
Titel: Re: Schneiden mit Küchen-Keramikmesser ?
Beitrag von: the_playstation in Mai 01, 2014, 02:00:55 VORMITTAG
Hallo.
Auch unter der Angst, wegen OT rausgeschmissen zu werden oder eine Verwarnung zu bekommen, will Ich das Thema etwas genauer beleuchten.

Zuerst zu möglichen Klingengeometrien:
(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures004/149364_8772626.jpg)
1.) Ohne Fase mit geradem Keilwinkel: Findet man selten da beim Nachschleifen die komplette Fläche nachgeschliffen werden muß.
Man findet dieses Profil z.B. bei jap. Katana, guten Küchenmessern, ... Sehr scharf bei guter Stabilität.
2.) Fase: Dieses ist die häufigste Geometrie-Form und wird nahezu bei allen Messern verwendet. Bei Alltagsmessern hat die Fase etwa 40 Grad (20 Grad von jeder Seite) Natürlich auch bei allen Keramikmessern. Durch den recht stumpfen Winkel nicht sehr scharf.
3.) Ballig: Einen balligen Schliff findet man bei Äxten, Schwertern, ... Der Grund ist, daß man bei Hiebkontakten mit harten Materialien nicht so viel Klingenmaterial verlieren möchte. Es entstehen dann nur recht kleine Dellen statt tiefen Kerben.
4.) Asymetrische Geometrien findet man bei Scheren oder Messern, die Abhobeln sollen. Dieses ist prinzipiell auch bei Mikrotommessern der Fall, da der noch nicht abgehobelte Teil nicht verändert werden soll (Quetschungen, ...)
5.) Hohlschliff: Wird oft für besonders scharfe Klingen wie Rasiermessern verwendet.

Es gibt natürlich auch jede Menge Mischformen. Z.B. Rasiermesser mit Hohlschliff und einer 20 Grad Fase (10 Grad von jeder Seite). Die Geometie ist maßgeblich für die Schärfe verantwortlich. Aufgrund der geringen Zähigkeit und der Sprödigkeit haben Keramikmesser in der Regel recht dicke Geometrien mit recht stumpfen Keilwinkeln (>40 Grad Fase), um Ausbrüche zu vermeiden. Mit sehr guten, zähen und gleichzeitig harten Stahlsorten lassen sich hingegen wesentlich dünnere Geometrien mit spitzeren Keilwinkeln herstellen.

Der zweite entscheidende Faktor ist die Korngröße. Bei Stahl ist die Größe der Carbide und bei Keramik die Korngröße des verwendeten Pulvers. Je gröber die Korngröße, um so schlechter ist die maximal erzielbare Schärfe. Leider ist die Korngröße bei Keramikklingen sehr oft sehr grob. Moderner pulvermetalurischer Qualitätsstahl (sehr homogen) hat dagegen sehr kleine und feine Carbide. Dadurch ist die maximal erzielbare Schärfe recht hoch.

Der dritte Faktor ist die Zähigkeit und Härte. Beide wirken sich segnifikant auf die Schnitthaltigkeit aus. Dabei bringt eine hohe Härte ohne gleichzeitige Zähigkeit nichts! Wenn z.B. die Keramikkörner oder die Carbide nur lose und schlecht gebunden sind, bröseln Sie einfach herraus. Die Klinge wird trotz ihrer Härte schnell stumpf. Das selbe gilt im übrigen auch für billige Diamantschleifplatten mit schlechter Bindung der Diamanten. Derartige Klingen bekommen ausserdem schnell Ausbrüche. Die Zähigkeit ist daher ein wesentlich wichtigerer Faktor, als man vieleicht denkt.

Ein perfektes Mikrotommesser hat daher einen asymetrischen Schliff mit möglichst kleinem Scheidkeilwinkel und besteht aus einem möglichst feinkörnigen, möglichst harten und möglichst zähen Material. Keramik bietet leider nicht die erforderlichen Eigenschaften. Es ist zu empfindlich für z.B. Holzschnitte und oder die Geometrie ist zu dick und zu stumpf. Speziell ausgesuchte Hochleistungsstahlsorten wären hier die richtige Wahl.

Liebe Grüße, Jorrit.
Titel: Re: Schneiden mit Küchen-Keramikmesser ?
Beitrag von: reblaus in Mai 01, 2014, 12:18:47 NACHMITTAGS
Hallo Jorrit -

zu diesem sehr guten Beitrag fehlt noch die korrekte Schreibweise von Fase - eine Phase ist etwas völlig anderes!

Viele Grüße

Rolf
Titel: Re: Schneiden mit Küchen-Keramikmesser ?
Beitrag von: the_playstation in Mai 01, 2014, 13:09:47 NACHMITTAGS
Danke Rolf.
Habe es geändert (man verzeihe meine L-R-Schwäche).
Ein Paar Punkte wie z.B. die Dicke eines Messers habe Ich nicht angesprochen. Je nach Dicke einer Klinge muß Sie sich halt durch das Material "quetschen" und Es verdrängen, ... Daher sind z.B. echte Schwerter (am vorderen Schwingungsknoten (dem idealen Punkt für den Hieb) in der Regel nur ca. 3mm dick und schneiden daher wie ein Lasercutter nahezu ohne Wiederstand. Der Rösleschäler punktet auch durch seine gute Klingengeometrie und der geringen Dicke des Materials. Ein Keramikschäler ist oft grob-dreieckig, zu dick und schält daher nicht wirklich gut. Beim Mikrotom wird die abgehobelte dünne Schicht zum Keilwinkel hin gebogen und dadurch geknickt. Eventuell macht da eine Wechselklinge für weiches und hartes Material Sinn. Eine mit asymmetrischem Hohlschliff und 10 Grad Winkel für weiche Materialien und eine asymmetrische mit geradem 20-25 Grad Winkel für harte Materialien wie Holz, ... Sollte Ich mir mal ein gutes Mikrotom anschaffen, werde Ich mir 2x passende Klingen herstellen. Ich habe passende Stahlplatten in meiner Materialkiste.

OT:
Bei Stahlklingen ist die Härtung entscheidend und eine Wissenschaft für sich. (kleiner Tipp: Die Klinge sollte beim Härten noch stumpf sein und etwa 0,5mm dick an der Schneide sein. Sonst gibt es Härterisse) Für den Feinschliff würde Ich einen Rubinsinterkeramikstab und 2000-6000der Wasser-Schleifsteine (mit weicher Bindung) empfehlen. DMT Diamantplatten (für grobe und mittlere Arbeiten und um die Geometrie oder den Fasenwinkel zu ändern, zu korrigieren oder überhaupt erst zu erzeugen. Für den Feinschliff sind Sie nicht ideal.

Leider gibt es dann "Experten", die trotz mehrfacher Warnung die Schärfe an ihrer Fingerspitze testen und dann darüber entsetzt sind, daß sich ein grösserer Teil ihrer Fingerkuppe nicht mehr am passenden Ort befindet sondern lose hängt oder auf dem Boden gesucht werden muß.

Liebe Grüße Jorrit.
Titel: Re: Schneiden mit Küchen-Keramikmesser ?
Beitrag von: Rolf-Dieter Müller in Mai 01, 2014, 13:54:22 NACHMITTAGS
Hallo Jorrit,

wenn Du möchtest, kannst Du ja noch folgende Grundlageninformationen mit Deinen Überlegungen warum es mit Küchen-Keramikmesser geht oder nicht geht berücksichtigen.

Einmal findest Du auf den Seiten von Klaus Henkel einiges, besonders hier zu Messer-Material und -Geometrie: http://www.klaus-henkel.de/cut-mikrotom.html#mat

Darüber hinaus hat Rudolf Krönung im Skript "Abenteuer Klingen Schärfen" sehr praxisnah alles beschrieben. Die PDF findest Du auf den Seiten des Mikroskopischen Kollegiums Bonn: http://www.mikroskopie-bonn.de/downloads/index.html (letzter Beitrag unter "Anleitungen".

Viele Grüße
Rolf-Dieter
Titel: Re: Schneiden mit Küchen-Keramikmesser ?
Beitrag von: the_playstation in Mai 01, 2014, 14:51:50 NACHMITTAGS
Hallo Rolf-Dieter,
Sehr schöne, kompakte Zusammenfassungen. :) Vor allem die Darstellung der asymmetrischen Geometrien. Mir ist nur ein Punkt aufgefallen, der sich wohl auf käuflich verfügbare Messerklingen bezieht. Bei der Wahl der Stahlsorte würde Ich weitergehen und Bessere verwenden, die weitaus vorteilhafter sind und z.B. statt Glas-Klingen, ... eingesetzt werden könnten. Warum die vielen Nachteile von Glasklingen wie geringere Härte, Sprödigkeit, schnelle Alterung ... in Kauf nehmen? Einzig ein geringer Preis kann hier entscheidend sein. Saphiermesser und Diamantmesser sind natürlich erstklassig. Beruflich habe Ich einige Zeit Saphierklingen in Reinigungsmaschinen eingesetzt. Auch schön, daß dort Keramikmesser wenig Erwähnung finden. Mit Recht.

Rudolf hat in sener PDF 100% Recht, wenn es um normale 0815 Stahlsorten geht. Es gibt allerdings Ausnahmen, wie z.B. rostfreie Stahlsorten mit einen sehr hohen Kohlenstoffanteil. In der Hexenküche der Stahlkocher gibt es viele faszinierende Rezepte, die einem nahezu jeden Wunsch erfüllen. Z.B. Sehr harte, zähe und keinesfalls spröde Stahlsorten. Dann gelten die normalen Grenzen nicht mehr.

Liebe Grüße Jorrit.
Titel: Re: Schneiden mit Küchen-Keramikmesser ?
Beitrag von: Herbert Dietrich in Mai 01, 2014, 17:12:24 NACHMITTAGS
Hallo Jorrit,

das ist doch die Sache: Du fertigst für interessierte Forumsmitglieder das immer scharfe Mikrotommesser zu einem annehmbaren Preis an. Dann sind wir in Zukunft alle Messer-Schleif-Sorgen los und Du kannst unserer Hochachtung und unseres Dankes sicher sein.

Herzliche Grüße
Herbert
Titel: Re: Schneiden mit Küchen-Keramikmesser ?
Beitrag von: Werner in Mai 01, 2014, 17:46:29 NACHMITTAGS
... da muß ich doch mal nachhaken...

Messer für Ultramikrotome sind meines Wissens deshalb aus Glas, weil das homogen ist. (Obsidian ist auch ein Glas). Saphir ist ein Einkristall, auch homogen.
Die Schneide wird durch Brechen erzeugt, wenn sie stumpf ist, bricht man eine neue.
Aber das kann ein Ulktramikrotomanwender genauer sagen.
Keramikmesser bestehen aus hochdruckgesintertem Zirkonoxidschlamm. Die Teilchen schmelzen wegen der Kleinheit komplett auf und es bleibt eine homogene Masse zurück. Eine Körnung ist nicht zu erkennen. Die Härte liegt im Bereich von Saphir.
Beim Stahl sind die feinsten Körner in der Größenordung von 1 µm angesiedelt, das ist aber zu grob, wenn man unter 1 µm schneiden will. Außerdem sind die diversen Kristallite anisotrop, die Härte hängt von deren Orientierung ab. Die besten Messer haben 65 HRC, 68 HRC scheint die obere Grenze zu sein.
Saphir ist dreimal härter.

Zu den Stahlkochern: Wer sind die?
Ich hatte früher in etlichen Stahlwerken zu tun. Spezialisierte waren die DEW in Krefeld und einige "antike" kleinere Hütten in Remscheid und im Sauerland.
Die kochten auch Sonderstähle, Mindestauftragsmenge 50t.
Durch etliche Fusionierungen und Umbenennungen der Hütten verliert man aber den Überblick - die lieferbaren Stahlsorten wurden jedenfalls seit 1970 auf etwa 1/3 gekürzt.
Die alten, wirklich erfahrenen Stahlkocher sind alle in Rente oder verstorben.
Wer liefert also die Sonderstähle und wo bekommt man Datenblätter her?

Die rostfreien Messer aus dem hochgelobten Stahl 1.4034 oder 1.4116 haben mich enttäuscht.
Schneidenhaltig sind nur die alten Messer aus schnell rostendem Kohlenstoffstahl.
Bei den Japanmessern sehe ich auch keinen bemerkenswerten Gebrauchsvorteil.
Was sind bessere Messer und wo bekommt man sie, ohne einen Liebhaberpreis entrichten zu müssen? Einzelanfertigung bei einem Messerschmied/Designer scheidet aus.

Gruß   -   Werner
Titel: Re: Schneiden mit Küchen-Keramikmesser ?
Beitrag von: the_playstation in Mai 01, 2014, 20:28:02 NACHMITTAGS
Hallo Werner.

Die Homogenität ist natürlich ein wichtiger Aspekt.

1.4034 hätte Mich auch enttäuscht. Daher fasse Ich es nicht mit der Kneifzange an. Es gibt aber Firmen, die 1.4034 recht gut vom Härten her im Griff haben. In der Regel sind Sie aber nicht sehr gut. Auch 1.4116 hat einen recht geringen Kohlenstoffanteil. Beide bekommt man auf ca. 54-56 HRC bei geringer Zähigkeit. Ein 1.4034 Messer kann man wunderbar mit einem guten Messer abschaben. ;)

Ich benutze Stahlplatten von einem Schmied aus dem Taunus (ca. 16-18cm x 4-6cm x 4-6mm). Am liebsten Damastplatten aus Wälzlagerstahl, Kugellagerstahl kombiniert mit einem zähen Wolfram-Nickel-Stahl. Härte etwa 68-69 HRC. Er hat eine recht große Auswahl an Stahlsorten. ZDP189 (3% Kohlenstoff und 20% Chrom, rostfrei) kann auch auf max. 68-69 HRC gehärtet werden. Ist aber spröder. Hochlegierte Nickelstähle sind da wesentlich zäher. Die Platten kosten leider ca. 100 Euro pro Stück. Und dann muß man noch ca. 100 Euro für Bandschleifer-Bänder, Diamant- und Korund-Flexscheiben investieren. Alleine das Planschleifen verbraucht in etwa 5-10 Korund-Flex-Trennscheiben (bei komplett weichgeglühten Platten). In der Regel benötige Ich 2x 20ger Korund-Flexscheiben (Pakete) und 20-30x Bandschleifer-Bänder für den Grobschliff. Nach dem Grobschliff geht es zurück zur Härtung und dann wird nachgeschliffen. Das Problem ist die Arbeitszeit und es ist frustrierend, wie Diamant- und Korundflexscheiben kleiner und kleiner werden, ohne das sich etwas an der Klinge tut. Ist man allerdings fertig, dann hat man keine Sorgen mehr mit Sprödigkeit oder zu geringer Härte oder Schnitthaltigkeit. Reine Kohlenstoffstahlsorten sind leider bei geringerer Härte spröder und es gibt schnell Ausbrüche an den Schneiden. Ich erinnere mich da an einem Schnitttest, wo keiner mehr weitermachen wollte, da sich einige ihre Klingen ruiniert hatten. Ich mußte dann alleine weitermachen bis zum Ende. Wenn der Arbeitsaufwand nicht so hoch wäre, würde Ich hochwertige Mikrotomklingen anbieten.

Zu Keramikklingen: Ehrlich gesagt wundert es mich, warum Ich und viele Andere noch nie wirklich scharfe Keramikklingen in der Hand hatten. Im Messerforum sind Keramikklingen auch nicht besonders angesehen. Und die scheuen sich nicht eine Klinge nachzuschleifen, bis Sie zufrieden sind. Zufrieden ist aber kaum Jemand. Liegt es nur an der Geometrie? Vieleicht lege Ich mal eine unter das Mikroskop. ;)

Gute Küchenmesser mit ZDP 189 Mittellage gibt es von Zwilling. Allerdings benutzen Sie (wohl aus rechtlichen Gründen) eine eigene Bezeichnung.
Ansonsten sind alte Kohlenstoffklingen wirklich nicht schlecht. :)

Liebe Grüße, Jorrit.
Titel: Re: Schneiden mit Küchen-Keramikmesser ?
Beitrag von: Klaus Dönnebrink in Mai 01, 2014, 23:42:40 NACHMITTAGS
Guten Abend in die Runde! Meine Erfahrungen sind schon etwas älter ( 2004 ) aber wie ich sehe noch jung genug.
Informationen zu Stahlsorten findet man im "Stahlschlüssel" aus dem Verlag Wegst in Marbach am Neckar.
Auskünfte über Lieferanten erhält man vom Stahlkontor in Düsseldorf.
Sog. Keramikmesser gibt es von sehr unterschiedlichen Lieferanten. Wahrscheinlich ebenso von sehr unterschiedlicher Qualität.
Für meine Versuche hatte ich mir bei Böker eine ungefaßte Klinge von 13 cm Länge bestellt. Der gedachte Vorteil war ein vom Hersteller angebotener kostenloser Nachschleifservice und die helle Farbe. Beim Jung Rotations- Mikrotom sah ich durch die beiden Klemmschrauben die doch bruchempfindliche Klinge in Gefahr, beim HM 40, mit einseitiger Messereinspannung sind bot. Schnitte möglich, an Dünnschnitten habe ich mich nicht versucht.
Da die Messerschneide geschweift ist ,bleibt der Anschnittwinkel nicht konstant und die Schnittdicke variiert . Wer es also besser machen will,  könnte sich eine deutlich längere,  gerade (also ungeschweifte ) Klinge besorgen.
Was bleibt?
Die schnelle und unproblematische Verwendung mit dem Kosmos -Handmikrotom (rausholen , schneiden, abwischen und wegräumen)
Da ich die reelle Bruchgefahr der Keramik- Klinge  nicht kenne, aber selbst der Hersteller davor warnt , sind meine Experimente eine ordentliche Flächenklemmung zu bauen bisher nicht erfolgreich gewesen. Auf jeden Fall ist diese Klinge deutlich handlicher als das alte Kosmos- Rasiermesser.
Titel: Re: Schneiden mit Küchen-Keramikmesser ?
Beitrag von: the_playstation in Mai 02, 2014, 00:43:25 VORMITTAG
Hallo Klaus.
Ja. Der "Stahlschlüssel" ist ein wirklich hilfreiches, kleines Heftchen (in silbernem Plastik gehüllt). Es stehen zwar nicht alle deutschen Stahlsorten drin, z.B. alle militärischen, die dem Waffenkontrollgesetz unterliegen, aber gerade wegen ihrer höheren Zähigkeit und Härte sehr interessant sind. Aber alleine die ganzen Zusatzdaten sind schon das Geld wert.

Liebe Grüße Jorrit.
Titel: Re: Schneiden mit Küchen-Keramikmesser ?
Beitrag von: smashIt in Mai 02, 2014, 02:08:25 VORMITTAG
ein zum thema passendes buch (das jorrit sicher kennt) is Messerklingen und Stahl von Roman Landes (http://www.amazon.de/Messerklingen-Stahl-Technologische-Betrachtung-Messerschneiden/dp/3938711043/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1398988566&sr=8-1&keywords=messer+klingen+stahl)
Titel: Re: Schneiden mit Küchen-Keramikmesser ?
Beitrag von: Werner in Juni 03, 2014, 20:25:50 NACHMITTAGS
Beim Penny-Markt gibt es einen Pendelschäler mit Keramikklinge für 2,99 Euro.
Woanders warscheinlich auch. Funktioniert tadellos!
Und das jetzt, wo die Spargelsaison fast vorbei ist...

Gruß   -   Werner
Titel: Re: Schneiden mit Küchen-Keramikmesser ?
Beitrag von: Herbert Dietrich in Juni 03, 2014, 20:57:22 NACHMITTAGS
Nix da,

Ende ist erst an Johanni, 24. Juni

Herzliche Grüße
Herbert
Titel: Re: Schneiden mit Küchen-Keramikmesser ?
Beitrag von: Klaus Herrmann in Juni 03, 2014, 22:08:24 NACHMITTAGS
Lieber Ost-Klaus,

ZitatAls der Baden-Klaus Herrmann mal bei mir zu Besuch war und den Rösle-Schäler benützte beim Spargelschälen, ließ er sich sogar zu der Behauptung hinreißen, der Pendelschäler sei wahrscheinlich die bedeutendste Erfindung des Jahrhunderts und ein wahrer Segen für die Menschheit.

Und seither habe ich einen und geschätzte 10.000 Stangen damit geschält - und immer nur ich, weil ich das angeblich so perfekt mache! >:(
Das Messer habe ich inzwischen nur einmal nach ca 5 Jahren mit einem japanischen Wasserstein nachgeschliffen.

Andere Frage Wolframcarbid "Widia" ist doch auch Keramik? Da kann ich nur sagen: meine Widiamesser sind sauscharf!
Titel: Re: Schneiden mit Küchen-Keramikmesser ?
Beitrag von: Klaus Herrmann in Juni 03, 2014, 22:10:07 NACHMITTAGS
ZitatEnde ist erst an Johanni, 24. Juni

aber nicht dieses Jahr, durch den frühen Beginn ist jetzt schon weitgehend Schluss!
Titel: Re: Schneiden mit Küchen-Keramikmesser ?
Beitrag von: the_playstation in Juni 03, 2014, 22:35:51 NACHMITTAGS
Hallo,
Schärfe, Schnitthaltigkeit, Elastizität, Zähigkeit und Rostträgheit sind alle relativ. Keramik und Wolframcarbit sind halt sehr spröde und haben so gut wie keine Zähigkeit. Bei Wolframcarbit gibt es auch ein Problem mit dem Nachschleifen. Daher ist eine filigrane Schneide (Schäler) aus Keramik nicht ideal. Oft ein dicker Keil. Vieleicht hat man ja Glück beim Kauf. Vieleicht ist man auch mit dem Ergebnis zufrieden. Ich werde nicht zuschlagen und die 2,99 sparen. Vieleicht bin Ich zu verwöhnt, was Schneiden und Klingen angeht.

Liebe Grüße Jorrit.
Titel: Re: Schneiden mit Küchen-Keramikmesser ?
Beitrag von: Klaus Herrmann in Juni 03, 2014, 22:52:48 NACHMITTAGS
Hallo Wolfgang,

ZitatDeshalb habe ich beschlossen etwas vernünftiges zu werden.

Das hätte ich auch machen sollen, dann wäre ich jetzt so reich wie du! ;) Aber mein Handicap war, dass mich die Chemie fasziniert hat! :D
Titel: Re: Schneiden mit Küchen-Keramikmesser ?
Beitrag von: Herbert Dietrich in Juni 04, 2014, 16:49:32 NACHMITTAGS
Hallo Klaus,

bei uns isch kälter, do wächst der Aperagus scho no a Weile,
bei uns blühen noch die Rhodos und die Rosen fangen gerade erst an.

Herzliche Grüße aus dem
"Naturpark Augsburg westliche Wälder"

Herbert
Titel: Re: Schneiden mit Küchen-Keramikmesser ?
Beitrag von: Bernd Kaufmann in Juni 04, 2014, 16:59:40 NACHMITTAGS
Zitat
Herzliche Grüße aus dem
"Naturpark Augsburg westliche Wälder"

Lieber Herbert,

am Rand der Scheibe ist es immer ein bisschen kälter.  ;D
Titel: Re: Schneiden mit Küchen-Keramikmesser ?
Beitrag von: the_playstation in Juni 04, 2014, 17:19:43 NACHMITTAGS
Hallo,
Falls Ich es mal auf ein Treffen schaffe, nehme Ich mal ein paar meiner Messer mit. Ich hafte aber nicht für Schnittwunden aufgrund von unachtsamen oder achtsamen Berührungen der Schneiden. ;D

Liebe Grüße Jorrit.
Titel: Re: Schneiden mit Küchen-Keramikmesser ?
Beitrag von: the_playstation in Juni 23, 2014, 16:17:09 NACHMITTAGS
Hallo
Heute hatte Ich das "Vergnügen", einen nagelneuen Keramik-Schäler bei ALDI testen zu dürfen. Die Schärfe war gelinde gesagt eine Katastrophe. Von Unterarmhaare rasieren nicht die Spur. Selbst nach 15 Versuchen kein einziges Haar. Eine sehr ernüchternde Erfahrung. Da bleibe Ich lieber bei meinen Hightech-Stahl-Klingen.

Liebe Grüße Jorrit.