Mikro-Forum

Foren => Mikroskopie-Forum => Thema gestartet von: Reinhard in August 22, 2014, 09:19:38 VORMITTAG

Titel: schwarze Zeiss-Achromate
Beitrag von: Reinhard in August 22, 2014, 09:19:38 VORMITTAG
Hallo Freunde,

wie schätzen die Fachleute hier das schwarze 63 von Zeiss ein? Macht diese Brennweite ohne Öl noch Sinn für den normalen Hellfeldbetrieb ?

viele Grüße
Reinhard
Titel: Re: schwarze Zeiss-Achromate
Beitrag von: reblaus in August 22, 2014, 11:19:24 VORMITTAG
Hallo Reinhard -

Pilzleute arbeiten gerne mit trockenen 63ern. Sinnvoll lässt sich deren Apertur (so um die 0,90) nämlich nur ausnutzen, wenn die Deckglasdicke genau stimmt und das Objekt direkt am Deckglas anliegt und das scheint bei der Untersuchung von Pilzsporen relativ unproblematisch zu sein.

Ich war allerdings bei Schnitten und beim Tümpeln in der Regel ziemlich enttäuscht davon, habe allerdings nur eigene Erfahrungen mit (Plan-)Neofluaren 63 und dem Plan-Achromaten 63 mit Deckglasdicken-Korrekturring. Wenn die Dicke nicht stimmt, oder die aufzulösende Struktur etwa tiefer liegt (z.B. bei eingebetteten Schnitten) wird es trübe um die Struktur und ums Herz, das Nachstellen am Korrekturring  ist auch ein unerfreuliches Gefummel.
Beim Achromaten 63 ist eh keine Korrektur möglich, er hat auch nur AP 0,80, also nur wenig mehr als das Neofluar 40/0,75). Da kann man gleich mit dem Optovar 1,6x nachvergrößern.

Ausnahme: Der Plan-Apochromat 40/0,95 160/0,17 Korr. Hier erscheint die maximale Schärfe so klar, dass das Einstellen der Deckglasdicke mit einem kurzen Hin- und Herdrehen erledigt ist und eine Nachvergrößerung mit dem Optovar lohnt sich da immer.

Viele Grüße

Rolf



Titel: Re: schwarze Zeiss-Achromate
Beitrag von: Peter V. in August 22, 2014, 12:02:38 NACHMITTAGS
Hallo Reinhard,

Zitat von: Reinhard in August 22, 2014, 09:19:38 VORMITTAG
Hallo Freunde,

wie schätzen die Fachleute hier das schwarze 63 von Zeiss ein? Macht diese Brennweite ohne Öl noch Sinn für den normalen Hellfeldbetrieb ?

viele Grüße
Reinhard

ja. Ein schönes, aber extrem seltenes Objektiv. Wenn Du es zu einen akzeptablen Preis bekommst, nimm es.

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: schwarze Zeiss-Achromate
Beitrag von: Reinhard in August 22, 2014, 12:35:51 NACHMITTAGS
Hallo Freunde,

ich frage auch deshalb, weil ich mit dem Erwerb meines Phomi III ein Planapo 63 1,4 Öl bekommen habe; dieses zeigte beim "Durchblick" gegen einen hellen (Rö-) Filmbetrachter seltsame zentrale Defekte, so als sei ein "Häutchen" auf einer der Linsen geplatzt sowie seltsame, mehr oder weniger zentrische Farbsäume. Beim Durchblick am GFL läßt es sich nicht wirklich scharfstellen (mit Öl) und ist kein Vergleich mit einem schwarzen 100er (Öl). Kann man hiergegen etwas tun, außer es dem Verkäufer zurückzugeben?


http://www.scieva.com/ZeissPhomiIII/PhomiIII8.jpg
http://www.ebay.de/itm/181489393034?ssPageName=STRK:MEBOFFX:IT&_trksid=p3984.m1427.l2649

viele Grüße
Reinhard
Titel: Re: schwarze Zeiss-Achromate
Beitrag von: Peter V. in August 22, 2014, 12:47:30 NACHMITTAGS
Hallo,

ich versteh das jetzt nicht ganz. Es geht etwas durcheinander. Wovon genau sprichst Du jetzt hier?

Zitatwie schätzen die Fachleute hier das schwarze 63 von Zeiss ein? Macht diese Brennweite ohne Öl noch Sinn für den normalen Hellfeldbetrieb ?

Meinst Du den schwarzen trockenen(!) 63er-Achromaten, den ich meinte?

Was das Ebay-Angebot betrifft: Hoffentlich hast Du nicht zuviel gezahlt... :-\ Ich habe schon oft Angebote dieses Verkäufers gesehen und weder seine Beschreibungen, noch der abgebildete Zustand der Mikroskope machten bisher auf mich einen vertrauenserweckenden Eindruck (und der erste Blick auf den Objektivrevolver bestätigt ja wieder meinen diesbezüglichen Eindruck).
Zudem werden Phomis wesentlich preiswerter gehandelt als es die Größe und "Geschichte" dieses Mikroskopes vermuten ließe.

Das 63er Planapo neigt zur Delamination, es sind vermutlich mehr delaminierte als undelaminierte Objektive im Umlauf. Eine kleine Delamination muss nicht stören, eine stärkere schon. Es kann schon gut sein, dass das Objektiv "hin" ist. Alles ferndiagnostisch schwer zu beurteilen.

Ggf. wäre ein Rückgabe zu überlegen.....
Bist Du denn sonst mit dem Mikroskop bzw. Gesamtkauf zufrieden?

Das kann man aus der Ferne alles schlecht beurteilen - leider.

Ansonsten ist es immer besser, vor dem Kauf zu fragen, wenn man noch nicht so firm in der Mikroskopiewelt ist. Gerne auch per PN.

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: schwarze Zeiss-Achromate
Beitrag von: TPL in August 22, 2014, 12:50:37 NACHMITTAGS
Zitat von: Peter V. in August 22, 2014, 12:02:38 NACHMITTAGS(...) Ein schönes, aber extrem seltenes Objektiv. (...)

...und ein absoluter Klassiker im Zeiss-Programm – auch in schwarz:

(https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/155347_43385481.jpg) (http://s712.photobucket.com/user/tkpletsch/media/DSCF7253_zps3fd1ed10.jpg.html) (https://www.mikroskopie-forum.de/pictures007/155347_33974262.jpg) (http://s712.photobucket.com/user/tkpletsch/media/DSCF7252_zps496e50b6.jpg.html)

Hallo Reinhard,

der 63er Achromat ist ein gutes Objektiv. Keine Spitzenklasse, aber eben richtig gut. Und im Gegensatz zu manch hochgezüchteter Optik gleicher Vergrößerung nicht kaputtzukriegen ;).

Dein Planapo 63/1,4 Öl wird wohl delaminiert sein. Das lässt sich mit vertretbarem Aufwand nicht reparieren und deshalb würde ich es zurückgeben. Der vermeintliche Mangel beim Scharfstellen scheint mir allerdings nicht mit einer Delamination zusammenzuhängen, sondern mit der von Rolf angesprochenen, extrem begrenzten Schärfe und dem sehr kurzen Arbeitsabstand.

Viele Grüße
Thomas

PS: das abgebildete Objektiv steht nicht zum Verkauf.
Titel: Re: schwarze Zeiss-Achromate
Beitrag von: Reinhard in August 22, 2014, 13:26:19 NACHMITTAGS
Hallo Leute,

das war wohl etwas sprunghaft dargestellt. Die erste Frage bezog sich schon auf den schwarzen trockenen Achromaten, den ich wahrscheinlich jetzt als Ersatz für das mit dem Phomi erworbene Planapo 63 suchen werde.
bezügl. Kosten: ich habe das "Ding", natürlich unter Berücksichtigung des angekündigten makellosen Planapo 63 (Öl) und eines ebenso guten Planapo 100 (Öl) für 1200€ (alles incl. ) gekauft.
Was würdet Ihr denken, könnte man für das Planapo 63 (Öl) anteilig zurückfordern?
Die anderen Objektive (incl. Planapo 100) scheinen tadellos. Das Ding selbst ist aus Gewichtsgründen noch nicht "entfaltet".
bezüglich Scharfstellen: mit meinem schwarzen 100 (Öl) geht das problemlos; das Bild vom 63 ist auch sehr "flau".

viele Grüße
Reinhard
Titel: Re: schwarze Zeiss-Achromate
Beitrag von: reblaus in August 22, 2014, 14:24:41 NACHMITTAGS
Hallo Reinhard -

es wäre ein wahres Wunder gewesen, wenn unter den Objektiven am Revolver keine delaminierten gewesen wäre. Man bietet für ein altes, mit edlen Objektiven ausgerüstetes Mikroskop deshalb nur etwa die Hälfte des möglichen Gesamtwerts - ich hatte dir mal so was vorgerechnet.

Peter hat das Problem für das PA 63 schon erläutert und ich vermute, dass eine Delamination, welche schon einem (in dieser Hinsicht) Ungeübten bei direktem Durchblick auffällt, das Teil in einen Briefbeschwerer umwandelt. Wenn du mit geöltem Objektiv nur ein trübes Bild kriegst, liegt das nicht an der Scharfstellung. Aber selbst wenn die Delamination keinen Einfluss auf das Bild hätte, hätte das Objektiv nur noch ein Bruchteil seines Wertes - sagen wir statt rund 300.- etwa 80.-.

Visitiere mal die Kpl 10x/20 Okulare, indem du gegen einen hellen Hintergrund möglichst schräg durchblickst und das Okular drehst  - inspiziere den Rand des Gesichtsfeldes ob da Schatten zu sehen sind. Diese Okular neigen nämlich leider auch zur Delaminiation.

Viele Grüße

Rolf


Rolf
Titel: Re: schwarze Zeiss-Achromate
Beitrag von: Reinhard in August 22, 2014, 14:33:33 NACHMITTAGS
Hallo Rolf,

die sind zum Glück ohne jede Auffälligkeit, wie auch das jetzt stehende Phomi und die übrigen Objektive.Ich werde es noch mit Bildern und weiteren Fragen vorstellen.

viele Grüße und ein arbeitsreiches Wochenende
Reinhard
Titel: Re: schwarze Zeiss-Achromate
Beitrag von: Heiko Kruse in August 22, 2014, 15:36:00 NACHMITTAGS
Hallo, liebe an diesem Gespräch Beteiligte.

Ich habe mein Hund A 63 / 0,85 - 0,17 noch nicht benutzt. Muss ich jetzt alle Pflanzenreste ( Hornkraut ) entfernen, um die entsprechende Nähe meiner Rädertierkolonie zum Deckglas herzustellen?

Muss ich ( und womit ) jedes Deckglas aus meinem Nachlasskauf nachmessen? Ist es so, das selbst die Aufschrift 0,17 nichts über die tatsächliche Dicke des Deckglases aussagt? Ich möchte mir kein Präzisionsmessgerät für Dickemessungen kaufen, darauf haben meines Gläschen keinen Anspruch!  ;D

Heiko
Titel: Re: schwarze Zeiss-Achromate
Beitrag von: rhamvossen in August 22, 2014, 17:24:59 NACHMITTAGS
Hallo,

Es ist schade das die 45 mm Wasserimmersions Objektive nicht so weit verbreitet sind. Für ein Objektiv 60-63 / 0.8-0.85 lohnt sich die Wasser Version wirklich. Ich habe ein Chinesisches 63/0.85 WI (Abgleichlänge leider 35 mm) das ein viel knackigeres Bild gibt als mein Olympus 60/0.85 und mein Leitz 63/0.85. Einen unterschied in Kontrast sieht man schon wenn man ein 40/0.75 und ein 40/0.75 WI mit einander vergeleicht. Ich bin kein grosser Fan von Trockene Objektive mit hohere Apertur. Ich denke ab Apertur 0.70 kann man am besten immergieren. Leider muss es dan meistens mit Oel sein.

@ Thomas

Das gezeigte Zeiss-Winkel Objektiv finde ich wirklich interessant. Ist es ein Objektiv aus diese Reihe?

http://www.mikroskopie-forum.de/index.php?topic=17176.0

In die Zeiss-Winkel Brochure hat das silberen 63x ein Apertur von 0.90.  Beste Grüsse,

Rolf
Titel: Re: schwarze Zeiss-Achromate
Beitrag von: ImperatorRex in August 22, 2014, 18:30:41 NACHMITTAGS
Hallo,
mein "Geheimtipp": das Wasserimmersions Objektiv "Lomo 65x1,1  Apochromat". Hatte das Glück diesen von Frank kürzlich zu erwerben.
Mit dem passenden Adapter von "Microthek" leistet es nun ausgezeichnete Dienste wenn es mal "etwas mehr Auflösung" bedarf. Es ergänzt sehr schön die Plan-Neofluar-Multiimmersions-Objektive (was für ein Zungenbrecher!) nach oben hin. Es muss sich hierbei wirklich nicht verstecken, einziges Manko ist der fehlende Objektivschutz.

viele Grüße

Jochen
Titel: Re: schwarze Zeiss-Achromate
Beitrag von: Peter V. in August 22, 2014, 19:15:11 NACHMITTAGS
Hallo,

Der 63/1,4 Planapo. von Zeiss wird zwischen 300 und 400 EUR gehandelt. Wenn er absolut einwandfrei ist und beim privaten Kauf von z.B. Bekannten. Wenn er "hin" ist, dürfte der Wert Null sein. Bei leichter Delamination ohne gravierende Qualitätseinbuße kann man - wie Rolf schon sagte - von Restwerten zwischen vielleicht 50 und 150 EUR ausgehen, je nach Ausmaß des Schadens.

Die KPL-Okulare neigen in der Tat auch extrem zur Delamination.

Meine konkrete Einschätzung in diesem Fall wäre Folgende: Wären alle Objektive einwandfrei und das Mikroskop in jeder Beziehung tadellos, könnte man einen Wert um 1000 bis maximal 1200 EUR annehmen. Ohne das Planapo 63/1,4 denke ich, dass700 - 800 EUR den reellen Ebay-Marktwert darstellen würden. Die 3 Planobjektive sind ja "Allerweltsware", das Planapo 100 dürfte so um die 100 EUR liegen http://www.ebay.de/sch/i.html?_from=R40|R40&_nkw=Planapo+100+Zeiss&_in_kw=1&_ex_kw=&_sacat=0&LH_Complete=1&_udlo=&_udhi=&_samilow=&_samihi=&_sadis=10&_fpos=&LH_SALE_CURRENCY=0&_sop=10&_dmd=1&_ipg=200

Aber - wie man ja weiß: Dinge sind immer soviel wert, wie jemand dafür zahlt. Die Erfahrung lehrt aber, dass Phomis eher "schlecht weggehen" und deshlab das Preisniveau im Vergleich zum Universal oder WL niedrig ist.

Ich meinte mit "meinem" schwarzen 63er Zeiss Achromaten übrigens die letzte Version der Achromaten, da gab es auch einen trockenden 63er.

Herzliche Grüße
Peter




Titel: Re: schwarze Zeiss-Achromate
Beitrag von: Reinhard in August 24, 2014, 13:21:47 NACHMITTAGS
vielen Dank allen für die Einschätzung!
Ich versuche, das beschädigte Apo 63 wieder in die Verfügungsmasse des Verkäufers "einzugliedern".  >:( ;D

Hallo Heiko,
die vermeintlichen Pflanzenreste Deines Hund müssen bei diesem Objektiv unbedingt dranbleiben, sonst stimmt die ganze Berechnung nicht !! ???

viele Grüße
Reinhard
Titel: Re: schwarze Zeiss-Achromate
Beitrag von: Heiko Kruse in August 24, 2014, 13:55:05 NACHMITTAGS
Danke, Reinhard und guten Tag.

Ich sprach ernsthaft von den Pflanzenresten unter dem Deckglas! :D

Eine wirkliche Hilfe war das nicht!

Heiko
Titel: Re: schwarze Zeiss-Achromate
Beitrag von: Detlef Kramer in August 24, 2014, 16:23:21 NACHMITTAGS
Hallo Reinhard,

ein 63 trocken, allerdings in silber, kannst Du gerne von mir bekommen. Wirklich empfehlen kann ich es nicht - nicht weil es nicht i.O. wäre, sondern wegen der weiter oben beschriebenen grundsätzlichen Probleme. Vor kurzem wurde hier schon einmal dargestellt, dass es zwischen den älteren silbernen und den schwarzen Achromaten keine sichtbaren Unterschiede gibt (ich meine natürlich bei der Abbildungsleistung ;D)

Herzliche Grüße
Detlef
Titel: Re: schwarze Zeiss-Achromate
Beitrag von: wilfried48 in August 24, 2014, 22:48:16 NACHMITTAGS
Hallo Reinhard,

ich habe sowohl die silberene als auch die schwarze Variante und kann bestätigen, dass abbildungsmässig praktisch kein Unterschied auszumachen ist.
Gegenüber dem PlanNeofluar 63/0.9 finde ich sogar beide noch einen Tick kontrastreicher. Besser im Kontrast ist nur das normale Neofluar 63/0.9 das allerdings noch seltener ist. Dagegen habe ich sogar mal ein PlanNeofluar hergegeben.
Allerdings bin ich auch der Ansicht, dass wenn man ein 1,6 x Optovar hat man eigentlich mit dem 40/0.75 Neofluar besser bedient ist als mit dem Achromat 63/0.8.

viele Grüsse
Wilfried
Titel: Re: schwarze Zeiss-Achromate
Beitrag von: Reinhard in August 25, 2014, 06:36:48 VORMITTAG
Hallo Freunde,

was würdet Ihr denn von diesem Objektiv/Anbieter halten ?

http://i.ebayimg.com/t/Zeiss-West-Neofluar-x63-1-25-Ph3-Microscope-Phase-Objective-Mikroskop-Objektiv-/00/s/MTYwMFgxMDE2/z/wdwAAOSwh6xTusNM/$_57.JPG
Sorry, scheint nicht zu funktionieren! Es ist ein o.g. Objektiv von einem englischen Anbieter.

viele Grüße
Reinhard
Titel: Re: schwarze Zeiss-Achromate
Beitrag von: talrand in August 25, 2014, 07:38:06 VORMITTAG
Hallo,
Der neue Randolf hängt sich mal hier dran, mit einer Zeiss Achromat 40/0.65 schwarze Serie Geschichte.

Ich verwende für meine Tümpeleien und Wasserproben als 40iger ein Hund Achromat in mattsilbern, war bei meinem Hund Medicus standardmäßig dabei.
Das ist auch ganz sinnvoll, da ich des Öfteren schon mal ein Objektiv einstippe (eintauche in die Brühe) und ich dann ganz froh bin, kein ultrateueres Objektiv zu verwenden.
Nun gab's vor einiger Zeit schwarze Zeiss Objektive bei ebay von einem Anbieter aus Düsseldorf, der offenbar ein oder mehrere Zeiss KF2 aus BW Beständen geschlachtet hatte. Ich hasse diese Ausschlachter, das sind in meinen Augen echte Barbaren oder noch schlimmer, besonders bei "historischen" Modellen.
Ich habe dann so ein 40 0.65er als neu ungebraucht in Originalverpackung erworben für 80€; ich weiß echt nicht ob es zu teuer war. Inzwischen bietet der die Objektive für 145€ an, hat aber noch ein 100er zu 80€ bei ebay stehen.

Doch nun zur weiteren Geschichte: ich habe das Zeiss an meinem Hund Medicus neben das 40iger Hund installiert und an einem Diatomeenpräparat mit Cocconeis pediculus mit 16 - 22 Streifen pro 10my verglichen, sauber geköhlert, die Aperturblende auf 70%, aber auch mit Kreutzblende und schiefer Beleuchtung.
Und was soll ich euch sagen? Die beiden Objektive ziehen in der Auflösung völlig gleich!!
Der Kontrast könnte im Zeiss besser gewesen sein, der Unterschied war jedoch nur marginal!
Gratulation auf alle Fälle!
So, seit wann sind denn die einfachen Hund-Achromate so gut??!!
Fragt sich Randolf
Titel: Re: schwarze Zeiss-Achromate
Beitrag von: Peter V. in August 25, 2014, 08:20:17 VORMITTAG
Hallo,

ich denke, dass sich in der Klasse der Achromaten die modernen Objektive (auch an besseren "China-Mikroskopen") nicht mehr sonderlich unterscheiden, auch nicht von den letzten Achromaten der großen Traditionshersteller. Ich hoffe, keinen Unsinn zu erzählen, meine aber, mich zu erinnern, dass Zeiss vor geraumer Zeit als Ersatz oder zur Aufrüstung für die letzten 160mm-Mikroskope wie das Standard 20/25 Achromate lieferte, die tatsächlich von Hund stammten.
Auch konnte ich seinerzeit keinen grandiosen Qualitätsunterschiede zwischen den letzten Achromaten von Zeiss und denen, die am Müller Biolab verwendet wurden, feststellen.

Zu den 63ern: Ich habe an einen 6-er Revolver vor längerer Zeit einmal testweise trockene 63er verschiedener Hersteller und Korrektionsklassen zum Direktvergleich geschraubt (vom Zeiss Plan-Neofluar über ein Leitz NPL-Fluotar bis hin zum schwarzen Zeiss Achromaten). Ohne jetzt den letzten physikalisch eiwandfreien Auflösungstest durchzuführen, habe ich einfach überprüft, welches Objektiv mir vom Gesamteindruck (wozu neben Planheit ganz maßgeblich auch Farbbrillanz, Kontrast gehört!) am besten gefiel. Das ist natürlich sehr subjektiv, zugegebenermaßen. Und ihr werdet es kaum glauben, welches Objektiv mir in der Summe aller Eigenschaften als einfacher "Allrounder" an einem Standard am besten gefallen hat: Ein mattsilberner SPL 63/0,85 modernerer Bauweise (mir schwarzem Gummi-Noppenring), der aber noch mit WILL gelabelt war. Die dicken "Bomben" der hohen Korrektionsklassen von Leitz und Zeiss haben mir nicht so sehr gefallen, ich fand sie etwas flau. Nun muss ich einschränkend hinzufügen, dass ich nie sicher sagen kann, ob die gebraucht erworbenen Objektive immer tadellos sind. Und vermutlich würde bei einem korrekten Test der "Einzeldisziplinen" (z.B. Auflösungstest) die "dicken Dinger" schon besser abschneiden.
Aus einigen letzten Postings meine ich, herausgelesen zu haben, dass man sich wundert, dass Hund-Achromate im Vergleich zu den letzten Zeiss Achromaten nicht schlechter abschneiden. Wieso eigentlich?

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: schwarze Zeiss-Achromate
Beitrag von: talrand in August 25, 2014, 09:40:57 VORMITTAG
"Aus einigen letzten Postings meine ich, herausgelesen zu haben, dass man sich wundert, dass Hund-Achromate im Vergleich zu den letzten Zeiss Achromaten nicht schlechter abschneiden. Wieso eigentlich?"

Hallo Peter, ja habe mich echt gewundert, weil im Netz ganz andere Kommentare zu den Objektiven von Hund zu finden sind.
Deshalb habe ich mir auch das vermeintlich "bessere" Zeiss gegönnt. Mit oben genanntem Erfolg; na ja, NA 0.65 ist NA 0.65 könntest du da argumentieren!
Was man aber oft liest, ist, dass die Bildfeldebnung bei den einfachen Zeiss- oder Leitz-Achromaten durchaus besser ist, als bei den "China" oder auch anderen Planachromaten.
Meine Leitz EF 10 und 25 0.50 reichen mir allerdings mit SZ 18 bzw 20 Periplan Okularen.

P.S. Die Hund V300 Serie mit dem Medicus, Wilozyt und Vb365 wird in Deutschland gefertigt, bis auf das eigentliche Stativ.
Titel: Re: schwarze Zeiss-Achromate
Beitrag von: Jürgen in August 25, 2014, 10:40:15 VORMITTAG
Guten Morgen,

kurz meine Erfahrung mit den schwarzen Achromaten:

Ich arbeite fast immer mit dem 100er-Öl und habe den schwarzen Achromat durch ein Neofluar ersetzt. Das 40er ist aber weiterhin ein schwarzer Achromat mit der nA 0,85 für Ölimmersion. Das entlockt mir nach dem Einschwenken immer ein aaah oder oooh vor lauter Begeisterung. Super Objektiv!

VG
Jürgen
Titel: Re: schwarze Zeiss-Achromate
Beitrag von: Peter V. in August 25, 2014, 15:18:32 NACHMITTAGS
Hallo,

ZitatHallo Peter, ja habe mich echt gewundert, weil im Netz ganz andere Kommentare zu den Objektiven von Hund zu finden sind.

Ich habe keinen genauen Überblick über die verschiedenen Objektive, die im Laufe der Jahre von Will und Hund verbaut wurden. Ich denke, dass es da aber auch Unterschiede zwischen den verschiedenen "Generationen" gab. Ich weiß auch nicht, ob an den Hund H500/600 stets die gleichen Objektive verbaut wurden wie an den einfacheren "V" oder "Vb"-Modellen.

Mikroskope von Hund waren sicher nie "Highend"-Modelle für die Forschung, sondern bezahlbare solide Gebrauchsmikroskope für Ärzte und Tierärzte und waren/sind dort weit verbreitet, sicher wesentlich verbreiteter als Zeiss, Leitz etc.  Auch heute noch. Dort benötigt man keine Planapos, sondern solide Achromate. In Praxen finden sich vielfach noch vom Vorgänger übernommene, 30 oder 40 Jahre alte Modelle aus der Will-Ära, die weiterhin ihren Dienst versehen.
Wenn man von der Qualität der Optiken spricht, darf man nicht vergessen, dass viele dieser Will-Mikroskope in Praxen etc. über Jahrzehnte durchgeritten und oft wenig pfleglich behandelt wurden. Da hat sicher auch die Optik gelitten. Die Phasenachromate liefern oft im Hellfeld ein nicht befriedigendes Bild, das zwar für die Routinediagnostik absolut ausreicht, den auf "Ästhetik" bedachten Hobbymikroskopiker aber möglicherweise nicht zufriedenstellt.

Aber: Die Will-Mikroskope werden bei Ebay vergleichsweise preiswert gehandelt und sind mechanisch solide. Sie sind sicher keine schlechten Einstiegsgeräte und können selbstverständlich auch mit beliebiger Fremdoptik (160mm) ausgebaut werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass Hund heute noch klaglos Service für uralte Will-Schätzchen leistet und noch über einen reichlichen Ersatzteilfundus verfügt, zudem der Techniker (ich kenne nur den pensionierten Herrn Reinhardt, es soll aber bei seinem Nachfolger ähnlich sein) persönlich ansprechbar ist. Auch für Hobbyisten mit kleinen Problemen.  Viele Teile der aktuellen Mikroskope sind mit den alten Modellen kompatibel.

Herzliche Grüße
Peter
Titel: Re: schwarze Zeiss-Achromate
Beitrag von: JB in August 25, 2014, 15:25:26 NACHMITTAGS
Hallo,

Dass billige Achromate (ich meine nicht Will sondern die chinesischen Objektive fuer 40 Euro) im Vergleich zu den teuren schwarzen Zeiss im Einzelfall ganz gut abschneiden kann auch andere Gruende haben.

Hier ist die Montage von Mikroskopobjektiven mal ganz anschaulich erklaert: http://www.olympusmicro.com/primer/anatomy/objectives.html

Neben dem Design und den Glaesern sind die Qualitaetsmerkmale im wesentlichen:
- Schliff der Linsen
- Montage und Zentrierung in den Linsenfassungen
- Zentrierung des Linsenstapels zur optischen Achse
- Abstaende der Linsenglieder voneinander (sphaerische Aberration!)

Ich denke es ist leicht zu sehen, wie man an jedem der genannten Arbeitschritte Abstriche machen kann und dabei am Ende ein Objektiv fuer 40 Euro 'rauskommt. Da muss es Abstriche zu Qualitaetsobjektiven geben, die seinerzeit 10x so viel gekostet haben. "Es gibt nichts gutes, das man nicht ein wenig schlechter ein wenig billiger herstellen koennte."  ;D

Erstaunlicherweise fuehren solche kleinen Fehler in bestimmten Faellen zu Verbesserungen des Kontrastes von Phasenobjekten. Oft ist das voellig unvorhersehbar, von Objektiv zu Objektiv unterschiedlich, und noch verwirrender, abhaengig von der Ortsfrequenz des Objektes (einige Ortsfrequenzen sind kontrastreich abgebildet, andere bleiben unsichtbar). Siehe Pluta (1988) Band 1

Nur mit rigurosen Tests (Sterntests, Aufloesungstests) laesst sich so etwas nachweisen.

Beyer (Handbuch des Mikroskopie) schreibt dazu (p. 228):
"Denn die primaere Aufgabe des Mikroskops ist es, feine und feinste Objektdetails moeglichst objektgetreu und stark vergroessert wiederzugeben. Das heisst aber andererseits, dass unsichtbare Objekte [gemeint sind Phasenobjekte] auch unsichtbar bleiben. Bei weniger guten Mikroskopen oder auch bei Defokusierung eines guten Mikroskops weicht das Bild aber stark von diesem Idealzustand ab, so dass auch Phasenobjekte, allerdings auf Kosten feinster Einzelheiten, sichtbar werden."

Mit billigen Objektiven betreibt man also eine Art Phasenkontrast. Den gleichen Effekt, schreibt Beyer auch, kann man, mit guten Objektiven, mit schiefer Beleuchtung erreichen.

Jon


Titel: Re: schwarze Zeiss-Achromate
Beitrag von: talrand in August 25, 2014, 22:53:28 NACHMITTAGS
Zitatzudem der Techniker (ich kenne nur den pensionierten Herrn Reinhardt, es soll aber bei seinem Nachfolger ähnlich sein) persönlich ansprechbar ist

Hallo lieber Peter.
Der neue Chef der Technik bei Hund heißt Michael Wagner und ist ein lieber, umgänglicher und Auskunft-freudiger Mensch, wenn er dazu Zeit hat. Er hat mich geduldig bei der Optimierung meines Hund Medicus beraten (Optimierung der Beleuchtung, Macke des Revolvers, Justierung Kondensor, Reinigung der Kollektorlinse und Blende etc. ).
Der Gute hat mich noch mit Justage Rändelschrauben versorgt, da serienmäßig 3mm Inbusschräubchen eingebaut sind, damit die geplante "Klientel" (Ärzte und Co) die werksseitige Justage nicht verstellen kann!
Titel: Re: schwarze Zeiss-Achromate
Beitrag von: Reinhard in August 26, 2014, 07:51:40 VORMITTAG
Hallo Randolf,

dieses schlecht versteckte "Ärztebashing" am frühen Dienstag morgen tut richtig ein bisschen weh ! :(  :(  ;D

Reinhard
Titel: Re: schwarze Zeiss-Achromate
Beitrag von: talrand in August 26, 2014, 10:23:16 VORMITTAG
Oh, so sorry.  ;)
Lieber Reinhard, nimm's bitte nicht so persönlich.
Die Bemerkung stammt auch nicht von mir, sondern wurde mir "durch die Blume" so kolportiert!
Ich hab nix gegen Ärzte, wenn sie ihr Fach verstehen. Ist heutzutage auch nicht mehr so selbstverständlich.
Übrigens, habe selber Ärzte in der weiteren Family bzw. bin mit nem sehr koryphäenhaften Neurologen/Psychologen sehr befreundet!
Nochmals 'tschuldigung

Randolf
Titel: Re: schwarze Zeiss-Achromate
Beitrag von: talrand in August 26, 2014, 12:28:37 NACHMITTAGS
 :D
So lieber Reinhard, ich habe mich entschlossen, du hast einen gut bei Chemikern, ähem, in Rente und aus der Gasebranche stammend. Die mal Mitglied in Arbeitsgruppen der Kommission Reinhaltung der Luft diese VDI Richtlinien gebastelt haben!
(Damit trifft's nicht mehr viele).

Viele liebe Grüße an den Ruheständler...?  ???  8)

Vom Randolf
Titel: Re: schwarze Zeiss-Achromate
Beitrag von: Reinhard in August 26, 2014, 14:52:33 NACHMITTAGS
Hallo Randolf,

mit Ruhestand iss leider noch nich. :'( :(

Gruß an die Chemibranche
Reinhard