Sehr geehrte Expertinnen und Experten,
ich habe ein schönes Zeiss Standard 16 mit Phako Ausstattung erstanden. Zwei Objektive sind mit Strich – gekennzeichnet also für Beobachtung ohne und mit Deckglas geeignet. Zunächst dachte ich der Strich bedeutet nur ohne Deckglas also z.B. zur Untersuchung für Ausstriche geeignet deshalb auch ein 100er Öl NeoFluar Objektiv in dieser Version. Beim lesen in Zeiss Unterlagen entnehme ich aber das diese Objektive auch zur Untersuchung mit Deckglas geeignet sind. Jetzt habe ich ein Objektiv Neofluar 16x mit 0,17 Korrektur und eines mit Strich –. Welches soll ich jetzt behalten? Die Verwendung ohne Korrektur muss doch ein Kompromiss in der Qualität darstellen oder sind das Spitzenobjektive die einfach nur unempfindlich gegen Deckgläser unterschiedlicher Stärke sind? Ich habe gelernt, dass das Deckglas Teil des abbildenden Strahlenganges ist und dass die Objektive für eine spezifische Deckglasdicke gerechnet sind. Wenn es ohne Qualitätsabstriche ohne eine Korrektur ginge warum werden dann nicht nur noch solche Objektive hergestellt? Ich würde mich freuen eine kompetente Antwort zu bekommen.
Mit freundlichen Grüßen
Michael
Hallo Michael,
das 16er mit - ist aber kein Neofluar oder ? Mir ist da nur ein Planobjektiv bekannt, das aber auch nur eine Apertur von 0,32 hat.
Bei 0,3 bis 0,4 ist etwa die Grenze wo sich eine Anwendung mit falscher Korrektur bemerkbar macht.
Wenn du keine extremen Ansprüche an Planarität hast würde ich auf jeden Fall das Neofluar behalten.
viele Grüsse
Wilfried
Hallo Michael,
Da Du ja beide Objektive zur Hand hast schraube sie doch beide an und entscheide dann, welches für dich das geeignete ist.
Beste Grüße
Harald
Hallo Wilfried,
Vielen Dank für die Nachricht. Ja Du hast Recht ich habe das verwechselt. Trotzdem ist mir immer noch nicht klar was der Nachteil der /- Objektive ist da die numerische Apertur ja nicht niedriger zu sein scheint. Ich denke das gerade bei einem 100er Objektiv der Einfluss eines Deckglases ganz entscheidend ist oder?
Hallo Harald,
Auch Danke für Deine Nachricht.
Viele Grüße
Michael
Lieber Michael,
was das 100 : 1 angeht: nein! Diese Objektive, die ja nur mit Öl betrieben werden dürfen, sind als "homogene Immersion" gerechnet. Das heißt: der Konstrukteur ging davon aus, dass alle Medien zwischen Objekt und Objektiv den gleichen Brechungsindex besitzen. Und dann ist es selbstverstädlich völlig Wurscht, ob da etwas Glas dazwischen ist oder nicht.
Herzliche Grüße an die Bergstraße,
Detlef
Zitat von: Detlef Kramer in September 23, 2014, 22:08:49 NACHMITTAGS
was das 100 : 1 angeht: nein! Diese Objektive, die ja nur mit Öl betrieben werden dürfen, sind als "homogene Immersion" gerechnet. Das heißt: der Konstrukteur ging davon aus, dass alle Medien zwischen Objekt und Objektiv den gleichen Brechungsindex besitzen. Und dann ist es selbstverstädlich völlig Wurscht, ob da etwas Glas dazwischen ist oder nicht.
Lieber Herr Kramer!
Seit vielen Jahrzehnten schon gibt es keine homogenen Immersionen mehr. Man hat sich von diesem Prinzip längst verabschiedet. Bei Zeiss Oberkochen schon 1949. Auch in Jena oder Wetzlar wurden keine mehr gebaut, auch dann nicht, wenn die Gravur noch immer HI lautete.
Ganz so einfach ist nämlich das Deckglas-Problem bei Ölimmersionen nicht. Ich zitiere mich jetzt mal selbst: Mikrofibel Seite 176:
Wenn eingangs erwähnt wurde, die Deckglasdicke könne bei der homogenen Immersion im Bereich des Arbeitsabstandes des Objektivs vernachlässigt werden, weil homogene Ölimmersionen gegen Deckglasdickenabweichungen nicht empfindlich sind, so ist das zwar richtig, jedoch nicht uneingeschränkt. Zwar zählt bei Immersionsobjektiven die Gesamtdicke von Einschlußmittel, Deckglas und Ölschicht als Ganzes, und die ist immer gleich dick, wenn das Objektiv richtig fokussiert ist. Doch gilt das streng genommen nur für die homogene Immersion, also wenn Brechzahl und Dispersion für Deckglas, Immersionsöl und Objektivfrontlinse gleich sind. Bei den heutigen Immersionen wird jedoch vom Homogenitätsprinzip nicht mehr Gebrauch gemacht, Brechzahlen und Dispersion unterscheiden sich mehr oder weniger. Wenn das Dickenverhältnis von Einschlußmittel und Deckglas zur Ölschicht stärker zulasten des Immersionsöls geht, wird die Objektivkorrektion zu sehr gestört, das Bild ist dann nicht optimal.Wer an der Grenze der Auflösungsfähigkeit des Immersionsbjektivs mikroskopiert, tut gut daran, das zu beachten.
Wer in Versuchung ist, zu antworten: "Also ich mikroskopiere schon seit 50 Jahren und habe da noch keinen Unterschied bemerkt"!, dem erwidere ich: Eben! Ab 55 Jahren nimmt die Sehschärfe, vulgo Auflösungsfähikeit des menschlichen Auges rapide ab, ab 65 zählt dann jedes Jahr doppelt, ab 70, nun, da schweigen wir lieber.
Auflösungstests sollte man deshalb grundsätzlich junge Leuten bis maximal 20 bis 25 Jahre machen lassen. Ich verwende gerne Öl zwischen Deckglas und Objektivfrontlinse, gelegentlich auch, um es ins Feuer zu gießen.
Beste Grüße!
KH
Lieber Herr Henkel,
vielen Dank für die Aufklärung! Ich dachte, die Aufgabe der homogenen Immersion sei erst später erfolgt. Dennoch gilt aber: die Brechungsindizes von Imm.-Öl und Deckglas sind so ähnlich, dass es unerheblich ist, ob sich da nun 0,17 mm Glas oder Öl über dem Objekt befindet. Und daher auch, zumindest bei den älteren 100 : 1 Objektiven, die Angabe 160/-.
Herzliche Grüße
Detlef Kramer
@ KH
ZitatIch zitiere mich jetzt mal selbst
Das machen sie doch immer??
Rolf
Zitat von: Detlef Kramer in September 24, 2014, 09:14:56 VORMITTAGdie Brechungsindizes von Imm.-Öl und Deckglas sind so ähnlich, dass es unerheblich ist, ob sich da nun 0,17 mm Glas oder Öl über dem Objekt befindet. Und daher auch, zumindest bei den älteren 100 : 1 Objektiven, die Angabe 160/-.
Lieber Detlef,
so kenne ich das auch. Verblüffenderweise gibt es dennoch Immersionsobjektive (z.B. alle meine Nikon-CF-100er), auf denen die übliche Deckglasdicke (0,17 mm) graviert oder gedruckt ist. In dieser Reihe gab es allerdings auch ein Immersions-100er, das ausdrücklich für die Verwendung ohne Deckglas vorgesehen war, das Plan APO 100/1.35 Oil 160/0 NCG (= no cover-glass). Dies hat einen
Arbeitsabstand von o,17 mm.
Herzliche Grüße
Thomas
Hallo -
In der "Optik für Mikroskope" von Zeiss aus dem Jahr 1967 ist für alle Ölobjektive (auch für Achromaten) die Deckglasdicke 0,17 angegeben, auch auf meinen Zeiss-Unendlich-Ölobjektiven der letzten Neunzigerjahre. Das sollte einen Sinn haben, zumal ja Zeiss für deren edlere Typen auch ein Schächtelchen Präzisions-Objektträger zum Preis eines gebrauchten PlanNeofluars anbietet ;D.
Deckglasdicke 0 fand ich in den mir zugänglichen Unterlagen nur bei Auflicht-Objektiven (-EPI-xyz) und bei speziellen starken Trockenobjektiven. Ein Strich findet sich nur bei (Plan)achromaten mit kleineren Aperturen als 0,32, von den Planapochromaten hat nur der 4er einen Strich.
Es ist klar, dass zur Erreichung der angegebenen Objektivdaten alle diese Parameter eingehalten werden müssen.
Aber wieviel Praxisrelevanz hat das? Ich vermute mal, dass da andere Dinge eine weit größere Rolle spielen, wenn z.B: das Deckglas dem Objekt nicht anliegt, ein Öl aus dem Mikroskop-Supermarkt verwendet wird, der Kondensor (wie meist) doch lieber nicht geölt wird oder eh nur eine Apertur von 0,9 hat.
Insofern können wir beruhigt annehmen, dass Michael sein Immersionsobjektiv mit oder ohne Deckglas verwenden kann - egal ob da 0, 0,17 oder - draufsteht und wie alt seine Augen sind. Dafür gibt es ja den Optovar.
Viele Grüße
Rolf
Hallo an Alle,
Vielen Dank für die Stellungnahmen, ich denke es hat sich einiges geklärt. Ich wünsche Allen einen schönen Abend.
Viele Grüße
Michael
Hallo,
Ich habe doch noch eine Referenz fuer die Deckglasstaerkentoleranz von Oelimmersionen gefunden.
http://users.soe.ucsc.edu/~azucena/Dissertation%20Stuff/References/Gibson1992.pdf
Demnach ist die Toleranz fuer ein 100x Objektiv (NA 1.3; designed fuer 170 µm Deckglas; Objekt in Harz eingedeckt): ± 30 µm (140 - 200 µm).
Allerdings war die sphaerische Aberration auch bei groesserer Abweichung (im gesamten getesten Bereich von 110 - 230 µm) noch ertraeglich.
Entsprechend ist bei Objekten in Wasser die Einhaltung der Deckglasdichte bei Objektiven mit noch hoeherer NA (wie beim Planapo 100/1.35) besonders wichtig (!), waehrend ein Plan 100/1.25 recht unempfindlich ist.
Jon